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Finanzkrise ab 2007 - Keynesianische Politik zu Zeiten der Globalisierung am Beispiel USA und Deutschland

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 25 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Finanzkrise ab 2007 und John Maynard Keynes
2.1. Die Finanzkrise ab 2007
2.1.1. Ursachen
2.1.2. Neuartigkeit der Krise und Parallelen zu bisherigen Rezessionen
2.2. John Maynard Keynes und seine Wirkungsgeschichte
2.2.1 Die Allgemeine Theorie der Beschäftigung des Zinses und des Geldes
2.2.2. Kritikpunkte und Einschränkungen Keynes'Theorie in der Praxis
2.3. Zwischenfazit

3. Politische Handhabung der Finanzkrise ab 2007- G7, USA, BRD
3.1. Umgang mit der Krise: G-7/G-20, USA, BRD
3.2. Wirtschaftspolitisches Profil
3.2.1. USA
3.2.2. Deutschland
3.3. Zwischenfazit

4. Kritische Betrachtung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die Finanzkrise ab 2007 löste eine „große Bestürzung" bei den Menschen aus. Man bangte um seine Einlagen, seinen Arbeitsplatz. Was so genau passierte war vielen vorerst schleierhaft. Erinnerungen an die große Depression von 1929 kamen auf und in diesem Zusammenhang sprach man auch wieder von Keynes. Wenn man eines aus der Depression gelernt hatte, war es, dass protektionistische Maßnahmen und Einsparungen die Krise verschlimmerten. Die Regierungen verabschiedeten Konjunkturpakete und begründeten das mit Keynes. Handelten die Regierungen verantwortungsvoll? Oder verschwendeten sie „sinnlos" Steuergelder wie oftmals vorgeworfen?

Als Keynes seine Theorie entwickelte, war die Welt weitaus weniger globalisiert und vernetzt als das heute der Fall ist. Wie wirken keynesianische Instrumente in Zeiten der Globalisierung? Funktionieren sie trotzdem in gleichem Umfang oder müssen eventuelle Anpassungen an der Theorie oder in der Praxis vorgenommen werden? Wurde Keynes'Theorie tatsächlich so gemeint, wie sie in der Finanzkrise durch die amerikanische und deutsche Regierung umgesetzt wurde?

In dieser Arbeit soll die Finanzkrise ab 2007 zum Anlass genommen werden, keynesianische Politik in Zeiten der Globalisierung am Beispiel USA und Deutschland zu betrachten und herauszufinden, ob die Theorie die letztliche Lösung des Problems der Finanzkrise ist und ob sie in dieser Zeit genauso einsetzbar ist wie in der Zeit nach 1929.

Dazu soll zunächst grundlegend auf die Finanz- und Immobilienkrise ab 2007 eingegangen und untersucht werden, welche Ursachen zur Krise führten und ob Parallelen zu bisherigen Krisen bestehen. Da Keynes' Name oftmals in einem Atemzug mit der Krise genannt wird, soll zweckdienlich auf die Bedeutung von John Maynard Keynes in Zusammenhang mit der Finanzkrise und auf seine „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes" eingegangen werden. Im Weiteren soll aufgeführt werden, welche Einschränkungen und Kritikpunkte Keynes' Theorie in der Praxis aufweisen können. Das ist wichtig um später herausfinden zu können, inwieweit diese Kritikpunkte zutreffend sind und inwieweit die Theorie so umgesetzt wurde wie sie gemeint ist. Außerdem gilt es zu beleuchten ob Anpassungen der Theorie in der heutigen Zeit von Nöten sind.

Um das herauszufinden wird im Weiteren auf die wirtschaftspolitische Handhabung der Krise durch die USA, Deutschland und die G7 bzw. G20 Staaten eingegangen. Damit die Vorgehensweise besser eingeschätzt werden kann, wird grundlegend das wirtschaftliche Profil, insbesondere die Handelsbilanzen der USA und Deutschlands betrachtet.

Im nächsten Punkt soll die Vorgehensweise der Regierungen kritisch betrachtet werden, insbesondere in Hinblick darauf, wie die keynesianische Theorie angewandt wurde. Weiter soll anhand eines vereinfachten Szenarios beleuchtet werden, welche Folgen das Handeln der USA und Deutschlands stellvertretend für alle Länder haben könnte.

Schließlich soll ein Fazit gezogen werden.

2. Die Finanzkrise ab 2007 und John Maynard Keynes

Im Jahre 2007 kündigte sich bereits an, was im Jahre 2008 mit dem Zusammenbruch der Lehmann Brothers sehr deutlich wurde. (Storbeck 2009: 80f) Es kam zu einer Finanzkrise, die in ihrem Ausmaß oftmals mit der Krise von 1929 verglichen wird, zumindest aber als die schwerste seit dem gilt. (Roubini, Mihm 2010: 11) Häufig wird John Maynard Keynes mit seinem Hauptwerk „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes" in einem Atemzug mit der Krise genannt.

Daher soll im Folgenden zunächst grundlegend auf die Finanz- und Immobilienkrise ab 2007 und deren Ursachen und Parallelen zu bisherigen Krisen eingegangen werden. Im Weiteren soll grundlegend auf John Maynard Keynes und seine Theorie mit ihrer Bedeutung in Zusammenhang mit der Finanzkrise ab 2007 betrachtet werden. Aber auch mögliche Einschränkungen seiner Theorie bei der praktischen Umsetzung, insbesondere in Bezug auf die Finanzkrise ab 2007, sollen näher betrachtet werden.

2.1. Die Finanzkrise ab 2007

Die Finanzkrise ab 2007 ist eine Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise, die im Frühsommer 2007 mit der US- Immobilienkrise begann. Die Krise äußerte sich zunächst in Verlusten und Insolvenzen bei Unternehmen der Finanzbranche. „Steigende Zinsen und die nach dem Platzen der Spekulationsblase abstürzenden Hauspreise trieben einkommensschwache private Hypothekenschuldner in die Zahlungsunfähigkeit, mit entsprechenden Verlusten der Hypothekenbanken und der Investoren." (Bundeszentrale für politische Bildung 2009: 262)

Ihren bisherigen Höhepunkt erreichte die Krise dann im September 2008 mit der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers. Dies löste eine globale Bankenkrise aus, die viele Beobachter an die Depression der 1930er-Jahre erinnerte (Münchau 2008: 5) und Ende 2008 Auswirkungen auf die Realwirtschaft in der Form hatte, als dass die Kreditversorgung beeinträchtigt wurde. (Bundeszentrale für Politische Bildung 2009: 262) Deutschland erlebt seit 2008 die seit den 1970er-Jahren schwerste Finanzkrise. Insbesondere durch die starke Abhängigkeit seiner Exporte ist Deutschland überdurchschnittlich stark betroffen. Ursächlich war hierfür also eher der weltweite Rückgang der Nachfrage als die Einschränkung der Kreditvergabe. (Bundeszentrale für politische Bildung 2009: 262)

In den USA wird die Krise durch die ansteigende hohe Arbeitslosigkeit verschärft, da die Sparquote der US- Amerikaner steigt und die Konsumneigung sinkt. (Bloomberg 2009)

Auch länderübergreifende Konzernbeziehungen, wie im Falle des US-amerikanischen Automobilkonzerns General Motors, der „ins Wanken" geriet, und des deutschen Tochterunternehmens Opel, bedrohen die Beschäftigung.

2.1.1. Ursachen

Als Kernursachen für die Krise werden in der öffentlichen Diskussion vor allem Gier, maßlose Verschuldung, Finanzprodukte, die kaum noch jemand verstand, und die zu hohen Risiken die Manager und Banker eingingen, angeführt. Erklärungen gibt es einige und schlussendlich werden vermutlich noch in einigen Jahren die tatsächlichen Ursachen diskutiert werden, es scheint aber, dass die oben angeführten Gründe nur ein Teil der Geschichte sind. (Piper 2009:7)

Nach Storbeck gibt es mindestens zwei Arten von Ursachen, die auf unterschiedlichen Ebenen liegen. Zum einen seien hier indirekte und zum anderen direkte Faktoren zu nennen.

Als indirekte Faktoren gelten bei ihm: Blinde Marktgläubigkeit (der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Marktes), ein trügerisches Gefühl von Sicherheit (durch eine außergewöhnlich lang anhaltende Periode wirtschaftlicher Stabilität), die weltweite Jagd nach Rendite und zu billiges Geld. Direkte Faktoren sind in diesem Zusammenhang komplexe, neue und falsch bewertete Finanzprodukte, das System der Schattenbanken (Banken lagern risikoträchtige Finanzprodukte an Tochterunternehmen aus), ein irrationaler Überschwung auf dem US-Immobilienmarkt, neue Eigenkapital- und Bilanzierungsregeln für Banken und falsche Anreizsysteme (die eher an kurzfristigem Erfolg orientiert sind) in der Finanzbranche. (Storbeck 2009: 4ff) (vgl. Anhang) Piper sieht die Ursache der katastrophalen Ausmaße der Rezession vor allem darin, dass die Krisenzeichen von Wirtschaft und Politik nicht als solche wahrgenommen wurden. Die globale Weltordnung sei schon vor längerer Zeit aus dem Gleichgewicht geraten was sich durch die Krisen, die als begrenzte Einzelfälle galten, bemerkbar machte und gegen die die Weltwirtschaft und insbesondere die der USA, resistent schien. Durch die Krise sind „die Vereinigten Staaten und mit ihnen die ganze Welt [,..]auf den Boden der Tatsachen gefallen, hart und brutal." (Piper 2009:6)

2.1.2. Neuartigkeit der Krise und Parallelen zu bisherigen Rezessionen

Trotz der Schwere der Krise gehen Experten nicht davon aus, dass sich die Krise zu einer Depression auswachsen könnte wie es etwa in den 1930er-Jahren der Fall war, so die Bundeszentrale für politische Bild]ung. (Bundeszentrale für politische Bildung 2009: 262) Laut Storbeck gehen die Expertenmeinungen in der ersten Hälfte des Jahres 2009 in eine andere Richtung:

„ Immer mehr Experten sahen in der ersten Jahreshälfte 2009 die Gefahr einer zweiten Großen Depression- vom Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman bis hin zu dem IWF-Chefökonomen Olivier Blanchard. So schrieben die Volkswirte Barry Eichengree und Kevin O'Rourke [...] die gegenwärtige Rezession habe „das Ausmaß einer Depression". [...] Frederic Mishkin ging sogar noch weiter: [...] „Der Schock, der aus dem Finanzsystem kommt, ist in der derzeitigen Krise größer als in der Great Depression." Selbst das Bundeswirtschaftsministerium betonte [...]: „Die Dynamik der Abwärtsentwicklung ist im industriellen Sektor mit derjenigen der Weltwirtschaftskrise vergleichbar. In Deutschland ist die Abwärtsdynamik in der Industrie sogar noch etwas stärker als zu Beginn der Wirtschaftskrise.""

„In vielen Aspekten hat die Krise kein Vorbild: Sie ist die erste Finanzkrise, die sich mithilfe moderner, strukturierter Finanzprodukte ausbreitete, sie ist auch die erste, die praktisch den ganzen Globus erfasst hat." (Piper 2009: 20) Seit dem zweiten Weltkrieg befindet sich erstmals die ganze Welt im Abschwung, der Welthandel geht erstmals absolut zurück, was insbesondere Exportnationen wie Deutschland, Japan und Mexiko spüren. Außerdem ist die Reihenfolge der Ereignisse eine andere als in der großen Depression.

Von ihrer Struktur her sei die Rezession aber alles andere als außergewöhnlich; es gäbe sogar einige auffällige Parallelen zu früheren Einbrüchen im Wirtschaftszyklus, so Piper. (Piper 2009: 21) Beide Krisen folgten auf eine lange Ära wirtschaftlicher Prosperität, in beiden Fällen war die Wall Street das Epizentrum und die Entwicklung in den USA der Ausgangspunkt. (Storbeck 2009: 93) Banken und Privathaushalte in den USA waren vor Ausbruch der Krise extrem hoch verschuldet, wie es auch in den 20er-Jahren der Fall war. Auch früheren Krisen ging eine Geldschwemme voraus. Eine ganz wesentliche Gemeinsamkeit ist noch, dass die Rezession mit politischen und geopolitischen Umbrüchen verbunden ist. (Piper 2009: 22) Die große Rezession der 1930er-Jahre begann mit einem heftigen Kurssturz an den Börsen und brachte dann einen Verfall des Preisniveaus und eine jahrelang anhaltende extrem hohe Arbeitslosigkeit mit sich. (Bundeszentrale für politische Bildung 2009: 262)

2.2. John Maynard Keynes und seine Wirkungsgeschichte

John Maynard Keynes wurde 1883 im englischen Cambridge geboren und untersuchte, welche Rolle der Staat bei der Stabilisierung der Wirtschaft und Sicherung der Vollbeschäftigung haben sollte. Erste Zweifel an der klassisch-liberalen Zuversicht in die Selbststeuerungsfähigkeit des Marktes kamen auf, die sich dann in „A treatise on money" 1930 verstärkten. 1936 erschien sein Hauptwerk „Die allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes", dass die Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 als historischen Hintergrund hat. (Keynes-Gesellschaft: 2005/2006a)

Bis dato galt die vorherrschende Meinung, dass der Kapitalismus krisenfrei und auch nicht krisenanfällig sei und falls es doch einmal zu Ungleichgewichten käme, würde sich der Markt „selbst heilen"(Saysches Theorem). Sinkende Preise und Löhne würden bald für die Wiederherstellung des Gleichgewichts auf den Märkten sorgen. Die auf dieser Annahme basierende Politik hatte aber nicht nur keinen Erfolg, sondern bewirkte das Gegenteil: Es kam aber zu einer Abwärtsspirale und einer großen Depression, obwohl die nach dem Theorieansatz zu erfüllenden Voraussetzungen zur Verbesserung Vorlagen. (Wilke 2002:17)

Durch Massenarbeitslosigkeit bedingter Nachfrageausfall wurde durch eine Welle von protektionistischen Maßnahmen mit ihren den Welthandel dämpfenden Effekten verschärft.

Es fehlte jedoch eine Theorie, die einen derartig desaströsen Verlauf der Wirtschaft erklären und staatliche Eingriffe überzeugend begründen konnte. (Wilke 2002:18)

Keynes füllte mit seiner Theorie genau diese Lücke, indem er nicht mehr die Preisrelation und die Preisanpassung in den Vordergrund stellte, sondern die Gesamtnachfrage nach Waren und Dienstleistungen und revolutionierte dadurch die Wirtschaftstheorie. Dadurch entstand eine prinzipielle Einsicht in die Notwendigkeit staatlicher Konjunkturpolitik. Durch den New Deal, eine Reihe von staatlichen Investitionsprogrammen, konnte die Depression beendet werden. (Bundeszentrale für politische Bildung 2009: 262) Nach der großen Depression konnten größere Katastrophen vermieden werden:

„...die Banken [...] wurden einer straffen Regulierung unterworfen und von einem starken Sicherheitsnetz gestützt. Internationale Kapitalbewegungen, die in den dreißiger Jahren eine zerstörerische Rolle gespielt hatten, wurden ebenfalls eingeschränkt. Das Finanzsystem wurde ein bisschen langweilig, aber viel sicherer. Irgendwann wurde es dann wieder interessant und gefährlich" (Krugman 2009:220)

Trotz vieler Erfolge in der Anwendung, in der Zeit von 1950-1973 wuchs das BIP der Industrienationen um durchschnittlich 3% und die Arbeitslosenzahlen waren gering (vgl. Anhang Abbildung 1), war die Argumentation mit Keynes Theorie weithin verpönt da sie fälschlicherweise mit den Misserfolgen der Wirtschaftpolitik in Zusammenhang gebracht wurde. Seine Theorie wurde oftmals nur zum Teil und dann auch nicht immer „glücklich" angewandt. (Keynes-Gesellschaft 2006-2009b)

Mit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems Anfang der 70er Jahre nahm die neoklassisch fundierte Sicht der Dinge zu; die Finanzmärkte wurden dereguliert und wie Krugman sagte: „Interessant und gefährlich" (Krugman 2009: 220). Währungskrisen waren keine Seltenheit mehr, bis es ab 2007 zur großen Finanzkrise kam, in der keynesianische Instrumente wieder als „Rettung in der Not" Anwendung fanden.

2.2.1 Die Allgemeine Theorie der Beschäftigung des Zinses und des Geldes

Der Staat kann die Schwäche des Kapitalismus, der aus sich selbst heraus instabil und unfähig ist aus eigener Kraft Vollbeschäftigung zu erreichen, in den Griff bekommen. (Storbeck 2009: 111) Bricht die Binnennachfrage eines Landes dramatisch ein und kann dies durch Export nicht kompensierend ausgeglichen werden, schlittern alle entwickelten Staaten gleichzeitig in die Krise, so muss die Nachfrage angekurbelt werden, da diese erforderlich ist, um eine hohe Beschäftigung wiederzugewinnen. (Hank 2009: 178) Löhne und Preise zu senken ist laut Keynes der falsche Weg, denn die Annahme, dass dadurch zusätzliches Angebot entstünde, dass sich gemäß dem Sayschen Theorem seine eigene Nachfrage schaffe, ist irreführend.

Der Staat muss also beherzt eingreifen und eine antizyklische Konjunkturpolitik betreiben. Das bedeutet, er muss in „guten Zeiten" sparen (deficit saving) und in „schlechten" Geld ausgeben (deficit spending), um die Ausschwünge der Zyklen abzumildern und Krisen abzuschwächen. Um den „Motor wieder zum Laufen zu bringen" hat der Staat mehrere Möglichkeiten. Er kann geldpolitisch eingreifen, indem er zum Beispiel die Leitzinsen drastisch senkt, die Geldmenge erhöht oder die Mindestreservesätze ändert. Keynes bevorzugt allerdings fiskalpolitische Maßnahmen (da geldpolitische Maßnahmen allein nicht reichten), bei denen der Staat als Nachfrager auftritt, Anreize zum Nachfragen setzt und staatlich umverteilt. (Storbeck 2009:112)

Wenn aber Banken keine Kredite mehr ausgeben, Unternehmer nicht mehr investieren und Bürger aus Angst nicht mehr konsumieren, dann hülfe es auch nichts, sie mit direkten Steuergeschenken zum Konsum zu verführen, da dieses Geld eher gespart als in so einer Zeit ausgegeben wird, da kein Vertrauen mehr vorherrscht. (Hank 2009: 178)

Der Staat sollte z.B. in die Infrastruktur investieren und Straßen, Brücken und Autobahnen bauen, Schulen modernisieren und Universitäten vergrößern. Dies sollte möglichst schnell geschehen, da die Staatsausgaben bei den privaten Akteuren Effekte auslösen sollen. Hier spricht man vom keynesianischen Multiplikatoreffekt: Beauftragt der Staat eine Firma um Straßen zu bauen, braucht diese wiederum Arbeitskräfte, Rohstoffe und Maschinen, die ihrerseits von anderen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, die somit auch wieder Arbeitskräfte etc. benötigen. Der Initiativstimulus setzt auf Zweit- und Drittrundeneffekte, welche den ursprünglichen Impuls vervielfältigen. Durch den Stimulus setzt der Staat also eine Vertrauenskaskade in Gang. Wenn der Staat seinen Bürgern Geld anvertraut, können diese getrost auch wieder einander trauen und miteinander Geschäfte machen. (Hank 2009:178)

2.2.2. Kritikpunkte und Einschränkungen Keynes' Theorie in der Praxis

Eine Schwierigkeit in der Durchführbarkeit der Theorie stellen eng miteinander verknüpfte Volkswirtschaften dar. EU-Länder beispielsweise sind sehr stark von ihren Nachbarländern abhängig, wodurch sich die konjunkturellen Veränderungen eines Staates relativ schnell auf die Entwicklung der anderen Staaten auswirken können. Durch große Abhängigkeiten könnten sich die Auswirkungen von antizyklischen Stabilisierungsmaßnahmen gegenseitig negativ beeinflussen oder sogar neutralisieren. (Wilke 2002: 161)

[...]

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640872503
ISBN (Buch)
9783640872978
Dateigröße
935 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169112
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Schlagworte
John Maynard Keynes Keynes Globalisierung Finanzkrise Allgemeine Theorie der Beschäftigung des Zinses und des Geldes Krise Depression Große Depression USA Außenpolitik Deutsche Außenpolitik amerikanische Außenpolitik Politisches Management Finanzielle Globalisierung Finanzmarkt

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Titel: Finanzkrise ab 2007 - Keynesianische Politik zu Zeiten der Globalisierung am Beispiel USA und Deutschland