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Intrinsische versus extrinsische Motivation

Seminararbeit 2011 16 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Motivation
2.1. Intrinsische Motivation
2.2. Extrinsische Motivation

3. Intrinsische versus extrinsische Motivation
3.1. Warum intrinsische und extrinsische Motivation wichtig sind
3.2. Wechselwirkung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation
3.2.1. Verdrängungseffekt
3.2.2. Verstärkungseffekt

4. Abschließende Bemerkungen

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1.: Definitionsansätze für den Motivationsbegriff

Abbildung 2.2.: Flow-Modell nach Csikszentmihalyi

Abbildung 2.3.: Motivation und Anreize

Abbildung 3.1.: Verdrängungseffekt

Intrinsische versus extrinsische Motivation

1. Einleitung

Folgendes Experiment kann mittlerweile als klassisch bezeich- net werden: College-Studenten wurden in zwei Gruppen einge- teilt. W ä hrend Gruppe 1 dafür bezahlt wurde, eine Zeitlang an einem interessanten Puzzle zu arbeiten, erhielt Gruppe 2 hierfür keine finanzielle Entlohnung. Ergebnis war, dass in einer dar- auffolgenden „ Freizeit “ Gruppe 2 deutlich l ä nger mit dem Puzzle spielte als Gruppe 1. Darüber hinaus empfanden Mitg- lieder der Gruppe 2 die Aufgabe als interessanter.1

Sollte ein Kind für das Bestehen einer Prüfung belohnt oder für das Lesen eines Buches bezahlt werden? Welche Auswirkungen haben Zielsetzung und Überwachung auf die Arbeitsmoral? Warum funktionieren Anreize in manchen Kontexten gut und erscheinen in anderen kontraproduktiv? Mithin, was motiviert Menschen?

Zur Beantwortung dieser Fragen unterscheidet die Forschung zwischen der intrinsischen Motivation - also dem Bestreben, etwas seiner selbst willen zu tun - und der extrinsi- schen Motivation - also dem Wunsch, bestimmte Leistungen zu erbringen, weil man sich davon einen Vorteil verspricht oder zumindest Nachteile vermeiden möchte.2 In- trinsische und extrinsische Motivation sind nicht getrennt voneinander zu betrachten. So zeigt das anfangs genannte Beispiel der College-Studenten, dass extrinsische Anreize (finanzielle Entlohnung) die intrinsische Motivation (die Lust am Spiel) sogar verdrän- gen können.3 Kohn bestätigt diesen Einfluss insbesondere bei längerfristigen Aufgaben (z.B. Gewicht verlieren, Rauchen aufhören, Gurtpflicht, etc.).4 Auf der anderen Seite wird jedoch auch berichtet, dass intrinsische Motivation durch die richtigen extrinsi- schen Anreize verstärkt werden könne.5

Die vorliegende Schrift will das Zusammenspiel von intrinsischer und extrinsischer Motivation näher beleuchten. Hierzu seien zunächst in Kapitel zwei die Motivation an sich und die beiden Spielarten intrinsisch und extrinsisch erläutert, bevor in Kapitel drei die Wechselwirkungen dieser beiden Arten beschrieben werden. Kapitel vier schließt die Betrachtung ab.

2. Grundlagen der Motivation

Motivation ist ein häufig verwendeter, schillernder Begriff. Die Veröffentlichungen zum Thema Motivation sind in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen.6 Die For- schung hat dabei eine Vielzahl an Definitionen zur Motivation erarbeitet. Um Missver- ständnissen vorzubeugen, sei zunächst der Begriff der Motivation definiert, bevor näher auf die Motivationstypen intrinsische und extrinsische Motivation eingegangen wird. Hierzu zeigt Abbildung 2.1. vier mögliche Sichtweisen auf den Motivationsbegriff:

Abbildung 2.1.: Definitionsansätze für den Motivationsbegriff

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen: wie angegeben

Auch wenn sich die Ansätze und Begrifflichkeiten unterscheiden, stechen jedoch drei Komponenten hervor: (I) Ansporn, (II) Richtung und (III) Ausdauer.

Die erste Komponente beschreibt den Ansporn, der hinter dem jeweiligen Handeln steht. Menschen können beispielsweise durch ihr Interesse geleitet sein, einen guten Eindruck auf andere zu machen oder erfolgreiche Arbeit zu verrichten.7 Der Ansporn ist ausschlaggebend dafür, Dinge zu tun oder zu unterlassen, um die eigenen Ziele zu errei- chen. Die zweite Komponente geht der Frage nach, was Menschen tun, um ihre Ziele zu erreichen. Mitarbeiter können beispielsweise dem Vorgesetzten Komplimente für seine Arbeit machen oder hart an einem wichtigen Projekt arbeiten, um einen positiven Ein- druck zu hinterlassen.8 Motivation beeinflusst demnach auch die Entscheidungen, die Menschen treffen. Sie verleiht dem Menschen die nötige Richtung.9 Die letzte Komponente befasst sich mit der Ausdauer des Handelns. Wenn die Handlung aufgegeben wird, bevor das Ziel erreicht wurde, bleibt das anfängliche, handlungsauslösende Bedürfnis unbefriedigt. Ein Verhalten kann mitnichten als motiviert bezeichnet werden, wenn die Person nicht auf die Erfüllung ihrer Ziele besteht.

Werden diese drei Komponenten als Grundlage für eine Definition der Motivation be- trachtet, so eignet sich der Ansatz von Frost am besten für eine Begriffsbestimmung:

Motivation ist „ der Antrieb zum Handeln und umfasst jenen Teil des men- schlichen Handelns, der ihm Richtung, St ä rke und Ausdauer verleiht “ 10.

Nachdem nun der Motivationsbegriff im Sinne dieser Schrift festgelegt wurde, sei im Folgenden auf die zwei Arten der Motivation eingegangen: (2.1.) Die intrinsische Moti- vation, entstehend durch Anreize, die im Vollzug der Tätigkeit selbst liegen und (2.2.) die extrinsische Motivation, entstehend aus den anreizbesetzten Ereignissen oder Ver- änderungen, „die sich einstellen, wenn diese Tätigkeit erfolgreich erledigt ist“.11

2.1. Intrinsische Motivation

Csikszentmihalyi gibt ein eindeutiges Beispiel für intrinsische Motivation. Er beschreibt Maler, die „mit exzessivem Engagement an der Fertigstellung eines Bildes arbeiteten“. Sobald das Bild jedoch vollendet war, schien es jegliche Attraktivität verloren zu haben und wurde zu den anderen Bildern gestellt.12 Demnach liegt intrinsische Motivation dann vor, wenn etwas seiner selbst willen getan wird und mit der Aktivität eine unmit- telbare Bedürfnisbefriedigung einhergeht13 (z.B. Spaß an der Sache, Befriedigung eines Interesses oder Bewältigung einer Herausforderung). Die Forschung diskutiert drei Aus- formungen der intrinsischen Motivation: (I) das Flow-Erlebnis, (II) das Einhalten von Normen um ihrer selbst Willen und (III) das Erreichen selbstgesetzter Ziele.

Die erste Ausformung bezeichnet die Freude an der Arbeit selbst. Das oben genannte Beispiel stellt ein sogenanntes Flow-Erlebnis dar, da die Maler die Aktivität selbst als freudigen Genuss empfinden und weniger die eigentliche Fertigstellung der Bilder. Rheinberg beschreibt den Flow als einen Zustand, bei dem es sich um „das selbstrefle- xionsfreie, gänzliche Aufgehen in einer glatt laufenden Tätigkeit [handelt], bei der man trotz voller Kapazitätsauslastung das Gefühl hat, den Geschehensablauf noch gut unter Kontrolle zu haben“.14 Abbildung 2.2. zeigt, dass für ein solches Flow-Erlebnis die An- forderungen an eine Tätigkeit den Fähigkeiten der Person entsprechen müssen.

Abbildung 2.2.: Flow-Modell nach Csikszentmihalyi

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an Csikszentmihalyi (1975)

Sind die Anforderungen zu niedrig, wird Langeweile empfunden. Die Aufgabe wird zur selbstverständlichen Routine, was schlimmstenfalls zu langeweile-basiertem Stress füh- ren kann (Boreout-Syndrom). Übersteigen die Anforderungen die Fähigkeiten, ist die Person beunruhigt oder sogar verängstigt, was zu einem Burnout-Syndrom führen kann.

Die zweite Ausformung bezeichnet das Einhalten von Normen um ihrer selbst willen. Zum einen können dies ethische Normen sein (z.B. Gewaltverzicht, Gleichberechtigung, etc.), denen sich der Einzelne verpflichtet fühlt. Zum anderen können dies auch Normen sein, die sich innerhalb einer Gruppe oder Organisation gebildet haben (z.B. Fairness, Gruppenzugehörigkeit, etc.). So ist sich die Forschung beispielsweise einig darüber, dass unfaire Entlohnung zu einer Leistungsreduzierung führt.15

Die dritte Ausformung der intrinsischen Motivation beschreibt das Erreichen selbstge- steckter Ziele. Dies ist zum Beispiel bei dem Erklimmen eines Berges der Fall. Dabei kann der Weg zur Zielerreichung mitunter mühsam sein. Wenn der Gipfel jedoch er- reicht ist, wird höchstes Glück empfunden.16 Auch Selbstständige werden durch das Aufstellen von Entwicklungszielen für ihre Firma intrinsisch motiviert. Dies zeigt je- doch, dass intrinsische Motivation nicht immer vollständig von der extrinsischen Moti- vation zu trennen ist, da angenommen werden kann, dass der Unternehmer mit der Wei- ter]entwicklung seiner Firma durchaus auch materielle, extrinsische Anreize verfolgt.

[...]


1 Deci (1975), vgl. auch Deci et al (1999), S. 627 ff

2 vgl. Rheinberg (2010), S. 367, Frost (2005), S. 247

3 siehe auch B é nabou & Tirole (2003), S. 489 ff

4 Kohn (1993)

5 Frost (2005), S. 271

6 Bei einer überschlägigen Literaturrecherche konnten 7787 Befunde den Jahren 1991 bis 2000 zugewiesen werden. Für die Jahre 2001 bis 2010 wurden bereits 18827 Veröffentlichungen gefunden. Dies entspricht einer Steigerung von über 240% innerhalb von 10 Jahren. Die EBSCO Datenbank Business Source Premier wurde hierfür nach dem Schlagwort "motivation" untersucht.

7 vgl. Greenberg & Baron (2003), S. 190

8 vgl. Greenberg & Baron (2003), S. 190

9 vgl. Frost (2005), S.247

10 Frost (2005), S.247

11 Rheinberg (2010), S. 367

12 ebenda, S. 380

13 vgl. Frey & Osterloh (2002), S. 24

14 Rheinberg (2010), S. 380

15 Weibel & Rota (2002), S. 206

16 Frey & Osterloh (2002), S. 24

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Titel: Intrinsische versus extrinsische Motivation