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Das Gesundheitssystem: Ein grober Überblick mit aktuellem Themenbezug

Facharbeit (Schule) 2010 11 Seiten

Didaktik - Gemeinschaftskunde / Sozialkunde

Leseprobe

Inhaltsangabe

I. Einleitung

II. Geschichte des Gesundheitswesens in Deutschland

III. Übersicht über verschiedeneFinanzierungsmodelle

IV. Situation in Deutschland – Die Strukturen und die Finanzierung

V. Die Gesundheitsreform

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Das deutsche Gesundheitssystem rückt wieder in den Focus der Medien und wird wieder zum Gegenstand der Diskussion in Deutschland. Nachdem es nach der Bundestagswahl 2009 zu einer Koalition zwischen CDU, CSU und FDP kam, wurde von der Regierung angekündigt, dass es höchstwahrscheinlich eine Gesundheitsreform in dieser Legislaturperiode geben wird. Vor allem die FDP drängt auf einen Systemwechsel im Gesundheitssystem.„Die Gesundheitsreform muss ein Markenzeichen von Schwarz-Gelb werden“, so Philipp Rösler, aktueller Gesundheitsminister, in einem Interview. Doch bisher sind keine konkreten Entscheidungen gefallen, erst soll eine Kommission ein Konzept für eine Gesundheitsreform entwerfen. Seitdem sind Schlagworte wie z.B. die Kopfpauschale oder die Abschaffung des Gesundheitsfonds zum Thema in Politikforen und Diskussionsrunden geworden.[1]

Das Gesundheitssystem spielt in Deutschland eine solch große Rolle wie sonst in wenigen anderen Ländern. Obwohl diese auch von der sogenannten „Kostenexplosion“ betroffen sind, ist diese ein wichtiges Thema in Deutschland. Wachsende Skepsis und ein erhöhtes Interesse sind Folge dieser Entwicklung.

Im Folgenden wird ein grober Überblick über das Gesundheitssystem gegeben und auf verschiede Aspekte und Themen aus diesem Bereich eingegangen, teils auch deren Problematik oder Vor- und Nachteile erläutert. Weiterhin wird auch ein aktuelles Beispiel der Gesundheitspolitik gegeben.

II. Geschichte des Gesundheitswesens in Deutschland

Um das deutsche Gesundheitssystem verstehen zu können, muss man auch dessen historische Entwicklung in Betracht ziehen. Denn das deutsche System ist nicht von Fachleuten am Reißbrett entworfen worden und somit die optimale Lösung für die heutige Gesellschaft, sondern ist überwiegend historisch geprägt. Es entwickelte sich im Laufe der Zeit und wurde von damals wichtigen Faktoren (Arbeiterschaft, damalige Ziele und politische Ideologien, etc.) maßgebend beeinflusst. Daher gibt dieses Kapitel eine grobe Übersicht über die historische Entwicklung hin zum heutigen System.[2]

Im Zuge der Industriellen Revolution und der Sozialen Frage im 19. Jhd wurde auch die Frage nach der Rolle des Staates in der Sozialpolitik immer lauter. Somit wurde im damaligen Kaiserreich eine neue Form der Sozialpolitik betrieben, die nun auch immer mehr in das staatliche Interesse rückte. Daher setzte sich auch der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck gemeinsam mit der von ihm geführten Regierung mit diesem Thema auseinander, da sie immer mehr unter Druck gerieten. Sein Konzept war dies, dass er mit einer Sozialversicherung den Arbeiter an den Staat bindet und somit Aufstände und revolutionäre Strömungen besänftigt. Im Jahr 1883 folgte dann eine Gesetzliche Krankenversicherung (GKV), mit der er für den größten Teil der Bevölkerung, hauptsächlich für die Arbeiter, eine medizinische Versorgung ermöglichen wollte. 1911 wurde dieses Gesetz auch auf die Angestellten erweitert.[3]

1941, in Zeiten des Nationalsozialismus, wurde die GKV auf die Rentner erweitert. Diese waren seitdem automatisch krankenversichert.[4]

In der Nachkriegszeit gab es im geteilten Deutschland verschiedene Systeme im Gesundheitswesen. Die BRD behielt das von Bismarck konzipierte Modell bei und entwickelte dies mit verschiedenen Reformen weiter bzw. passte es an die aktuelle finanzielle und politische Lage an. Die DDR verfolgte ein ähnliches System, jedoch war ein großer Teil der Bevölkerung pflichtversichert und es gab darüber hinaus das Modell der Polikliniken. In diesen waren ambulante und stationäre Versorgung zusammen und nicht, wie es in der BRD der Fall war/ist, getrennt voneinander. Noch heute halten viele Experten den Grundsatz der Polikliniken für moderner und effizienter als die aktuelle Situation in Deutschland. Letztendlich scheiterte jedoch dieses System an der schlechten Finanzierung und der daraus folgenden unzureichenden technischen Ausstattung. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde das ostdeutsche dem westdeutschen Modell angeglichen.[5]

III. Übersicht über verschiedene Finanzierungsmodelle

Jedes Land besitztverschiedene Finanzierungsmodelle des Gesundheitssystems und hat spezifische Besonderheiten (meist aus der historischen Entwicklung und der Mentalität des Volkes zu verschiedenen Zeiten).Jedochkann man diese, trotz der Unterschiede, meist in drei Kategorien einordnen: Den Nationalen Gesundheitsdienst, das Sozialversicherungsmodell und das Privatversicherungsmodell.[6]

Der Nationale Gesundheitsdienst

Beim Nationalen Gesundheitsdienst, dessen Name aus dem britischen System stammt, handelt es sich um ein steuerfinanziertes Gesundheitssystem. Die Kosten werden überwiegend aus den allgemeinen Steuern gedeckt. Meist entscheidet die Regierung, wie viel Geld im nächsten Jahr oder für die nächsten Jahre dafür ausgegeben wird. Solch ein System gibt es z.B. in Großbritannien, Irland, Dänemark und Portugal.

Sozialversicherungsmodell

Das Sozialversicherungsmodell beschreibt ein Modell der Finanzierung über eine gesetzliche Pflichtversicherung. Demnach wird bei den Versicherten ein Beitrag erhoben, aus dessen Ertrag die Gesundheitskosten gedeckt werden. Meistens ist diese Versicherung jedoch nicht verpflichtend, sondern es gibt auch die Alternative, sich bei privaten Krankenkassen oder gar nicht versichern zu lassen. Beispiele für dieses Modell wären Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten.

Privatversicherungsmodell

Hierbei handelt es sich um ein System, bei dem der Staat so gut wie keine Rolle spielt und es die Angelegenheit der Bürger ist, sich gesundheitlich zu versichern. Dies verläuft über private Krankenkassen, wobei diese im Gegensatz zu den deutschen gesetzlichen Krankenkassen nicht verpflichtet sind, jeden Kunden zu versichern, da diese ihn auch ablehnen können (z.B. bei fehlendem Vermögen oder einem schlechten Gesundheitszustand). Dieses Modell ist das am meisten umstrittene, da nicht jeder Bürger versichert wird und somit die soziale Gerechtigkeit hierbei eine sehr große Rolle spielt. Das bekannteste Beispiel für solch ein Versicherungsmodell ist die USA. Der amtierende Präsident Barack Obama hat sich zwar als Ziel gesetzt, eine Krankenversicherung für alle Amerikaner zu ermöglichen, jedoch stößt er auf heftigen Widerstand. Darüber hinaus wird mit der im Januar 2010 verlorenen Mehrheit der Demokraten im Senat das Vorhaben erschwert.[7]

IV. Situation in Deutschland – Die Strukturen und die Finanzierung

Das Deutsche Gesundheitssystem regelt die Beziehungen zwischen den Leistungserbringern (z.B. Krankenhäuser), den Leistungsempfängern (die Patienten), den Versicherungen und anderen Institutionen und Körperschaften im Gesundheitswesen. Auch wenn in Deutschland das Sozialversicherungssystem herrscht und somit der Großteil der Bevölkerung gesetzlich versichert ist, gibt es dennoch andere Möglichkeiten, sich um seine Gesundheit zu kümmern. Im Folgenden werden die Strukturen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen erläutert und die derzeitigen Probleme geschildert.[8]

Die gesetzliche Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bietet nahezu 90% der deutschen Bevölkerung Schutz vor Krankheiten und deren Folgen. Zurzeit sind hauptsächlich Arbeitnehmer gesetzlich versichert. Die Versicherten, jedoch auch die Arbeitgeber, zahlen Beiträge, die sich am Einkommen bemessen. Aktuell sind dies etwa 15% vom Einkommen, nahezu paritätisch aufgeteilt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die jährlichen Ausgaben belaufen sich auf etwa 140 Mrd. Euro.

Die GKV ermöglicht für alle Bürger eine Gesundheitsversicherung. Arbeitnehmer bis zu einem bestimmten Einkommen (derzeit ca. 49.950€ im Jahr) sind pflichtversichert, d.h. sie müssen in einer gesetzlichen Krankenkasse (GKK) versichert sein. Ehegatten und Kinder sind unter bestimmten Bedingungen ebenfalls kostenfrei mitversichert. Wessen Einkommen darüber liegt, kann sich in einer privaten Krankenkasse (PKK) versichern lassen, solange er dieses Einkommen schon seit 3 Jahren erhält. Selbstständige unterliegen keiner Versicherungspflicht, somit können sie sich sowohl bei der GKV, als auch bei der privaten Krankenversicherung (PKV) versichern lassen.

Die GKV ermöglicht ihren Versicherten jedoch lediglich eine Basisversorgung. Für zusätzliche oder weiterführende Leistungen müssen die Patienten eine Zuzahlung aufbringen oder die Kosten selbstständig decken. Was von der Krankenkasse bezahlt wird und was nicht, liegt größtenteils in der Gewalt der Kassen. Jedoch werden die lebenserhaltenden und notwendigen Behandlungen und Vorsorgeuntersuchungen vorwiegend komplett gezahlt.

Es gibt verschiedene gesetzliche Krankenkassen in Deutschland. Insgesamt gibt es 184 Krankenkassen. Normalerweise ist man bei der AOK (allgemeine Ortskrankenkasse) versichert, jedoch kann man sich auch bei den Ersatzkassen versichern lassen (z.B. DAK oder TKK) in der IKK (Innungskrankenkasse) oder BKK (Betriebskrankenkasse).

Seit der Gesundheitsreform 2007 gibt es ebenfalls den sogenannten Gesundheitsfonds. Bisher kamen die Einnahmen der Versichertenbeiträge direkt an die Kassen. Seit 2009 jedoch fließen diese Gelder in den Gesundheitsfonds. Aus dem Fonds wird das Geld dann an jede Kasse aufgeteilt, je nach Mitgliederzahl. Darauf wird jedoch im Kapitel V. näher eingegangen.[9]

Die private Krankenversicherung

Wie schon erwähnt, gibt es in Deutschland die Möglichkeit, sich nicht gesetzlich, sondern privat versichern zu lassen. Im Gegensatz zur GKV ist die PKV, wie der Name schon sagt, eine privat organisierte und eine teilweise gewinnorientierte Versicherung. Derzeit sind etwa 10% der Bevölkerung privat versichert.

[...]


[1] Siehe Lit. 1

[2] Siehe Lit. 2

[3] Siehe Lit. 3

[4] Siehe Lit. 4

[5] Siehe Lit. 2

[6] Siehe Lit. 5

[7] Siehe Lit. 6

[8] Siehe Lit. 7

[9] Siehe Lit. 7, 8 und 9

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656027577
ISBN (Buch)
9783656027539
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170501
Note
1,25
Schlagworte
Gesundheitssystem GFS Kostenexplosion Modelle Gesundheitswesen Finanzierungsmodelle

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