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Analyse, Klassifizierung und Zusammenhänge von Projektzielen und Bewertungskriterien im Bauwesen

Bachelorarbeit 2008 66 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Bauingenieurwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung Fehler! Textmarke nicht definiert

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 EINFÜHRUNG
2.1 Projekt
2.1.1 Projektdefinition
2.1.2 Allgemeine Projektmerkmale
2.1.3 Projektarten
2.2 Projektmanagement
2.2.1 Definition Projektmanagement
2.2.2 Aufgaben und Funktionen des Projektmanagement

3 VORGÄNGE UND AUSFÜHRUNGSALTERNATIVEN

4 BEWERTUNGSKRITERIEN VON AUSFÜHRUNGSVORGÄNGEN
4.1 Auswahl/Formulierung projektspezifischer Bewertungskriterien
4.2 Quantitative Bewertungskriterien
4.3 Qualitative Bewertungskriterien
4.4 Zwischenfazit

5 UNTERSUCHUNG TYPISCHER PROJEKTZIELE IM BAUWESEN
5.1 Eigenschaften und Einteilung von Projektzielen
5.2 Allgemeine Projektziele im Bauwesen
5.3 Formulierung und Zielklassifizierung bauspezifischer Projektziele
5.3.1 Hohe Wirtschaftlichkeit
5.3.2 Hohe Qualität
5.3.3 Kostensicherheit
5.3.4 Terminsicherheit
5.3.5 Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen

6 ZUSAMMENHÄNGE VON BEWERTUNGSKRITERIEN UND PROJEKTZIELEN
6.1 Theoretische Zusammenhänge und Abhängigkeiten
6.2 Projektspezifische Zusammenhänge
6.3 Zwischenfazit

7 AUSWIRKUNGEN VON PROJEKTZIELÄNDERUNGEN
7.1 Projektänderungen
7.2 Änderung von Teilzielen
7.3 Auswirkungen auf Bewertungskriterien und Vorgangsauswahl
7.4 Zwischenfazit

8 FAZIT

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Klassifizierung nach Projektinhalt

Abbildung 2 Phasen des Projektmanagement (angelehnt an §15 HOAI)

Abbildung 3 Projektstrukturplan „Errichtung eines Einkaufszentrums“

Abbildung 4 Zusammenhänge einzelner Bewertungskriterien

Abbildung 5 „magisches Viereck“ des Projektmanagement

Abbildung 6 „magisches Viereck“ der Bauprojektzielgrößen

Abbildung 7 Zielklassifizierung

Abbildung 8 Zusammenhänge von Projektzielen und Bewertungskriterien

Abbildung 9 Auswirkungen von Zieländerungen in Abhängigkeit vom Projektfortschritt

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Projektkategorisierungen

Tabelle 2 Quantitative und qualitative Bewertungskriterien

Tabelle 3 Störungsgruppen

Tabelle 4 Gegenüberstellung träger und flexibler Vorgänge

Tabelle 5 Projektzielarten

Tabelle 6 Auswirkungen in Folge von Zielgewichtungsänderungen

Tabelle 7 Auswirkungen in Folge von hinzugefügten Zielen

Kurzfassung

Die optimale Realisierung komplexer Bauvorhaben bedarf besonders bei der Planung der Bauausführung zahlreicher Bewertungs- und Entscheidungsvorgänge. Insbesondere in Hinblick auf die zahlreichen Möglichkeiten die sich aus dem Planungsprozess ergeben sind Optimierungsbetrachtungen notwendig, um bestmögliche Ausführungsalternativen auszuwählen.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie eine erhöhte Transparenz hinsichtlich Bewertungs- und Entscheidungsprozessen zur Auswahl von Vorgangsvarianten geschaffen werden kann. Die vorliegende Untersuchung setzt sich mit dieser Fragestellung aus Sicht der Projektmanagementorganisation auseinander.

Ausgehend von allgemeinen Projektbegrifflichkeiten werden bauspezifische Zielstel- lungen und entsprechende Bewertungskriterien sowohl separat als auch im Zusam- menhang aufgestellt, eingehend untersucht und bewertet. Die Einführung eines fikti- ven Bauprojektes dient der Veranschaulichung von Analysen und ermittelten Zusammenhängen.

Gestellte Projektziele können nur durch die Auswahl zielführender, optimaler Aus- führungsvorgänge bestmöglich umgesetzt werden. Auf der Suche nach optimal ge- eigneten Ausführungsvarianten ist der Bewertungs- und Vergleichsprozess einzelner Vorgänge unerlässlich. Die Erarbeitung relevanter Bewertungskriterien ist in diesem Zusammenhang erforderlich, um Varianten in Hinblick auf das Zielerreichungsmaß vergleichen zu können. Demzufolge orientiert sich die Kriterienzusammenstellung an den existierenden Projektzielen. Eine effektive Gegenüberstellung ausgewählter Va- rianten bedarf der ganzheitlichen Betrachtung relevanter qualitativer und quantitati- ver Aspekte.

Aufgrund der bestehenden Abhängigkeiten zwischen Projektzielen und Bewertungs- kriterien haben vor allem Zieländerungen in der Ausführungsphase weitreichende Folgen für das Gesamtprojekt. Durch Zielgewichtungsänderungen oder das Hinzufü- gen neuer Ziele müssen Kriterien überdacht und neu gewichtet werden - Bedeu- tungszu- und abnahmen sind die logische Konsequenz. Auswirkungen auf die Aus- wahl geeigneter Vorgänge äußern sich durch geänderte Anforderungen und Merkmale der Varianten - im Vorfeld für geeignet befundene Vorgänge können folg- lich irrelevant werden.

Abstract

The ideal implementation of complex construction projects needs numerous proc- esses of evaluation and determination, primarily for the planning of the construction execution. Particularly in terms of the various options, which result from the planning process, optimization procedures are necessary to choose best possible execution alternative.

In this context the question comes up, how to improve transparency concerning processes to evaluate and determinate task versions. This thesis deals with this problem from the perception of the project manager.

Based on the general definitions the construction specific objects and assessment criteria are developed, scrutinized and evaluated separately and in correlation. The introduction of a fictitious construction project shall visualise the analysis and de- tected cohesions.

Only the selection of targeting and ideal execution processes enables the implementation of the project aims. In search of optimal task versions the evaluation and determination for single processes becomes essential. The development of relevant assessment criteria is particularly necessary to compare alternatives in terms of target achievement. As a result, the criteria composition is geared to the existing project targets. An effective comparison of selected alternatives demands the complete reflection of all relevant quantitative and qualitative aspects.

Because of the existing interconnections between project targets and assessment criteria, the modification of project targets has enormous consequences especially in the execution phase. By the variation of target weighting or the adding of new tar- gets, the assessment criteria must be reconsidered and re-weighted. The logical consequences are increase and decrease of importance. Effects on the selection of appropriate processes manifest by changed requirements and properties of the al- ternatives. Processes, which were originally suitable for the targets can conse- quently become irrelevant.

1 EINLEITUNG

Die optimale Realisierung eines Bauvorhabens wird durch zahlreiche Faktoren be- stimmt.

Grundsätzlich bedürfen komplexe Projekte einer übersichtlichen Projektstrukturie- rung unter Berücksichtigung aller Anforderungen und Rahmenbedingungen. Je größer das jeweilige Bauvorhaben ist, desto komplexer und unüberschaubarer wird der zur Umsetzung erforderliche Umfang notwendiger Aufgaben, Maßnahmen und Entscheidungen. Vermehrt wird deshalb der Großteil der im Rahmen des Pro- jektes zu erfüllenden, delegierbaren Bauherrenaufgaben an Projektmanagementun- ternehmen übergeben.

„Projektmanagement umfasst all jene Aufgaben, die zur klaren Zielformulierung und zur zielgerechten Projektdurchführung notwendig sind.“1 Die Sicherung, Kontrolle und Realisierung der zum Projekterfolg führenden Teilziele ist dabei vordergründige Aufgabe des Projektmanagements.

Dazu bedarf es vor allem in Hinblick auf die Bauausführung zahlreicher Bewertungs- und Entscheidungsvorgänge. Bereits aus dem Planungsprozess ergeben sich oft- mals mehrere Wahlmöglichkeiten, die geforderten Bauleistungen zu erbringen. Op- timierungsbetrachtungen sind aus diesem Grund sowohl in der Planungs-, als auch in der Realisierungsphase erforderlich. Unter Berücksichtigung aller gestellten An- forderungen muss der bestmögliche Lösungsweg erarbeitet und verfolgt werden.

Die Prozesse zur Lösungsfindung und Variantenauswahl sind jedoch absolut un- transparent, da die individuelle Vorgehensweise der Projektmanager vor allem in Bezug auf die zu treffenden Entscheidungen vorwiegend subjektiver Natur sind.

Ziel dieser Arbeit ist es, eine erhöhte Transparenz hinsichtlich Bewertungs- und Entscheidungsprozessen zur Auswahl von Vorgangsvarianten zu schaffen. Im Speziellen soll dargestellt werden, weshalb die Existenz und der Vergleich von Ausführungsvarianten notwendig s]ind und mit Hilfe welcher Instrumente eine Entscheidung getroffen wird.

Dabei sollen insbesondere Bewertungskriterien aufgelistet und untersucht werden.

Eine weitere inhaltliche Zielsetzung stellt die Aufstellung, Klassifizierung und Analyse typischer Ziele von Bauprojekten dar.

In Hinblick auf die optimale Realisierung der formulierten Projektziele sollen mögli- che Zusammenhänge zwischen Bewertungskriterien und genannten Zielen ermittelt und gewertet werden. Eine eingehende Untersuchung von Auswirkungen möglicher Zieländerungen auf die Bewertungskriterien soll die erarbeiteten Zusammenhänge verdeutlichen.

Das im Rahmen dieser Arbeit eingeführte, fiktive Bauvorhaben „Errichtung eines Einkaufszentrums“ wird zur Veranschaulichung einzelner Aspekte herangezogen.

Um eine fachliche Einordnung zu ermöglichen und eine Sensibilisierung für die Thematik zu erreichen, werden einführend in Kapitel 2 relevante Begrifflichkeiten er- läutert.

Die für die Realisierung auszuwählenden Vorgänge und Ausführungsalternativen, werden anschließend in Kapitel 3 definiert.

Kapitel 4 beinhaltet die Erarbeitung, Einteilung und Beschreibung entscheidungsrelevanter Bewertungskriterien.

Typische Projektziele von Bauleistungen werden in Kapitel 5 erst allgemein und anschließend projektspezifisch formuliert, klassifiziert und beschrieben. Aufbauend auf die vorherigen Kapitel erfolgt in Kapitel 6 die Erläuterung von Zusammenhängen und Abhängigkeiten formulierter Projektziele und aufgestellter Bewertungskriterien anhand ausgewählter Beispiele.

Aufgrund der zuvor aufgezeigten Zusammenhänge werden im folgenden Kapitel mögliche Änderungen von Projektzielen, sowie deren Auswirkungen auf die formulierten Bewertungskriterien untersucht und beurteilt.

Abschließend erfolgt die zusammengefasste Darstellung der im Rahmen der thema- tischen Auseinandersetzung gewonnenen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen.

2 EINFÜHRUNG

Um eine Sensibilisierung für die Thematik schaffen zu können, werden einführend relevante Begrifflichkeiten definiert.

2.1 Projekt

In der Praxis wird der Begriff „Projekt“ sehr häufig verwendet. Doch nicht jedes Bauvorhaben ist automatisch auch ein Bauprojekt. Die Existenz entsprechender Merkmale gilt als Voraussetzung für diese Bezeichnung.

2.1.1 Projektdefinition

Laut DIN 69901 ist ein Projekt „ein Vorhaben, das im Wesentlichen durch die Einma- ligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist, z. B. Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle, personelle und andere Begrenzungen, Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben und projektspezifische Organisation.“2 Es sind demnach ablauf- orientierte Prozesse, bei denen alle zur Zielerreichung notwendigen Aktivitäten mi- teinander verknüpft sind.3

Projekte sind durch die begrenzt vorhandenen Ressourcen terminlichen, monetären oder technischen Risiken ausgesetzt. Mindestens eines der genannten Risiken besteht bei jedem Projekt.4

Aufgrund ihrer zeitlichen Begrenzung und der damit festgelegten Dauer werden Projekte oft auch als „Unternehmen auf Zeit“ bezeichnet.5

Die allgemeinen Projektdefinitionen können durchaus auch auf die spezifizierten Ei- genschaften von Bauprojekten projiziert werden: ein Bauprojekt wird allgemein defi- niert als Investitionsprojekt das feste Ziele und Ergebnisse beinhaltet, einen geplan- ten Termin- und Kostenrahmen besitzt und über variable Ressourcen verfügt. In der Regel sind Bauvorhaben weiterhin durch lange Laufzeiten gekennzeichnet und auf- grund ihrer hohen Komplexität technischen und wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt.6

2.1.2 Allgemeine Projektmerkmale

Die Definition der DIN 69901 verweist bereits auf folgende, entscheidende Merkmale: Zielvorgabe, begrenzte Ressourcen, Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben und die projektspezifische Organisation.

In der Literatur sind diese Merkmale bereits um ein Vielfältiges erweitert worden. Alle Eigenschaften besitzen - je nach Projektart und Inhalt - unterschiedlich gewichtete Gültigkeit für jedes Projekt.

Die folgende Auflistung und Erläuterung einzelner Bauprojektmerkmale orientiert sich am Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit und enthält aus diesem Grund nur ausgewählte, relevante, bauspezifische Aspekte.

1. Zentraler Inhalt jeden Bauvorhabens ist die Orientierung auf gestellte Pro- jektziele. Diese bezeichnen das spezifizierte, zu erbringende Ergebnis. Die Maßnahmen, die zur Erreichung der Ziele notwendig sind, müssen für jedes Vorhaben individuell und komplett neu geplant werden.78
2. Die Maßnahmenkomplexität ist ein bedeutendes Merkmal. Projekte sind un- ter anderem dadurch gekennzeichnet, dass sie eine umfangreiche Menge von Vorgängen und Maßnahmen aufweisen, die in Abhängigkeiten zueinander stehen und ganzheitlich organisiert werden müssen.9
3. Jedes Projekt besitzt einen festen Terminrahmen mit genau definierten An- fangs - und Endterminen und ist damit zeitlich determiniert.10 11
4. Wie die Bestimmung von Anfangs- und Endterminen erfolgt auch die Festle- gung eines Budgetrahmens in dem das Projekt abgewickelt werden soll. Die finanziellen Ressourcen jedes Projektes sind durch ein aufgabenbezogenes Budget begrenzt.12
5. Für die erfolgreiche Realisierung von Bauvorhaben ist die Interdisziplinarität - das Zusammenwirken von qualifiziertem Fachpersonal aus verschiedenen Bereichen - zwingend erforderlich.13
6. Für die Aufgabenstellung, Zielvorgaben und die Durchführungsbedingungen existieren keinerlei vergleichbare Beispiele - jedes Projekt ist bezüglich sei- ner Zusammenstellung und seinen Anforderungen einmalig.

2.1.3 Projektarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Praxis werden Bauprojekte üblicherweise nach dem Projektinhalt kategorisiert, wie in der folgenden Darstellung abgebildet wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Klassifizierung nach Projektinhalt

2.2 Projektmanagement

Prozesse im Bauwesen sind immer stärker durch komplexer werdende Aufgabenstellungen, erhöhte Anforderungen an die Umsetzung, Kontrolle und das Erreichen der Projektziele bezüglich Qualität, Kosten und Terminen, sowie durch vielschichtige Beteiligungsstrukturen gekennzeichnet.

Um Investitionsprojekte erfolgreich planen und ausführen zu können, ist deshalb der Einsatz ganzheitlicher Managementinstrumente und -fähigkeiten zwingend erforder- lich.14

2.2.1 Definition Projektmanagement

In DIN 69901 wird der Begriff Projektmanagement als „die Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mittel für die Abwicklung eines Projekts“ definiert.15 Das Projektmanagement umfasst dabei die Organisation, Planung von Terminen und Kosten, Überwachung und Steuerung von Projekten. Das sind demnach „ […] all jene Aufgaben, die zur klaren Zielformulierung und zur zielgerechten Projektdurchführung notwendig sind.“16

Die genannten Führungsaufgaben auf allen Hierarchieebenen stehen zu Beginn des Bauprojektes ausschließlich dem Bauherrn (Auftraggeber) zu.17

Die Bauherrenaufgaben können wiederum in delegierbare und nicht delegierbare Aufgaben unterteilt werden.

Die delegierbaren Bauherrenaufgaben werden auch als Projektsteuerungs- aufgaben bezeichnet. Dabei ist vor allem eine fachkundige Überwachung und die systematische und vorausschauende Steuerung und Koordination der Ge- schehensabläufe in technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht zu realisieren.

Ferner sind Aufgaben aus dem Bereich der Projektleitung, die mit Entscheidungs- und Durchsetzungskompetenz ausgestattet sind, delegierbar.

Nicht delegierbare Bauherrenaufgaben aus dem Bereich der Projektleitung umfassen beispielsweise die Gestaltung und den Abschluss von Verträgen, „Entscheidungen über Zeit, Qualität und Kosten, die Einholung von Genehmigungen, Zustimmungen und Erlaubnissen, die Anweisung von Zahlungen, die Abnahme von Leistungen der Vertragspartner sowie die Verfolgung von Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüchen.“18

In der Praxis sind Bauherren oftmals reine Investoren und deshalb nicht - oder nur teilweise - zur Ausführung aller Aufgaben fähig, weshalb die delegierbaren Bauher- renaufgaben meist an Dritte - in diesem Falle an den Projektmanager - weitergege- ben werden.19 Projektmanagement wird deshalb auch als die zusammengefasste Abwicklung aller Bauherrnaufgaben bezeichnet.20 Übertragene Aufgaben aus dem Bereich der Projektleitung und Projektsteuerung ergeben zusammen das Tätigkeits- feld des Projektmanagement.21

2.2.2 Aufgaben und Funktionen des Projektmanagement

Um die Frage zu klären, weshalb bei Bauvorhaben Projektmanagement zur Anwendung kommen sollte, ist die Betrachtung seines Nutzens sinnvoll.

Im Rahmen des Projektmanagements:22

- erfolgt eine Orientierung an den Auftraggeberwünschen,
- werden Störungen und Konflikte mit Hilfe von aktivem Umfeldmanagement früh erkannt,
- gewährleisten Aufgabenlisten und Projektstrukturpläne die Berücksichtigung aller für den Projekterfolg notwendigen Aufgaben,
- wird Qualität überprüft, erfasst und verfolgt und somit gesichert,
- erfolgt die Einhaltung von Terminen mittels erstellter Terminpläne,
- werden Ressourcen - aufgrund der Planung - effizient eingesetzt,
- gewährleistet ein vereinbarter Budgetrahmen die Einhaltung der Kosten,
- wird eine reibungslose Koordination durch aktive Teamführung ermöglicht und es
- werden vorhandene Synergien genutzt.

Aufgaben des Bauherrn

Wie in Kapitel 2.2.1 bereits erwähnt wurde, existieren zu Beginn eines Projektes Aufgaben, die der Bauherr entweder selbständig bewältigt, oder aber durch Dritte erfüllen lässt. Anhand der delegierbaren Bauherrnaufgaben lassen sich bereits erste Projektmanagementaufgaben ableiten, weshalb sie an dieser Stelle kurz erläutert werden sollen.

Der Bauherr (Auftraggeber) eines Bauvorhabens ist für den Aufbau der Projektstruk- tur und des Vertragswesens zuständig. Er definiert die Zielvorgaben für den Umfang seines Vorhabens, sowie dessen Nutzen. Weiterhin hat er Entscheidungen zu tref- fen und umzusetzen. Die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens muss ebenfalls durch den Auftraggeber überprüft werden. Um ferner die Erreichung des Gesamtzie- les zu sichern, müssen durch den Bauherrn Termin-, Kosten- und Qualitätsziele ständig überwacht werden. Außerdem zählt die Sicherstellung der Finanzierung und Vermarktung des Projektes zu Aufgaben des jeweiligen Investors.23

Die an den Projektmanager übertragenen Bauherrnaufgaben erstrecken sich dabei über:

- Organisation, Koordination, Information und Dokumentation
- Vertragsmanagement
- Überwachung der Quantitäten und Qualitäten
- Kostenplanung und Kostenkontrolle, sowie
- Sicherung von Terminen und Kapazitäten.

Funktionen des Projektmanagement:

Viele der zuvor erwähnten, an den Projektmanager übergebenen, delegierbaren Bauherrenaufgaben lassen bereits einige Projektmanagementfunktionen erkennen.

Die folgende Liste beinhaltet typische und themenrelevante Funktionen, die im Rahmen dieser Arbeit nochmals aufgegriffen werden sollen.

Das Projektmanagement:

- definiert eine klare Aufgabenstruktur, in der festgelegt wird, welche Aufgaben im Rahmen des Projektzieles zu erfüllen sind.
- stellt eine Terminplanung mit den einzuhaltenden Fertigstellungsterminen auf.
- Erarbeitet die Kapazitätsplanung mit entsprechenden Mengen der vorhande- nen und einsetzbaren Ressourcen, sowie ihren Verwendungszweck.
- Erstellt eine Kostenplanung innerhalb der die zu erwartenden, einzuplanen- den uns entstehenden Kosten des Projektes kalkuliert, kontrolliert und dokumentiert werden.
- Erarbeitet die Finanzplanung zur Sicherstellung der Mittelherkunft und Zeit- punkt des Mittelflusses.
- Führt das Controlling zur Überprüfung der Einhaltung von Kosten-, Termin- und Qualitätsvorgaben der einzelnen Projektbeteiligten sowie zur Registrierung entstandener Abweichungen durch.
- Erarbeitet im Rahmen der Fortschrittsplanung Teilzielerreichungen, nicht er- reichte Teilzielen, sowie notwendige Zusatzmaßnahmen.
- Sichert die Qualität zur Prüfung des Projektes hinsichtlich der Frage, welche Qualitätsziele mithilfe welcher Maßnahmen erreicht wurden und welche unverwirklicht blieben.

Sowohl das Spektrum der Bauherrnaufgaben, als auch die genannten Funktionen des Projektmanagements deuten an, dass diese nicht nur den anfänglichen Bauprojektphasen zugeordnet werden können. Die aus der Projektsteuerung und Projektleitung stammenden Aufgaben und Funktionen finden sich in allen in Abbildung 2 dargestellten Projektphasen von INVEST - Projekten wieder.24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Phasen des Projektmanagement (angelehnt an §15 HOAI)25

[...]


1 Vgl. Patzak, S. 317

2 Vgl. DIN 69901: „Projektwirtschaft - Projektmanagement - Begriffe“

3 Vgl. Patzak, S. 18

4 Vgl. Wischnewski, S. 19

5 Vgl. Patzak, S. 18

6 Vgl. RKW, S. 219

7 Vgl. Patzak, S. 19

8 Vgl. Motzel, S. 146

9 Vgl. Motzel, S. 146

10 Vgl. Motzel, S. 146

11 Vgl. Koch, S. 34

12 Vgl. Koch, S. 34

13 Vgl. Patzak, S. 19

14 Vgl. Pfeiffer, S. 32

15 Vgl. DIN 69901: „Projektwirtschaft - Projektmanagement - Begriffe“

16 Vgl. Patzak, S. 317

17 Vgl. Kochendörfer, S. 8

18 Vgl. Rechnungshof, S. 2 - Zeile 2.

19 Vgl. Kochendörfer, S. 8

20 Vgl. Sommer, S. 2

21 Vgl. Kochendörfer, S. 10

22 Vgl. Patzak, S. 28

23 Vgl. Sommer, S. 1

24 Vgl. RKW, S. 222, Abb. 1.8-2 „Übersicht Phasenmodelle“

25 Vgl. Brunner, S. 20

Details

Seiten
66
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640881772
ISBN (Buch)
9783640881581
Dateigröße
774 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169717
Institution / Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar
Note
1,5
Schlagworte
analyse klassifizierung zusammenhänge projektzielen bewertungskriterien bauwesen

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Titel: Analyse, Klassifizierung und Zusammenhänge von Projektzielen und Bewertungskriterien im Bauwesen