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Berufliche Übergänge : Der Berufsfindungsprozess junger Frauen im Hinblick auf IT-Berufe

Hausarbeit 2011 23 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen
2.1 Berufsfindung
2.2 Frauenberufe
2.3 IT-Berufe
2.4 Arbeitsmarktsegmentation

3. Der Berufsfindungsprozess junger Frauen
3.1 „Wenn ich groß bin werde ich Tierärztin“
3.2 Geschlechtsspezifische Berufswahl

4. Junge Frauen und IT-Berufe
4.1 Mediengestalter/in Digital und Print
4.2 Die Einstellung junger Frauen gegenüber IT-Berufen
4.2.1 Die subjektive Dimension der Berufsfindung
4.2.2 Die Motivation junger Frauen eine IT-Ausbildung aufzunehmen
4.2.3 Bedenken junger Frauen eine IT-Ausbildung aufzunehmen
4.3 Die objektive Dimension der Berufsfindung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Übergang zwischen Bildung und Beschäftigung gilt als eine der wichtigsten Statuspassagen im Lebensverlauf […]. Die erste Schwelle markiert den Übergang von der allgemein bildenden Schule in eine Berufsausbildung, die zweite Schwelle den Übergang in eine Erwerbstätigkeit“ (Schiersmann 2008, S. 88). Die Aufnahme einer Ausbildung geht dabei nicht aus einer einmaligen Entscheidung zum Ende der Schulzeit hervor, sondern wird von dem schon lange vorher wirkenden Prozess der Berufsfindung beeinflusst (vgl. Walter/Sattel 2008, S. 49) und ist stark geschlechtsspezifisch geprägt.

Junge Frauen weisen, im Vergleich zu männlichen Schulabgängern, eine allgemein höhere Bildungsbeteilung und höher qualifizierte Bildungsabschlüsse auf. Dennoch nimmt ein Großteil nach der Schule eine Ausbildung in einem Frauenberuf auf und im Umkehrschluss sind kaum Frauen in naturwissenschaftlichen und technisch ausgerichteten Berufen zu finden (vgl. Sattel 2005, S.37, vgl. auch Stürzer/Beicht/Granato 2005 S. 96). Unter 40.500 IT-Auszubildenden im Jahr 2009 lag der Frauenanteil bei nur 9 Prozent (vgl. Bitkom 2010a, S. 2). Gleichzeitig verzeichnet die Branche einen zunehmenden Fachkräftemangel. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (2010a, S. 1) weist auf 20.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte im Jahr 2010 hin und nennt als einen Weg diesem Fachkräftemangel zu begegnen den Frauenanteil zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund herauszufinden welche Umstände und Faktoren den Berufsfindungsprozess junger Frauen im Hinblick auf IT-Berufe beeinflussen scheint eine interessante Forschungslücke zu sein. Die vorliegende Hausarbeit versucht sich dem Thema „Berufliche Übergänge - Der Berufsfindungsprozess junger Frauen im Hinblick auf IT-Berufe“ unter der folgenden Fragestellung zu nähern: „Wie beeinflussen Einstellung und Interesse junger Frauen gegenüber IT-Berufen diesen speziellen Berufsfindungsprozess?“. Um eine Eingrenzung vorzunehmen liegt der Fokus dabei auf den IT-Ausbildungsberufen im dualen System und nicht dem Studienfach Informatik.

Zur Vorgehensweise: Dem ersten Kapitel vorangestellt ist die Klärung zentraler Begriffe. Danach wird unter Einbezug der Forschungsliteratur ein kurzer Überblick über den Berufsfindungsprozess junger Frauen gegeben. An dieser Stelle kann, angesichts des begrenzten Umfanges der Hausarbeit, nicht intensiv auf sozialisationsbedingte Faktoren eingegangen werden und auch arbeitsmarktheoretische Aspekte können nur angedeutet werden. Daher soll hier nur die geschlechtsspezifisch geprägte Berufswahl hervorgehoben und im Verlauf der Untersuchung diesbezüglich subjektive und objektive Einflussfaktoren betrachtet werden. Das nächste Kapitel schlägt den Bogen zum speziellen Berufsfindungsprozess in Richtung der IT-Berufe und stellt zunächst die Ausbildungssituation junger Frauen in IT-Berufe vor. Danach wird der Beruf Mediengestalterin Digital und Print näher betrachtet und im Anschluss genauer auf die Einstellung der Mädchen gegenüber IT-Berufen eingegangen. Der letzte Punkt dieses Kapitels befasst sich mit der objektiven Dimension der Berufsfindung. Abschließend werden die Ergebnisse der Hausarbeit zusammengefasst und ein Ausblick bezüglich der untersuchten Fragestellung gegeben.

Die Verwendung der männlichen Form im Text erfolgt nur aus Gründen der Lesbarkeit.

2. Begriffsklärungen

Als Einstieg in das Forschungsthema ist es sinnvoll zentrale Begriffe zu klären und deren Verwendung zu begründen.

2.1 Berufsfindung

Der Begriff Berufs findung betont im Gegensatz zum Terminus Berufs wahl, dass es sich nicht um eine einmalige Entscheidung, sondern einen Prozess handelt (vgl. Walter/Sattel, S. 49). Dieser ist nicht klar abgegrenzt, kann über einen längeren Zeitraum stattfinden und sich verändern. Der Begriff Berufs wahl wird in der vorliegenden Hausarbeit im Zusammenhang mit der Einmündung in ein Ausbildungsverhältnis verwendet.

2.2. Frauenberufe

Sowohl im alltäglichen Sprachgebrauch als auch in der Forschungsliteratur zur Berufsfindung wird fortlaufend der Begriff Frauenberuf verwendet, daher ist eine Abgrenzung sinnvoll. Unter Frauenberufen versteht man nicht solche in denen die meisten Frauen arbeiten, sondern Ausbildungsplätze und Berufe, die zu 80% von Frauen besetzt also „weiblich dominiert“ sind (vgl. Walter/Sattel, 2008, S. 49).

2.3 IT-Berufe

Eine genaue Abgrenzung ist hier wichtig, da sich der Frauenanteil in den einzelnen Berufen deutlich unterscheidet. Im Jahr 1997 wurden die sogenannten Vier neuen IT-Berufe entwickelt und eingeführt (BMWI/BMBF 1999, S. 4): IT-System-Elektroniker/-in, Fachinformatiker/-in (Fachrichtung Anwendungsentwicklung oder Systemintegration), IT-System-Kaufmann/- Kauffrau und Informatikkaufmann/-Kauffrau. Heute gibt es viele weitere Aus- und Weiterbildungen im IT-Bereich. Das Informationsportal it-berufe.de (Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie Gesamtmetall 2007- 2009) hebt explizit vier weitere Ausbildungen hervor: Mathematisch- technische Software-Entwickler, Informationselektroniker, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Mediengestalter Digital und Print.

2.4 Arbeitsmarktsegmentation

Der Begriff beschreibt die Spaltung des Arbeitsmarktes in drei Teilarbeitsmärkte. Das betriebsinterne Segment (überwiegende Großbetriebe) setzt eine betriebsspezifische Ausbildung und Qualifikation voraus und bietet dafür sichere, hoch bezahlte und qualifizierte Arbeitsplätze. Zum berufsfachlichen Segment ist der Zugang ebenfalls nur über eine abgeschlossene Berufsausbildung möglich (überwiegend kleine und mittlere Betriebe) und der Betrieb kann gewechselt werden, wenn Jobverlust droht oder ein Aufstieg möglich ist. Das dritte offene Segment wird auch Jedermann oder Jederfrau-Teilarbeitsmarkt genannt, weil dort alle restlichen Arbeitskräfte anzutreffen sind, die zu den beiden primären Segmenten keinen Zugang gefunden haben. Die Arbeitsplätze sind unsicher und umfassen schlecht bezahlte, unqualifizierte Tätigkeiten. (vgl. Walter/Sattel 2008, S. 53; in Bezug auf Sattel/Georg 2004, S. 132-139)

3. Der Berufsfindungsprozess junger Frauen

Der Weg von einer ersten Idee was man gerne arbeiten möchte bis hin zum Eintritt in einen Ausbildungsberuf nach der Schulzeit verläuft selten linear und wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Walter und Sattel (2008, S. 52) stellen fest, dass „[…] die Entscheidung für einen bestimmten Beruf in einer Wechselwirkung zwischen den persönlichen Interessen, Potentialen und Lebensentwürfen (subjektive Dimension) sowie den Angeboten, Chancen und Strukturen des Arbeitsmarkts (objektive Dimension) [entsteht]. Die individuellen Gestaltungsspielräume, die jede/r Einzelne in diesem Wechselwirkungsprozess erreicht, sind maßgeblich geprägt von sozialer Herkunft, Geschlecht und Bildungsgang.“. Ähnlich ordnen auch Nissen/Keddi und Pfeil den Berufsfindungsprozess zwischen subjektiven Handlungen und gesellschaftsstrukturellen Bedingungen ein (vgl. 2003, S. 128). Bei Beiden werden die jungen Frauen in diesem Prozess als selbstständig handelnde Subjekte verstanden, die innerhalb objektiver Rahmenbedingungen Entscheidungen treffen können (vgl. Walter/Sattel S. 54, vgl. auch Nissen/Keddi/Pfeil S. 128). Die Autorinnen weisen darüber hinaus auf sogenannte Gatekeeper wie Eltern, Schule und Berufsberatung hin (vgl. S. 101), die in der Berufsfindung junger Frauen zentrale Funktionen bezüglich der Berufsorientierung und Identifikationsmustern einnehmen. Diese Einflüsse werden in der Hausarbeit aus Platzgründen bewusst ausgeklammert, um die o.g. Wechselwirkung von objektiver und subjektiver Dimension in Bezugnahme auf die IT-Berufe genauer betrachten zu können.

Hinsichtlich der Lebensentwürfe sei vorweggenommen, dass junge Frauen sich weitgehend von Klischees der nicht-berufstätigen Hausfrau und Mutter befreit haben. Cornelißen und Gille fassen hier einige Studien der letzten Jahre zusammen und stellen fest, dass der Lebensentwurf junger Frauen heute Beruf und Familie umfasst, wenngleich sie auch betonen, dass sich diese Vereinbarkeit nach wie vor schwierig gestaltet (vgl. 2005, S. 21 f). Dennoch bleibt festzuhalten, dass auch wenn Bildungsbeteiligung und Berufstätigkeit junger Frauen selbstverständlich geworden sind (vgl. Walter/Sattel, 2008, S. 48; vgl. auch Puhlmann 2008, S. 4), das Geschlecht immer noch eine zentrale Einflussgröße darstellt. Wie das Geschlecht die Berufsfindung genau beeinflusst wird unter 3.1 und 3.2 verdeutlicht.

3.1 „Wenn ich groß bin werde ich Tierärztin“

Wie die plakative Überschrift nahelegt unterscheiden sich bereits im Kindesalter die Berufsvorstellungen von Jungen und Mädchen klar voneinander und sind stark geschlechtsspezifisch geprägt. Anlässlich des Schulversuchs „Soziale Integration in einer jungen- und mädchengerechten Grundschule“, der die Schulkinder für nicht-stereotype Verhaltensmuster sensibilisieren will, stellt Kaiser (2006, S. 10-11) fest, dass sich schon in der Grundschule die Berufswünsche der Mädchen auf einige wenige Berufe konzentrieren: „Dazu zählen Berufe mit hohem Ansehen und langer Ausbildung wie Tierärztin, Lehrerin oder Ärztin. Es sind vor allem helfende Berufe. Aber auch Berufe, in denen Mädchen sich als schön und attraktiv in der Öffentlichkeit präsentiert sehen, wie Sängerin oder Tänzerin […].“, Jungen im selben Alter möchten Fußballspieler, Feuerwehrmann oder Pilot werden. Interessant ist, dass auch im Verlauf des Schulversuchs die Berufswünsche der Kinder weiterhin relativ stabil geschlechterstereotyp bleiben, jedoch die Mädchen noch häufiger realistische und prestigeträchtige Berufe nennen (vgl. ebd. S. 11). Eine Feststellung, die bei der Untersuchung der Berufswahlmotive weiblicher IT-Auszubildender unter 4.2.2 erneut aufgegriffen wird.

Auch wenn sich die Berufsvorstellungen im Laufe der Schulzeit noch einmal verändern, so setzt sich die oben genannte Differenzierung weiter fort und spiegelt sich schließlich an der Ersten Schwelle in einer geschlechtsspezifischen Berufswahl wieder, auf die unter 3.2 näher eingegangen wird

3.2 Geschlechtsspezifische Berufswahl

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, haben Mädchen die höheren und besseren Bildungsabschlüsse, sie gelten als „Gewinnerinnen der Bildungsoffensive“ (Nissen/Keddi,/Pfeil, 2003, S. 25) und Puhlmann (2008, S. 1) konstatiert: „Ginge es allein nach den Schulabschlussniveaus, müssten junge Frauen heute auch überall dort im Berufsleben zu finden sein, wo traditionell Männer dominieren: in Naturwissenschaft, Technik, Ingenieurswesen, Führungspositionen.“.

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Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640883646
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169548
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,3
Schlagworte
berufliche berufsfindungsprozess frauen hinblick it-berufe

Autor

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Titel: Berufliche Übergänge : Der Berufsfindungsprozess junger Frauen im Hinblick auf IT-Berufe