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Die Bedeutung der Peergruppe als Sozialisationsinstanz in der Jugendphase am Beispiel von "Positiver Peerkultur"

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Sozialisation in der Jugendphase
1.1 Der Begriff der Sozialisation
1.2 Der Begriff der Jugendphase
1.3 Der Prozess der Persönlichkeitsentwicklung in der Jugendphase

2. Das Konzept der Positiven Peerkultur
2.1 Positive Peerkultur als Stärkenansatz
2.2 Die Bedeutung der Peers

3. Positive Peerkultur in der Praxis - „Gemeinsam statt einsam“ in Halle an der Saale
3.1 Welchen Nutzen ziehen die Jugendlichen aus den Gruppentreffen?

Fazit

Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Gleichaltrigen, der so genannten Peers, im Bezug auf die Sozialisation im Jugendalter. Sozialisation bezeichnet einen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, der auf der Auseinandersetzung mit psychischen und körperlichen Grundmerkmalen und der sozialen und materiellen Umwelt beruht (vgl. Hurrelmann 2006, S. 15). Gerade in der Jugendphase wird der Mensch mit erheblichen Entwicklungsanforderungen konfrontiert, die zu bewältigen sind. Zur Bewältigung solcher Aufgaben, benötigen Jugendliche die Unterstützung ihrer sozialen Umwelt, insbesondere die von Gleichaltrigen. Die Bedeutung, die die Peergruppe für die Entwicklung von Jugendlichen haben kann, soll anhand des pädagogischen Ansatzes der Positiven Peerkultur erarbeitet werden. Der Kerngedanke hinter diesem Ansatz ist die Entwicklung einer Kultur der Kommunikation und des gegenseitigen Respekts, als Grundlage für prosoziales Verhalten unter Kindern und Jugendlichen, um damit negativen Prozessen und Verhaltensweisen entgegenzuwirken (vgl. Opp 2006a, S. 81). Entsprechend richtet sich dieser Ansatz an Jugendliche, die mit schwierigen Lebensverhältnissen und Ausgrenzungserfahrungen konfrontiert sind. Ausgehend von der Vorstellung, dass Jugendliche in der Lage sind, sich gegenseitig unterstützend zur Seite zu stehen und ihre Probleme selbständig zu lösen, werden die Jugendlichen dazu ermutigt ihre Probleme im Rahmen von Gruppengesprächen darzulegen und zu diskutieren.

Um sich dem Thema der Bedeutung von der Positiven Peerkultur für die jugendliche Entwicklung und ihrer Auswirkung auf das Verhalten der Jugendlichen zu nähern, soll zunächst geklärt werden, was unter der Sozialisation in der Jugendphase zu verstehen ist. Dies wird im ersten Abschnitt dieser Arbeit behandelt. Es ist zu klären, mit welchen Aufgaben sich Jugendliche im Zuge der Persönlichkeitsentwicklung auseinandersetzen müssen und wie diese Anforderungen bewältigt werden können. Dazu sollen zunächst die Begriffe Sozialisation und Jugendphase definiert werden, um im Anschluss daran den Prozess der Persönlichkeitsentwicklung im Jugendalter darzustellen. In einem zweiten Schritt werden die Grundlagen des Konzeptes der Positiven Peerkultur vorgestellt. Wie die Umsetzung eines solchen Projektes aussehen kann, erfolgt in einem dritten Abschnitt anhand des Praxisprojektes „Gemeinsam statt einsam“, welches von Günther Opp und Nicola Unger in Halle an der Saale als Modellprojekt der Positiven Peerkultur im schulischen Kontext entwickelt wurde. In einem abschließenden Fazit soll noch einmal zusammenfassend auf die Bedeutung der Positiven Peerkultur für Jugendliche eingegangen werden.

1. Sozialisation in der Jugendphase

In der Lebensphase Jugend werden Jugendliche mit enormen Veränderungen auf der körperlichen, emotionalen, geistigen und sozialen Ebene konfrontiert (vgl. Zimmermann 2006, S. 154). Sie stehen vor der Herausforderung Kompetenzen zu erwerben, um an sie gestellte Entwicklungsaufgaben lösen zu können. Bevor näher auf den Prozess der Sozialisation in der Jugendphase eingegangen wird, folgt eine Begriffsbestimmung von Sozialisation und von Jugendphase.

1.1 Der Begriff der Sozialisation

Sozialisation bezeichnet den lebenslangen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen. Die Persönlichkeit, verstanden als individuelles „Gefüge von Merkmalen, Eigenschaften, Einstellungen und Handlungskompetenzen“ (Hurrelmann 2006, S. 16), wird durch die produktive Auseinandersetzung mit den inneren und äußeren Anforderungen, sprich der Auseinandersetzung mit psychischen und körperlichen Grundmerkmalen und der sozialen und materiellen Umwelt, geformt und weiterentwickelt. Durch diesen Prozess der Verarbeitung, der individuell, den eigenen Voraussetzungen und Bedürfnissen angemessen gestaltet wird, wird der Mensch zu einem „sozial handlungsfähigen Subjekt“ (vgl. Hurrelmann 2006, S. 15f.; Hurrelmann 2007, S.65).

1.2 Der Begriff der Jugendphase

Die Jugendphase ist ein eigenständiger Lebensabschnitt, der etwa zwischen dem 12. und 27. Lebensjahr eingeordnet werden kann und indem sich ein Mensch mit spezifischen Anforderungen bzw. Entwicklungsaufgaben auseinandersetzen muss, um die Entwicklung vom „abhängigen Kind“ hin zum „unabhängigen Erwachsenen“ zu bestreiten (vgl. Hurrelmann 2007, S. 36). Aufgrund von verschiedenen Entwicklungsschritten im Jugendalter empfiehlt sich eine weitere Unterteilung der Jugendphase in Pubertät, Adoleszenz und Post-Adoleszenz. Der Beginn der Jugend setzt ein mit der Pubertät, die durch die Veränderung der körperlichen Geschlechtsmerkmale und der Geschlechtsreife, sowie Wachstumsschüben und Veränderung der Körperproportionen gekennzeichnet ist. Dazu beginnt ein „großer seelischer Umbau“, der einhergeht mit „Gefühlsschwankungen und Verhaltenszwiespältigkeiten“ (Zimmermann 2006, S. 156). Unter dem Begriff der Adoleszenz werden alle Prozesse und Bedingungen der psychosozialen Entwicklung von Kindheit bis zum Erwachsenenalter zusammengefasst. Entsprechend bezeichnet Adoleszenz einen Zeitraum der Jugendphase, der weit über die Pubertät hinaus reicht. Der Begriff der Post-Adoleszenz beschreibt eine Form der „Nach-Jugendphase“. Damit soll herausgestellt werden, dass Jugendliche in den heutigen modernen Gesellschaften, im Vergleich zu traditionellen Gesellschaften, zwar schon relativ früh Erwachsenenrollen im Bezug auf „konsumorientierte, kulturelle und auch politische Handlungsbereiche“ übernehmen, Erwachsenenrollen im Bezug auf die ökonomische Selbstständigkeit und der Gründung einer eigenen Familie, jedoch häufig erst spät oder auch gar nicht realisieren (vgl. Zimmermann 2006, S. 155f.).

1.3 Der Prozess der Persönlichkeitsentwicklung in der Jugendphase

Wie bereits an anderer Stelle dargestellt, ist die Sozialisation ein Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, der durch die Auseinandersetzung mit inneren und äußeren Anforderungen gekennzeichnet ist. In der Jugendphase ist dieser Prozess durch erhebliche körperliche, psychische und soziale Umbrüche intensiver, als in anderen Lebensphasen, die Anforderungen der Bewältigung von Lebensbedingungen entsprechend besonders hoch (vgl. Hurrelmann 2007, S. 64f.). Zentrales Merkmal der Sozialisation im Jugendalter ist, nach Hurrelmann, die Synthese von Individuation und Integration, als Voraussetzung zur Entwicklung einer stabilen „Ich-Identität“. Individuation bezeichnet den Entwicklungsprozess einer „individuellen Persönlichkeitsstruktur mit unverwechselbaren (…) Merkmalen und Kompetenzen“ (Hurrelmann 2007, S. 67). Integration ist die „Anpassung an die gesellschaftlichen Werte, Normen, Verhaltensstandards und Anforderungen und die Platzierung der ökonomischen Chancenstruktur“ (Hurrelmann 2007, S. 67). Beide Prozesse in Einklang zu bringen, erzeugt ein enormes Spannungspotenzial, dass in der Jugendphase zum ersten Mal bewusst erlebt werden kann (vgl. Hurrelmann, S.67). Wenn Jugendliche es schaffen, die unterschiedlichen Anforderungen angemessen zu bewältigen, die zu einer Synthese von Individuation und Integration führen, kann von einer gelungenen Sozialisation in der Jugendphase gesprochen werden (vgl. Hurrelmann 2007, S. 157).

Zentrale Entwicklungsanforderungen in der Jugendphase, für die entsprechende Kompetenzen erworben werden müssen, sind „Schulisches Leistungsvermögen und berufliche Qualifizierung“, „Fähigkeiten zum sozialen Bindungsverhalten gegenüber Gleichaltrigen“, „Kompetenz zur Nutzung des Konsumwarenmarktes“ und die „Fähigkeit zur Durchsetzung eigener ´politischer` Interessen“ (Hurrelmann 2007, S.157). Ob die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben in angemessener oder unangemessener Weise erfolgt, ist abhängig von personalen und sozialen Ressourcen. Zu den personalen oder auch individuellen Ressourcen zählen körperliche und psychische Konstitution, Intelligenz, Temperament und starke Durchsetzungskraft. Die sozialen Ressourcen ergeben sich aus der Unterstützung von sozialen Bezugsgruppen, wie Familie, Schule und Freundeskreis, sowie ökonomischen Voraussetzungen (vgl. Hurrelmann 2007, S. 160). Wenn die, von der sozialen Umwelt erwarteten und geforderten Kompetenzen, im Bezug auf die oben genannten Entwicklungsanforderungen, in einem oder mehreren dieser Bereiche, vorübergehend oder dauerhaft, aufgrund von unzureichenden personalen oder sozialen Ressourcen, nicht erbracht werden können, kommt es zu Problemen im Individuations- und Integrationsprozess. Mögliche Probleme sind Schulversagen, Ablehnung durch die Gleichaltrigengruppe, soziale Isolation im öffentlichen Raum und nicht mithalten können im Bereich der Konsumgüter.

Im Verlauf der Jugendphase entwickeln Jugendliche feste Muster zur Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben, auf die auch in späteren Lebensphasen zurückgegriffen wird, wenn sie vor Herausforderungen stehen. „Ein günstiges Muster ist die aktive Erschließung einer Problemkonstellation durch wache Wahrnehmung der inneren und der äußeren Realität (…) mit anschließender flexibler aber strukturierter Reaktion. (…) Als ungünstig erweisen sich ungenaue Wahrnehmungen und anschließende ausweichende und vermeidende, passive Reaktionen auf Problemkonstellationen.“ (Hurrelmann 2007, S. 158f.) Gute Voraussetzungen für eine normale und gesunde Persönlichkeitsentwicklung, trotz schwieriger Problemkonstellationen, sind ein aktives und aufgeschlossenes Temperament, große Lernfähigkeit und die Fähigkeit zur Selbstorganisation, sowie die Unterstützung durch die soziale Umwelt. Sind solche Voraussetzungen nicht gegeben, verfügen Jugendliche nur über eine niedrige Bewältigungskompetenz. Es besteht die Gefahr einer unangemessenen Bewältigung, die sich durch ein nach außen gerichtetes, ausweichendes oder nach innen gerichtetes Problemverhalten äußern kann (vgl. Hurrelmann 2007, S.159ff.).

Die wichtigsten Vermittler und Unterstützer im Entwicklungsprozess der Jugendphase sind die Sozialisationsinstanzen Familie, Schule, Ausbildungsstätten, Medien und Gleichaltrige (vgl. Hurrelmann 2007, S. 69).

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Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640885985
ISBN (Buch)
9783656207931
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170031
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main – Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit
Note
1,3
Schlagworte
Sozialisation Peergruppe Positive Peerkultur Jugendphase Soziale Arbeit

Autor

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