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Welche Bedeutung hatte die Varusschlacht (9 n. Chr.) für die Germanen einerseits und für das römische Reich andererseits?

Essay 2010 6 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Das romische Reich verlor drei Legionen bei der Varusschlacht, dies war ein nur schwer zu kompensierender Verlust. Fur Tiberius, der Kaiserthronanwarter und ein sehr geschickter Feldheer, galt Sicherheit zuerst. Auf Grund dessen wurden die Legionen 10 n. Chr. am Rhein verdoppelt. Diese sechs neuen Legionen dienten aber nicht nur der Verteidigung, sondern sollten die eroberten Gebiete zuruck gewinnen. Um diese Legionen auf stellen zu konnen, wurden die Romer zwangsweise zum Truppendienst eingezogen, doch viele verweigerten sich und wollten lieber in Rom sterben, als in Germanien den Tod zu finden. So setzten sich die neuen sechs Legionen mehrheitlich aus freigelassenen Sklaven und armen Grofistadtern zusammen. Des Weiteren wurde der Truppendienst von vier Jahren auf 20 Jahren erhoht. Den Legionaren wurden die zu erobernden Gebiete in Germanien versprochen, welche die Legionen nicht sonderlich begehrte, da es aus ihrer Sicht in Germanien zu kalt, zu nass und vor allem zu wenig brauchbares Land gab.

Funf Jahre duldete das romische Reich die Schmach der Varusschlacht und handelte nicht, bis am 19. August 14 n. Chr. Augustus starb und Tiberius, sein Nachfolger, die Macht ubernahm. Wahrend Tiberius die Amtsgeschafte ohne besonderen Vorkommnisse antrat, sammelte Germanicus, der Grofineffe von Augustus, die I., V., XX. und XXI. Legionen vom Niederrhein im Legionslager von Novaesium. Doch die Legionen rebellierten, weil ihre Dienstzeit unter Augustus verlangert worden war (s. o.), die Bezahlung zu gering war und sie zu schlecht von den Zenturionen und Tribunen behandelt wurden. Diese inneren Unruhen fuhrten dazu, dass die Germanen die Romer unterschatzten.

Germanicus schlug die Rebellen durch einen blutigen Putsch, mit Hilfe ihm loyalen Legionaren, nieder und konnte im Spatsommer 14 n. Chr. Seinen Rachefeldzug gegen Germanien starten. Seine Legionen besafien, wegen der Rebellion, nicht mehr in volle Truppenstarke aber dies beeintrachtigte die Romer nicht daran den Stamm der Marser zu uberraschen und alle niederzumetzeln. Die Marser hatten an der Varusschlacht teilgenommen und waren wahrenddessen mit den Cheruskern und damit mit Arminius verbundet gewesen. Die Verbundeten der Marser die Brukterer, Tubanten und Usipeter kamen zur Hilfe, wurden aber ebenfalls durch die von den Romern angewandte Disciplina bezwungen und niedergestreckt. Durch diese Erfolge steigerte sich das angeschlagene Selbstbewusstsein der Romer und liefi sie optimistisch ins nachste Jahr schauen, wo weitere Feldzuge geplant waren.

Tiberius plante die Germanen zu spalten, indem er allen die bereit waren mit den Romern zu kooperieren grofizugige Forderungen zu kommen liefi. Wenn aber die einzelnen Stammesmitglieder nicht bereit waren zu kooperieren, dann liefi Tiberius die Taktik der verbrannten Erde anwenden und die Germanen die nicht fliehen konnten, toten. Die Romer machten keinen Unterschied zwischen Mann oder Frau, Greis oder Kind. Tiberius' Plan ging auf und es gelang ihm fur kurze Zeit eine Spaltung der Germanen. Segestes, ein Cheruskerfurst, war den Romern schon vor der Varusschlacht zu getan, musste aber auf der Seite seines Stammes kampfen. Er kannte die Vorzuge, die das romische Reich mit sich brachte und hatte Angst Opfer eines Vergeltungsschlages der Romer zu werden, weswegen er intensivst fur die romische Seite bei den Germanen warb. Daraus entwickelte sich ein cheruskischer Burgerkrieg.

Im Fruhjahr 15 n. Chr. zog Germanicus mit seinen 10 000 -kopfigen Hilfstruppen und vier Legionen von Mainz durch die Wetterau an die Ems. Dabei uberraschten sie die Chatten und verfuhren nach der schon vorher genauer beschriebenen Taktik der verbrannten Erde. Es konnten nur die uberleben, welche sich bedingungslos ergaben oder flohen.

Segestes wurde wahrend des cheruskischen Burgerkrieges in seinen Furstensitz von Arminius und seiner Gefolgschaft belagert und bat Rom um Hilfe. Die Romer schafften es noch rechtzeitig Segestes und seine Gefolgschaft zu befreien, doch dadurch sammelten sich immer mehr Germanenstamme um Arminius und bildeten eine immer starkere Koalition gegen Rom. Vielleicht lag dies daran, dass die Romer sich in die ''germanische Innenpolitik'' einmischten und Arminius', von Segestes geraubte, Frau Thusnelda in die Hande der Romer fiel. Dies steigerte seine Popularitat und viele wollten Arminius gegen diese Ungerechtigkeit unterstutzen. Der romische Weg der Diplomatie war endgultig gescheitert und nun setzte das romische Reich auf Gewalt. Germanicus brach im Sommer 15 n. Chr. mit acht Legionen und Hilfstruppen der Bataver und Chauken auf zur Ems. Aber der Marsch zu den Cheruskern brachte nur Verluste und die Romer mussten wieder zuruck in ihre Winterlager auf der linken Rheinseite. Weil diese ganzen Unternehmungen in Germanien so verlustreich waren, beschloss Tiberius den Krieg in Germanien abzubrechen. Germanicus war es gelungen einen Legionsadler zuruck zu erobern, wodurch die Verluste aufgewertet werden konnten, um sie dem romischen Volk besser darzubringen. Tiberius hatte eingesehen, dass Germanien nicht beherrscht werden konnte. Germanicus aber widersetzte sich Tiberius' Anordnungen und brach 16 n. Chr. zu einem Feldzug auf, der bis an die Elbe gehen sollte. Er gelangte nicht an die Elbe, konnte aber zwei Mal die Cherusker besiegen, wobei Arminius schwer verwundet wurde. Aber dies war kein endgultiger Sieg uber Germanien und das Hinterland der Cherusker war unversehrt geblieben. Germanicus hatte seinen Feldzug, wegen dem herannahenden Winter abbrechen mussen. Auf dem Seeruckweg ins Winterlager kamen Germanicus und seine acht Legionen in einen Seesturm und er verlor mehr von seinen Legionaren dabei, als die Varusschlacht an Verlusten gefordert hatte. Doch Germanicus wollte von Germanien nicht ablassen, obwohl er sich selbst die Schuld an der Katastrophe gab. So gelang es ihm 17 n. Chr. bei den Masern den 2. Legionsadler zuruckzuerobern. Tiberius schaffte im selben Jahr Germanicus von Germanien abzubringen und nannte ihm einige Argumente denen Germanicus nichts zu widersetzen hatte. Tiberius erklarte ihm, dass Germanien den Aufwand von Truppen und Rohstoffen nicht wert sei, dass es nur Walder und Sumpfe zu bieten hatte, fur die romischen Legionaren vollkommen unattraktiv war und Tiberius der bessere Feldherr sei, da er weniger Verluste erlitten hatte. So uberliefi Rom Germanien sich selbst.

Arminius und Marbod, der Markommanenkonig links von der Elbe, begannen sich zu bekriegen. Marbod verlor die kriegerischen Auseinandersetzung und zog sich nach Bohmen zuruck. Arminius hoffte ein Cheruskerkonigreich bilden zu konnen, was sich zwischen Rhein, Donau und Elbe erstrecken sollte. Doch dies missfiel vielen Angehorigen seiner Stammeskoalition und 21 n. Chr. wurde Arminius hinterlistig von einem aus seiner Gefolgschaft getotet.

Das romische Reich loste die offensive Konzentration der romischen Truppen zwischen Lippe und Main auf und die acht Legionen wurden entlang des Rheins aufgeteilt.

In Koln wurde die I. und die XX. Legion stationiert und in Xanten blieb die V. und XXI. Legion stationiert. Die XIV. und XVI. Legion stationierte man in Mainz, eine weitere in Strafiburg und die letzte der acht Legionen wurde in der nordlichen Schweiz stationiert. 47 n. Chr. baten die Cherusker, auf Grund eines morderischen cheruskischen Burgerkrieges, den Kaiser Claudius um eine Regierungsreform, zur Monarchie hin. Claudius setzte Italicus, den Neffen von Arminius, als Cheruskerkonig ein, welcher ein sehr loyaler romischer Burger war, um die Selbstvernichtung der Cherusker zu verhindern.

Viele Kaiser nach Tiberius versuchten Germanien zu erobern, denn es safi den Romern wie ein Stachel im Fleisch. Domitian (81 - 91 n. Chr.) gelang es die Lofiebene nordlich von Frankfurt am Main zu besetzen und er erhob kurz darauf die beiden Militarbezirke zu selbst ernannten Provinzen mit den Namen Obergermanien und Untergermanien.

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Details

Seiten
6
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640875870
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169320
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Geschichte
Note
2,5
Schlagworte
Germanen Römer Germanicus Tiberius Augustus Limes Wirtschaft Politik

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