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Das Verhältnis von Kunst und Kommerz in Wedekinds "Der Marquis von Keith"

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Weltanschauung des Marquis von Keith
2.1 Der Marquis von Keith und Ernst Scholz

3. Der Gegensatz von Kunst und Kommerz

4. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Gegensatz, beziehungsweise dem Verhältnis von Kunst und Kommerz in Frank Wedekinds „Der Marquis von Keith“. Obwohl zwischen den Beiden ein offensichtlicher Gegensatz besteht, sind sie doch unmittelbarer miteinander verbunden.

Die Beziehung wäre allerdings recht schnell erklärt, da die Kunst, wie sich schon vermuten lässt, nur Tür und Tor für einen horrenden Geldgewinn öffnen soll. Die Person der Figur des Marquis' und die Ziele, die dieser verfolgt, gilt es daher auch etwas näher zu betrachten, vor allem, da er eher die kommerzielle Seite vertritt.

Was das Stück vor allem interessant macht, ist seine Authentizität. So bestätigen zum Beispiel Zeitgenossen Wedekinds, dass die Darstellung des „Feenpalastes“ die Geschichte des Deutschen Theaters in München widerspiegelt1.

Auch unsere heutige Gesellschaft ist von Kommerz geprägt. Es wird niemand abstreiten können, dass ein großer Teil der Menschen nur auf den Gewinn bedacht ist. Eine schon kleinere Masse hat neben dem Ziel möglichst viel Profit zu erzielen, auch das Wohl Anderer im Sinn. Kunst ist auch in der heutigen Zeit ist auf Kommerz ausgelegt, wahrscheinlich noch mehr als damals. So wird sich heute kaum noch ein Maler oder ein Sänger finden, der dieser Tätigkeit aus reiner Leidenschaft nachgeht. Aus der Kunst wird Kommerz oder aus dem Gedanken an Kommerz wird Kunst, die dann wiederum zum Kommerz wird; es dreht sich so, dass man sich manchmal fragen muss, was zuerst war. Dass Geld eine ganz wesentliche Rolle spielt ist offensichtlich.

Frank Wedekinds Werk „Der Marquis von Keith“ spielt im 19. Jahrhundert. Kunst und Kommerz stehen sich gegenüber und dennoch sind die Übergänge teilweise fließend. Glaubt man den Zeitgenossen, dann steht fest, dass Wedekind von der damaligen Münchner Theaterkultur inspiriert wurde, da sich einige Parallelen ziehen lassen. Der Marquis von Keith zum Beispiel soll an Emil Meßhalter angelehnt sein, der damals jüngste Theaterdirektor Deutschlands, der bei der Gründung des deutschen Theaters in München für reichlich aufsehen sorgte. Auch die Geschichte um den Feenpalast soll, wie bereits erwähnt, erstaunliche Ähnlichkeit mit der Gründung des Deutschen Theaters aufweisen.

„Der Marquis von Keith“, der ursprünglich noch den Untertitel „Münchner Scenen“ trug, basiert also nicht nur auf bloßer Fiktion. Geschichten sind am Interessantesten, wenn sie einen wahren Kern haben, wenn sie aus dem Leben gegriffen sind und das wusste auch Frank Wedekind.

2. Die Weltanschauung des Marquis von Keith

Auf Seite elf (Reclam Ausgabe) bezeichnet sich von Keith selbst als Bastard. Sein Vater war ein geistig hochstehender Mensch, besonders was Mathematik und dergleichen betrifft, und seine Mutter Zigeunerin. Dass sein Vater als angesehener Mann keine Zigeunerin heiraten konnte, liegt auf der Hand. Von Keith, der sich ja selbst als Bastard bezeichnet, sieht sich außerhalb derer, zu denen er gern gehören würde. Sein Ursprung scheint für ihn ein großes Problem darzustellen, dass er durch seine Arbeit an seiner eigenen Stellung hinter sich zu lassen versucht.

Die Last seiner Herkunft ist wahrscheinlich eine der Ursachen, weshalb er die Welt mit etwas anderen Augen sieht, als der normal denkende Mensch. Dies wird im Stück öfters deutlich. Der Marquis von Keith bezeichnet sich selbst als eine Kreuzung aus Philosoph und Pferdedieb (Seite 11). Der „Pferdedieb“ mag treffend sein, wenn man sein Talent bedenkt die Leute zu betrügen. Weniger offensichtlich ist der Philosoph. Nun ist Philosoph wie auch Philosophie immer ein recht weitläufiges Feld, aber der Marquis von Keith stellt in Wedekinds Werk eher weniger den klassischen Philosophen dar, wenn man bedenkt, dass dieser Philosoph es sich weniger zur Aufgabe macht über Gott und die Welt zu sinnieren, als aus meist eher fragwürdiger Kunst Kommerz zu machen. „Sünde ist eine mythologische Bezeichnung für schlechte Geschäfte.“ (Seite 29). Eine Aussage, der gewiss nicht jeder zustimmen wird. Wenn in der Bibel die Rede von Sünde ist, dann waren damit nicht schlechte Geschäfte gemeint. Sicherlich darf die Bibel damals, wie auch heute, nicht zu wörtlich genommen werden, oft wird in Metaphern gesprochen und der Mensch wird zum Nachdenken angeregt, aber man kann sagen, dass sie von von Keith definitiv überinterpretiert wird.

Das Leben und die Weltanschauung des Marquis' sind auf Geld fokussiert. Auch deshalb ist Molly der Ansicht, dass der Marquis an Größenwahn leidet, was dieser nicht abstreitet, sondern ihr entgegnet, dass er wenigstens seine Verantwortung kenne und ihr vorhält, dass sie schließlich mit ihm als fünfzehnjähriges Mädchen nach Amerika durchgebrannt ist. Aber sie sieht das Verderben kommen in das sich Keith stürzt. Sie will mit ihm zu ihren Eltern nach Bückeburg, um dort ein gutes Leben zu führen (Seite 18). Aber der Marquis sieht sich erfolgreich in München, wobei Molly seine Anschauung nicht teilt und klarer sieht: „Diese Saranieffs, siehst du, und diese Zamrjakis, das sind Menschen von einem ganz anderen Schlag als wir. Die wissen, wie man den Leuten die Taschen umkehrt. Wir beide sind eben nun einmal zu einfältig für die große Welt!“ Auf diese Aussage hin, fordert von Keith Molly auf, ihn allein zu lassen (Seite 19). Er sieht sich gewiss nicht als einfältig und scheint nun nur fester entschlossen sein Ziel zu erreichen.

Auch von Keiths Definition von einem gläubigen Menschen ist sehr Interessant. Auf Seite 63 sagt er: „Ich bin ein gläubiger Mensch...“ Der Leser könnte vermuten, hier eine neue Seite am Marquis von Keith zu entdecken, aber wer sich während des Lesens ein wenig mit der Figur von von Keith vertraut gemacht hat, der kommt noch bevor er diesen absurden Gedanken zu ende gebracht hat zu dem Schluss, dass der Marquis sich nicht plötzlich als selbstloser Christ offenbaren wird. „... Ich glaube an nichts so zuversichtlich wie daran, dass sich unsere Mühen und Aufopferungen in dieser Welt belohnen!“ Von Keith ist also fest davon überzeugt, dass er nicht als Sünder, der schlechte Geschäfte gemacht hat, sterben muss.

Die Liebe zu Gott, setzt er mit der Liebe zu sich selbst gleich (Seite 78). Nach der Untersuchung sämtlicher bestehender Religionen sei er zu diesem Schluss gekommen. Sicher, man soll sich selbst lieben. Wer sich selbst hasst, wird kaum in der Lage sein Gott Liebe entgegen zu bringen und in der Bibel heißt es „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“, aber von Keiths Verständnis von der Liebe zu Gott basiert auf seiner eigens erstellten Theorie. Der junge Hermann, der Sohn Casimirs, teilt diese Ansichten nicht. Er sagt, dass es auch höhere Güter als Reichtum gibt (Seite 8), worauf Keith ihm entgegnet, dass das nur Schulweisheit sei. Der fünfzehnjährige Knabe hat ein klareres Verständnis vom Leben als von Keith. Obwohl er noch ein Kind ist, scheint er schon verstanden zu haben, dass es für den normal denkenden Menschen nicht immer nur um Geld gehen kann. Der Marquis ist in seiner Ansicht so verankert, dass er, als seine Person, gar keine andere Möglichkeit sieht, als die Aussage von Hermann mehr oder weniger als „dummes Geschwätz“ abzuwerten. Seine Abwertung führt er dann weiter aus: „Diese Güter heißen nur deshalb höhere, weil sie aus dem Besitz hervor wachsen und nur durch den Besitz ermöglicht werden.“ (Seite 8). Der Marquis von Keith liegt mit dieser Aussage gar nicht mal so falsch. Sicher kann man sagen, dass Geld nicht glücklich macht und dass man Freunde und Gesundheit nicht kaufen könne. Aber stimmt das wirklich? Freunde kann man sich kaufen, wenngleich auch nicht unbedingt wahre Freunde. Aber so manchem mögen diese immer noch lieber sein, als ein Leben als Außenseiter. Ein reicher Mann wird bei einer Frau immer bessere Chancen haben, als ein armer. Er muss eben nur wählen, ob er damit leben will, dass sie sein Geld vielleicht aufrichtiger liebt als ihn. Gesundheit ist eine zweischneidige Klinge: Wenn es darum geht eine teure Operation oder ein Medikament zu bezahlen, dann ist man sehr wohl in der Lage sich oder anderen Gesundheit zu erkaufen. Bei einer unheilbaren Krankheit trifft dies nicht zu. Was man sich wirklich nicht kaufen kann ist Zufriedenheit und der Friede mit sich selbst, der Glaube an Gott oder woran auch immer manch einer glauben mag. Sein eigenes Seelenheil kann man nicht kaufen, alles andere irgendwie schon, wenn auch nicht unbedingt in der besten Ausführung. Hier ist die Weltanschauung des Marquis gar nicht so falsch. Er scheint allerdings jemand zu sein, der sich dem möglichen Zwiespalt und den Halbwahrheiten solcher Käufe nicht bewusst ist. Man könnte auch annehmen, dass ihm solche Umstände nichts ausmachen würden, solange er nur seinen Platz in der Gesellschaft erhält. Von Keith wirkt nicht skrupellos, sondern eher verzweifelt in dem Versuch festgefahren endlich der Bouguoisie anzugehören. In seinem Bestreben blendet er so gut wie alles aus, außer die Dinge, die ihm zu Geld verhelfen, was ihm wiederum dabei hilft, sein Ziel zu erreichen.

Von Keith scheint die Welt um sich herum nicht so zu erfassen wie andere Menschen. Er sieht nur sich, Geld und diejenigen, denen er hinterher jagt.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640869787
ISBN (Buch)
9783640869930
DOI
10.3239/9783640869787
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Deutsches Institut
Erscheinungsdatum
2011 (März)
Note
"-"
Schlagworte
verhältnis kunst kommerz wedekinds marquis keith

Autor

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