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Der Umgang mit der DDR im internationalen System

Hausarbeit 2009 20 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hindernisse der Außenpolitik der DDR
1. Abhängigkeit von der Sowjetunion
2. Die Nichtanerkennungspolitik der BRD und die Hallstein-Doktrin

III. Die Außenpolitik der DDR von 1949 bis 1964/
1. Einbindung in den osteuropäischen Staatenkomplex
a) Allmähliche Integration in den Ostblock bis zur Erlangung der Souveränität am 20. September
b) Bedeutungsgewinn im System des Ostblocks bis zum Freund- schaftsvertrag von
2. Bemühungen um internationale Anerkennung durch die nichtkom- munistischen Staaten
a) Das kapitalistische Europa
b) Arabische Welt und Südasien
c) Afrika

IV. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturangaben

I. Einleitung

Der Umgang mit der DDR im internationalen System der fünfziger und sechziger Jahre wurde weitestgehend durch die Haltung der Blockmächte ihr gegenüber bestimmt. Während in Osteuropa und Asien ein rascher Anschluss an die kommunistischen Staaten im Gefolge der Sowjetunion stattfinden konnte, stellten sich der DDR im Westen weitreichende Hindernisse in den Weg. Abgesehen davon, dass die Westmächte im Zuge des Kalten Krieges ohnehin die Anerkennung eines zweiten, sozialistischen deutschen Staates verweigerten, machte die Regierung der Bundesrepublik auch noch eindeutig klar, dass sie alleine den Anspruch darauf erheben könne, das gesamte deutsche Volk international zu vertreten und wusste diesen Alleinvertretungsanspruch auch wirksam durchzusetzen. Auch eine fortbestehende Abhängigkeit von der Sowjetunion als ehemalige Besatzungsmacht und späterer Hegemon der Warschauer Vertragsorganisation setzten den Möglichkeiten der DDR, Außenpolitik zu betreiben, Grenzen. Trotz dieser Widrigkeiten warb die DDR mit unterschiedlichen, den jeweiligen Verhandlungspartnern angepassten Methoden um Anerkennung. Da ihr die Möglichkeit diplomatischer Beziehungen außerhalb des Ostblocks verwehrt wurde, griff sie auf unterschiedliche Mittel, wie etwa die Errichtung von Handelsvertretungen oder Freundschaftsgesellschaften in den jeweiligen Ländern und das Angebot finanzieller Unterstützung zurück und bemühte sich, wenn schon eine Anerkennung außerhalb ihrer Reichweite lag, so doch wenigstens um eine internationale Aufwertung. Nach einer kurzen Darstellung der Einbindung der DDR in den osteuropäischen Staatenkomplex und ihres Bedeutungsgewinns innerhalb dieser Gemeinschaft werde ich darzustellen versuchen, auf welche Weise und mit welchem Ergebnis die DDR im Laufe der fünfziger und in den frühen sechziger Jahren versuchte, die Hallstein-Doktrin zu unterlaufen, ihre internationale Isolation zu durchbrechen und der BRD zum Trotz diplomatische Beziehungen zu nichtsozialistischen Staaten zu knüpfen.

II. Hindernisse der DDR-Außenpolitik

1. Abhängigkeit von der Sowjetunion

Von Anfang an unterlag die Außenpolitik der DDR der strengen Kontrolle der Sowjetunion, die bis 1954 von der Sowjetischen Kontrollkommission ausgeübt wurde. Diese gestattete nur eine Politik, die sich exakt an der der UDSSR orientierte. Nach der Souveränitätserklärung 1954 wurde die Kontrollkommission offiziell aufgelöst, faktisch blieb aber stets eine sowjetische Überwachung der politischen Maßnahmen der DDR bestehen, die allerdings ab 1955 stetig verringert wurde[1].

Aber nicht nur durch Zwang und Kontrolle richtete sich die DDR außenpolitisch nach ihrem „großen Bruder“. Auch eine Übereinstimmung der Ideologie der führenden Parteien der beiden Staaten, SED und KPdSU, bestimmte die Orientierung der DDR, die ja schließlich über keine Erfahrung auf dem Gebiet der Außenpolitik verfügte[2].

Die gewichtigste Bindung an die UDSSR bestand allerdings in der Tatsache, dass die DDR keine demokratische Legitimation besaß, international völlig isoliert war und somit ohne die politische und militärische Macht der Sowjetunion im Hintergrund schlicht und einfach nicht existieren hätte können[3].

Diese starke, auch nach Erlangung der Souveränität fortgesetzte Abhängigkeit von der Sowjetunion in außenpolitischen Dingen wirkte sich deutlich sichtbar auf die Wahl der internationalen Kontakte der DDR aus. Die unbedingte Freundschaft zur Garantiemacht Sowjetunion hatte in jedem Fall Priorität. Erst wenn diese erreicht war, konnte man sich auf die Herstellung internationaler Kontakte konzentrieren. Und nur dort, wo bereits Kontakte zur Sowjetunion bestanden, versuchte auch die DDR diplomatisch Fuß zu fassen, was ihr in vielen Fällen dann auch nur auf Betreiben der UdSSR gelang[4].

2. Die Nichtanerkennungspolitik der BRD und die Hallstein-Doktrin

Am 21. Oktober 1949, zwei Wochen nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik, machte Konrad Adenauer deutlich, dass allein die Bundesrepublik die demokratische Legitimation besäße, die Deutschen international zu vertreten[5]. Dieser Alleinvertretungsanspruch, beziehungsweise – in den Augen der Vertreter der DDR – die „Alleinvertretungsanmaßung“[6], eine „aggressive, verständigungsfeindliche Strategie der BRD“[7], wurde im September 1950 durch die Westmächte bekräftigt und die Nichtanerkennungspolitik von ihnen unterstützt[8].

Am 8. Dezember 1955 wurde ihr durch die sogenannte Hallstein-Doktrin eine endgültige Form sowie ein Instrument zur Isolation der DDR geschaffem. Eine Anerkennung der DDR sollte als unfreundlicher Akt gegenüber der BRD angesehen und mit Sanktionen geahndet werden[9]. So wurden andere Nationen dazu angehalten, der DDR die internationale Anerkennung, de facto sowie de jure, zu verweigern[10]. Unterschieden wurde dabei zwischen Handlungen, die eine eindeutige Anerkennung implizierten, wie etwa die Aufnahme diplomatischer Beziehungen oder der Abschluss bilateraler Verträge auf Regierungsebene, und Handlungen, die nicht als Anerkennung eingestuft wurden. Dazu zählte etwa die Eröffnung von nichtstaatlichen Handelsvertretungen und z. B. die Unterhaltung kultureller Kontakte. Dazwischen befand sich noch ein weites Feld unklarer Akte, das einigen Interpretationsspielraum offen ließ. Diese etwas schwammige Formulierung der Hallstein-Doktrin war mit Bedacht so gewählt, um der BRD im Falle einer tatsächlichen Anerkennung der DDR durch einen Staat einen gewissen Handlungsspielraum offenzuhalten[11]. Tatsächlich kam sie nur zwei Mal, gegen Jugoslawien 1957[12] und 1963 gegen Kuba[13], zur Anwendung, bis sie Ende der sechziger Jahre außer Kraft gesetzt wurde[14]. Einmal, im Falle Jugoslawiens, wurden die Sanktionen später wieder zurückgezogen und abgebrochene Beziehungen wiederhergestellt[15]. Trotz dieser scheinbar geringen Wirkung war die Hallstein-Doktrin als Druckmittel der Bonner Nichtanerkennungspolitik das größte Hindernis für die DDR auf ihrem Weg zu internationaler Anerkennung. Nach einer relativ reibungslosen Integration in den Ostblock und der Sicherung der Freundschaft der Sowjetunion war das vorrangige Ziel der Außenpolitik der DDR somit die Suche nach internationaler Anerkennung als zweiter deutscher Staat und Völkerrechtssubjekt auch durch die nichtkommunistischen Staaten[16].

III. Die Außenpolitik der DDR von 1949 bis 1964/65

1. Einbindung in den osteuropäischen Staatenkomplex

Die oben beschriebenen weitreichenden Hindernisse der DDR, eine eigenständige Außenpolitik zu betreiben, wirkten sich vor allem in ihrer Anfangszeit auf die Wahl ihrer Beziehungen im internationalen System aus. Vom Westen völlig blockiert und von der Sowjetunion kontrolliert, blieb ihr vorerst nur eine Orientierung nach Osten, hin zu den kommunistischen Staaten Osteuropas und Asiens, sowie die Herstellung einer möglichst engen und freundschaftlichen Bindung an die Sowjetunion. Diese garantierte schließlich, durch ihre politische und militärische Macht, der mangelhaft legitimierten und innenpolitisch extrem instabilen DDR ihre Existenz. Auch wurde die DDR auf diese Weise schnell in ein zusammenhängendes Staatensystem eingebunden, konnte dadurch ihren Fortbestand sichern und mit der Zeit ihre Position in diesem Komplex ausbauen.

[...]


[1] Ingrid Muth, Die DDR-Außenpolitik 1949 – 1972. Inhalte, Strukturen, Mechanismen, Berlin 2000, S. 26f.

[2] Michael Lemke , Prinzipien und Grundlagen der Außenbeziehungen der DDR in der Konstituierungsphase des DDR-Außenministeriums, S. 247f. in: Ders. (Hrsg.), Sowjetisierung und Eigenständigkeit in der SBZ/DDR (1945-1953), Köln 1999, S. 233 – 274.

[3] Lemke, Prinzipien und Grundlagen, S. 273.

[4] Hermann Wentker, Außenpolitik in engen Grenzen. Die DDR im internationalen System 1949 – 1989, München 2007, S. 189.

[5] Wentker, Außenpolitik in engen Grenzen, S. 109f.

[6] Werner Hänisch u. a., Geschichte der Außenpolitik der DDR. Abriß, Berlin (Ost) 1984, S. 43.

[7] Hänisch, Geschichte der Außenpolitik der DDR, S. 42.

[8] Ulrich Pfeil, Die DDR und Frankreich, S. 208, in: Ders. (Hrsg.), Die DDR und der Westen. Transnationale Beziehungen 1949 – 1989, Berlin 2001, S. 207 – 235.

[9] Werner Kilian, Die Hallstein-Doktrin. Der diplomatische Krieg zwischen der BRD und der DDR 1949 – 1973, Berlin 2001, S. 30.

[10] Wentker, Außenpolitik in engen Grenzen, S. 110.

[11] Kilian, Die Hallstein-Doktrin, S. 24.

[12] William Glenn Gray, Germany's Cold War.The Global Campaign to Isolate East Germany 1949 – 1969, Chapel Hill / London 2003, S. 82.

[13] Gray, Germany's Cold War, S. 138f.

[14] Wentker, Außenpolitik in engen Grenzen, S. 299.

[15] Wentker, Außenpolitik in engen Grenzen, S. 284.

[16] Muth, Die DDR-Außenpolitik 1949 – 1972, S. 49.

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640854585
ISBN (Buch)
9783640854882
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168444
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Schlagworte
umgang system hallsteindoktrin

Autor

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