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Orte der Erinnerung - Erinnerungskultur & Gedächtnis

Fallbeispiel Burg Finstergrün

Seminararbeit 2010 23 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hinwendung zur Thematik
2.1. Definitionen
2.1.1. Definition Erinnerungsort
2.2. Gedächtnisarten
2.2.1. Soziales Gedächtnis
2.2.2. Individuelles Gedächtnis
2.2.3. Kollektives Gedächtnis
2.2.4. Kulturelles Gedächtnis

3. Geschichte der Burg
3.1. Besitzer der Burg
3.2. 17. - 18. Jahrhundert: Niedergang & Verfall der Burg
3.3. 18. - 20. Jahrhundert

4. Die Burg als Erinnerungs- & Gedächtnisort
4.1. Die Burg als historisches Gebäude
4.2. Die Burg als Denkmal (des Ortes Ramingstein)
4.2.1. Ortsbeschreibung Ramingstein
4.3. Die Burg im Besitzt der Nationalsozialisten
4.4. Die Burg als belebte Jugendherberge
4.5. Die Burg als Museum
4.5.1. Definition Museum
4.5.2. Definition Ausstellung
4.5.3. Kurzüberblick „Die Gräfin vom Lungau“
4.5.3.1. Rahmenbedingungen& Zeiträume der Ausstellung
4.5.4. Die Bedeutung der Burg als Museum

5. Konklusion

6. Literaturverzeichnis

Die Burg Finstergrün als Träger & Ort der Erinnerung: Erinnerungskultur & Gedächtnis

1. Einleitung

„Das Gedächtnis der Orte ist in den Orten selbst lokalisiert“ (Assmann 1999: S.59), Orte transportieren kulturelles Wissen, sie überliefern und konstruieren ihre Bedeutsamkeit (vgl. ebd. S.76). Damit werden Orte selbst zu Subjekten und Trägern der Erinnerung, sie verfügen über ein Gedächtnis das weit über das der Menschen hinausgeht (vgl. ebd.). Demnach muss an dieser Stelle eingesehen werden, dass jeder Ort über ein eigenes ihm innewohnendes Gedächtnis verfügt. Dieses entsteht aus der Geschichte des Ortes selbst, seiner Bewohner und seiner Zweckwidmung, die sich, wie am bearbeiteten Beispiel der Burg Finstergrün gezeigt werden soll, im Laufe der Geschichte eines Ortes vielfach verändern kann. Darüber hinaus ist die Burg Finstergrün nicht irgendein beliebiger Ort, sondern stellt damals wie heute einen besonderen Schauplatz dar an dem sich bedeutende Dinge ereignen und viele Menschen tummeln. So wurde die Burg im Jahr 2007 für mehrere Tage zurückgeführt in ihr mittelalterliches Dasein. D.h. die Burg wurde für den Zeitraum von einer Woche für ein „Live-Art-Role-Playing“ zum Schauplatz ihrer mittelalterlichen Bestimmung. Innerhalb dieser Zeit wurde die gesamte Burg dekoriert, am Burgplatz tummelten sich Burgfräulein und Ritter neben Knechten und man fühlte man sich um 1.000 Jahre zurückversetzt. Damit wurde die Erinnerung an einen den Ort und seines Zweck in der Vergangenheit hervorgerufen. Diese und ähnliche Aktivitäten dienen der Erinnerung an die Vergangenheit und machen die Burg zu einem Gedächtnisort.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Burg Finstergrün als historisches Gebäude und als Ort der Erinnerung zu bearbeiten. Hierbei soll die Geschichte der Burg mit den unterschiedlichen Formen von Gedächtnis und dabei v.a. der kollektiven Erinnerung in Zusammenhang gebracht werden und die Frage nach den Formen der Erinnerung auf Burg Finstergrün gestellt werden. Gefragt wird folglich nach den (medialen) Trägern der Erinnerung wie Schriften, Bildern und dem Ort selbst neben Formen von Erinnerung wie die Art des alltäglichen Gebrauchs der Erinnerung insofern, dass die Frage nach der Art der Bewahrung des Wissens sowie der dem Ort innewohnenden Besonderheiten gestellt wird.

Zu Beginn soll ein theoretischer Teil zum Thema Erinnerungskultur hinführen, bevor die Geschichte der Burg ihrer Ausführlichkeit nach, der Länge der Arbeit entsprechend prägnant dargestellt werden soll, wobei mehr auf die für die Erinnerungskultur relevanten Aspekte, denn auf spezifische geschichtliche Gegebenheiten eingegangen wird. Im Weiteren werden die verschiedenen Bestimmungszwecke der Burg im Laufe ihrer Zeit im Kontext der Erinnerungskultur angeführt. Zum Ende der Arbeit hin sollen spezifische Fragen geklärt werden bevor abschließend ein Fazit über die Erinnerungskultur auf Burg Finstergrün gezogen werden soll. Für die Arbeit wurden mehrere Lokalaugenscheine auf Burg Finstergrün durchgeführt, mit den zentralen Personen der Burgverwaltung, einigen Angestellten der Burg sowie einigen Einwohnern des Ortes Ramingstein gesprochen und die Burg im Hinblick Zeichen und Indizien von Erinnerungskultur besichtigt.

Aufgrund der einfacheren Lesbarkeit und des besseren Verständnisses wird nachfolgend auf die weibliche und männliche Doppelform sowie auf den Einsatz von Wortverbindungen mit -Innen verzichtet. Die männliche Form erfasst somit jeweils auch die weibliche Form und umgekehrt.

2. Hinwendung zur Thematik

2.1. Definitionen

2.1.1. Definition Erinnerungsort

Unter einem Erinnerungsort versteht man „Institutionen oder Einrichtungen der Erinnerung, wie das Archiv, das Museum oder die Gedenkstätte.“ (Borsdorf 1999: S.4) Darüber hinaus sind Orte der Erinnerung ebenso „Riten, Feste, Jahrestage, Jubiläen, Vereine, Akten, Protokolle, Bilder, Fotos, Filme und Objekte - all die kulturellen Manifestationen, die die Funktion haben etwas im Gedächtnis zu bewahren.“ (Borsdorf 1999: S.4)

Besonders Orte und Gebäude sind Träger von Erinnerungen, sie bilden Stützen für unser Gedächtnis die uns helfen eine Erinnerung an bestimmte Dinge zu erhalten und über den Zeitraum von Generationen zu transportieren. D.h. Orte und Plätze helfen Menschen sich an historische Gegebenheiten zu erinnern. Demnach entwickeln die Menschen eine gemeinsame Erinnerung ein kollektives Wissen. Demnach ist der Ort der „räumliche und soziale Kontext von Ereignissen, Handlungen und Personen.“ (Beier 2000: S.185) Orte der Erinnerung speichern das was sich auf ihnen ereignet hat und helfen den Menschen als „kultureller und räumlicher Kontext [ihre] individuelle und kollektive Identität zu konstruieren.“ (ebd.). „Durch Orte und in ihnen konstruieren und lokalisieren wird unsere […] Identität und [sie] prägen unsere (sozialen) Erinnerungen.“ (ebd. S.186).

2.2. Gedächtnisarten

Das Gedächtnis schafft „Räume, Orte, Symbole, Gebräuche und Institutionen des Erinnerns, es vernichtet die [..] zeitliche Differenz zu früheren Erfahrungen und Wertsetzungen und schafft ihnen durch rituelle Vergleichzeitigung die Chance zu aktueller Gültigkeit.“ (Niethammer 1999: S.101) Dementsprechend wird die enge Verzahnung zwischen Erinnerung und Gedächtnis ersichtlich. Da wir soziale Wesen sind, teilen wir neben individuellen Erinnerungen einen gemeinsamen Wissens- und Erfahrungsschatz, der zu unterschiedlichen Formen des Gedächtnisses führt, die im folgenden thematisiert werden sollten.

2.2.1. Soziales Gedächtnis

Jan Assmann meint unter Bezug auf Maurice Halbwachs, der einer der wichtigsten Gedächtnistheoretiker war, dass Gedächtnis erst durch den sozialen Bezug des Individuums möglich wird (vgl. Assmann 2007a: S.35). Wichtig ist daneben der Bezug des Gedächtnisses zu Raum und Zeit, mit dem Erinnerungen verknüpft werden (vgl. ebd. S.38). Assmann spricht davon, dass das Gedächtnis Orte braucht „es tendiert zur Verräumlichung.“ (ebd. S.39.). Charakteristisch für das soziale Gedächtnis ist ein begrenzter zeitlicher Horizont, d.h. das lebendige soziale Gedächtnis verfügt nur über eine kurze Erinnerungsspanne die sich maximal über den Zeitraum von drei bis vier Generationen erstreckt (vgl. Assmann 2006: S.28).

2.2.2. Individuelles Gedächtnis

Trotz der sozialen Bedingtheit des Gedächtnisses verfügen wir über individuelle Erfahrungen, die wir nicht mit anderen teilen. Folglich ist es (nach Assmann) „schwierig oder geradezu unmöglich zwischen einem individuellen und einem sozialen Gedächtnis zu unterscheiden. Das individuelle Gedächtnis ist als solches eminent sozial, ebenso wie Sprache und Bewusstsein überhaupt.“ (Assmann 2007b: S.13). Ein Beispiel für die unscharfe Trennung der verschiedenen Gedächtnisarten stellt unsere Heimat dar. Der Ort an dem wir aufwuchsen ist für uns selbst mit zahlreichen Erinnerungen verbunden, die unserem individuellen Gedächtnis untergeordnet werden können. Es sind unsere private Erinnerungen, die wir mit dem Haus unserer Kindheit verbinden. Der Ort unserer Geburt bzw. unser Elternhaus wird immer ein symbolischer Platz, ein Gedächtnisort für uns bleiben (vgl. Assmann 1999: S.61). Dennoch verbinden auch unsere Familienmitglieder Erinnerungen mit diesem Ort, manche davon teilen wir. Demnach sind diese wieder dem sozialen Gedächtnis unterzuordnen. Folglich schlägt Assmann vor die Verbindung des individuellen und sozialen Gedächtnisses als „kommunikatives Gedächtnis“ (Assmann 2007b: S.13) zu bezeichnen. „Dieses Gedächtnis gehört in den Zwischenbereich zwischen Individuen, es bildet sich im Verkehr der Menschen untereinander heraus.“ (ebd.)

2.2.3. Kollektives Gedächtnis

Wo nun aber werden Erinnerungen gespeichert die mehrere Menschen bzw. sogar eine ganze Gruppe oder Nation miteinander teilt. Assmann beschreibt dieses gemeinsame Wissen mit dem von Maurice Halbwachs gegebenen Begriff des „kollektiven Gedächtnis“ (Assmann 2006: S.29). Unter dem „kollektiven Gedächtnis [versteht man] einen Fundus von Erfahrungen und Wissen, der von seinen lebendigen Trägern abgelöst und auf materielle Datenträger übergegangen ist.“ (Assmann 2006: S.34) Dadurch können Erinnerungen über Generationen hinweg bewahrt und stabilisiert werden, kulturelle Symbole und Zeichen bieten dafür eine Stütze (vgl. Assmann 2006: S.34).

2.2.4. Kulturelles Gedächtnis

„Das Gedächtnis bildet sich durch Wechselwirkung dreier Komponenten, die zusammenwirken müssen: einem Träger, einem Milieu und einer Stütze.“ (Assmann 2006: S.33). Ersteres ist der Mensch selbst, zweiteres bildet seine Lebenswelt und Stützten sind Orte, Riten oder Traditionen. Folglich können Gedächtnisorte als Stützen zur und für die Bildung von Gedächtnis gesehen werden. Demnach ist die Burg Finstergrün in ihrer Funktion als Denkmal ein Pfeiler für die Entwicklung eines kollektiven Gedächtnisses. Sie ist eine „kulturelle Objektivation“, ein Artefakt der Vielen hilft ihre Kultur und Tradition zu bewahren und in die Zukunft zu tragen. Demnach kann das kulturelle Gedächtnis als eine „dynamische Denkvoraussetzung [bezeichnet werden], durch die in die Gedächtnisräume Zeit eingefügt wird.“ (Niethammer 1999: S.107) Es wird benötigt um das gemeinschaftliche Gefühl einer Nation zu erhalten bzw. durch ihr geteiltes Wissen erst das Gefühl von Nationalität und Zugehörigkeit herzustellen.

3. Geschichte der Burg

Die Burg Finstergrün befindet sich in Ramingstein, dem südlichsten Ort des Bundeslandes Salzburg auf ca. 1050 Höhenmetern. Unter einer Burg versteht man einen Wehrbau, einen wehrhaften Wohnplatz, der charakteristisch für den Feudalismus war (vgl. Lexikon der Kunst: S.723). Demnach ist die Burg Finstergrün eine Kleinburg, die ihrem Typus nach der für die Region typischen mittelalterlichen Turm- bzw. Höhenburg entsprach (vgl. Thaller 2007: S.60). Die Erbauung der Burg ist ca. Mitte des 12. Jahrhunderts einzuordnen. Dennoch ist eine Bestimmung der genauen Erbauungszeit in Bezug auf die Burg Finstergrün schwierig, da die Burg im Laufe ihres Bestehens mehrmals zu Wiederherstellungs- bzw. zu Erneuerungszwecken umgebaut wurde (vgl. ebd. S.60f). Urkundlich wird der Name Finstergrün erstmals 1629 erwähnt. Der Name Finstergrün stammt vom im Mittelalter gebräuchlichen Begriff „Gruan“ der für dunklen Graben bzw. dunkle Kluft steht und sich auf den Burggraben hinter der Burg bezieht. Dieser befand sich hinter der Burg, wurde jedoch beim Umbau um 1900 verschüttet.

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Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640879373
ISBN (Buch)
9783640879281
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169538
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Kultur
Note
1,0
Schlagworte
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