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Theorie der Politik - Eine Einführung

Hausarbeit 2003 19 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Politikbegriff
2.1 Zum Politikbegriff
2.2 Zum Verständnis der „Politikwissenschaften“
2.2.1 Politikwissenschaft der Antike und des Mittelalters
2.2.2 Politikwissenschaft der Neuzeit

3. Theorieansätze und Methoden in der Politik
3.1 normativ-ontologischer Ansatz
3.2 Kritisch-dialektischer Ansatz
3.3 empirisch-analytischer Ansatz
3.4 Funktionalistischer Ansatz

4. Politische Ideen und Teilgebiete der Politikwissenschaft
4.1 Teilgebiete der Politikwissenschaft
4.2 Politische Ideen und deren Geschichte

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit möchte einen Vergleich zwischen zwei Einführungswerken in die Theorie der Politik und der Politikwissenschaften anstellen, der aufzeigt wie differenziert und unterschiedlich die Vorgehensweise bei der Bestimmung von Erscheinungsformen und Wesen im Bereich des Politischen ausfallen kann.

Zum einen habe ich einen Einführungsband gewählt, „Theorie der Politik. Eine Einführung“, in welchem die Autoren ihr Werk als einen neuen Versuch ansehen die Politische Theorie, Ideengeschichte und Politische Soziologie mit aussagekräftigen Schlüsseltexten zu verbinden. Um dieses zu erreichen, wird im besonderen Maße darauf Wert gelegt, Politik im historischen und philosophischen Kontext verstehen zu lassen. Die Verfasser versuchen zu entwickeln, wie die klassischen politischen Ideen und sozialen Bewegungen in der bürgerlichen Gesellschaft entstanden sind, um dann im abschließenden Teil des Buches den Beitrag politischer Theorien zu einer Lösung kontroverser Einzelprobleme ermitteln zu können.

Zum anderen beziehe ich mich auf das Werk, „Einführung in die Politikwissenschaft. 5. Auflage“, welches die geschichtliche Entstehung, die verschiedenen Dimensionen und Theorieansätze sowie die Systematik und praktische Anwendung des Politikverständnisses beschreiben will. Die Autoren haben sich dabei zum Ziel gesetzt, die Grundzüge der Politikwissenschaft im Ganzen wie ihrer verschiedenen Teildisziplinen, ihre theoretischen und methodischen Grundlagen sowie ihre konstituierenden Fragestellungen unter den veränderten politischen Rahmenbedingungen und Erfahrungen des 20. Jahrhunderts zu präsentieren.

Beide Einführungsbücher zeigen inhaltliche Parallelen auf, wobei sich jedoch die Systematik des Aufbaus, um Politikwissenschaft und politische Theorie zu analysieren und zu erklären, grundlegend unterscheidet. Während in dem Band, Theorie der Politik, konkrete politische Ideen, wie beispielsweise Liberalismus, Konservatismus oder auch Sozialismus vorgestellt werden, versucht das andere Einführungswerk einen allgemeingültigen systemtheoretischen Bezugsrahmen aufzustellen, indem es gilt die inneren Abläufe in einem politischen Gemeinwesen zu erkennen.

Doch zunächst soll geklärt werden, wie beide Werke den Politikbegriff, bzw. die Politikwissenschaft erklären und definieren.

2. Der Politikbegriff

2.1 Zum Politikbegriff

Die Autoren des Einführungswerkes, Theorie der Politik, sehen einzig und allein in der Literatur darüber Einigkeit, dass es viele miteinander konkurrierende und keinen allgemeingültigen Politikbegriff gibt. Um die einzelnen Differenzen deutlich zu machen, wird dem Leser ein historischer Überblick über das Verständnis von Politik gegeben.

Obwohl Politik schon in der Philosophie von Platon und Aristoteles das wichtigste Thema der Antike war, bildet der Ausgangspunkt der Beschreibung das europäische Mittelalter (erste Phase), in welchem die neuzeitliche bürgerliche Gesellschaft und deren Vorformen, konstituiert wurden.[1] Dabei war der von Niccolo Machiavelli (1469-1527) zugrundegelegte zentrale Politikbegriff „Macht“. Das politische Handeln war in erster Linie Machthandeln. Sein eigentliches Thema war jedoch der Staat, sodass demnach Politik die Steuerung von Staatszielen nach Machtgesichtspunkten ist. Thomas Hobbes (1588-1679) setzt an der politischen Theorie ebenso an und sieht im Staat ein Herrschaftsgebilde, in welchem sich Gruppen selbst behaupten und ihre Macht legalisieren. Diese Legalisierung wird dabei als „Recht“ bezeichnet und die Ausübung der Macht „Herrschaft“. Auch Max Weber (1864-1920) versucht dem Politischen näher zukommen, indem er Politik als das Streben nach Macht beschreibt. Jedoch fügt Weber hinzu, dass eine freiwillige Anerkennung der Herrschaftsunterworfenen notwendig sei für ein solches Gewaltenmonopol.

Mit der Etablierung der bürgerlichen Gesellschaft im 17. und 18. Jahrhundert gingen soziale und ökonomische Umwälzungen einher. Der Bürger wurde durch die Aufklärung zum „citoyen“ (Staatsbürger) und zum „bourgeois“ (Wirtschaftsbürger). Es entstanden in dieser zweiten Phase unterschiedliche Interessen, die es galt in einem Staat zu vermitteln.[2] Die Vorstellung der Gleichheit aller Staatsbürger führte zu einer immer stärker werdenden bis in das 20. Jahrhundert weitreichenden Forderung nach Beteiligung an öffentlichen Dingen. Gleichzeitig schafft die kapitalistische Ökonomie aber auch Abhängigkeiten und führt zu Interessenkonflikten zwischen sozialen Klassen an gesellschaftlichen Reichtum. „Damit wird Politik zum Kampf verschiedener klassengebundener Interessen um die Macht.“[3]

In der jüngsten Geschichte, der letzten dritten Phase politischer Theorieentwürfe sehen die Autoren jedoch eine Orientierungslosigkeit, denn Politik würde zu stark reduziert werden auf nur eine „bestimmte Art sozialen Handelns“. Politik würde allzu oft auf Steuerung und Verwaltung minimiert werden ohne zu erklären, welche Ziele und Interesseninhaber hinter den Politikhandlungen stehen. Darum versuchen die Autoren eine aktuelle Neubestimmung des Politikbegriffs vorzunehmen. Für sie wird das Element der „Öffentlichkeit“ unabdingbar. Nur darin ist eine politische Kommunikation und der daraus folgenden Machtausübung und Interessendurchsetzung vorstellbar.

Aus den historisch-kritischen Politikbegriff sind nun drei Elemente hervorgegangen, die von den Verfassern als unabdingbar gelten in der politischen Theorie: Herrschaft – Interessen – Öffentlichkeit.[4] Diese Paradigmen werden verknüpft mit ihren speziell auf ihre Zeit bezogenen dominierenden Typen politischen Handelns sowie den dazu gehörenden Gesellschaftsformen. Ebenso werden die Herrschaftsstrukturen, Formen der Öffentlichkeit und die dominanten Interessen verbunden.

Elemente des Politikbegriffs und Problemfelder der Politischen Theorie (historische Dimension)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Lenk, Franke (1987), S. 47

Diese Matrix entspricht zwar keiner streng vollständigen Chronologie, aber sie soll die „unüberschaubaren Details der historischen Politikbestimmung“ ordnen können, sodass der Leser „beliebige politikrelevante Themen unter der dreifachen Optik betrachten und in Beziehung setzen kann“.[5]

2.2 Zum Verständnis der „Politikwissenschaften“

Um den Begriff der Politikwissenschaften näher zu beleuchten wird auch in dem Einführungswerk, Einführung in die Politikwissenschaft, ein historischer Überblick über die politische Philosophie gegeben. Die Autoren widmen den Anfängen, also „der antiken politischen Philosophie“, aber auch der mittelalterlichen Vorstellung von Politik ein ganzes Unterkapitel. Sie versuchen jedoch keine übersichtliche „Ordnung“ aufzustellen, um den Politikbegriff näher zu bestimmen.

2.2.1 Politikwissenschaft der Antike und des Mittelalters

Die Verfasser machen deutlich, wie Platon (427-347 v. Chr.) als erster im Abendland Politikwissenschaft als „philosophische Zeitkritik“ entwickelt hat und mit ihrer Hilfe die athenische Polis kritisierte.[6] Platon sah einen Zusammenhang zwischen der inneren Ordnung (Seelenordnung) und der äußeren politischen Ordnung. Erstmalig entstand dabei Politikwissenschaft als philosophische Reflexion. Bei Aristoteles (384-322 v. Chr.), der die Wissenschaften in „Praktische“ und „Theoretische“ teilte, kommt der Politikwissenschaft eine besondere Rolle zu. Sie ist die Königsphilosophie unter den praktischen Wissenschaften und damit Voraussetzung für all jene.[7] Auch bei Cicero (104-43 v. Chr.) kommt der Politikwissenschaft eine hohe Bedeutung zu. Jedoch überträgt er diese nicht auf die griechische Polis sondern auf den römischen Staat, also den Grundsätzen der Stoa.

Im weiteren Verlauf der Politikwissenschaft kommt es zu einem größeren Einschnitt des politischen Denkens durch Augustinus (354-430 n. Chr.), denn er wendet sich gegen die antike Verschmelzung von Politik und Religion in der Gesellschaft. Durch die Erhebung des Christentums als Staatsreligion im römischen Reich sind die politischen Normvorstellungen an den Herrscher gefasst. Erst Thomas von Aquin entdeckt die aristotelische Philosophie vom Menschen als „zoon politikon“ (politisches Lebewesen) im Mittelalter wieder. Soziales Leben und politische Ordnung kommen im Rahmen des „scholastischen Systems“ eine wichtige Bedeutung zu, da die innerweltliche politische Ordnung der Voraussetzung für die von Gott aufgegebene Vervollkommnung dient. Der Herrscher, der sich an der allgemeinen Wohlfahrt der Bürger zu orientieren hat, ist dabei auf die Unterstützung der Räte und des Volkes angewiesen.

Die Autoren machen zum Abschluss darauf aufmerksam, dass die Scholastik, also die aristotelischen Schriften, bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts weitgehend Gegenstand der Universitätslehre blieben.

2.2.2 Politikwissenschaft der Neuzeit

Mit Beginn der Neuzeit kommt es zu einer gründlichen Neuorientierung der Politikwissenschaft, denn einerseits zerfällt die weltliche und geistliche Ordnung des Mittelalters, andererseits bilden sich Nationalstaaten mit neuen Prinzipien: Souveränität, territoriale Herrschaft, rationale Verwaltung etc.[8] Es folgt die Trennung von weltlicher und geistiger Sphäre, womit das Politische eigenständig konstituiert wird. Zudem werden die „empirischen Naturwissenschaften als erstrebenswerte Vorbilder für Philosophie und politische Theorie“[9] gesehen. Die Neuzeit bedeutet somit auch auf dem Gebiet der Politikwissenschaft eine wissenschaftliche Revolution. Niccolo Machiavelli (1469-1527) gilt dabei als eigentlicher Begründer der neuen Politikwissenschaft. Er entwickelte eine reine Machtlehre, in der keine anthropologisch-ethnischen Kriterien zur Geltung kommen, sondern sehr konkrete, realistische Techniken des Erwerbs, Besitzes und der Verteidigung politischer Macht ausgeführt sind. Diese Machtlehre und das Problem der Staatssouveränität werden u. a. von Jean Bodin (1530-1596) und Thomas Hobbes (1588-1679) weiter ausgeführt. Für sie sollte der Staat alle Machtmittel nutzen, um den modernen Staat vor Gruppen und Individuen zu schützen, die der obersten Souveränität gefährden könnten. Im 17. und 18. Jahrhundert gewinnen politische Theorien u. a. von John Locke (1632-1704) an Einfluss, die „von vorstaatlichen Rechten und Freiheiten der menschlichen Individuen ausgehen und den Staat auf die Bewahrung dieser Rechte verpflichten“[10]. Der Philosoph Jean Jacques Rousseau (1712-1778) weitete mit seinem Werk „Der Gesellschaftsvertrag“ die Legitimität politischer Ordnungen noch weiter aus.

[...]


[1] Vgl. Lenk, Franke (1987), S. 40

[2] Vgl. Lenk, Franke (1987), S. 43

[3] Vgl. Lenk, Franke (1987), S. 44

[4] Vgl. Lenk, Franke (1987), S. 46

[5] Vgl. Lenk, Franke (1987), S. 48

[6] Vgl. Schlosser, Stammen (1993), S. 6

[7] Vgl. Schlosser, Stammen (1993), S. 7

[8] Vgl. Schlosser, Stammen (1993), S. 9

[9] Vgl. Schlosser, Stammen (1993), S. 9

[10] Vgl. Schlosser, Stammen (1993), S. 11

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638216463
ISBN (Buch)
9783638842150
Dateigröße
888 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16947
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Politikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Theorie Politik Eine Einführung Theorie Politik

Autor

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Titel: Theorie der Politik - Eine Einführung