Lade Inhalt...

Körperbildtherapie bei Anorexia und Bulemia Nervosa

Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsprogramm von Silja Vocks und Tanja Legenbauer

von L. L. (Autor)

Hausarbeit 2009 21 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Aufbau der Arbeit

2. Rahmenbedingungen und Hinweise zum therapeutischen Vorgehen in der Körperbildtherapie bei Anorexia- und Bulimia Nervosa
2.1 Therapeutisches Setting
2.2 Voraussetzungen auf Seiten der Therapeuten
2.3 Integration in ein umfassendes Konzept zur Essstörungsbehandlung
2.4 Zeitliche Struktur

3. Durchführung der Körperbildtherapie
3.1 Einführung der Patientinnen in die Therapie
3.2 Erarbeitung eines Störungsmodells zum negativen Körperbild
3.3 Kognitive Techniken
3.4 Körperkonfrontation
3.5 Abbau des körperbezogenen Vermeidungs- und Kontrollverhaltens
3.6 Aufbau positiver körperbezogener Tätigkeiten

4. Rückfallprophylaxe

5. Fazit

II. Literaturverzeichnis

III. Anhang

1. Aufbau der Arbeit

In Deutschland leben ca. vier Millionen Menschen mit einer Essstörung. Das sind zum einen die, die an Anorexia Nervosa, Magersucht, leiden und/oder die, die an Bulimia Nervosa, Ess-Brech-Sucht, erkrankt sind. Es sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen. Aufgrund dessen wird in der folgenden Ausarbeitung regelmäßig von Patientinnen und Therapeutinnen gesprochen. Das stellt keine Wertung zwischen Frauen und Männern dar. Die Krankheitsbilder haben in den vergangenen Jahrzehnten eine Steigerung der Krankheitshäufigkeit verzeichnet, sowie ein gesteigertes öffentliches, klinisches- und wissenschaftliches Interesse wurde registriert.1

Die vorliegende Arbeit basiert auf dem Therapiekonzept von Silja Vocks und Tanja Legenbauer. Ihr Konzept beschreiben sie in dem Buch „Körperbildtherapie bei Anorexia-und Bulimia Nervosa: Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsprogramm“. Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa sind ähnliche Essstörungen, die meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter beginnen und die überwiegend bei Frauen vorkommen.

Im ersten Teil der Ausarbeitung werden die Rahmenbedingungen und Hinweise zum therapeutischen Vorgehen, wie beispielsweise das Therapeutische Setting, die Voraussetzungen auf Seiten der Therapeuten, die Integration in ein umfassendes Konzept zur Essstörungsbehandlung und die zeitliche Struktur erwähnt.

Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Durchführung der Körperbildtherapie und seinen einzelnen Bausteinen. Der erste Baustein ist die Einführung der Patientinnen in die Therapie, darauf folgt die Erarbeitung eines Störungsmodells zum negativen Körperbild sowie die Kognitiven Techniken. Darauf aufbauend wird die Körperkonfrontation, der Abbau des körperbezogenen Vermeidungs- und Kontrollverhaltens und der Aufbau positiver körperbezogener Tätigkeiten erläutert. Der nächste Baustein beinhaltet die Rückfallprophylaxe. Die Ausarbeitung endet mit einem Fazit über die beschriebene Körperbildtherapie. Die Arbeitsblätter die in der Ausarbeitung erwähnt werden, sind dem Anhang beigefügt.

Das Hauptanliegen der Ausarbeitung ist die Vorstellung des Konzepts von der Körperbildtherapie für Menschen, die unter Anorexia- und Bulimia Nervosa leiden. Es sollen die kognitiven- und verhaltenstherapeutischen Techniken vermittelt werden, um Betroffenen zu helfen, die Erkrankung zu erkennen und die eigenen Ressourcen im Bezug auf die Krankheit zu stärken.

2. Rahmenbedingungen und Hinweise zum therapeutischen

Vorgehen in der Körperbildtherapie bei Anorexia- und Bulimia Nervosa Die Körperbildtherapie und ihre in das Programm integrierten Übungen basieren auf kognitiv-verhaltenstherapeutischen Methoden.

Am Anfang der Körperbildtherapie steht die Festlegung einer Diagnose. Hierfür wird gemeinsam mit der Patientin ihr dysfunktionales Verhalten und ihre dysfunktionale Denkweise bezüglich ihres Körpers identifiziert. Es wird herausgearbeitet, wie es zu diesem Störungsbild kam und was genau es aufrechterhält. Hierfür werden den Patientinnen die vier Komponenten (perzeptive, kognitive, affektive, behaviorale), die ein negatives Körperbild manifestieren können, erläutert. Dieser Schritt ist notwendig, um die anlaufende Therapie individuell gestalten zu können.

Nach den Analysen und Identifikationen des Verhaltens und der dysfunktionalen Kognitionen folgt der Schritt der praktischen Umsetzung. Dabei gehen die Patientinnen in die Konfrontation von vermiedenen Verhaltensmustern, Orten, Situationen usw.. Es werden in der Therapie Spiegel- und Videokonfrontationsübungen praktiziert. Die Übungen der Therapie haben ein gemeinsames Ziel, das dysfunktionale Verhalten der Patientinnen soll stetig abnehmen. Den Abschluss der Therapie bildet das Modul der Rückfallprophylaxe. Hier werden gleichnamige Übungen vorbereitet und durchgeführt.

2.1 Therapeutisches Setting

Die Körperbildtherapie kann in Form eines Gruppensettings oder eines einzeltherapeutischen Settings stattfinden. Wenn sie in einem Gruppensetting angewandt wird, wäre ein zeitlicher Rahmen von ca. zehn Sitzungen à 90 Minuten anzusetzen. Die Gruppe sollte eine Größe von ca. sechs bis acht Teilnehmerinnen nicht überschreiten. Sinnvoll wäre es, wenn zwei Therapeutinnen die Leitung übernehmen könnten, so kann die Gruppe bei Körperkonfrontationsübungen geteilt werden. Allgemein kann die Therapie entweder ambulant oder stationär stattfinden.

Einsatz des Manuals an von Essstörung betroffenen Männern Grundsätzlich gilt die Krankheit der Essstörung als „Frauenkrankheit“. Das kommt daher, dass 90% der Erkrankten weiblich sind. Auf elf an Anorexia Nervosa erkrankte Frauen kommt ein Mann. Bei der Bulimia Nervosa liegt das Verhältnis bei 33 Frauen zu einem Mann.

2.2 Voraussetzungen auf Seiten der Therapeuten

Voraussetzungen, bzw. Qualifikationen der Therapeuten sollten im Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie liegen. Die Therapeuten haben darauf zu achten, dass die Körperkonfrontationsübungen, wo zum Beispiel die Patientinnen im Bikini vor dem Spiegel stehen, von weiblichen Therapeuten angeleitet werden und nicht von männlichen. Dasselbe gilt in umgekehrter Weise bei den erkrankten männlichen Personen.

Indikation und Kontraindikation zur Teilnahme an der Körperbildtherapie Das Programm der Körperbildtherapie wurde für erkrankte erwachsene Personen konzipiert. Primär ist es für Frauen entwickelt worden, kann aber auch auf erkrankte Männer angewandt werden. Die Körperkonfrontationsübungen können entweder parallel zu der Therapie stattfinden oder aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. Das hängt von der Stabilität der Patientinnen ab, da die Konfrontationsübungen eine hohe Belastung darstellen können. Bei Patientinnen die an Anorexia Nervosa leiden und ein starkes Untergewicht aufweisen, steht vorerst die Gewichtszunahme im Vordergrund. Bei Patientinnen welche an Anorexia- und Bulimia Nervosa leiden, steht der Abbau der Heißhungerattacken und des Erbrechens im Vordergrund. Somit muss individuell entschieden werden, wann und in welchem Rahmen die Übungen stattfinden können. Die Übungen können entweder im Gruppensetting ohne die Begleitung einer Therapeutin umgesetzt werden oder im Einzelsetting mit einer therapeutischen Begleitung.

2.3 Integration in ein umfassendes Konzept zur

Essstörungsbehandlung Das Essstörungsbild, egal in welcher Form, hat eine vielfältige Entstehungsgeschichte. Diese Entstehungsgeschichte ist bei der Therapie explizit zu analysieren und zu beachten. Genetische, soziale, familiäre Einflüsse, Persönlichkeitsfaktoren, kognitive- und Verhaltensaspekte tragen zu der Entstehung einer Essstörung bei.

Den Anfang einer Therapie stellt eine genaue Diagnose des Krankheitsbildes dar. Im nächsten Schritt verfasst die Therapeutin gemeinsam mit der Patientin Therapieziele und ergreift Motivationsmaßnahmen, um die Angst der Patientin vor dem schweren Prozess der Therapie einzudämmen. Oftmals ist der Wille für eine Therapie da, wenn es aber in der Therapie unangenehm wird, sind die Patientinnen oft nicht willensstark genug, um weiter zu machen, daraus resultiert auch die hohe Abbruchsquote der Patientinnen. Deshalb ist Motivation ein sehr wichtiger Bestandteil in der Therapie. Im weiteren Verlauf wird die Quelle und die Aufrechterhaltung der Essstörung modellartig erfasst, um hieraus das therapeutische Vorgehen entwickeln zu können. Die Therapeutin erarbeitet und benennt gemeinsam mit der Patientin die Vor- und Nachteile ihrer Krankheit, hierbei weist die Therapeutin auch auf die Folgeerscheinungen der Krankheit hin und informiert über eine ausgewogene Ernährung.

Der Verlauf der Körperbildtherapie geschieht nicht nur in Gesprächen sondern auch schriftlich und wie schon erwähnt praktisch. Für die praktischen Übungen liegen Arbeitsblätter bereit, mit denen die Übung und der Verlauf protokolliert und geplant werden. Weitere Protokolle für die Verhaltens-, kognitive- und emotionale Reflexion werden in Form eines Esstagebuches geführt. Hier können eingenommene Mahlzeiten, Erbrechen, resultierende Gefühle und Auslöser für Heißhungerattacken eingetragen werden. Ein weiteres Ziel ist es, dass die Patientinnen wieder Lebensmittel zu sich nehmen, die sie sich sonst verboten haben und ein gesundes Gefühl von Sättigung und Hunger entwickeln. Dieses lernen sie durch die Einnahme von regelmäßigen Mahlzeiten. Oftmals weisen diese Patientinnen ein niedriges Selbstwertgefühl, ein starkes Perfektionsstreben und ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle und Autonomie auf. Des Weiteren liegen oft Probleme im soziale Bereich, mangelnde Selbstständigkeit, erhöhte Impulsivität, familiäre Probleme und Probleme im Bereich der Sexualität. Diese Themen werden unter anderem in der Therapie aufgegriffen und bearbeitet. Als letzter Schritt der Therapie, zur Stabilisierung der Therapieerfolge, folgt die Rückfallprophylaxe. Hier werden Strategien, die Erkennung von möglichen Warnsignalen und Rückfallsituationen identifiziert.

2.4 Zeitliche Struktur

Der zeitliche Rahmen der gesamten Therapie umfasst bei der Umsetzung in der Gruppe ca. zehn 90-minütige Sitzungen. Findet die Körperbildtherapie im Einzelsetting statt, sind ca. zehn 50-minütige Sitzungen vorgesehen.

3. Durchführung der Körperbildtherapie

3.1 Einführung der Patientinnen in die Körperbildtherapie

Die Einführung der Patientinnen in die Körperbildtherapie verfolgt drei wesentliche Ziele. Das erste Ziel bezieht sich auf das gegenseitige Kennenlernen. Zunächst stellen sich die Therapeuten vor und anschließend die Patientinnen. Wenn die Therapie im Gruppensetting durchgeführt wird, können sich die teilnehmenden Patientinnen alternativ gegenseitig vorstellen. Dies geschieht, indem sich die Patientinnen in Zweier-Gruppen zusammen finden und sich über den Namen, das Alter, ihre Hobbys und anderes interviewen. Anschließend stellt dann jeder seinen Interviewpartner dem Rest der Gruppe vor.

Ein weiteres Ziel der Einführung ist es, den Teilnehmenden die Rahmenbedingungen, Schweigepflicht, Freiwilligkeit und regelmäßige Teilnahme, zu vermitteln: Mit der Schweigepflicht ist gemeint, dass die Patientinnen keine Informationen über die Teilnehmerinnen außerhalb der Gruppe verbreiten dürfen. Die Klärung dieser Rahmenbedingung ist besonders für ein Gruppensetting von Bedeutung, sie ist außerdem Basis einer vertrauensvollen Atmosphäre. Auch die Freiwilligkeit als zweite Rahmenbedingung ist wichtig, um den Patientinnen zu vermitteln, dass sie selbst entscheiden können, wo ihre Grenzen in der Selbstöffnung liegen. Andererseits ist eine gewisse Bereitschaft zur Öffnung der Gefühle und Gedanken elementar, um in der Gruppe gut mitarbeiten zu können. Die dritte Rahmenbedingung bezieht sich auf die regelmäßige Teilnahme der Patientinnen, da die einzelnen Sitzungen aufeinander aufbauen. Wird dennoch eine Teilnehmerin krank, sollte sie sich bei den Therapeuten telefonisch abmelden, sodass geklärt werden kann, ob und wie die Patientin die verpasste Sitzung nacharbeiten kann.

Ein drittes - ergänzendes - Ziel der Einführung ist es, den Patientinnen einen Überblick über den Sinn und die Inhalte der Körperbildtherapie zu geben. Es wird den Teilnehmerinnen erklärt, dass die Körperbildtherapie das Ziel hat, das Bild und die Einstellung, welche sie von ihrem Körper haben, zu verbessern. In diesem Zusammenhang werden die Therapeuten den Patientinnen auch deutlich machen, dass der Weg zu einem positiven Körperbild nur in kleinen Schritten verläuft, sodass sie viel Geduld mit in die Therapie bringen müssen. Die Patientinnen erfahren Grundlegendes über die einzelnen Bausteine der Körperbildtherapie. „Bei der Informationsvermittlung über die Inhalte der Körperbildtherapie soll deutlich gemacht werden, dass der Erfolg der Interventionen maßgeblich durch die aktive Mitarbeit der Patientinnen bestimmt ist.“2 Dazu gehört auch, dass die Patientinnen regelmäßig ihre Hausaufgaben erledigen.

[...]


1 Vgl.:http://www.ahg.de/AHG/Standorte/Bad_Duerkheim/Service/Veroeffentlichungen/Schriftenreihen/Heft_16_Anorexia_un d_Bulimia_nervosa.pdf

2 Vocks, S. und Legenbauer, T. (2005): S. 54

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640892907
ISBN (Buch)
9783640893058
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170450
Institution / Hochschule
Hochschule Osnabrück
Note
1,5
Schlagworte
körperbildtherapie anorexia bulemia nervosa behandlungsprogramm silja vocks tanja legenbauer

Autor

  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.

    L. L. (Autor)

Zurück

Titel: Körperbildtherapie bei Anorexia und Bulemia Nervosa