Lade Inhalt...

Wilhelm von Oranien: Anführer der Opposition?

Hausarbeit 2009 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Historischer Kontext

III. Das soziale Gefüge in den Niederlanden

IV. Die Ziele der Parteien im Vergleich

V. Fazit

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Wilhelm von Oranien ist eine der schillerndsten Figuren der niederländischen Geschichte. Bis heute wird er mit der Nationalhymne der Niederlande „Het Wilhelmus“ als Befreier der Niederlande und Vater des Vaterlandes gefeiert. In etlichen Städten stehen Denkmäler zu Ehren des Prinzen von Oranien. Häufig wird er als Führer der Opposition gegen die spanische Krone im Achtzigjährigen Krieg dargestellt. Befasst man sich jedoch genauer mit dem Aufstand in den Niederlanden, stellt man fest, dass der Begriff „Opposition“ nicht klar definiert werden kann. So gab es innerhalb der Niederlande verschiedene Gruppen, die jeweils individuelle Interessen verfolgten: Protestanten verlangten Glaubensfreiheit, der Adel war um seine politische Stellung besorgt, hinzu kamen regionale Interessen. Konflikte waren demnach vorprogrammiert.

Ziel dieser Arbeit ist es, kritisch zu hinterfragen, inwiefern Wilhelm von Oranien unter diesen Umständen überhaupt als Anführer des Aufstandes angesehen werden kann. In der Forschung wird der Fokus teilweise auf die Reformation (siehe Marnef), teilweise auf Wilhelms Beziehung zum Adel (siehe Lademacher) gesetzt. In der Literatur, die sich mit den allgemeinen Zusammenhängen und Abläufen des Aufstandes befasst, wird das Problem zwar thematisiert, ist jedoch meist kein zentraler Aspekt.

Zu Beginn Arbeit soll ein Überblick über die historischen Ereignisse des Achtzigjährigen Krieges gegeben werden. Dabei soll die allgemeine Situation und die Stellung Wilhelms innerhalb des Aufstandes dargestellt werden. Eine genauere Analyse der verschiedenen Gruppierungen erfolgt im zweiten Kapitel. Hier soll das soziale Gefüge der Niederlande auf konfessionelle, ständische und regionale Aspekte hin untersucht werden. Im Vordergrund steht dabei die These, dass es nur schwer möglich ist, von einer geschlossenen Opposition gegen Spanien zu sprechen. Im letzten Kapitel werden die Ziele Wilhelms mit denen der verschiedenen Gruppierungen verglichen. Hierbei soll abschließend die Frage geklärt werden, in welchem Maße man Wilhelm tatsächlich als Anführer der Opposition bezeichnen kann.

II. Historischer Kontext

Im Folgenden sollen die Vorgeschichte und der Verlauf des Aufstandes in den Niederlanden kurz skizziert werden. Im 16. Jahrhundert gehörten die Niederlande zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen und unterstanden somit seit 1519 Kaiser Karl V. Dieser hatte bereits 1515 die Regierung über die burgundischen Niederlande angetreten. 1516 erbte er die spanischen Kronen von Aragonien und Kastilien von seinem Großvater Ferdinand. Die von Karl V. regierten Gebiete umfassten damals halb Europa, neben den Niederlanden und Spanien gehörte u. a. Österreich und halb Italien zu seinem Einflussbereich.[1]

Neben etlichen Kriegsschauplätzen, beispielsweise im Osmanischen Reich, in Norditalien und Frankreich, entwickelte sich im Laufe des 16. Jahrhunderts ein neues Feindbild für den römisch-katholischen Kaiser: die Reformation. Karl V. sah es als seine Pflicht an, die von ihm als Ketzer angesehenen Protestanten auf das Härteste zu bekämpfen. Trotz heftiger Auseinandersetzungen gelang es Karl nicht, die abtrünnigen Fürsten zu besiegen. Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 schließlich wurde ein neues Prinzip der Religionsfindung begründet: so sollte das Volk jeweils den Glauben seines Fürsten, Grafen, Herzogs oder Königs annehmen. Demnach mussten die Niederländer zwangsweise den katholischen Glauben Karls V. unterstützen. Jegliche Zuwiderhandlung wurde mit außerordentlicher Härte bestraft.[2] 1555 überließ Karl V. die Regierungsgeschäfte Spaniens überraschend seinem Sohn Philipp II. Damit unterstanden auch die Niederlande dem neuen Herrscher. Jedoch waren die 17 Provinzen der Niederlande Philipp II. nicht sonderlich zugetan, war er doch durch und durch ein Spanier und hatte – anders als Karl V. – keinen persönlichen Bezug zum Land. Philipp II., der einen Regierungssitz in Spanien bewohnte, übertrug die Regierungsgeschäfte schon bald seiner Halbschwester Margarethe von Parma, die von nun an Generalstatthalterin des spanischen Königs in Brüssel war. Wie schon zu Regierungszeiten Karls V. gab es drei weitere Regierungsinstitutionen: den Geheim- und Finanzrat sowie den Staatsrat, bestehend aus Mitgliedern des niederländischen Hochadels.[3]

Einer von jenen war Wilhelm von Oranien. Seine politische Karriere begann bereits im Alter von 11 Jahren. Als Nachkomme einer alteingesessenen, reichsgräflichen Familie, die seit Generationen im Dienste des Kaisers stand, trat er 1544 die Nachfolge seines Cousins René de Châlon an und erbte dadurch Besitzungen und einflussreiche Titel. So war er u. a. Baron von Breda, Herr von Steenbergen, Roosendaal, Oosterhout, Grimbergen und Kuyck, Drost von Brabant, Herr von Vianden und Graf von Nassau. Bekannt wurde er allerdings unter dem Namen Wilhelm I. von Oranien.[4] Bevor er seine Erbschaft antreten konnte, wurde er in Brüssel auf Wunsch Karls V. im Stile eines burgundischen Hochadeligen erzogen und so auf seine Aufgaben vorbereitet. Während seiner Ausbildung lernte er Niederländisch und Französisch, Waffenkunde, höfische Manieren, aber auch Geschichte.[5] Wilhelm I. von Oranien war somit prädestiniert für eine führende politische Stellung in den Niederlanden. Während er anfangs lediglich Mitglied des Staatsrates in den Niederlanden war, wurde er am 7. August 1559 zum Statthalter von Holland, Zeeland, Utrecht, West Friesland, Voorne und Brielle ernannt.[6]

Als einer der prominentesten Hochadeligen der Niederlande hatte Wilhelm nun großen Einfluss auf den Staatsrat. Mit der zunehmenden Unzufriedenheit über die Regentschaft Philipps II. wuchs eine breite Opposition heran, an deren Spitze bald Wilhelm von Oranien stand. Grund zum Missmut gab es aus Sicht des Hochadels mehr als genug. Zum einen sah der Adel seine politische Position in Gefahr. Unter Margarethe von Parma kristallisierte sich immer mehr heraus, dass nicht etwa der Staatsrat maßgebendes Beratungsorgan der Generalstatthalterin war, sondern der oft so titulierte „Rat im Hintergrund“. Es war kein offizieller Rat, sondern eine Art Gremium, das Margarethe von Parma bei Personalfragen zu Rate zog. Diese Institution war nicht nur sehr zweifelhaft, sondern entzog dem Adel bewusst einen Teil seines Einflusses. Die Daueranwesenheit des Gremiums erweckte in der Öffentlichkeit den Anschein, als treffe allein diese Gruppe alle Entscheidungen. Insbesondere Antoine Perrenot de Granvelle, einer der drei Mitglieder des Gremiums, stand im Mittelpunkt der Kritik. Spätestens mit der Neueinteilung der Bistümer zog Granvelle den Hass des Adels endgültig auf sich.[7] Die Niederlande wurden in drei Erzbistümer eingeteilt, die nochmals in insgesamt vierzehn Bistümer untergliedert waren. Zusätzlich wurden 15 neue Bischöfe von Philipp II. ernannt, u. a. Granvelle. Die neue kirchliche Organisation ermöglichte dem spanischen Herrscher, möglichst viele königstreue Bischöfe in hohe kirchliche, aber auch politische Positionen zu setzen. Der Adel sah seinen Einfluss in Gefahr: während üblicherweise die Bischofstitel an die Söhne hochadliger Familien weitergegeben wurden, wurden nun gezielt königstreue Geistliche eingesetzt.[8] Nicht nur waren hier erneut Privilegien des Adels in Gefahr. Man fürchtete eine absolutistische Politik Spaniens, die die Selbstständigkeit der niederländischen Provinzen bedrohte.

Der zweite deutliche Kritikpunkt an der spanischen Politik war die Glaubensverfolgung, an der Philipp II. unverändert festhielt. Im Zuge der Neuordnung der Kirche wurden bei jedem Bistum zwei Inquisitoren eingesetzt, die dafür zu sorgen hatten, den katholischen Glauben zu bewahren. Dies schürte vielerorts Beunruhigung, hatten die Bürger doch das Schreckbild der spanischen Inquisition vor Augen. Die tief sitzende Angst führte zu Kritik an den Plänen der Regierung. Darüber hinaus zweifelte das Volk auch aus rein moralischen Gründen an der Politik Philipps. Die Härte, mit der die sogenannten Ketzer auch schon vor Einführung der Inquisitoren bestraft wurden, wirkte zwar abschreckend, förderte im Volk aber gleichzeitig Respekt und Mitgefühl für die Verfolgten.[9]

Wilhelm von Oranien, Graf Egmont und Graf von Hoorn, die drei Hauptprotagonisten der Opposition, sahen Handlungsbedarf. Nach mehreren Schriften an Philipp II., die allerdings unbeantwortet blieben, schloss sich der Hochadel 1562 zur sogenannten Liga zusammen. Mit diesem Verbund sollte die Kritik aller Hochadeligen gebündelt werden, um so mehr Druck auf die Generalstatthalterin und den König ausüben zu können. Ein wichtiges Anliegen der Liga war es, den Rücktritt Granvelles zu erzwingen, personifizierte er doch die Unterdrückung der Provinzen zugunsten der spanischen Monarchie. Um dieses Ziel zu erreichen, kündigten Wilhelm, Egmont und Hoorn an, von ihrem Amt im Staatsrat zurück zu treten. Dieser Protest fand in der Bevölkerung große Zustimmung und übte somit enormen Druck auf die Regierung aus. Philipp II. sah sich gezwungen, Granvelle nach Spanien zurückzurufen, um Schlimmeres zu verhindern.[10] Bald merkte man jedoch, dass das Wohlergehen des Landes nicht von einer Person allein abhängig war. So war der Regierungsanteil des Staatsrates zwar vorerst gesichert, wurde in der folgenden Zeit jedoch erneut beschnitten. Auch die Inquisition wurde mit gleicher Strenge weiter verfolgt. Immer mehr geriet die Opposition in einen revolutionären Kurs. Einige Adelige wandten sich ab, wodurch die Führungsposition Wilhelms nur noch deutlicher zum Ausdruck kam.

[...]


[1] Lem, Anton van der, Opstand! Der Aufstand in den Niederlanden, Berlin 1996. S. 24f.

[2] Ebd. S. 27ff.

[3] Ebd. S. 44.

[4] Roosbroeck, Robert van, Wilhelm von Oranien. Der Rebell, Göttingen u. a. 1959. S. 15.

[5] Maczkiewitz, Dirk, Der Niederländische Aufstand gegen Spanien (1568-1609). Eine kommunikationswissenschaftliche Analyse, Münster 2005. S. 104f.

[6] Roosbroeck, R.v., Wilhelm von Oranien. S. 19.

[7] Lem, A.v.d., Opstand! Der Aufstand in den Niederlanden. S. 44f.

[8] Roosbroeck, R.v., Wilhelm von Oranien. S. 20f.

[9] Lem, A.v.d., Opstand! Der Aufstand in den Niederlanden. S. 45f.

[10] Roosbroeck, R.v., Wilhelm von Oranien. 22f.

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640865833
ISBN (Buch)
9783640866120
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168775
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Schlagworte
Wilhelm I. von Oranien Achtzigjähriger Krieg Granvelle Herzog Alba Inquisition Reformation Kalvinisten Geschichte der Niederlande Aufstand der Niederlande Gründung der Niederlande Niederländische Republik Blutrat von Brüssel

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Wilhelm von Oranien: Anführer der Opposition?