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Vergleich zweier Gedichte von Bertolt Brecht

„Von der Freundlichkeit der Welt“ und "Gegenlied zu „Von der Freundlichkeit der Welt“"

Hausarbeit 2006 12 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsangabe

I. Einleitung

II. Analyse und Interpretation des 1. Gedichtes

III. Analyse und Interpretation des 2. Gedichtes einschließlich des Vergleiches beider Gedichte

IV. Schlussbemerkung

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Der größte Dramatiker des 20. Jahrhunderts.“ So hat Marcel Reich-Ranicki Bertolt Brecht bezeichnet. Jedoch war er auch einer der führenden Lyriker dieser Zeit.

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in eine wohlhabende, bürgerliche Familie hineingeboren. Während seiner Schulzeit bzw. während er studierte, herrschte der 1. Weltkrieg. Er stand dem Krieg kritisch und ablehnend gegen über, was sich deutlich in seinen ersten Werken widerspiegelt.

Bevor er Mitte der 20er Jahre den Kommunismus für sich entdeckte, besaß er eine antikommunistische Denkweise. “Was geht es dich an, wenn die Menschen hungern. Man muss hinaufkommen, sich durchsetzten, ein Theater haben, auf dem man seine eigene Stücke aufführen kann.” So ein Zitat vom jungen Brecht.

Erst nach eingehenden Studien des Marxismus wurde er überzeugter Kommunist ohne jemals in eine Partei einzutreten.

Fortan waren seine Werke von marxistischen Gedanken geprägt. Deswegen musste er 1933 ins Exil gehen. Zuerst ging er nach Skandinavien, später in die USA, wo er wegen seiner kommunistischen Entstellung, die er in den USA nur vorsichtig ausdrückte, Schwierigkeiten bekam. Erst Ende 1948 kehrte Brecht nach Deutschland zurück, wo er am 14. August 1956 starb.

Seine Werke sind unvergessen geblieben. Mit ihnen wollte Brecht die Menschen wachrütteln und die gesellschaftlichen Verhältnisse aufzeigen und ändern.

Doch waren alle seine Werke von den gleichen politischen Gedanken geprägt? Hat sich sein Schreibstil nicht mit der Zeit verändert? Hat sich Brecht literarisch weiterentwickelt? Wenn ja, in wie fern? Und wie kann man das bewerten?

Um diese Fragen zu beantworten vergleiche ich zwei seiner Gedichte, zwischen deren Entstehung mindestens 20 Jahre liegen. Leider hat Brecht bei nur wenigen Werken ein genaues Datum angegeben. Bekannt ist oft nur der geschätzte Entstehungszeitraum.

Die von mir gewählten Gedichte „Von der Freundlichkeit der Welt“, welches Brecht 1927 in seiner Gedichtsammlung „Bertolt Brechts Hauspostille“ unter der Zweiten Lektion: „Exerzitien“ veröffentlichte, und „Gegenlied zu: Von der Freundlichkeit der Welt“, welches er zwischen 1947 und 1956 schrieb, nachdem er beim Sortieren seiner Gedichte auf das Gedicht „Von der Freundlichkeit der Welt“ stieß, erschienen mir am geeigneten. Sie stehen in einer Beziehung zu einander und ihr Entstehungszeitraum weißt eine ausreichende Spanne auf.

Da ich zu diesem Thema keine passende Sekundärliteratur gefunden habe, basieren meine Analysen und Interpretationen ausschließlich auf der Primärliteratur im Kontext zu Brechts Biografie.[1]

II. Analyse und Interpretation des 1. Gedichtes

Das Gedicht „Von der Freundlichkeit der Welt“ wird zur Gedankenlyrik gezählt und handelt von dem allgemeinen Schicksal der Menschen, von seiner Geburt bis zu seinem Tode.

Das Gedicht besteht aus drei Strophen, welche jeweils vier Verse umfassen. Der fünfhebige Jambus, der Anspielungscharakter sowie die Vernachlässigung von Informationsgenauigkeit und Logik weisen auf das Volkslied als Gedichtsform hin. Diese einfache Form sorgt dafür, dass sich das Gedicht beim Leser leichter einprägen kann. Brecht hat eine einfache Satzstruktur sowie Wortwahl verwendet. Dies erleichtert dem Leser ein besseres Textverständnis. Der vorhandene Paarreim sowie die dominanten Enjambements[2] sorgen für einen fließenden Rhythmus. Der verwendete Jambus verleiht dem Gedicht eine gewisse Schwere und Ernsthaftigkeit. Die überwiegend kalten Adjektive wie „kalten“ (Z. 1/9), „nacktes“ (Z. 2), frierend (Z. 3) und die negativen Verneinungen wie „Keiner“ (Z. 5) und „holte euch nicht“ (Z. 6) lassen das Gedicht schwer und erdrückend wirken. Die dynamischen Verben wie „schrie“ (Z. 5), „holte“ (Z. 6) und „geht“ (Z. 10) erschrecken den Leser. Die dunklen Vokale dominieren, wobei sich die harten und weichen Konsonanten die Waage halten.

In der ersten Strophe sowie in der dritten Strophe[3] sind nur männliche Kadenzen vorhanden. Dadurch erhalten diese Strophen einen harten und kalten Ausklang. In der zweiten Strophe sind die weiblichen Kadenzen dominierend. Damit hebt sich diese Strophe von den anderen beiden ab. Die erste und die dritte Strophen wirken wie ein Rahmen, welcher die zweite Strophe umschließt. Da jeweils die erste Zeile der ersten und dritten Strophe gleich ist, wird diese Wirkung noch verschärft. Inhaltlich ist das Gedicht in drei Abschnitte gegliedert, wobei jede Strophe ein Abschnitt für sich ist. In der ersten Strophe geht es um die Geburt des Menschen, in der zweiten um das Wachsen bzw. das Sein des Menschen und in der dritten um den Tod des Menschen. Die Wiederholung der ersten Zeile am Anfang der dritten Strophe verweist auf den ewigen Kreislauf vom Leben und Sterben (alles wiederholt sich).

Betrachtet man den Titel des Gedichtes, so stellt man fest, dass es sich hierbei um eine Personifikation der Welt handelt, welche als Antithese zum Inhalt des Gedichtes steht. Zudem enthält der Titel einen ironischen Unterton, wenn man ihn mit der letzten Zeile es Gedichts in Verbindung setzt.

Die erste Zeile beschreibt die Erde als einen Ort „voller kaltem Wind“ (Z. 1). Der Wind steht oft für Nichtigkeit und Unbeständigkeit.[4] Das Wort „Kalt“ wird oft als Synonym für Gefühllosigkeit und den Tod genommen. Die Erde ist für das lyrische Ich ein lebensfeindlicher Ort, an dem es „unfreundlich“ und alles vergänglich ist. Schon diese erste Zeile zeigt die Antithese zum Titel, bei dem der Leser ein freundlichen und aufmunterten Inhalt erwartet hat. In der zweiten Zeile führt das lyrische Ich seinen Satz fort, wobei klar wird, dass es jemanden anspricht. Mit „ihr“ (Z. 2) spricht es alle Menschen an.

Die Menschen kamen „alle als ein nacktes Kind“ (Z. 2) auf die Erde. Die Adressaten dieser Aussage müssen Menschen sein, die schön aus dem Kinderalter heraus sind, da das lyrische Ich in der Vergangenheit spricht. Da alle gleichermaßen „nackt“ (Z. 2) und „frierend“ (Z 3), im Übertragenden Sinne bloßgestellt und hilflos, auf die Welt kamen, wird an dieser Stelle die Gleichheit aller Menschen von Geburt an aufgezeigt. Die dritte Zeile untermauert diese Deutung zusätzlich, da alle ohne Besitz geboren wurden.

Die erste Freundlichkeit, die den Neugeborenen zuteil wurde, ist, dass ihnen ein „Weib“ (Z. 4) eine „Windel“ (Z. 4) gab. Das lyrische Ich verwendet das unbestimmte Wort „Weib“. Somit ist damit nicht unbedingt die Mutter der Neugeborenen gemeint, sondern irgendeine Frau. Damit fehlt die die Wärme bzw. die Liebe dieser Geste, womit die Freundlichkeit leicht negativiert wird. Es erscheint wie eine Routinehandlung.

Die Windel steht für Schutz und Sauberkeit. Sie ist das zweite Symbol für die Aufnahme eines neuen Menschen in die Gesellschaft.[5]

[...]


[1] Zudem würde das Einbeziehen der Sekundärliteratur den vorgegeben Umfang dieser Hausarbeit übersteigen

[2] Zeile 1-2, 3-4, 5-8, 9-10, 11-12; es sind immer zwei Enjambement pro Strophe

3 mit Ausnahme der Zeile 11

[4] vgl. S.333, „Lexikon der Symbole“ von Udo Becker

[5] Das erste Symbol ist die Namensgebung, die hier nicht erwähnt wird

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640853816
ISBN (Buch)
9783640854042
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168411
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
3,0
Schlagworte
Bertolt Brecht Gedichtsvergleich Freundlichkeit der Welt

Autor

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