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Welches Weltbild steckt hinter den "Ostbarbaren"?

Die Rolle des traditionellen chinesischen Weltbildes bei den Reisen nach Westjapan 1. - 3. Jahrhundert nach Christus

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Südasienkunde, Südostasienkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorien zur sozialen Konstruktion eines Weltbildes
2.1 Theorie nach Wendt
2.2 Eigene Annahmen

3 Die Begegnungen zwischen Chinesen und „Ostbarbaren“
3.1 Werte und Normen der Chinesen
3.2 Historischer Hintergrund der „Ostbarbaren“
3.3 Textanalyse der „Ostbarbaren“

4 Fazit
4.1 Offene Fragen
4.2 Kritik der Methode

5 Quellen

1 Einleitung

Die Fragestellung dieser Hausarbeit ist: „Welches Weltbild steckt hinter den Ostbarbaren?“ In der Hausarbeit geht es um die Begegnungen der Chinesen mit den Menschen auf den japanischen Archipel von 100 vor bis 300 nach Christus. Untersucht wird, ob in den Berichten mit dem Titel „Beschreibung der Ostbarbaren“ sich das traditionelle chinesische Weltbild gegenüber fremden Völkern zeigt. Die Übersetzung der Berichte befindet sich in dem Buch „Auf den Spuren der Ostbarbaren“ von Barbara Seyock (2004: S. 50-58). Dieses Thema ist aus mehreren Gründen interessant:

- Von japanischer Seite gab es zu der Zeit noch keine schriftlichen Zeugnisse. Die Berichte, die in der „Beschreibung der Ostbarbaren“ zusammengestellt sind, sind deshalb als schriftliche Zeugnisse von Chinesen geschichtlich interessant. Die „Beschreibung der Ostbarbaren“ bezieht sich auf das späte dritte Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die Berichte über die damaligen Menschen in Japan stammen von chinesischen Reisenden.
- Wendt (Ulbert: S. 4-ff.) hat eine sozialkonstruktivistische Theorie entwickelt, in der die erste Begegnung zweier Völker ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der beiderseitigen Beziehungen ist. Die Zeit von der ersten Erwähnung Japans in chinesischen Quellen 100 vor Christus kann als Beginn der chinesisch japanischen Beziehungen gesehen werden[1]. Diese Phase zieht sich bis ins dritte Jahrhundert nach Christus. In dieser Zeit wurden erste Reiseberichte aus Japan von Chinesen verfasst.
- Da diese Arbeit auf das Weltbild der Chinesen eingeht, leistet sie einen Beitrag zur Politischen Ideengeschichte Ostasiens. Das unter „Normen und Werten der Chinesen“ aufgeführte Weltbild war über Generationen in China verankert.
- In der Phase, der ersten Reisen nach Japan, begannen sich nach Ansicht einiger Historiker die wesentlichen Elemente der japanischen Kultur zu formen. Zu diesen Elementen gehört zum Beispiel die Einführung des Nassfeldanbaus für Reis(Pohl 2002: S. 10-12). Außerdem zeigen die Berichte in der „Beschreibung der Ostbarbaren“ die Organisation der damaligen Gesellschaft in Japan, wie zum Beispiel Formen der Arbeitsteilung oder Hierarchie(Hall 1964: S. 34-ff.). Ein weiterer interessanter Punkt ist die Diskussion, wie weit dieser Zeitraum in die mythologische Geschichtsschreibung Japans eingegangen ist(Seyock 2004: S.137-138). Die Entstehung der japanischen Gesellschaft, Formen der damaligen Organisation und die Diskussion um den Eingang der Phase in die mythologische Geschichtsschreibung wären weitere für die Politische Ideen Geschichte Ostasiens. Diese Aspekte sind nicht Themen der Hausarbeit, sie spielen deshalb nur am Rande eine Rolle.

Als Werk für die Frühphase der chinesisch japanischen Beziehungen wird „Auf den Spuren der Ostbarbaren“ von Barbara Seyock (2004) heran gezogen.Die Berichte der Chinesen über die damaligen Menschen in Japan werden auf das traditionell chinesische Weltbild untersucht, das im Kapitel „Normen und Werte der Chinesen“ vorgestellt wird. Außerdem werden andere Aspekte hinzugefügt, die im Hinblick auf die Berichte interessant sind. Dazu gehören zum Beispiel Bezüge zur politischen Philosophie Chinas. Des weiterem werden kurz einige geeignete Theorien des Fachs Internationale Beziehungen und der geschichtliche Hintergrund dargestellt. Bei der Transkription orientiert sich die Hausarbeit an der Schreibweise der verwendeten Quellen. Schriftzeichen werden nicht verwendet, da sie in vielen Büchern nicht angegeben werden. Im Fazit werden die Ergebnisse zusammen gefasst, offene Fragen aufgezeigt und Kritik zur Methodik gegeben.

2 Theorien zur sozialen Konstruktion eines Weltbildes

Diese Arbeit wählt einen sozialkonstruktivistische Sichtweise. Die sozialkonstruktivistischen Ansätze gehen von einer sozialen Konstruktion der Realität aus. Soziales Verhalten von Gesellschaften und Individuen beruht auf Werten und Normen und wird unter anderen durch folgende Faktoren erlernt (Ulbert 2003: S. 1-4): Geschichte und Traditionen werden von Generation zu Generation weiter gegeben. Dieser Prozess wird auch als Pfadabhängigkeit bezeichnet.

Ein sozialkonstruktivistischer Ansatz eignet sich deshalb gut für die Arbeit, weil auch Weltbilder sozial konstruiert werden. Diese Perspektive bietet keine der anderen Theorien der Internationalen Beziehungen. Die anderen Theorien der Internationalen Beziehungen sehen den Mensch als rationalen Nutzenmaximierer[2]. Das Handeln auf Grund von Weltbildern oder Ideologien ist aus dieser Sicht aber nicht nachvollziehbar. Außerdem berücksichtigen die anderen Theorien der Internationalen Beziehungen keine Pfadabhängigkeiten[3].

2.1 Theorie nach Wendt

Auch die sozialkonstruktivistische Theorie nach Wendt ist für die Beantwortung der Fragestellung ungeeignet. Dies hat folgende Gründe:

Wendt (Ulbert 2003: S. 10-18) lässt die soziale Konstruktion der Beziehungen zweier Staaten mit dem ersten Zusammentreffen beginnen. Es stellt sich die Frage, wo der Beginn einer Beziehung zwischen zwei Staaten anfängt. Politische Systeme wechseln. Die Ausdehnung eines Staates kann sich zum Beispiel durch Kriege ändern. Das heutige Japan und die heutige Volksrepublik China (oder Republik China[4] ) kann man nicht mit den damaligen Kulturen gleichsetzen. Trotz wechselnder politischer Systeme und Staatsgebiete, gibt es eine Geschichte, die sich auf die aktuell bestehenden Staaten auswirkt. Da das politische System und das Staatsgebiet sich ändern können aber die Geschichte der Interaktion zwischen Kulturen fort wirkt, ist es schwierig einen Startpunkt für die Beziehungen zwischen zwei Staaten zu bestimmen.
Außerdem widerspricht diese Hausarbeit der Annahme Wendts, dass die endogenen Faktoren eines Staates eine Blackbox sind: Das traditionelle chinesische Weltbild im Bezug auf fremde Völker, ist ein endogener Faktor. Dieses Weltbild beeinflusste die Sicht auf fremde Kulturen, die von der chinesischen Seite als „Barbaren“ bezeichnet wurden (siehe „Normen und Werte der Chinesen“). Möglicherweise hatten auch die Völker auf dem Gebiet Japans ein vorgefertigtes Weltbild im Bezug auf Fremde. Auf Grund fehlender schriftlicher Zeugnisse der Einheimischen in Japan zu dieser Zeit kann das nicht überprüft werden. Wendt dient in dieser Hausarbeit also nicht als Lieferant für die Theorie, sondern er liefert die Idee zu schauen, was am Anfang der Beziehungen zwischen China und den Menschen stand, die in Japan lebten. In dem folgenden Abschnitt werden die eigenen Annahmen vorgestellt, die das Weltbild der Chinesen im Bezug auf die Völker in Japan konstruieren. Welches Weltbild genau sich auf die soziale Konstruktion auswirkt, wird unter „Werte und Normen der Chinesen“ erläutert. Alternative sozialkonstruktivische Sichtweisen werden zum Teil unter „Offene Fragen“ im Fazit diskutiert. Die meisten Theorien der Internationalen Beziehungen (auch die sozialkonstruktivischen) beziehen sich auf politische und soziale Phänomene des 20. Jahrhunderts und sind deshalb für diese Hausarbeit uninteressant.

2.2 Eigene Annahmen

In dieser Hausarbeit wird folgendes angenommen:

- Die Chinesen hatten schon vor der Begegnung ein vorgefertigtes Bild über andere Kulturen. Damit widerspricht diese Hausarbeit Wendt, der in seiner Theorie die Entwicklung der Beziehungen unter Völkern von der ersten Begegnung an beurteilt.

[...]


[1] Nach chinesischer Geschichtsschreibung fanden sich damals erste Tributgesandte aus Japan am chinesischen Kaiserhof ein(Hall 1964:).

[2] Beispiele hierfür sind folgende Theorien: Neorealismus, Liberalismus und der Institutionalismus

[3] Die Betrachtung von Pfadabhängigkeiten ist im Hinblick auf das Weltbild interessant, weil von der Frühphase der chinesischen Kultur(Müller 1980: S. 44) bis zum Ende des Kaiserreichs sich immer wieder Bezüge zu diesem Weltbild zeigen.

[4] In diesem Fall ist Taiwan gemeint. Die Unterscheidung wird deshalb gemacht, weil beide Staaten den Anspruch auf ganz China erheben.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640897759
ISBN (Buch)
9783640898053
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170712
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Ostasienwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Yamato Yamatai Drei Reiche-Zeit Tang-Zeit Japan China

Autor

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