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Das pädagogische System von Maria Montessori

Kritische Auseinandersetzung Martha Muchows

Hausarbeit 2010 15 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. REFORMPÄDAGOGISCHES KONZEPT NACH MARIA MONTESSORI
2.1. Sinnesmaterial
2.2. Konzeption des Kinderhaus „Casa dei Bambini“
2.3. Rolle des Erziehers

3. MARTHA MUCHOWS KRITIK AN MARIA MONTESSORI

4. FAZIT UND AKTUALITÄT IM BEZUG AUF HEUTIGE PRAKTIZIERTE MON- TESSORI-PÄDAGOGIK

5. ABSCHLUSS

6. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Im 20. Jahrhundert kam es zu einem Umbruch in der Pädagogik. Reformpädagogische Ansätze haben an Bedeutung gewonnen, deshalb wird auch oft das erste drittel des 20. Jahrhunderts die Zeit der Reformpädagogik genannt. Der größte Unterschied zu den vorangegangenen Strömungen der Pädagogik, ob Aufklärungspädagogik oder Neuhumanismus, ist die Individualität des Kindes. Diese Individualität des Kindes wird in das Zentrum der pädagogischen Reflexion gestellt. Die entstehenden Theorien spiegeln diesen Aspekt klar wider, so ist in der Reformpädagogik die Rede von der „Erziehung vom Kinde aus“ (Baumgart, 2007, S.121).

Zur klaren Abgrenzung zu den anderen Strömungen der Pädagogik formulierte die Reformpädagogik eine klare Schulkritik, welche auch gleichzeitig das Kernstück der Reformpädagogik ist. Es wurde Kritik geübt an der damaligen Schule und der Form des schulischen Lernens. Die Reformpädagogen teilten die Meinung, dass gerade in den Schulen die Individualität des Kindes verkümmere (Baumgart, 2007, S.122).

Diese elementare Kritik gab Anlass für ein pädagogisches System, das dem Kind mehr Individualität und Selbstständigkeit zurückgibt. Eine Person, die es geschafft hat ein reformpädagogisches Konzept zu entwickeln, war die Italienerin Maria Montessori.

Das Montessori-System soll in dieser Hausarbeit in den Grundzügen dargestellt und schwerpunktmäßig aus Sicht der Pädagogin Martha Muchow kritisch hinterfragt werden.

Martha Muchow beschäftigte sich unter anderem mit der Reformpädagogik von Maria Montessori und Friedrich Fröbel. Sie war deutsche Lehrerin und Psychologin und lebte in der Zeit von 1892 bis 1933 in Hamburg. Ihr Werk von 1931 „Das Montessori-System und die Erziehungsgedanken Friedrich Fröbels“ soll als Grundlage dieser Hausarbeit dienen. Die vorliegende Hausarbeit beginnt mit einer kurzen Einführung in das re- formpädagogische Konzept von Maria Montessori unter besonderer Berück- sichtigung der Kleinkindererziehung. Daraufhin folgt der Schwerpunkt die- ser Hausarbeit, Martha Muchows Kritik an Maria Montessori. Das vierte Kapitel gewährt einen Einblick in die aktuelle Umsetzung der Montessori- Pädagogik und als Abschluss folgt eine persönliche Stellungnahme.

2. Reformpädagogisches Konzept nach Maria Montessori

Das reformpädagogische Konzept von Maria Montessori ist die Erziehung zur Selbsttätigkeit. Das Kind steht im Mittelpunkt und soll ohne Beeinflus- sung eines Erziehers zur Selbstständigkeit erzogen werden. In der Reformpädagogik von Maria Montessori gibt es feste Bestandteile und Aspekte bezüglich der Umsetzung im Kindergarten oder anderen erzie- herischen Institutionen.

So entwarf Maria Montessori ein eigenes Sinnesmaterial für die Kinder, welches als Arbeitsmaterial und nicht als Spielzeug benutzt werden soll. Die Konzeption des Kinderhauses „Casa dei Bambini“ ist ebenfalls durch Richtlinien in Bezug auf die Ausstattung und der Räumlichkeiten geprägt. Auch die Rolle der Erzieher mit den pädagogischen Verhaltensweisen ist in der Montessori-Pädagogik durch klare Vorschriften und Rollenerwartungen bestimmt.

Diese angesprochenen Elemente der Montessori-Pädagogik sollen im weiteren Verlauf dieses Kapitels genauer betrachtet und erläutert werden.

2.1. Sinnesmaterial

Maria Montessori entwickelte für die Umsetzung ihrer pädagogischen Kon- zeption das so genannte Sinnesmaterial, welches die Kinder benutzen soll- ten zur Entwicklung ihrer geistigen und motorischen Fähigkeiten. Nach Ma- ria Montessori dient es zur Ausbildung und Anregung der Sinne, der Bil- dung des Intellekts und der Muskelübung. Das Sinnesmaterial soll jedoch nicht als Spielzeug angesehen werden, sondern viel mehr als Arbeitsmateri- al mit einem ganz bestimmten Sinn. Die Kinder sollen dieses Material ex- plorativ entdecken und aus eigener Kraft herausfinden, was der tiefere Sinn des Materials ist. Maria Montessori formuliert den Gedanken so, dass das Material den kindlichen Sinnen Nahrung bieten soll. Das Sinnesmaterial ist so konzipiert worden, dass das Kind eigenständig und ohne Anleitung des Erziehers herausfindet, welche Aufgabe sich mit dem jeweiligen Instrument lösen lässt. Das Kind soll also autodidaktisch vorgehen und soll sich bei dem Umgang mit dem Material selbst kontrollieren und sich selbstständig korrigieren (vgl. Muchow, 1931, S.106ff).

Die Vielfalt des Materials lässt es zu jeden vom Kind erschließenden Bereich, beginnend bei der Ausbildung des Augenmaßes über die Ausbildung des Farbensinns bis hin zur Aneignung mathematischer Fähigkeiten, abzu- decken. Das von Montessori formulierte Ziel, alle Sinne des Menschen und vielerlei Fertigkeiten mit Hilfe des Materials zu erlangen, ist aufgrund dieser Vielfältigkeit definitiv gegeben (vgl. Muchow, 1931, S.106). Eine weitere Bedeutung bekommen nicht nur die durch das Material ge- wonnenen motorischen oder physiologischen Fähigkeiten. Im Vordergrund stehen auch psychologische oder psycho-physiologische Prozesse, wie z.B. die Steigerung der Konzentrationsfähigkeit (vgl. Muchow, 1931, S. 108). In den Ausführungen von Maria Montessori ist auch das Ziel erkennbar, die Kinder auf das weitere Leben und vor allem das spätere Berufsleben vorzu- bereiten. Das Material ist in diesem Zusammenhang ein Arbeitsmaterial, welches Fertigkeiten für das spätere Berufsleben ausbildet. In dem folgenden Zitat von Maria Montessori ist die klare Intention zu er- kennen: „Das Kind soll nicht mit dem Arbeitsmaterial spielen, sondern ar- beiten, es soll das Arbeitsmaterial als solches würdigen und nicht zu Spiele- reien missbrauchen“ (Montessori: In Muchow, 1931, S. 115). Die Kinder können sich trotzdem aussuchen wann und in welchem Umfang sie mit dem Material hantieren. Es bleibt dem Kind überlassen mit welchem Material es sich wann beschäftigt. Die Umwelt, d.h. das Kinderhaus, soll so reizvoll gestaltet sein, dass das Kind jeder Zeit zur Benutzung angeregt wird und das Material selbstständig entdecken und erschließen kann. Bei der konzentrierten Beschäftigung mit dem Montessori-Material stellt das Kind sich auf die bestimmte Aufgabe ein und arbeitet so konzentriert, dass es zur Polarisation der Aufmerksamkeit kommt. Die Kinder sind in diesem Zu- stand so in ihrem Handeln vertieft, dass sie ihre Umgebung nicht mehr wahrnehmen und Reize isolieren (vgl. Muchow, 1931, S. 108). Die Gestaltung der Räumlichkeiten und der weiteren Einrichtungsgegen- stände in der Lernumwelt bzw. im Kinderhaus sollen möglichst unter den Aspekten des Sinnesmaterials und der Benutzbarkeit der Kinder sein.

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Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640879465
ISBN (Buch)
9783640879175
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169426
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Erziehungswissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Maria Montessori Montessori-Pädagogik Reformpädagogik Montessori Martha Muchow Kritik Montessori

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Titel: Das pädagogische System von Maria Montessori