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Gott- und Menschenbilder im Barock und Expressionismus

Ein exemplarischer Epochenvergleich

von Bernd Neumann (Autor)

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gott- und Menschenbilder im Barock
2.1 Paul Gerhardt und das Kirchenlied in der Barocklyrik
2.2 Kurzanalyse: Paul Gerhardt – Kirchenlied 351
2.3 Gott- und Menschenbild im Barock und bei Paul Gerhardt

3. Gott- und Menschenbild im Expressionismus
3.1 Gedichtinterpretation: Martin Gumpert - Eroberte Stadt
3.2 Die Bedeutung Gottes im Expressionismus

4. Fazit

5. Literatur- und Quellenangaben

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit sollen mit Hilfe vergleichender Textanalysen die Gott- und Menschenbilder der Epochen des Barock und des Expressionismus untersucht und anschließend gegenübergestellt werden.

Als Repräsentanten der Barockzeit (Ende des 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts) habe ich Paul Gerhardt und dessen Kirchenlieddichtung ausgewählt. Das Kirchenlied lässt sich allgemein als Untergruppe der religiösen Lyrik einordnen und dementsprechend eignen sich Gerhardts Texte sehr gut zur Erfassung von Informationen über den definierten Vergleichsaspekt.

Die Zeit, in der Gerhardt lebt, ist beherrscht vom 30-Jährigen-Krieg, welcher Tod, Leid und Elend für die Menschen bedeutet. In dieser Arbeit soll auch untersucht werden, in wie weit die historischen Ereignisse das Werk Paul Gerhardts beeinflusst haben und wie er daraus theologische Ideen entwickelt, gestaltet und diese seinem Publikum präsentiert. Daraus soll letztlich das Gottesbild und die Rolle der Gläubigen in dieser Epoche abgeleitet werden.

Der Expressionismus (Beginn des 20. Jahrhunderts) ist ebenfalls als eine Zeit der radikalen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland anzusehen. Die Expressionisten verarbeiten in ihrer Lyrik neben dem 1. Weltkrieg auch Probleme wie die starke Industrialisierung und Urbanisierung, welche enorme negative Auswirkungen auf die Lebensqualität der Menschen bedeuten.

Hier soll anhand eines Gedichtes von Martin Gumpert („Eroberte Stadt“) analysiert werden, ob der Glaube an Gott in dieser Zeit auch noch präsent ist und wenn ja, die Frage nach der Charakteristik eines expressionistischen Gottes gestellt werden. Außerdem: Wie ist hier das Verhältnis zwischen Geschöpf und Schöpfer dargestellt?

Die Ergebnisse der einzelnen Textanalysen werden zuletzt zusammengetragen und gegenübergestellt, sodass ein exemplarischer Epochenvergleich entsteht, in dessen Zentrum die Frage nach dem Gottes- und Menschenbild steht.

2. Gott- und Menschenbild im Barock

2.1 Paul Gerhart und das Kirchenlied in der Barocklyrik

Das Leben, vor allem aber das Werk des Barockdichters Paul Gerhardt (1607-1676) ist in vielerlei Hinsicht interessant und so findet es auch in den verschiedensten Bereichen der Forschung Beachtung: In der Musik, in der Theologie und natürlich in der Germanistik haben Gerhardts Lieder nach wie vor einen sehr großen Stellenwert. Die Texte sind trotz ihres Alters von mehr als dreihundert Jahren immer noch aktuell und sie leben durch den aktiven Gebrauch in den Kirchen weiter. Auch wenn viele den Namen des Verfassers nicht kennen, so haben die meisten Menschen in Deutschland höchstwahrscheinlich schon das ein oder andere Lied Paul Gerhardts gehört oder gar selbst gesungen. Zur Verbreitung im deutschen Sprachraum und zur Bedeutung der Gerhardtschen Lieder sagte der Lyrikforscher Hans-Georg Kemper einmal: Sie „gehören neben Grimms Märchen und noch vor Luthers Bibelübersetzung und Dichtung zu den bekanntesten poetischen Texten überhaupt“.[1]

Das lyrische Werk Gerhardts, welches sich aus 139 Liedern und Gedichten und einer Hand voll Personalschriften (zum Beispiel in Form von Leichenpredigten) zusammensetzt, wird umso interessanter, betrachtet man den historischen Kontext, in dem diese Dokumente entstanden. Gerhardt, über dessen Person und Biographie zwar nicht allzu viel bekannt ist, verbringt dreißig Jahre seines Lebens im Krieg und auch sein weiterer Werdegang ist von den Folgen dieses langen Krieges gezeichnet. „Unruhe ist das Vorzeichen der Epoche“[2] des Barock und Gerhardts Welt versinkt im Chaos. Tod, Leid und Krankheit sind in dieser Zeit allgegenwärtig und so muss die Religion, die noch fundamental zum Leben der Menschen gehört, über Verzweiflung und Angst hinweghelfen, ja sogar als „Legitimation von […] unvorstellbaren Greueltaten herhalten“[3], was Gerhardt aber scheinbar nicht von seinem Glauben abbringt. Man sehnt sich in dieser Zeit der radikalen Umbrüche nach einem Neubeginn, nach einem geordneten Weltbild und nach Kontinuität. Gerhardt kann mit seinen Liedern von positivem Charakter ein breites Publikum erreichen, das, auch wenn es größtenteils ungebildet ist, die Texte durch die aktive Gesangspraxis im Gottesdienst lernt. Gerhardts Worte spenden Trost und geben in einer schrecklichen Zeit Hoffnung.

Paul Gerhardts Kirchenlieder sind im allgemeinen Kontext der Barockdichtung als Untergruppe der religiösen Lyrik zu betrachten und sind - ähnlich wie die verschiedene Personalschriften - als Zweckdichtungen anzusehen. Denn neben den biblischen Bezügen und der theologischen Vereinbarkeit steht das Singen der Texte natürlich im Vordergrund. Sie waren deswegen meist sehr einfach und volkstümlich geschrieben, sodass sie in Verbindung mit der Musik gut einprägbar waren. Das Beeindruckende an Gerhardts Liedern jedoch ist, dass sich diese äußere Schlichtheit mit einer unfassbaren theologischen Tiefe und Themenvielfalt vereint. Gerhardt macht „das Künstliche an seiner Kunst nahezu unsichtbar“[4] und überzeugt in seiner Glaubenspoesie mit der Verwendung religiöser Sinnbilder, die beim normalen Singen wahrscheinlich nicht immer erkannt wurden und werden. Gerhardts Lieder sprechen jedoch stets eindeutig und für jeden klar wahrnehmbar die Sprache „der Liebe, des Vertrauens, der Zuversicht, der Hoffnung, des Friedens und der Freude“[5].

[...]


[1] Hans-Georg Kemper zitiert nach Christian Bunners, Seite 9. (Vergleiche auch ähnliche Formulierungen im Satz vor Zitat!)

[2] Petra Bahr, Seite 21.

[3] Petra Bahr, Seite 22.

[4] Ebenda Seite 16.

[5] http://www.wueparchiv.de/zielgruppenpredigten/anzeigen.php?id=1138&zielgruppe=721 (Stand: 12.03.2011).

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640893959
ISBN (Buch)
9783640894024
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170509
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Neuere Deutsche Literatur
Note
13 Punkte
Schlagworte
Ansgar Schäfer Barock Expressionismus Epochenvergleich Religion Gott-und Menschenbilder Barocklyrik Paul Gerhardt Martin Gumpert vergleichende Gedichtinterpretationen Kirchenlied Gott Mensch

Autor

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    Bernd Neumann (Autor)

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