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Gotthold Ephraim Lessing: „Emilia Galotti“, Analyse der Szene II,4

Referat / Aufsatz (Schule) 2009 3 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Gotthold Ephraim Lessing
Drama „Emilia Galotti"

Analyse der Szene II,4 von
Tim Blume

Im Drama „Emilia Galotti“ von Gotthold Ephraim Lessing ist die Szene II,4 ungefähr in das erste Viertel des Stücks einzuordnen. Auftreten Odoardo und Claudia Galotti, die Eltern der Emilia Galotti sowie Pirro, ein Bediensteter. Die Galottis unterhalten sich über das Fernbleiben ihrer Tochter Emilia, sowie über ihre Hochzeit mit dem Grafen Appiani und den damit zusammenhängenden Umständen. Wie man in späteren Auftritten feststellen wird, war Emilia in der Kirche und sie blieb so lange fort, weil sie in selbiger vom Prinzen angesprochen wurde.

Ganz am Anfang des Auftrittes ist Odoardo verärgert über das Ausbleiben seiner Tochter. Claudia will ihn beruhigen und dazu bringen, dass er auf Emilia wartet. Odoardo will zum Grafen von dem er besonders schwärmt, er denkt mehr an ihn als eine Emilia. Claudia ist traurig, ihre Tochter zu ,verlieren‘, doch Odoardo ist glücklich über die Heirat. Er wirft Claudia vor, ein Stadtleben nur auf Grund der Nähe zum Hof zu führen und Claudia ist der Meinung die bevorstehende Ehe sei nur durch das Stadtleben zustande gekommen. Odoardo gesteht ein, dass die Stadterziehung an Emilia gut abgelaufen ist, er sagt auch, dass Emilia und Appiani nun auf dem Land leben werden, wo sie mehr Selbstbestimmung ausüben können. Odoardo denkt, der Prinz würde ihn hassen und dass Appiani es sich mit dem Prinzen verdorben hat. Doch Claudia wirft ein, dass der Prinz Odoardo gar nicht abgeneigt ist, weil er Emilia gesehen hat. Darüber ist Odoardo entsetzt. Claudia beschreibt die Begegnung von Emilia und dem Prinzen auf ganz schwärmerische Weise. Der Prinz sei von Emilia entzückt. Fassungslos wie er ist, wiederholt Odoardo Claudia, er bezeichnet den Prinzen als Wollüstling und möchte Claudia zur Vernunft bringen, da er den Prinzen als Gefahr für sich und seine Familie ansieht.

Im gesamten Gesprächsverlauf spricht Odoardo etwas mehr als seine Frau, zwischen-
zeitlich ruft er den Bediensteten Pirro zu sich, damit er Odoardos Pferd vor das Haus des

Grafen führt. Pirro kommt ansonsten keine weitere Bedeutung zu. Während des Dialogs zwischen Odoardo und Claudia werden deren Einstellungen und Ansichten zu verschiedenen Themen deutlich: So ist Odoardo sehr besorgt darüber, dass Emilia so lange wegbleibt, doch schon im nächsten Moment schwärmt er Grafen und denkt umso mehr an ihn als an Emilia. Claudia hingegen versucht Odoardo zu beruhigen und ihn zu überzeugen, auf Emilia zu warten. Sie ist traurig darüber, ihre Tochter zu ,verlieren‘, Odoardo hingegen ist glücklich über die Hochzeit, vielleicht deswegen, weil eine Hochzeit mit dem Grafen eine Hochzeit mit den Prinzen, den Odoardo als Wollüstling bezeichnet, verhindert. Er ist der Meinung, dass der Prinz ihn hasst, und Appiani es sich mit dem Prinzen verdorben hat. Hier kommt die Frage auf, warum er es sich mit dem Prinzen verdorben hat. Vermutlich hat Odoardo eine gewisse Ahnung, dass der Prinz eifersüchtig auf den Grafen ist, weil er Emilia heiraten wird. Er wirft Claudia vor, ein Stadtleben nur begonnen zu haben, um näher am Hof zu sein. Odoardo steht dem Stadtleben kritisch gegenüber, doch Claudia wirft ein, dass die Ehe eben nur durch das Stadtleben zustande gekommen ist. Jetzt gesteht auch Odoardo ein, dass die Stadterziehung von Emilia doch gut abgelaufen ist und Emilia und der Prinz in Ruhe und Selbstbestimmung auf dem Land leben können. Auf Odoardos Aussage, dass der Prinz ihn hasse erwidert Claudia, dass der Prinz ihm gar nicht so abgeneigt ist, wie er selbst denkt. Er hat Emilia gesehen und war von ihr entzückt. Die Begegnung zwischen Prinzen und Emilia entsetzt Odoardo, er ist fassungslos und bezeichnet den Prinzen als Wollüstling und möchte Claudia schlussendlich zur Vernunft bringen, denn seiner Meinung nach ist der Prinz eine Gefahr für sich und seine Familie.

Besonders auffällig ist die negative Haltung Odoardos gegenüber dem Prinzen, er bezeichnet ihn als Wollüstling und sieht ihn als Gefahr an. Mit dieser Ansicht liegt Odoardo aber richtig, denn am Ende des Dramas lässt der Prinz den Grafen töten, was dazu führt, dass Odoardo Emilia ersticht. Claudia hingegen ist ganz entzückt vom Prinzen und schwärmt von seiner Begegnung mit Emilia. So wie es scheint kann der Prinz Claudia blenden, Odoardo hingegen nicht. Claudia fällt auf das charmante Vorgehen des Prinzen hinein, doch Odoardo ahnt, dass etwa im Argen ist, deswegen bezeichnet er Claudia auch als törichte Mutter und versucht sie zur Vernunft zu bringen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum Odoardo ein Stadtleben ablehnt. Dort sind er und seine Familie dem Prinzen und dessen Einfluss sehr nahe, auf dem Land hingegen nicht. Deshalb ist er auch über die Heirat glücklich, denn nach eben dieser können Emilia und Appiani ein ruhiges Landleben führen, wo sie und ihr Leben nicht vom Prinzen bestimmt werden, sondern sie eine Möglichkeit zur Selbstbestimmung haben. Obwohl Odoardo nichts von der Begegnung von Emilia und dem Prinzen wusste, weiß er, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Für den Leser bleibt nun die Frage, woher er davon wusste. Bauchgefühl? Eine Antwort auf diese Frage geht im weiteren Text nicht hervor.

Dieses Gespräch zwischen Claudia und Odoardo ist innerhalb des Schauspiels von Wichtigkeit, denn nun hat Odoardo erfahren, dass der Prinz Emilia bereits gesehen hat. Er muss nun handeln. Dieses handeln findet dann zu Ende des Stückes statt, nämlich dann, wenn es zur Katastrophe kommt: Odoardo tötet seine eigene Tochter Emilia mittels eines Dolches.

[...]

Details

Seiten
3
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640887804
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170132
Note
1
Schlagworte
gotthold ephraim lessing galotti“ analyse szene

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Titel: Gotthold Ephraim Lessing: „Emilia Galotti“, Analyse der Szene II,4