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Die Bedeutung von Wissen für unsere heutige Gesellschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 27 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzepte von Wissen
2.1 Wissen in der Philosophie
2.2 Das Wissensverständnis in den Gesellschaftswissenschaften
2.2.1 Wissen als Handlungsvermögen
2.2.2 Der subjektive Wissensbegriff
2.2.3 Der Systemtheoretische Ansatz
2.2.4 Differenzierung in den Erziehungswissenschaften
2.2.5 Implizites, explizites und bildliches Wissen
2.3 Konzepte von Wissen - ein kurzes Fazit

3. Wissensgesellschaft
3.1 Entwicklung zu einer Wissensgesellschaft
3.2 Merkmale der Wissensgesellschaft
3.3 Lebenslanges Lernen
3.4 Probleme der Wissensgesellschaft
3.5 Ausblick: Wissensmanagement als eine Folge der Wissensgesellschaft

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Bücher
5.2 Aufsätze und Artikel
5.3 Sonstige Internetquellen

1. Einleitung

Was ist Wissen und was ist die Wissensgesellschaft? Diese Begriffe zu definieren ist nicht einfach, weil beide Konzepte schwer greifbar und abstrakt sind. Wissen wird häufig in der Umgangssprache verwendet, ohne zu bedenken, was dieses Wort genau bedeutet. Leute sprechen davon, dass sie Wissen in der Schule oder in der Universität erworben haben und meinen damit Kenntnisse und Fähigkeiten. Man sagt oft im Alltag, dass wir eine Sachlage wissen und wir meinen aber, etwas verstanden haben. Das sind Beispiele von Wissen, die illustrieren wie komplex dieser Begriff doch ist.1 „„Wissen“ ist zum eindrucks- vollen, autoritätsheischenden und Fortschrittlichkeit signalisierenden Paradigma avanciert - was eigentlich für so ein altes und unspektakuläres Wort erstaunlich ist - und wird daher nicht nur reichlich wahllos und unreflektiert verwendet, es wird auch beliebig kombiniert, damit vergewaltigt, verzerrt und entleert […].“2

Die Unsicherheit des Wissensbegriffs dient als Grundlage für die zahlreichen Diskussio- nen, ob unsere Gesellschaft eine Wissensgesellschaft ist oder nicht.3 HELMUT WILLKE sieht Anzeichen dafür, dass die neue Form unserer Gesellschaft die Wissensgesellschaft sein wird. „Das Konzept der Wissensgesellschaft setzt einen wesentlich anspruchsvolle- ren, kognitiven Wissensbegriff voraus, als in dem fast schon zum Ritual verkürzten Ver- weis auf die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien als konstitutives Merkmal einer Wissensgesellschaft der Fall ist, auch wenn die Digitalisierung der Informa- tion und Kommunikation sicher ein hervorstechendes Merkmal einer Wissensgesellschaft ist.“4 Der Wissensbegriff beinhaltet hier neben dem gespeicherten Informationswissen auch Daten und Fakten sowie inhaltliches Basiswissen. Die Komplexität von Wissen ist oftmals der Grund, warum das Modell der Wissensgesellschaft mit den Konzepten des Wissensmanagements verbunden wird.5 Der Begriff Wissensgesellschaft trifft auf eine große Resonanz in den öffentlichen Diskussionen, weil er interessante Fragen über die Zustände und Entwicklungen von modernen Gesellschaften aufwirft. Durch diesen Begriff werden beispielsweise Probleme von gesellschaftlichen Institutionen wie dem Staat oder der Wissenschaft aufgezeigt.6

1. Einleitung

Wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit den Themen Wissen und Wissensgesellschaft auseinandersetzen, beschäftigen sich auch mit dem Themenkomplex Wissensmanage- ment. Dies spiegelt sich in den zentralen Werken, die dieser Arbeit zu Grunde liegen, wi- der. JOSEF MAISCHs (2006) „Wissensmanagement am Gymnasium. Anforderungen der Wissensgesellschaft“, beleuchtet vor allem die Konzepte von Wissen und hebt auch eini- ge Aspekte der Wissensgesellschaft hervor. Die Dissertation von MATTHIAS KRÄMER (2003) „Der Einfluss informeller Kommunikation auf innerbetriebliches Wissensmanage- ment“ gibt ebenfalls einen guten Einblick in die Konzepte von Wissen und das Wissens- management. Vor allem seine kritische Betrachtung von Teilaspekten des Wissensbeg- riffs ist sehr hilfreich. Die Beispiele aus der Praxis vereinen diese mit der Theorie. Zudem ist WERNER WIATERs Werk (2007) „Wissensmanagement. Eine Einführung für Pädago- gen“ zu nennen. Darin sind wertvolle Informationen zu den Wissenskonzepten und der Wissensgesellschaft enthalten. Ergänzend sind die Publikationen von dem deutschen Soziologen NICO STEHR (2001) „Wissen und Wirtschaften. Die gesellschaftlichen Grund- lagen der modernen Gesellschaften“ und sein Aufsatz „Moderne Gesellschaften“ zu nen- nen. Darin wird vor allem das Wissenskonzept „Wissen als Handlungsvermögen“ sehr ausführlich beschrieben. Zuletzt beschreibt HELMUT WILLKEs (1998) „Systemisches Wissensmanagement“ sämtliche Aspekte der Wissenskonzepte sehr ausführlich.7

In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung Wissen für unsere Gesellschaft heute hat. Es werden einige definitorische Ansätze von Wissen aus der Philosophie, den Gesellschafts-, den Erziehungswissenschaften und der systemtheoretische Ansatz vorgestellt. Es gibt eine Unterscheidung der Wissensarten Implizites, Explizites und Bildliches Wissen. Im zweiten Teil dieser Arbeit wird die Thema- tik der Wissensgesellschaft näher beleuchtet. Hier werden die Entwicklung zu einer Wis- sensgesellschaft, ihre Merkmale und Probleme und das Konzept des Lebenslangen Ler- nens diskutiert. Zum Schluss dieses Kapitels gibt es einen kurzen Einblick über das Wis- sensmanagement als eine mögliche Folge der Wissensgesellschaft.

2. Konzepte von Wissen

„Wissen“ spielt immer schon eine große Rolle in der Entwicklung der Menschheit. Darum wird der Begriff des Wissens in sehr unterschiedlichen Bedeutungszusammenhängen verwendet.8 Wissen ist der Leitbegriff der Wissensgesellschaft und hat in den verschiedenen Kontexten andere Bedeutungen. Durch die Allgegenwart von Wissen ist es nicht einfach zu definieren, was es genau ist, bzw. was es bedeutet. So ist es erforderlich den Wissensbegriff im Hinblick auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Orte, an denen Wissen erworben und verwendet wird, differenziert zu betrachten.9

In dieser Arbeit ist „Wissen“ der Schlüsselbegriff, um verstehen zu können, was die Wissensgesellschaft ist. Im Folgenden werden verschiedene Perspektiven des Wissensbegriffs und ihm zu Grunde liegenden Konzepte vorgestellt und diskutiert. Es handelt sich um eine subjektive Auswahl der aktuellen Perspektiven. Es wird versucht einen Querschnitt durch die verschiedenen Wissenschaften zu ziehen. Je nach wissenschaftlicher Perspektive gibt es verschiedene Schwerpunkte bzw. Differenzierungen.

2.1 Wissen in der Philosophie

Die griechischen Philosophen SOKRATES, PLATON und ARISTOTELES waren die Ers- ten, die sich mit dem Wissensbegriff auseinander setzten. Demnach ist Wissen eine be- gründbare, zu rechtfertigende oder demonstrierende Erkenntnis. Sie muss von der Ver- mutung, Meinung und dem Glauben abgegrenzt werden.10 Wissen ist „im Unterschied zu […] Meinung und […] Glaube die auf Begründungen bezogene und strengen Überprü- fungspostulaten unterliegende Kenntnis“.11 Die Anhänger dieser Theorie gehen davon aus, dass Wissen existiert und versuchen zu erklären wie dieses zu erlangen ist. Anderer Ansicht sind die Skeptiker. Sie glauben, dass die Menschen nichts wissen können.

Die Anhänger entwickelten zwei Denkrichtungen. Zum einen den Rationalismus, für den es nur vorläufige, aber keine grundsätzlich unlösbaren Probleme gibt. Beispiel ist die Wis- senschaft der Mathematik, insbesondere die Geometrie. Vertreter des Rationalismus sind unter anderem IMMANUEL KANT und RENÉ DESCARTES. Der Empirismus ist als zwei- te Denkrichtung anzusehen. Er leitet die Erkenntnis auf die Sinneswahrnehmung der Menschen ab und steht daher im Gegensatz zum Rationalismus. Beispiel für den Empi- rismus ist die Naturwissenschaft vertreten durch FRANCIS BACON und JOHN LOCKE.12 BACONs Ausspruch „Wissen ist Macht“ besitzt auch heutzutage noch eine Gültigkeit. „Bacon behauptet, dass der besondere Nutzen des Wissens sich von seiner Fähigkeit ableitet, etwas in Gang zu setzen.“13 Der Ausspruch bedeutet, wer Wissen hat, kann ei- nen Vorteil daraus ziehen. In der Renaissance war das Wissen wichtig, um die Zusam- menhänge der Schöpfung besser zu verstehen. Daher war dieses Wissen auf die Anwen- dung des technischen Wissens, in Form von handwerklichem Wissen, begrenzt.14

„Das Hauptargument der Skeptiker gegen die Dogmatiker war, dass der Aufbau des Wis- sens durch eine Folge von aufeinander bezogenen Rechtfertigungen kein sicheres Wis- sen ermögliche, da dies einen unendlichen Regress der Rechtfertigungen zur Folge hätte. Die Basierung dieses Regresses auf der Wahrnehmung […] führte zur Diskussion und Ablehnung d]er Objektivität der Wahrnehmung durch die Skeptiker.“15 In der Neuzeit wur- de der Streit zwischen den Anhängern der klassischen Wissenstheorie und den Skepti- kern zugunsten der Skeptiker entschieden. Der Kritische Rationalismus sagt, dass es ver- nünftig ist eine Hypothese probeweise zu betrachten. Vorrausetzung dafür ist, dass diese Hypothese ernsthafter Kritik und empirischen Prüfungen standgehalten hat. Dieser Standpunkt schlägt eine Brücke im Sinne der Rationalisten und Empiriker. Zudem gilt der Kritische Rationalismus als Vorläufer des modernen konstruktivistisch geprägten Wis- sensbegriffs, der heute die Geisteswissenschaften prägt.16

2.2 Das Wissensverständnis in den Gesellschaftswissenschaften

2.2.1 Wissen als Handlungsvermögen

NICO STEHR definiert Wissen als „Fähigkeit zum sozialen Handeln(Handlungsvermö- gen) […], als die Möglichkeit, etwas in »Gang zu setzen«“.17 Er sieht Wissen als ein sym- bolisches System, das die Realität strukturiert. Damit stellt Wissen ein Modell für die Wirk- lichkeit dar und es ist in der Lage die Realität zu verändern.18 STEHR stützt seine Beg- riffswahl auf BACONs These, dass Wissen Macht bedeutet. Zudem sagt er, dass die menschliche Naturerkenntnis sowohl ein Ursachenwissen, als auch die Kenntnis der Handlungsregeln darstellt. Damit besitzt die menschliche Naturerkenntnis das Vermögen einen fraglichen Prozess in Gang zu setzen oder gar zu erzeugen. An der Veränderung der Realität lassen sich die Erfolge und/ oder Folgen des menschlichen Handelns ablesen.19 „Erkenntnis gewinnt anDistinktionoder Wert aufgrund seiner Fähigkeit, die Wirklichkeit zu verändern. Infolgedessen kann man Wissen alsFähigkeit zum sozialen Handelndefinieren, als Möglichkeit, einem Vorgang eine neue Richtung zu geben. Wissenschaftliche Erkenntnisse oder technologisches Wissen sind also genau wie religiöses Wissen zunächst nichts anderes als Handlungsvermögen.“20

Wissen erfüllt nur dort eine aktive Funktion, wo es einen Entscheidungsspielraum oder Entscheidungsnotwendigkeiten gibt. Das heißt, es liegt beispielsweise kein Handeln vor, wenn ein Fabrikarbeiter eine Schraube nach Vorschrift herstellt. Diese Verhaltensweise bezeichnet STEHR als reproduktive Handlung, weil sie in einem rationalisierten Gefüge von Vorschriften ohne eine persönliche Entscheidung durchgeführt wurde. Das wissen- schaftliche und technische Wissen haben in der modernen Gesellschaft einen hohen Stellwert, weil diese Wissensform immer neue Handlungsmöglichkeiten schafft. Diese Wissensform kann von Individuen, Unternehmen und vom Staat vorrübergehend ange- eignet werden.21

Ferner sieht STEHR Wissen als ein „Gemeingut (public good)“22, das für alle da ist und nicht an Einfluss verliert sobald es bekannt wird. Wenn Wissen beispielsweise verkauft wird, so bleibt es dennoch das Eigentum seines ursprünglichen Produzenten. Dies steht im Gegensatz zur Ware, die wenn sie verkauft wird, den Eigentümer wechselt. Der ursprüngliche Produzent des Wissens behält auch nach dem Tauschprozess die Verfügungsgewalt über das Wissen.23

2.2.2 Der subjektive Wissensbegriff

Das subjektive Verständnis von Wissen hat sich in den Gesellschaftswissenschaften gegenüber dem philosophischen objektiven Wissensbegriff konstituiert. Wissen gilt als Ergebnis unserer eigenen Konstruktionen, die auf der Basis unserer Erfahrungen entstehen. Die aus den Erfahrungen konstruierten Wissensnetze werden zur Interpretation der Wirklichkeit angewendet. Die Interpretationen müssen der alltäglichen Konfrontation mit der Umwelt standhalten und unterliegen einem dynamischen Anpassungsprozess. Zudem unterliegt Wissen unseren Emotionen. Daher können unangenehme Situationen ausgeblendet werden, weil diese Erfahrungen mit Emotionen verbunden sind. Demzufolge ist Wissen ein Teil unserer Persönlichkeit und stiftet Identität.24

Diese moderne subjektive Sichtweise des Wissensbegriffs ist auch im Philosophischen Wörterbuch von HEINRICH SCHMIDT zu finden: „Wissen heißt Erfahrungen und Einsich- ten haben, die subjektiv und objektiv gewiß sind und aus denen Urteile und Schlüsse ge- bildet werden können, die ebenfalls sicher genug erscheinen, um als […] [Wissen] gelten zu können.“25 Die Bindung von Wissen wird in den modernen Gesellschaftswissenschaf- ten auf Gruppen und auf das Zusammenwirken einzelner Menschen übertragen.26

2.2.3 Der Systemtheoretische Ansatz

MATTHIAS KRÄMER schreibt in seiner Dissertation „Der Einfluss informeller Kommunika- tion auf innerbetriebliches Wissensmanagement“, dass die Termini „Daten“, „Informatio- nen“ und „Wissen“ in der Literatur oftmals gleichzeitig und synonym verwendet werden. Dadurch werden gute Voraussetzungen für Missverständnisse geschaffen.27 Um solche Missverständnisse nicht aufkommen zu lassen, werden diese Begriffe klar voneinander abgegrenzt und diskutiert.

2.2.3.1 Daten

JOSEF MAISCH definiert ein Datum als „eine codierte Beobachtung in der Form einer geregelten symbolischen Darstellung.“28 Diese Daten sind durch die Beobachtung in Zah- lenreihen, Texte oder Bilder kodiert ohne Hinweise auf ihre Verwendbarkeit. Die Kodie- rung hängt vom jeweiligen kulturellen Kontext des Beobachters ab. Durch das Internet, die zunehmende Digitalisierung, die Globalisierung und Medialisierung unserer Gesell- schaft kommt es zu einer Datenflut. Die Daten“ sind sozusagen der Rohstoff für die Infor- mationen.29

2.2.3.2 Informationen

Informationen sind Daten, die in einem systematischen Kontext über einen Sachverhalt aufklären. Innerhalb eines Systems stellt eine Information ein Ereignis dar, das von die- sem System verarbeitet wird. Die Information muss einen Einfluss auf das System aus- üben, damit sie vom System verarbeitet werden kann. Der Grad des Einflusses der Infor- mation auf das System ist von dessen Struktur abhängig. So hat eine gleiche Information für unterschiedliche Systeme eine unterschiedliche Relevanz. Durch den einmaligen Ein- fluss der Information auf das System wird sie ein Bestandteil des Systems. Informationen beruhen auf dem Unterschied zwischen der Erwartung, was aufgrund der Information ge- schehen soll bzw. wird, und dem tatsächlichem Ereignis. Durch die Kopplung der Informa- tion an einen Kontext und an ein psychisches System, kann diese Information weder übertragen, noch zur Steuerung fremder Systeme verwendet werden. Folglich ist ein Informationsaustausch zwischen verschiedenen Systemen unmöglich.30

Ein Beispiel wie aus Daten Informationen werden können ist die Datenreihe 14.7.1789. Im Zusammenhang über die europäische Geschichte wird aus diesem Datum der Tag des Sturms auf die Bastille in Paris und der Beginn der Französischen Revolution.31 Ein denkwürdiger Tag in der europäischen Geschichte mit weitreichenden Folgen.

2.2.3.3 Wissen

Informationen sind das, was roh, spezifisch und praktisch ist. Wissen bezeichnet das Ge- kochte, das gedanklich Verarbeitete oder Systematisierte.32 Damit aus Informationen Wis- sen wird, muss der Mensch diese Informationen in seinem Erfahrungskontext, seiner Denk-, Gefühls und Handlungsstruktur aufnehmen. Er wählt die Informationen aus, be- wertet, vergleicht und vernetzt sie mit dem im Gedächtnis abgespeicherten Wissen. Wis- sen ist in Folge dessen nicht mit verfügbaren Informationen gleichzusetzten, sondern es entsteht durch die Fähigkeit des einzelnen Menschen Aussagen über Fakten und Ideen in einen Kontext zu stellen.33 „Von Wissen spricht man im Unterschied zu Daten oder Infor- mationen erst, wenn Daten und Informationen Eingang in die Denkstruktur des Menschen gefunden haben und Bedeutungen, Werteinsichten, Beziehungen und Impulse zum Wei- terdenken und zum Handeln davon ausgehen. Die individuelle Verfügbarkeit von Wissen ist demnach ein entscheidendes Kriterium (in Differenz zur Information) […].“34 WERNER WIATER weist zudem darauf hin, dass Daten, Informationen und Wissen „nicht als auf- einander folgende Stufen zu betrachten sind“.35

KRÄMER nennt die Zielorientierung als die zweite Bedingung zur Entstehung von Wissen und stützt sich damit auf HELMUT WILLKE.36 Für WILLKE ist Wissen ein „notwendiger Bestanteil eines zweckorientierten Produktionsprozesses“37, dessen Ergebnisse unterschiedlichster Art sein können. Beispielsweise zählen dazu Fertigkeiten, Leistungen oder Zustände. Um Radfahren zu können, das heißt diese Fertigkeit zu besitzen, muss der Mensch einen koordinierten Bewegungsprozess in Gang bringen. Dessen Voraussetzung ist ein erfahrungsgebundenes Wissen.38

[...]


1 Vgl. Reinmann, Gabi (2008): Wissen und Information im Zeitalter des Internets. In Unesco heute 1/2008, S. 12 - 15. Unter: http://www.unesco.de/fileadmin/medien/Dokumente/unesco-heute/uh1-2008/uh108_s12-15.pdf (Zugriff am

18.09.09), S. 12.

2 Kübler, Hans-Dieter (Hg.) (2009): Mythos Wissensgesellschaft. Gesellschaftlicher Wandel zwischen Information, Me- dien und Wissen ; eine Einführung. 2., durchges. und erw. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwissenschaften, S. 89.

3 Vgl. Reinmann, a.a.O. 2008, S. 12.

4 Wiesner, Gisela/ Wolter, Andrä (Hrsg.) (2005): Die lernende Gesellschaft. Lernkulturen und Kompetenzentwicklung in der Wissensgesellschaft. Weinheim, München: Juventa Verlag, S. 33.

5 Vgl. Ebd.

6 Vgl. Stehr, Nico (2006): Aktuelle Probleme der Wissengesellschaft: Bildung, Arbeit und Wirtschaft. In: Kempter, Klaus/ Meusburger, Peter (Hg.): Bildung und Wissensgesellschaft. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag, S. 363.

7 Vgl. Willke, Helmut (1998): Systemisches Wissensmanagement. Stuttgart: Lucius und Lucius, S. 389.

8 Vgl. Maisch, Josef (2006): Wissensmanagement am Gymnasium. Anforderungen der Wissensgesellschaft. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 36.

9 Vgl. Wiater, Werner (2007): Wissensmanagement. Eine Einführung für Pädagogen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozial- wissenschaften, S. 11 ff..

10 Vgl. Maisch a.a.O. 2006, S. 36.

11 Meyer, Hermann Julius (1979): Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Neunte völlig neu bearbeitete Auflage zum 150jährigen Bestehen des Verlags, Band 25. Mannheim [u.a.]: Lexikonverlag: S. 434.

12 Vgl. Schmidt, Heinrich/ Schischkoff, Georgi (1965): Philosophisches Wörterbuch. 17. Auflage, Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, S. 131 ff.; Maisch a.a.O. 2006, S. 36 f..

13 Stehr, Nico (2001a): Wissen und Wirtschaften. Die gesellschaftlichen Grundlagen der modernen Ökonomie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 62.

14 Vgl. Eid, Volker (2002): „Alle wissen alles, aber keiner weiß Bescheid. Über Wissens-Optimismus und frustrierende

Unübersichtlichkeit“. In: Rüdel, Reinhardt/ Stadelhofer, Carmen (Hg.): Wohin gilt die Wissensgesellschaft? Interdiszipli- näre Beiträge zu Entwicklungen in Medizin, Informatik, Wirtschaft und Bildung sowie zur Grenzsituation zwischen Leben und Tod. Bielefeld: Kleine, S131.

15 Maisch a.a.O. 2006, S. 37.

16 Vgl. Ebd., S. 37 f..

17 Stehr a.a.O. 2001a, S. 62.

18 Vgl. Stehr, Nico (2001b): Moderne Wissensgesellschaften. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B36/2001, S. 8.

19 Vgl. Ebd.

20 Ebd.

21 Vgl. Ebd., S. 8 f..

22 Ebd., S.9.

23 Vgl. Ebd..

24 Maisch a.a.O. 2006, S. 38.

25 Schmidt/Schischkoff a.a.O. 1965, S. 650.

26 Vgl. Maisch a.a.O. 2006, S. 39.

27 Vgl. Krämer, Matthias (2003): Der Einfluss informeller Kommunikation auf innerbetriebliches Wissensmanagement. Freie Univ., Diss.--Berlin, 2002. Berlin: Pro Business, S. 59.

28 Maisch a.a.O. 2006, S. 39.

29 Vgl. Ebd. S.39 f.; Wiater a.a.O. 2007, S. 15.

30 Vgl. Krämer a.a.O. 2003, S. 60 f.; Wiater a.a.O. 2007, S. 15.

31 Vgl. Wiater a.a.O. 2007, S. 15.

32 Vgl. Burke, Peter/ Wolf, Matthias (2002): Papier und Marktgeschrei. Die Geburt der Wissensgesellschaft. 3.-4. Tsd. Berlin: Wagenbach, S. 20.

33 Vgl. Wiater a.a.O. 2007, S. 15 f.; Krämer a.a.O. 2003, S. 61; Maisch a.a.O. 2006, S. 40.

34 Wiater a.a.O. 2007, S. 16.

35 Ebd.

36 Vgl. Krämer a.a.O. 2003, S. 61.

37 Willke a.a.O. 1998, S. 11.

38 Vgl. Ebd., S. 11 f..

Details

Seiten
27
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640872695
ISBN (Buch)
9783640872824
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169172
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Schlagworte
Wissen Wissensgesellschaft Wissensmanagement

Autor

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