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Deutsch als Zweitsprache im Regelunterricht

Essay 2010 8 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Deutsch als Zweitsprache im Regelunterricht

In der Fachliteratur zur Förderung des Erwerbs von Deutsch als Zweitsprache (DaZ) fin- den sich viele Programme und Empfehlungen für die Integration und Förderung von Zweitsprachenlernern. THON beschreibt beispielsweise pädagogische Konzepte des DaZ-Sprachförderunterrichts sowie die Notwendigkeit einer sukzessiven Eingliederung von zugewanderten DaZ-Schülern in Fächer des Regelunterrichts, die weniger Sprach- kompetenz erfordern, wie Sport, Arbeitslehre, Kunst oder Musik. Sie empfiehlt, dass „die Schüler zunächst in mehr handlungsorientierten Unterrichtsphasen und weniger kognitiv geprägten Fächern am Regelunterricht teilnehmen.“ (THON, 1998: 61) Sieht aber so die Realität an deutschen Schulen aus?

Natürlich gibt es, je nach finanzieller und personeller Versorgung der Kommunen und Schulen, abgestufte und integrative Förderkonzepte, die einen Sprachförderunterricht sowie eine Verzahnung dieses Förderunterrichts mit dem Regelunterricht ermöglichen. Aber besuchen nicht auch viele Zweitsprachenlerner den Regelunterricht an deutschen Schulen, ohne je eine solche Förderung genossen zu haben?

Ziel dieses Aufsatzes ist es, zu untersuchen, welche Faktoren für den DaZ-Erwerb im Regelunterricht eine Rolle spielen und wie Klassen- sowie Fachlehrer die individuellen Bedürfnisse von Zweitsprachenlernern in ihren Unterricht integrieren können.

Die sprachlichen Fähigkeiten von Schülern mit Migrationshintergrund stellen eine Schlüsselkompetenz für ihr schulisches Lernen und ihren Schulerfolg dar. (vgl. RÖSCH, 2007: 183f) Die Probleme, die mehrsprachige Schüler im Regelunterricht haben, sind dabei oft nicht primär Probleme mit den fachlichen Inhalten, als vielmehr sprachliche Probleme. Sie müssen mit der Alltags- und Umgangssprache, der Fachsprache und der Unterrichtssprache als Sprachvarietäten kompetent umgehen können, um die fachlichen Inhalte verstehen und reproduzieren zu können. Hinzu kommt das Spannungsverhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit. (vgl. CHLOSTA; SCHÄFER, 2010: 280f, 292f)

Die Förderung des DaZ-Erwerbs, um die genannten Probleme abzubauen, ist aber nicht nur Aufgabe des Deutschunterrichts. Auch in vermeintlich sprachfernen Fächern, wie der Mathematik oder den Naturwissenschaften, wirken sich sprachliche Fähigkeiten der Schüler auf ihren Lernprozess aus. Allein der Blick in den Thüringer Lehrplan für Grund- und Förderschulen für das Fach Mathematik zeigt viele Bezüge zur Verknüpfung von sprachlichen und fachlichen Aktivitäten. So ist u.a. das Ziel des Mathematikunterrichts, allgemeine mathematische Kompetenzen, wie das Kommunizieren und das Argumentie- ren zu vermitteln. Die Schüler sollen beispielsweise eigene Vorgehensweisen und Er- Deutsch als Zweitsprache im Regelunterricht 2 kenntnisse beschreiben und präsentieren, mathematische Fachbegriffe sachgerecht verwenden oder mathematische Zusammenhänge oder Auffälligkeiten erkennen und begründet äußern. (vgl. TMBWK, 2010: 7) Hinzu kommt, dass gerade im Mathematikunterricht der Grundschule muttersprachliche Alltagsbegriffe verwendet werden, um Brücken zu fachlichen Begriffen und zum fachlichen Verstehen herzustellen. Das erforderliche muttersprachliche Sprachwissen stellt Zweitsprachenlerner vor große Probleme. (vgl. CHLOSTA; SCHÄFER, 2010: 281)

Nicht nur der Mathematiklehrer, sondern das gesamte Kollegium einer Schule muss sich dieser Problematik stellen und darf sich nicht darauf verlassen, dass die erforderlichen Sprachkenntnisse im Deutschunterricht vermittelt werden. DaZ muss als Unterrichtsprin- zip in alle Fächer Einzug halten. Der Begriff des „sprachbewussten Unterrichts“ von KNIFFKA und SIEBERT-OTT kann in diesem Zusammenhang auch genannt werden. Dieser beschreibt die Vermittlung einer bestimmten Haltung gegenüber sprachlichen Kompetenzen und ihrer Bedeutung im Unterricht. (vgl. KNIFFA; SIEBERT-OTT, 2009: 107)

In diesem Zusammenhäng wird die Schlüsselrolle des Lehrers deutlich. Wie bereits erwähnt, ist das Bewusstwerden der sprachlichen Schwierigkeiten der DaZ-Schüler sowie der interkulturellen Unterschiede der Schüler sehr wichtig. Zudem sollten alle Lehrer im Studium grundlegende DaZ-Kompetenzen zu den Bereichen Linguistik, Didaktik oder Sprachlernbewusstheit erwerben müssen. Dies ist erst an wenigen Universitäten in Deutschland der Fall. (vgl. RÖSCH, 2007: 197) Somit wäre die Bedeutung der Vermittlung dieser Kompetenzen durch Fortbildungsveranstaltungen an bereits sich im Dienst befindende Lehrer zusätzlich zu nennen.

Insgesamt sollten Lehrer in der Lage sein, die sprachliche Seite des Unterrichts reflektieren und gestalten zu können (vgl. CHLOSTA; SCHÄFER, 2010: 287). Tabelle 1 (siehe Seite 3) bietet einen Leitfaden zur Reflexion.

Schließlich müssen hinsichtlich der Unterrichtsinhalte sowie der Unterrichtsgestaltung, aber auch im Bereich des Klassenmanagements, die individuellen Bedürfnisse der Zweitsprachenlerner, aber natürlich auch aller anderen Schüler, berücksichtigt werden. Die kulturelle Vielfalt in der Klasse kann als Chance genutzt und in die Inhalte des Unter- richts aller Fächer integriert werden. Nicht nur geschichtliche oder gesellschaftliche Themen, wie Bräuche und Traditionen, sondern auch das Gespräch über die deutsche Sprache aus der Perspektive der Erst- und Zweitsprachsprechenden ist möglich. (vgl. THON, 1998: 63; RÖSCH, 2009: 41) Zusätzlich dazu bieten Schülerpatenschaften zwi- schen Muttersprachlern und Zweitsprachenlernern die Möglichkeit, den Integrationspro- Deutsch als Zweitsprache im Regelunterricht 3 zess zu fördern. Die Übernahme dieser Verantwortung aktiviert im besten Fall auch die Schüler der Regelklasse und erhöht ihre Bereitschaft, sich gegenüber Schülern anderer Ethnien zu öffnen. (vgl. THON, 1998: 62)

Tab. 1: Checkliste: Sprache im Fachunterricht finden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: KNIFFKA; SIEBERT-OTT, 2009: 112

Sehr wichtig ist das Überdenken von Unterrichtsstrategien durch die Lehrkräfte. Einer- seits sollten methodisch-didaktische Ansätze realisiert werden, die ein differenziertes und individualisiertes Arbeiten ermöglichen. Projektorientierte Angebote bieten ein be- sonderes Potential, die Bedürfnisse von Zweitsprachenlernern einzubeziehen. Gerade diese Unterrichtsform ermöglicht eine starke Verknüpfung von sprachlichem und sozia- lem Lernen. Das Ziel eines gemeinschaftlichen Produkts beeinflusst die kommunikativen und gruppendynamischen Prozesse. DaZ-Schüler können so erworbene Sprachstruktu- ren zielgerichtet und funktional in Handlungssituationen umsetzen. Die praktische Arbeit wird mit sprachlichen Interaktionen verknüpft. (vgl. THON, 1998: 62, 75)

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Details

Seiten
8
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640867349
ISBN (Buch)
9783640867745
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168767
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Deutsch als Zweitsprache DaZ Regelunterricht Deutsch Grundschulpädagogik Zweitspracherwerb Grundschule Lehramt Unterricht

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Titel: Deutsch als Zweitsprache im Regelunterricht