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Was ist das Eigentliche der Sozialpädagogik?

Hausarbeit 2010 21 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung

1. Einordnung der Sozialpädagogik

2. Begriffsklärung

3. sozialpädagogisches Handeln

4. Das Eigentliche der Sozialpädagogik

5. weiterführende Fragen

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

0. Einleitung

Das Thema der vorliegenden Arbeit fragt nach dem ÄEigentlichen“ der Sozialpädagogik.

Hintergrund des Themas:

Der Hintergrund des Themas ist, dass ich mir im Zuge der Diskussionen um (die Wissenschaft der) Soziale(n) Arbeit und Sozialpädagogik die Frage gestellt habe, was das pädagogische Moment in der Sozialpädagogik bzw. in der Sozialen Arbeit ausmacht und wie durch Pädagogik den verschiedenen sozialen Problemen begegnet, diesen vorgebeugt kann bzw. diese gelöst. Dabei kam ich an den Punkt zu fragen, was denn genau die Sozialpädagogik ausmacht, vereint sie doch in ihrer Bezeichnung beides - das Soziale und die Pädagogik.

Nun scheint die Frage nach dem Eigentlichen der Sozialpädagogik auf dem ersten Blick etwas verwirrend zu sein, suggeriert sie doch, dass in der Sozialpädagogik ein Bedarf besteht, die Identität der Sozialpädagogik zu klären und zudem suggeriert das Thema der Arbeit, dass so etwas wie eine ureigenste Besonderheit der Sozialpädagogik existiert, welche in keinem anderen Feld anzutreffen ist.

Ziel der Arbeit:

Vordergründiges Ziel der Arbeit ist es, für mich eine Klärung der Frage zu finden. Ich hoffe durch die vorliegende Arbeit aber auch, das Bewusstsein für einen zweiten Blick auf die Frage nach dem Eigentlichen der Sozialpädagogik zu wecken. Um im Sinne von Hans Thiersch zu sprechen:1 Was bedeutet es für die Praxis, wenn wir einen speziellen Arbeitsbereich annehmen, der sich dadurch auszeichnet, dass er ÄSoziales“ und ÄPädagogik“ miteinander in Verbindung bringt?

Logik der Arbeit:

Zur Beantwortung der Frage der Arbeit stütze ich mich hauptsächlich auf Johannes Schilling und Susanne Zeller, welche in ihrem Buch ÄSoziale Arbeit. Geschichte - Theorie - Profession“ (3. Auflage) einen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung der Sozialarbeit, der Sozialpädagogik und der Entstehung der Profession Soziale Arbeit geben und auf die Artikel im Sammelwerk ÄWörterbuch Soziale Arbeit. Aufgaben, Praxisfelder, Begriffe und

Methoden der Sozialarbeit und Sozialpädagogik“ (6. Auflage) von Dieter Kreft und Ingrid Mielenz; darin v.a. die Beschreibungen über Anwendungsbereiche der Sozialpädagogik.

Um das Eigentliche der Sozialpädagogik herauszufinden, scheint es sinnvoll, vom Allgemeinen auszugehen und sich immer mehr dem ÄEigentlichen“ zu nähern. Deshalb werde ich im ersten Schritt eine Einordnung der Sozialpädagogik in ihre Kontexte durchführen, um im zweiten Schritt zu klären, was genau unter Sozialpädagogik zu verstehen ist. Der dritte Schritt untersucht die Ebenen sozialpädagogischen Handelns, um schließlich das Eigentliche herausfiltern zu können. Im letzten Schritt werden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Logik der Arbeit weiterführende Fragen gestellt.

Die Felder der ÄPädagogik“ und der ÄSozialen Arbeit“ weisen eine Vielzahl an verschiedenen Unterdisziplinen und Unterprofessionen auf, welche sich teilweise überschneiden. Eine Definitionsübersicht würde den Rahmen und die Intention der Arbeit übersteigen. Mit dem Wissen um die Schwierigkeit trennscharfer Definitionen in diesem Bereich, werden dennoch teilweise Betrachtungen verschiedener Pädagogiken bzw. deren Methoden und Inhalte ohne vorherige Definition vorkommen.

1. Einordnung der Sozialpädagogik

Als Ausgangspunkt für die Beantwortung der Frage nach dem Eigentlichen soll auszugsweise auf die historische Entwicklung des Arbeitsfeldes Sozialpädagogik geblickt werden. Ein anderer Weg wäre gewesen, die Entstehungsgeschichte zu vernachlässigen und bei der aktuellen Diskussion innerhalb der Sozialen Arbeit zu beginnen, doch meiner Meinung nach bietet der Blick in die Vergangenheit die Möglichkeit, auf die ursprünglichen Anliegen der Sozialpädagogik zu schauen, was mir für die Einordnung dieses Arbeitsfeldes als wichtig erscheint. Hinzu kommt, dass die aktuellen Debatten in der Sozialen Arbeit meines Erachtens nach mehr das Thema Wissenschaft im Blick haben, als das Spezifikum von Sozialpädagogik.2

Kurzer geschichtlicher Abriss:3

Schilling und Zeller weisen in ihrem Buch eine enge Verbindung zwischen der Entwicklung der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik nach. Die Hauptunterscheidungsmerkmale sind die Art und die Zielgruppe der Hilfe.

Die Erwachsenenfürsorge4 versuchte haupt- sächlich materielle Not zu lindern und Kranken ein lebenswertes (Über)Leben zu sichern. Nachdem anfangs vor allem Klöster Fürsorgerollen einnahmen, traten vermehrt staatliche Institutionen, wie Hospitale auf.5 Aus der Tradition der fürsorgenden Dienste, wie Armenspeisung, Obdach und Notfall versorgung, heraus, hat sich die Sozialarbeit gebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entstehungsgeschichte

Die Wurzeln der Sozialpädagogik dagegen liegen - den beiden Autoren6 nach - in der Jugendfürsorge, welche die Unterbringung und v.a. die Erziehung von elternlosen Kindern und Jugendlichen bedeutet:

Als im ausgehenden Mittelalter die (Groß-)Familie nicht mehr ausreichend ihre armen Kinder versorgen konnte, entstand die öffentliche Jugendfürsorge. Sie hatte die Aufgabe, Kinder durch Erziehung vor der Verwahrlosung zu schützen. Findel- und Waisenhäuser übernahmen die Versorgung derjenigen Kinder, für die keine Familie aufkam.“7

Zudem zielte der stark erzieherische Ansatz der Jugendfürsorge darauf ab, die Ä[…]Anpassung von Kindern an die geltenden Normen mit erzieherischen Mitteln oder mit kontrollierender Gewalt gegenüber Abweichungen von dieser Normalität […]“8 zu erreichen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Sozialpädagogik von der Arbeit in Erziehungsheimen zur pädagogischen Arbeit in Schulen, Kindergärten und Horten9 und später auch in Jugendclubs und Beratungsstellen weiter.

Sozialarbeit als Almosenwesen und Armenfürsorge vor allem für Erwachsene versteht sich als Ersatz für schwindende familiäre und verwandtschaftliche Sicherungsleistungen. […] Sozialpädagogik als Jugendfürsorge und Anstaltserziehung sieht sich dagegen als Ersatz für schwindende familiäre und verwandtschaftliche Erziehungsleistungen.“10

Zwar haben die beiden Arbeitsbereiche unterschiedliche Wurzeln und Intentionen, aber in der aktuellen Diskussion werden Sozialarbeit und Sozialpädagogik nicht mehr als gänzlich verschiedene Professionen, sondern als sich ergänzende Teile der Sozialen Arbeit verstanden. Soziale Arbeit ist der Oberbegriff für die Fürsorge am Menschen, welche sich in der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik äußert.

Schilling und Zeller fassen es folgendermaßen zusammen:

Sozialpädagogik und Sozialarbeit sind nicht mehr zwei verschiedene Bereiche der Sozialen Arbeit. Sie sind im Verlauf der letzten Jahre zu einem Gesamten zusammengewachsen (Konvergenzthese).11

Die Konvergenzthese besagt jedoch nicht die Aufgabe, Auflösung bzw. Verschmelzung beider Bereiche, sondern eine Zusammenentwicklung von Sozialpädagogik und Sozialarbeit in Richtung zunehmender Übereinstimmungen unter Berücksichtigung ihrer Eigenständigkeit und Eigenart […] Diesen Zusammenhang kann man am besten dadurch ausdrücken, dass man von Sozialer Arbeit mit den beiden Schwerpunkten Sozialpädagogik und Sozialarbeit spricht.“12

Somit scheint das Verhältnis von Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Sozialer Arbeit klar definiert zu sein.

Durch den historischen Blick wird das Grundanliegen für die Entstehung der Sozialpädagogik deutlich: Sie sollte erzieherisch die Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen verhindern.

Bleibt also zu fragen, in welchem Verhältnis die Sozialpädagogik zu anderen pädagogischen bzw. erzieherischen Bereichen steht, wie etwa der Schul- oder der Familienpädagogik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Konvergenzthese zur Sozialen Arbeit

Das Verständnis von Sozialpädagogik als Bildungsinstitution:

Gertrud Bäumer prägte zu diesem Thema das Verständnis, dass Sozialpädagogik ein Teil der Pädagogik ist, und zwar Äalles, was Erziehung, aber nicht Schule und nicht Familie ist. Sozialpädagogik bedeutet hier den Inbegriff der gesellschaftlichen und staatlichen Erziehungsfürsorge, sofern sie außerhalb der Schule liegt.“13

Dieses Verständnis von Sozialpädagogik wirft einen sehr kritischen Blick auf Familie und Schule, unterstellt es doch Defizite in der Aufgabenerfüllung - nämlich der individuellen Förderung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen.14 Diese Lücke soll nun die Sozialpädagogik füllen, welche nach Bäumer den Platz außerhalb der Schule hat.15 Schilling und Zeller wiedersprechen dem und geben der Sozialpädagogik keine Lückenfüll-, sondern eine unterstützende Funktion.16

[...]


1 Schilling; Zeller, 2007, Seite 166: ÄThiersch geht es nicht mehr wie noch z.B. Mollenhauer darum zu begründen, warum Sozialpädagogik entstanden ist und welche Funktionen sie in der Gesellschaft innehat, sondern für ihn ist Sozialpädagogik ein nicht mehr wegzudiskutierendes Faktum, das es nun vielmehr gilt, inhaltlich zu füllen. Ihm geht es weniger um die Frage: Was ist Sozialpädagogik?, sondern: Welche Aufgabe hat Sozialpädagogik?“

2 zur Bezeichnungs- und Verhältnisbestimmung von Sozialpädagogik und Sozialer Arbeit siehe Engelke; Spatscheck; Borrmann, 2009, Seiten 119ff und 240ff und Schilling; Zeller, 2007, Seiten 134ff

3 zur geschichtlichen Einordnung der Sozialpädagogik siehe: Engelke; Spatscheck; Borrmann, 2009, Seiten: 53- 122; und Schilling; Zeller, 2007, Seiten 17-106

4 Schilling; Zeller, 2007, Seite 53: ÄErwachsenenfürsorge hat im Laufe der Geschichte viele Namen gehabt: bis 1900 Armenpflege oder Armenfürsorge, 1900-1918 Soziale Fürsorge, nach 1918 Wohlfahrtspflege, nach 1945 Fürsorge, seit 1960 Sozialarbeit. Es ging dabei immer um die materielle Hilfe für Erwachsene.“

5 Schilling; Zeller, 2007, Seite 22: ÄUnter einem Hospital verstand man nicht ein Krankenhaus in unserem heutigen Sinne, sondern eine Anstalt, in der Kranke, insbesondere aber Arme verpflegt (nicht gepflegt) wurden.“

5

6 Aus stilistischen Gründen sind Funktions- und Personen(gruppen)bezeichnungen in der männlichen oder weiblichen Form geschrieben. Sie sind aber geschlechtsneutral zu verstehen.

7 Schilling; Zeller, 2007, Seite 61

8 Schilling; Zeller, 2007, Seite 85

9 dazu: Müller W., In: Kreft; Mielenz, 2008, Seiten 756f: ÄKindergärten, später auch Kinderkrippen und Kinderhorte sollten die Pflege und Erziehung in Ursprungsfamilie und Schule begleitend ergänzen und unterstützen.“

10 Schilling; Zeller, 2007, Seiten 116f

11 siehe Abbildung 3, Seite 7

12 Schilling; Zeller, 2007, Seite 137

13 Bäumer zitiert nach Wollenweber, in: Schilling; Zeller, 2007, Seite 154

14 dazu Schilling; Zeller, 2007, Seite 103: ÄMan kann also sagen, dass der Ursprung der Sozialpädagogik im pädagogischen Funktionsverlust der bisherigen Erziehungsinstitutionen lag. […] Da Familie und Schule nicht mehr allen Anforderungen der Erziehung und Bildung gerecht werden konnten, war ein dritter Erziehungsraum neben Familie und Schule notwendig. Diese dritte Erziehungs- und Bildungsinstitution war Sozialpädagogik.“

15 vgl. SGB VIII § 11 Abs. 3 Punkt 1: Aufgaben der Jugendarbeit: Äaußerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung“

16 Schilling; Zeller, 2007, Seiten 155f: ÄDiese Gleichstellung aller drei Einrichtungen schließt auch automatisch aus, dass das Entstehen von Sozialpädagogik in dem Versagen der anderen Bereiche begründet sei - ein Ansatz, den man häufig in der Literatur finden kann: Weil die Familie und die Schule versagt hätten, wäre

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640884674
ISBN (Buch)
9783640884308
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169943
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH)
Note
1,7
Schlagworte
Sozialpädagogik Soziale Arbeit Sozialarbeit Sozialarbeitswissenschaft Erziehungswissenschaft

Autor

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Titel: Was ist das Eigentliche der Sozialpädagogik?