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Bewegtbild auf Nachrichtensites: Neuer Journalismus oder alter Hut?

Eine dreistufige explorative Analyse der inhaltlichen und formalen Merkmale von SPIEGEL Online Video auf Basis eines Vergleichs mit ARD Tagesschau und RTL aktuell

Diplomarbeit 2010 145 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung
(1) Exkurs
(2) Problemstellung/Forschungsdefizite
(3) Zielsetzung
(4) Aufbau der Arbeit / Vorgehensweise

I. Theoretischer Bezugsrahmen: Bewegtbild im Online-Zeitalter
1.1 Das Internet als viertes Massenmedium
1.1.1 Weitester Nutzerkreis und Entwicklung der Breitbandzugänge
1.1.2 Akzeptanz, Habitualisierung und die „Sehnsucht nach Seriosität"
1.1.3 Neue Anforderungen an Journalisten im Online-Zeitalter
I.2 Transaktionsprozess am Beispiel Bewegtbild online
1.2.1 Der Sprung von Bildschirm zu Bildschirm - Fernsehen verliert Dominanz
1.2.2 Fernsehnachrichten in Deutschland (Rolle, Struktur, Darstellungsformen etc.)
Ì.2.2.1 Nutzung und Funktion von Fernsehnachrichtensendungen
I.2.2.2 Struktur von Fernsehnachrichtensendungen im Sinne eines,,Qualitätsprofils"
Ì.2.2.3 Nachrichtenfaktoren
Ì.2.2.4 Entwicklung Fernsehnachrichten im Online-Zeitalter
I.3 Bewegtbild auf deutschen Nachrichtensites
1.3.1 Bewegtbild - das neue Maß aller Dinge im Netz
1.3.2 Bewegtbild auf deutschen Nachrichtensites
1.3.3 Kurzportraits Bewegtbild-Angebot von BILD.de, FOCUS Online, Sueddeutsche.de, STERN.de und ZEIT Online
Ì.3.3.1 BILD.de
Ì.3.3.2 FOCUS Online
Ì.3.3.3 Sueddeutsche.de
Ì.3.3.4 STERN.de
Ì.3.3.5ZEÌT Online
I.4 Nachrichtliches Bewegtbild Online vs. Offline
1.4.1 Konkurrenz zwischen (audiovisuellen) Nachrichten im Internet und im TV
1.4.2 Komplementarität, Crossmedialität und Konvergenz
1.4.3 Ausprägungen der Konvergenz - Technik, Nutzung und Inhalte

II. Empirische Studie
II.1 Zusammenfassung bisheriger theoretische Erkenntnisse
II.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung
II.3 Methodisches Vorgehen
II.3.1 Untersuchungsgegenstand
II.3.2 Untersuchungsleitfragen
II.3 Ist-Analyse Untersuchungsgegenstände
II.3.1 SPIEGEL Online - von den Anfängen bis zur „BILD der Zukunft"
II.3.2SPIEGELOnlineVideo - Angebot,Nachfrage, Redaktion
II.3.2.1 Entwicklung SPIEGEL Online Video
II.3.2.2 Redaktionelles Portfolio
II.3.2.3 NutzungsmusterderSPIEGEL Online Video-User
II.3.2.4 Ausbau Bewegtbild-Sparte und Selektivität des Medienkonsums
II.3.3 ARD Tagesschau - Ritualisierung der Fernsehnachrichten
II.3.4 RTL aktuell - Marktführer bei den Privaten
II.4. Intermedíale Inhaltsanalyse SPON Video, Tagesschau und RTL aktuell
II.4.1 Die Inhaltsanalyse als eine empirische Methode
II.4.2 Intermediale Inhaltsanalyse von Bewegtbild in Fernsehnachrichten und auf Nachrichtensites
II.4.3 Forschungsfrage, Hypothesen und Begriffsexplikation
II.4.4 Analyse- und Codiereinheiten/Codebuch
II.5 Ergebnisse der Inhaltsanalyse
II.5.1 Basisdaten SPON Video, ARD Tagesschau, RTL aktuell
II.5.2 Länge, Themenvielfalt, Darstellungsformen
II.5.2.1 Länge
II.5.2.2 Darstellungsformen
II.5.2.3 Themenvielfalt
II.5.3 Handlungsträger und Handlungsorte
II.5.3.1 Handlungsorte
II.5.3.2 Handlungsträger
II.5.3.3 Kumulation Handlungsträger
II.5.4 Narrativität, Personalisierung
II.5.4.1 Narrativität
II.5.4.2 Personalisierung
II.5.5 Emotionalität von Bildsprache und Sprachgestaltung
II.5.5.1 Emotionalität Bildsprache
II.5.5.2 Emotionalität Sprache
II.5.5.3 Progressivejournalistische Stilmittel
II.5.6 Sonderfall Aktualität
II.5.7 Interaktivität und Grafiken/Animationen
II.5.7.1,,Interaktivität"
II.5.7.2 Grafiken/Animationen
II.6 Überprüfung Hypothesen und Zusammenfassung
II.6.1 Überprüfung Hypothesen
II.6.2 Zusammenfassung
II.6.3 Überprüfung Haupthypothese
II.7 Medienwirkungsanalyse
II.7.1 Prognostischer und diagnostischer Ansatz
II.7.2 Dynamisch-transaktionaler Ansatz
II.7.3 Teaserbild, Teasertext und Position - Stimuli für den Kommunikationsprozess
II.7.4Top 5 Videos des Tages aufSPIEGELOnline
II.7.5 Zusammenhang Merkmal und Abrufzahlen
II.7.5.1 Teaserbild
II.7.5.2 Position Video
II.7.5.3 Teasertexte
II.7.6 Zusammenfassung Medienwirkungsanalyse
II.8 Ergänzendes Leitfadeninterview mit den Verantwortliche von SPON Video
II.8.1 Das qualitative Leitfadeninterview
II.8.2 Methodisches Vorgehen
II.8.3 Ergebnisse Leitfadeninterview
II.8.3.1 Konfrontation mit Ergebnissen aus Inhalts- und Wirkungsanalyse
II.8.3.2 Redaktionelles Selbstverständnis und organisatorische Möglichkeiten
II.8.5.3 Entwicklung Bewegtbild aufNachrichtensites im Allgemeinen

III. Interpretation und Ausblick
III.1 Zusammenfassung Ergebnisse
III.1.1 Substitutive Konvergenz zwischen SPON Video und TV-Nachrichten
III.1.2 Komplementarität zwischen SPON Video und Fernsehnachrichtensendungen
III.1.3 Weitere Unterschiede in den Merkmalsausprägungen
III.1.4 Thematische Ausrichtung SPON vs. Nutzererwartungen
III.1.5 Ergebnisse Wirkungsanalyse vs. Nutzererwartungen
III.2 Diskussion Ergebnisse im Hinblick auf Forschungsstand und die aktuelle Medienpraxis
III.2.1 Konvergenz der Nutzung oder komplementäre Nutzung?
III.2.2 Wettbewerbsvorteile SPON Video
III.2.3 Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit
III.3 Ausblick auf die Zukunft von Bewegtbild Online und Fernsehnachrichten
III.3.1 Drei Entwicklungsstufen von weboriginärem Bewegtbild auf Nachrichtensites
III.3.2 Zukunft von Bewegtbild auf deutschen Nachrichtensites
III.3.3 Zukunft der Fernsehnachrichten im Online-Zeitalter
III.3.4 Wünschenswerte künftige Forschungsbestrebungen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb.l: WichtigstesMedium in den verschiedenenAltersgruppen

Abb.2: Popularität deutsche Nachrichtensites

Abb.3: Dreistufige empirische Studie

Abb.4: OptimalBalance dereinzelnen Video-Ressorts

Abb. 5 Kategoriensystem derlnhaltsanalyse

Abb.6: SPIEGEL Online Video: Verteilung derBeitragslängen

Abb.7: SPIEGEL Online Video: Verteilung derKategorie Themen

Abb. 8 Zusammenhang Grad Narrativität und Thematik SPIEGEL Online Video

Abb. 9: Häufigkeiten progressiverjournalistischerStilmittelSPIEGEL Online Video

Abb. 10 Relationen Spezifika SPON vs. Spezifika Fernsehen

Abb. 11 MittelwerteSPON, Tagesschau und RTL aktuell in weichen Intervall-Kategorien

Abb. 12 Zusammenhang Teaserfoto und Abrufzahlen bei SPON-Videos

Abb. 13 Zusammenhang Position undAbrufzahlen bei SPON-Videos

„ Wir brauchen diese Zukunftsinvestition, sie wird bald so wichtig wie das tägliche Brot sein!"[1]

Harald Lodders, Bürgermeister Lasbek

Einleitung

(1) Exkurs

In Lasbek gehen die Lichter aus - das 1200-Seelen-Dorf in Schleswig-Holstein ist anscheinend komplett von der modernen Außenwelt abgeschnitten. Die Einwohner ziehen deshalb reihenweise fort, und auf potentielle Neuankömmlinge hofft man schon seit Jahren vergebens {vgl. Meier {Meyer-Lucht, 2005 #21)2009}. Bürgermeister Harald Lodders appelliert nun an die Landesregierung. Diese müsse in Lasbek dringend neue Infrastrukturen schaffen, fordert Lodders. Nur so könne man die in seinen Augen dramatische Landflucht stoppen {vgl. ebd.}. Besonders eine Zukunftsinvestition könne für seine Gemeinde „bald so wichtig wie das tägliche Brot“ werden. Lodders hat dabei aber weder eine bessere Stromversorgung, noch neue Verkehrsanbindungen im Sinn. Vielmehr hält er es für überlebensnotwendig, dass endlich das lang ersehnte DSL[2] ins Dorf einzieht. Eine schnelle Datenautobahn soll den Ansässigen - Computer und entsprechende Internetverbindung vorausgesetzt - eine Übertragungsrate von mindestens einem Megabit pro Sekunde garantieren.

DSL als Ausdruck für neue Lebensqualität und den Anschluss an die Moderne - der vorangestellte Exkurs in die deutsche Provinz weist auf zwei grundsätzliche Entwicklungen hin: Zum einen hat sich das Internet innerhalb von nur 20 Jahren zu einem fast unverzichtbaren Bestandteil des beruflichen wie privaten Alltags entwickelt {vgl. u.a. AGOF 2008a; van Eimeren/Frees 2008; Gerhards/Klingler 2007}. Zum anderen gilt ein schneller Breitband-Anschluss längst nicht mehr als Privileg von Großstädten und Konzernen, sondern ist im gesamten Bundesgebiet ein beinahe selbstverständlich zu nennender Bestandteil technischer Grundversorgung {vgl. u.a. Meckel/Stanoevska 2008; EIAA 2008a; Küng/Picard/Towse 2008}.

(2) Problemstellung/Forschungsdefizite

Der rasante technische Fortschritt sowie die daraus resultierende Ubiquität des Internets haben die öffentliche Kommunikation[3] grundlegend verändert. Im wissenschaftlichen Diskurs wird dieser Wandel häufig als „Informational Revolution“ {Küng et al 2008: 22} oder „Kommunikationsrevolution“ {Wilke 2009: 330f.} bezeichnet.

Die „Informational Revolution“ wird durch die Digitalisierung erst ermöglicht, und manifestiert sich vor allem im Internet[4]. Dort können klassische Massenmedien nicht nur unabhängig voneinander integriert, sondern auch beliebig miteinander kombiniert werden. Im World Wide Web entstehen sogenannte Hybridmedien, die vormals getrennte Medieneigenschaften in einem Angebot vereinen {vgl. Löffelholz/Quandt 2003: 36f.; Beck 2003: 347}. Die materiellen Träger Print, Radio und Fernsehen verlieren jeweils ihr Distributionsmonopol für immateriellen Content.

Neuberger konstatiert daher eine „virtuelle Parallelwelt zur gesamten Medienlandschaft" {Christoph Neuberger, zitiert nach Meier 2002: 381}. Zusätzlich bietet das Internet die Möglichkeit einer interaktiven, orts- und zeitsouveränen Nutzung von Inhalten. Dies hat laut Stipp „eine Bewegung von der ritualisierten zur selektiven Mediennutzung" zur Folge {Stipp 2009: 226}.

Insofern steht der Wandel von öffentlicher Kommunikation insbesondere für einen schärferen Wettbewerb um die Gunst des Publikums, dem sich die klassischen Medien gleichermaßen stellen müssen: „Die Digitalisierung und das Internet fordern die bestehende Medienordnung radikal heraus" meinen etwa Meyer-Lucht und Gollatz {Meyer­Lucht/Gollatz 2008: 7}. Auf der einen Seite stellt das World Wide Web einen weiteren Vertriebskanal für journalistische Produkte dar und mehrt in den Medienunternehmen die Hoffnung auf crossmediale Effekte. Auf der anderen Seite steht die Sorge, dass die in das Netz transferierten Medienangebote den traditionellen Markt bedrohen oder im schlimmsten Fall sogar überflüssig machen könnten.

Doch das vierte Massenmedium ist weit mehr als nur ein neuer Distributionskanal für konventionelle Inhalte. Die journalistische Chance liegt insbesondere in der Entwicklung eigener Erzähl- und Darstellungsformen {vgl. Meier 2002: 166}. Frei nach McLuhans „The medium ist the message" {Marshall McLuhan, zitiert nach: Meckel/Stanoevska 2008: 217} verändern neue technische Möglichkeiten zwangsläufig auch die inhaltlichen und formalen Gestaltungsmerkmale von journalistischen Angeboten. Historisch ist dies z.B. bei der aktuellen Nachrichtenverbreitung im Radio oder Fernsehen belegt {vgl. Schulz 2009: 358}.

Rein online-journalistische oder ursprünglich für das Internet hergestellte redaktionelle Medieninhalte haben aber bislang in der Forschung erst geringe Aufmerksamkeit erhalten. Es wird gemeinhin angenommen, dass das Medium Internet noch keine spezifischen Präsentationsformen hervorgebracht hat, und somit i.d.R. den Inhalt der traditionellen Medien eins zu eins kopiert {vgl. Küng et al 2008: 58}.

Erste Forschungsbestrebungen konnten hingegen nachweisen, dass sich auf deutschen Nachrichtensites[5] bereits erste spezielle Präsentationsformen herausgebildet haben {Meyer-Lucht 2005: 174f.}. So erwiesen sich deren Textbeiträge etwa deutlich narrativer und meinungsstärker als die ihrer Pendants aus dem Printbereich. Zudem fielen Online kürzere Beiträge und eine schnellere Verbreitung von Neuigkeiten ins Gewicht.

Demnach scheint es im World Wide Web, entgegen bisheriger Annahmen, durchaus Ansätze für eine andere Vermittlungsstrategie journalistischer (Nachrichten-)Inhalte zu geben. Meyer-Lucht legte den Schwerpunkt seiner Inhaltsanalyse primär auf die Unterschiede von Textbeiträgen und verglich ausschließlich Produkte aus ein- und derselben Markenfamilie wie z.B. Frankfurter Allgemeine Zeitung und FAZ.NET.

In Zeiten eines rasant steigenden Angebotes von weboriginärem Bewegtbild auf Nachrichtensites {vgl. u.a. Zerfaß/Rau 2008; Gerhards/Klingler 2008; Madden 2007} stellt sich zunehmend die Frage, ob sich speziell für das Internet produzierte Nachrichtenvideos in ihrer inhaltlichen und formalen Gestaltung von Beiträgen aus TV-Nachrichten unterscheiden.

(3) Zielsetzung

Zielsetzung der Diplomarbeit ist es, die skizzierte Forschungslücke aufzugreifen und exemplarisch an SPIEGEL Online zu untersuchen, inwieweit sich Bewegtbild auf Nachrichtensites von Beiträgen aus Fernsehnachrichtensendungen unterscheidet. Mittels einer empirischen Studie gilt es, mögliche intermediale Differenzen in der Gestaltung von Videos zu kategorisieren. Damit soll explorativ erhoben werden, welche inhaltlichen und formalen Merkmale von Bewegtbild Online sich bereits durch die neuen technischen Möglichkeiten des Mediums Internet herausgebildet haben.

Zudem soll ein Qualitätsprofil von SPIEGEL Online Video unter besonderer Berücksichtigung seiner organisatorischen und redaktionellen Möglichkeiten skizziert werden. Ziel dabei ist es, manifeste Ausformungen der Strategien im journalistischen Angebot zu messen, und ihren Einfluss auf den Erfolg in der Nutzerschaft abzuwiegen.

(4) Aufbau der Arbeit / Vorgehensweise

Die Arbeit gliedert sich grob in drei Abschnitte: Im Anschluss an diese einführenden Bemerkungen erfolgt im ersten Teil zunächst die Darstellung des theoretischen und konzeptionellen Bezugsrahmens. Hierbei wird zunächst allgemein erläutert, wie sich die neuen technischen Möglichkeiten im Internet auf das Nutzungsverhalten, die Anforderungen an Journalisten und den intermedialen Wettbewerb auswirken.

Bewegtbild Online wird als Phänomen eines medialen Transformationsprozesses beschrieben und am Beispiel einiger führender deutscher Nachrichtensites veranschaulicht. Des Weiteren wird der aktuelle Forschungsstand zu Fernsehnachrichten in Deutschland kurz skizziert. Auf dieser Basis werden anschließend wissenschaftliche Erkenntnisse zum Konkurrenzverhältnis zwischen Nachrichtenvideos im TV und im Internet vorgestellt.

Im zweiten Teil der Arbeit werden diese theoretischen Überlegungen anhand einer mehrstufigen empirischen Studie diskutiert. In einem ersten Schritt gilt es mittels einer intermedialen Inhaltsanalyse, die manifesten Gestaltungsmerkmale von SPIEGEL Online Video mit denen von ARD Tagesschau und RTL aktuell zu vergleichen. In einer nachfolgenden Wirkungsanalyse wird der Zusammenhang zwischen nutzungs-relevanten Merkmalen der SPIEGEL Online-Videos und den tatsächlichen Abrufzahlen untersucht. Ein ergänzendes Leitfadeninterview dient der Ermittlung des redaktionellen Selbstverständnisses von SPIEGEL Online Video und einer damit ggf. verknüpften Wettbewerbsstrategie. Die Ergebnisse dieser Befragungen werden dem tatsächlichen Userverhalten gegenübergestellt.

Nachdem im dritten Teil der Arbeit auch die Grenzen dieser Studien kritisch zu beleuchten sind, werden die Erkenntnisse der empirischen Studie in einer Schlussbetrachtung zusammengefasst. Die Ergebnisse werden in Bezug auf den derzeitigen Wissensstand und die aktuelle Medienpraxis interpretiert. Abschließend wird ein Ausblick auf wünschenswerte künftige Forschungsbestrebungen im Bereich des nachrichtlichen Bewegtbildes Online gegeben.

I Theoretischer Bezugsrahmen: Bewegtbild im Online-Zeitalter

„Das Internet gibt dem schweigenden Publikum der Massenmedien eine Stimme." Klaus Meier, Medienwissenschaftler[6]

I.1 Das Internet als viertes Massenmedium

I.1.1 Weitester Nutzerkreis und Entwicklung der Breitbandzugänge

Innerhalb kürzester Zeit hat sich das Internet in weiten Teilen der Welt als viertes Massenmedium etabliert. 60% der Europäer sind jeden Tag online, hierzulande ist es fast jeder Zweite {EIAA 2008a: 8; siehe Anhang Abb. 1: 5}. Knapp 42 Millionen Menschen der deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren surfen im World Wide Web {AGOF 2008a: 3; siehe Anhang Abb. 2: 5}, fast drei Viertel von ihnen bereits länger als drei Jahre {ebd.: 9}. Eine große Steigerung des „Weitesten Nutzerkreises" (WNK)[7] ist, anders als noch vor fünf bis acht Jahren, in den meisten Altersklassen kaum mehr möglich (siehe Anhang Abb. 4: 6). Der reine Zugang zum Internet ist innerhalb der Bevölkerung bereits ähnlich gesättigt, wie jener zum Fernsehen in den frühen Siebziger Jahren {vgl. Gerhards/Klingler 2007: 295}.

Eine rasante Entwicklung konstatieren Wissenschaftler allerdings derzeit mit Blick auf die Geschwindigkeit der Datenübertragung. Zwar liegt Deutschland bei der Quote von Breitbandanschlüssen (zumeist per DSL) nur im hinteren europäischen Mittelfeld {vgl. EIAA 2008a: 38; siehe Anhang Abb. 3: 6}, doch auch hierzulande stieg die Anzahl dieser schnellen

Internet-Zugänge in nur zwei Jahren von knapp acht (März 2005) auf mehr als 19 Millionen (Juni 2007) (Meyer-Lucht/Gollatz 2008: 10; Weber 2007: 5}. Laut der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) können inzwischen sogar 80% der Internetnutzer[8] auf einen DSL- Anschluss[9] zurückgreifen (AGOF 2008a: 11}.

Dies ist der entscheidende Impuls dafür, dass im World Wide Web sowohl das Spektrum der Medieninhalte, als auch die Intensität der Nutzung rapide ansteigt (Gerhards/Klingler 2007: 305f.}.

I.1.2 Akzeptanz, Habitualisierung und die „Sehnsucht nach Seriosität"

Im Schnitt nutzt ein Onliner heute 119 Minuten pro Tag das Internet, vor 10 Jahren waren es nur 76 Minuten (ARD/ZDF-Multimedia 2007: 26; siehe Anhang Abb. 6-7: pp. 7-8}. War es vor fünf Jahren noch ein aufstrebendes Medium, so ist es heute in vielen Altersgruppen das zentrale Medium schlechthin {vgl. Hamann 2008: 214}. Insgesamt sind drei Viertel der User jünger als 50 Jahre. „Die 14- bis 19-Jährigen sind die erste Generation, die das Internet als Allround-Medium für sich erschlossen hat“ schlussfolgert die ARD/ZDF- Onlinestudie[10] 2007 aus ihren Untersuchungsergebnissen (van Eimeren/Frees 2007: 378}. Knapp 97% dieser Altersklasse surft täglich im World Wide Web und verbringt dort mindestens genauso viel Zeit wie für traditionelle Medien (ARD/ZDF-Multimedia 2007: 26}.

Obwohl die Anzahl der Online-Angebote in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen ist, beschränkt sich das Hauptaugenmerk der User zumeist auf nur wenige Seiten. Im täglichen Umgang mit dem noch jungen Medium Internet haben sich bereits erste Routinen herausgebildet. Van Eimeren und Frees bezeichnen dieses Phänomen als „Habitualisierung der Nutzungsmuster" {van Eimeren/Frees 2007: 379; Feierabend 2008: 620}.

Neben Shopping und Kontaktpflege zählt die Suche nach aktueller Information zu den wichtigsten Motiven des Surfens. So konsumiert zwei Drittel der Onliner regelmäßig Nachrichten zum Weltgeschehen {AGOF 2008b: 15}. Überall sieht darin eine „Sehnsucht nach Seriosität" im Internet {Überall 2009: 15, siehe Anhang Abb. 8: 8}.

Die 20 beliebtesten deutschen Online-Nachrichtenportale kamen im ersten Halbjahr 2009 auf 3,1 Milliarden Besuche, so die halbjährliche BITKOM[11] -Studie {BITKOM 2009, siehe Anhang Abb. 9: 9}. Das ist der höchste Wert seit Erscheinen der Erhebung. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 2,4 Milliarden Besuche gewesen.

Wenngleich bislang keine verlässlichen empirischen Daten zu den Nutzungsmotiven vorliegen, kann dieser Anstieg zumindest vorsichtig als Indiz für die gestiegene Glaubwürdigkeit der Nachrichtensites interpretiert werden. So meint etwa BITKOM- Vizepräsident Berg: „Die Info-Flaggschiffe im Internet werden mittlerweile als zuverlässige Informationsquelle akzeptiert" {Achim Berg, zitiert nach ebd.}.

I.1.3 Neue Anforderungen an Journalisten im Online-Zeitalter

Laut der jüngsten BBC-Studie zur Zukunft des Journalismus ist die durch das Internet grundlegend veränderte Medienordnung von vielen Journalisten noch gar nicht verstanden worden - von den meisten Nutzern hingegen schon. Diese verwenden bereits klassische

Medien und das Internet simultan, um ihre Information bestmöglich selbst zusammenzustellen {Hayward 2009: 5f.}. Die alte „Festung Journalismus“ {ebd.: 7f.} befindet sich durch das „Universum Internet“ {ebd.} nicht mehr in ihrer geschützten Blase. Die Formate von Print, Radio und TV wachsen zusehends zusammen.

Der selektive Medienkonsum bei gleichzeitiger Habitualisierung der Nutzungsmuster setzt die Medienunternehmen unter (Zeit-)Druck {vgl. Küng et al 2008: 46f.; Oehmichen/Schröter 2007: 406f.}. Es gilt, den Anschluss an die neue Medienordnung nicht zu verpassen, und möglichst früh einen festen Nutzerstamm an den eigenen Internetauftritt zu binden. Haller weist darauf hin, dass es in Deutschland bislang nur wenig ausgeprägte online­journalistische Erfahrungen gebe, die Erwartungen der Konsumenten an Nutzwert, Orientierung und Unterhaltung im Internet aber schnelles Handeln der Redaktionen erfordere {vgl. Haller 2009}.

In Deutschland arbeiten laut Weischenberg und Kollegen mehr als 2000 Journalisten hauptberuflich in Online-Medien, Tendenz stark steigend {Weischenberg/Malik/Scholl 2006: 38}. So wurden bspw. im vergangenen Jahr 2500 Personalstellen im klassischen Rundfunk geschlossen, gleichzeitig aber 700 Stellen in der Online-Produktion neu geschaffen {Meyer-Lucht/Gollatz 2008: 32}.

Laut einer aktuellen Erhebung von Neuberger glauben nur fünf Prozent der befragten Journalisten, dass das Web 2.0 bloß eine kurzfristige Erscheinung ist, die keine nachhaltigen Auswirkungen auf den Internetjournalismus haben wird {Neuberger 2008: 15}. In der Dreiecksbeziehung zwischen Profession, Partizipation und Technik ist es Rezipienten möglich geworden, selbst als Kommunikatoren zu fungieren, und die Journalisten damit als bisherige Gatekeeper zu umgehen {vgl. ebd.: 174f.}.

Dieses auch als Disintermediation bekannte Phänomen zieht laut Weischenberg folgende Konsequenzen für den professionellen Journalismus mit sich:

„Nicht mehr die Recherche mit ruhiger Hand macht die Routine aus, sondern die ständige Verfügbarkeit und Bereitschaft zur umfassenden und hektischen Produktion immer neuer Medieninhalte" {Weischenberg 2006: 7}.

Der Bezugspunkt für den Journalismus bleibe unter dem veränderten Rollenverständnis im Online-Zeitalter mehr denn je der Nachrichtenjournalismus, auch wenn er im Internet nicht mehr das alleinige Maß der Dinge sein könne {ebd.: 204; vgl. auch Löffelholz et al 2003: 483}.

„Kaum einerverdientdamitschon Geld, aber alle machen es: Videos sind der Trend im Internet!" Jochen Wegner, Chefredakteur Focus Online[12]

I.2 Transaktionsprozess am Beispiel Bewegtbild online

I.2.1 Der Sprung von Bildschirm zu Bildschirm - Fernsehen verliert Dominanz

Der steigende Internet-Konsum beeinträchtigt auch die Nutzung klassischer Medien. Das gesamte Medienzeitbudget liegt derzeit bei knapp sieben Stunden und wird laut Prognosen in den kommenden Jahren nur marginal steigen {Gugel/Müller: 52}. Imhof mutmaßt, dass „bei einem in etwa gleichbleibenden Zeitbudget durch die Online-Nutzung das Fernsehen wahrscheinlich am stärksten betroffen sein wird" {Imhof 2003: 202, siehe Anhang Abb. 10: 9}.

Zu der bereits vielfach geäußerten Sorge um die Zukunft der Tageszeitung kommt ob des rasanten technischen Fortschritts sowie der Dynamik im World Wide Web eine neue hinzu: Zumindest jüngeren Rezipienten fällt der Sprung von Bildschirm zu Bildschirm zunehmend leichter - „Die Dominanz des traditionellen Fernsehens beginnt zu bröckeln" {Machill/Zenker 2007: 7}.

Bei den 16-24-Jährigen, den „Digital Natives"[13] {Palfrey/Gasser 2008; Genner 2008}, überstieg die Internet-Nutzung im vergangenen Jahr tatsächlich erstmals den TV-Konsum {vgl. EIAA 2008a: 4; AGOF 2008a: 26; Fumagalli 2008: 3}.

Das bislang populärste Medium tritt mit dem Netz zunehmend in eine Konkurrenzsituation zweier „digitaler Bildschirmbrüder" {Digitalfernsehen 2009}. Siebenhaar bezeichnet das Fernsehen als den „großen Verlierer der digitalen Revolution" {Siebenhaar 2008} und eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger weist Web-TV grundsätzlich als echte Alternative zum traditionellen Fernsehen aus {Mogg et al 2008: 10}. Damit werden Internet und Fernsehen anscheinend zu zwei praktisch austauschbaren und zusammenfließenden Technologien {Wilke 2009: 339, siehe Anhang Abb. 11: 10}.

Das Internet beginnt dem Fernsehen den Rang abzulaufen - zumindest was die Beliebtheit bei den Nutzern betrifft. Eine Studie von IBM/ZEM[14] zum wichtigsten Medium kommt in den jeweiligen Altersgruppen zu folgenden Ergebnissen: Das Internet dominiert bei den 14-24­jährigen und auch bei den 25-49-jährigen schickt es sich an, das noch immer beliebteste Medium Fernsehen einzuholen. Lediglich bei den über-50-jährigen zementiert das TV seine Vormachtstellung {Fumagalli 2008: 4}. Thomä sieht ob der besonders webaffinen Gruppe der 14-24-jährigen akuten Handlungsbedarf für die Produzenten klassischer Fernsehangebote: „Was auf die Zeitung zutrifft, passt jetzt auch beim Fernsehen: Man muss die jungen Leute übers Web erreichen!“ {Thomä 2008: 23}.

Abb.l: WichtigstesMedium in den Altersgruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: IBM/ZEM Studie Innovation in den Medien 2008 {Fumagalli: 4}.

Videos im Internet können, im Gegensatz zu denen im TV, so oft wie gewünscht an jedem Ort und zu jeder Uhrzeit angeschaut werden. Haben Nutzer z.B. eine Nachrichtensendung im Fernsehen verpasst, so können sie diese in fast unveränderter Form auch noch einige Tage später in den Online-Videoarchiven der Fernsehsender anschauen (z.B. ARD-Mediathek, ZDF-Mediathek, RTLNow etc.}. Insofern ist es mittlerweile möglich, mit Bewegtbild Online veränderte Ansprüche der User im World Wide Web zu erfüllen, und gleichzeitig zentrale Funktionen des klassischen Mediums Fernsehen zu übernehmen {vgl. Gerhards/Klingler 2008: 566; Küng et al. 2008: 42f.; Oehmichen/Schröter 2008: 406f.}.

I.2.2 Fernsehnachrichten in Deutschland (Rolle, Struktur, Darstellungsformen etc.)

I.2.2.1 Nutzung und Funktion von Fernsehnachrichtensendungen

Ludes beschreibt Fernsehnachrichtensendungen als „Hauptbeobachter moderner Gesellschaften“ {Ludes 2001: 17}:

„In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzen sich Fernsehnachrichtensendungen als die am weitesten verbreiteten und durchschnittlich am glaubwürdigsten erachteten Informationsangebote durch“ {ebd.: 17}.

Fernsehen sei besonders für Menschen relevant, die sich stark für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft interessieren, konstatieren Oehmichen und Schröter {Oehmichen/Schröter 2008: 407, siehe Anhang Abb. 12: 10}. Auch Zubayr und Gerhard sehen in ihrer Studie zum Zuschauerverhalten den Bereich der Information (täglich 62 Minuten) vor Fiction (57 Minuten) und Unterhaltung (26 Minuten) {Zubayr/Gerhard, 2008: 108}.

Tagesaktuelle Informationen zu liefern ist demnach eine der zentralen Funktionszuweisungen an das Fernsehen {vgl. Schult/Buchholz 2007: 205}. Zubayr und Geese schlussfolgern aus ihrer repräsentativen Befragung unter deutschen TV-Zuschauern: „Nachrichten gehören zum Grundinventar tagesaktueller Medien“ {Zubayr/Geese 2009: 158}. So geben 90 Prozent der Befragten an, im TV gerne Nachrichtensendungen zu sehen {ebd.: 160}. ARD Tagesschau, ZDF heute und RTL aktuell sind zu ihrer jeweiligen Sendezeit zumeist die Angebote mit der höchsten Quote auf dem gesamten Fernsehmarkt und damit auch eine Art Visitenkarte des jeweiligen Vollprogramms.

Im Schnitt wenden Zuschauer für Fernsehnachrichtensendungen täglich rund 13 Minuten auf. Allerdings unterscheiden sich die verschiedenen Altergruppen in ihrer Nutzungsintensität signifikant voneinander: So gehört Information durch

Nachrichtensendungen nur für ein Viertel der unter 30-jährigen (täglich vier Minuten) zur täglichen Medienversorgung mit dazu, bei den über 65-jährigen für rund drei Viertel (täglich 20 Minuten) {ebd.: 161}.

Fernsehnachrichtensendungen laufen nach einem immer wiederkehrenden Muster ab. Jedes TV-Nachrichtenangebot hat seine feste Sendezeit, eine immer gleichbleibende Gesamtlänge und eine recht starre Hierarchie bezüglich des Programmablaufes. Die Zuschauer können beim Produkt Fernsehnachrichten, im Unterschied zu Videos auf Nachrichtensites, nur die jeweiligen Anbieter direkt auswählen, nicht aber die einzelnen Filmbeiträge.

I.2.2.2 Struktur von Fernsehnachrichtensendungen im Sinne eines „Qualitätsprofils"

Inhaltlich zeichnet sich die große Mehrheit der TV-Nachrichten grundsätzlich durch ein „Primat der Politik“ {Maurer 2005: 256} aus. Wie groß der Politikanteil genau sein sollte, oder welche Inhalte mit welchen Mitteln obligatorisch in einer Nachrichtensendung erzählt werden müssten, ist normativ kaum zu bestimmen. Aufgrund unterschiedlicher Sendungsprofile lassen sich Qualitätsinformationen nur schwerlich transparent machen {vgl. Daschmann 2009a: 257}.

Maurer schlägt daher ein Qualitätsprofil statt eines genauen Qualitätsmesswertes vor {Maurer 2005: 133}. Insofern geht es bei der Beurteilung einer Fernseh­Nachrichtensendung weniger um eine quantitative Ausgewogenheit zwischen den einzelnen Ressorts, als vielmehr um ein kohärentes Gesamtgebilde aus thematischer und struktureller Vielfalt {vgl. Daschmann 2009a: 266f.}. Die einzelnen Beiträge sollen sich demnach formal und inhaltlich in die Ideologie des gesamten Angebotes einreihen.

Dennoch verpflichtet das informationsorientierte Genre Nachrichten zu einer stark konventionalisierten Form von zumeist neutraler, aktueller und knapper Informationsvermittlung {vgl. Lünenborg 2006: 194, siehe Anhang Abb. 13: 11}. Jede

Fernsehnachrichtensendung sollte den Prinzipien von objektiver Argumentation und der Vermittlung von Fakten nach dem Lead-Satz-Prinzip[15] folgen.

Die gebräuchlichsten (informierenden) Darstellungsformen von TV-Nachrichten sind Wortmeldungen (ohne bewegtes Bild), NiFs (Nachricht im Film, ca. 20-30 Sekunden lang, zumeist ohne O-Ton), Bericht/Nachricht (ca. eine Minute bis zweieinhalb Minuten lang und mit argumentativ gegeneinander abgewogenen O-Tönen gespickt) und Aufsager/Korrespondentenberichte {Schult/Buchholz 2007: 78f.}.

I.2.2.3 Nachrichtenfaktoren

Eine Nachricht reduziert die Komplexität aktueller Ereignisse und ist das Ergebnis eines Selektionsprozesse durch Journalisten {vgl. Lünenborg 2006: 17f.}. Galtung und Ruge stellten 1965 zwölf Determinanten[16] auf, nach denen Redaktionen Nachrichten auswählen. Je mehr dieser Faktoren eine Nachricht enthalte, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch veröffentlicht würde {Schulz 2009: 389f.}. Diese für alle klassischen Massenmedien konzipierte Nachrichtenwerttheorie ist empirisch vielfach bestätigt worden. Schulz formulierte 18 Faktoren, die einer Nachrichtensendung zugrunde liegen. Diese Determinanten definieren seiner Meinung nach die „Interpretation der Wirklichkeit durch die Journalisten“ {zitiert nach ebd.: 390}, d.h. die Annahme über die Beschaffenheit realer Ereignisse.

Allerdings merken Kamps/Meckel später an, dass die von Schulz aufgestellten Nachrichtenfaktoren in einer von ihnen durchgeführten Inhaltsanalyse nur rund 20 Prozent des Angebotes der ARD Tagesschau eindeutig erklären würden {Kamps/Meckel 1998: 54}. Daher haben die Autoren die Werte für Fernsehnachrichtensendungen nur grob in folgende fünfKategorien unterteilt, die auch die Grundlage für diese Arbeit darstellen: 1. Aktualität, 2. Relevanz, 3. Konsonanz, 4. Simplizität, 5. Visualität {ebd.: 23}.[17]

I.2.2.4 Entwicklung Fernsehnachrichten im Online-Zeitalter

In den vergangenen Jahren habe die Orientierung an harten Fakten stark zu Gunsten von emotionalen Faktoren nachgelassen, kritisieren Medienwissenschaftler einen vermeintlichen Trend zur Unterhaltung in deutschen TV-Nachrichten {siehe z.B. Bertram 2006: 198}: „Der emotionale Nachrichtenwert einer Sache wird zum Selektionskriterium für potentielle Aufmerksamkeit“, hat etwa Mast festgestellt {Mast 1991: 186}. Lude wies schon vor einigen Jahren darauf hin, dass sich dieser Trend durch den zunehmenden Konkurrenzdruck im Online-Zeitalter noch verstärken könnte {Ludes 2001: 156}.

Vor allem durch das Aufkommen neuer Online-Medien hat sich das Postulat einer ausnahmslos schnellen Veröffentlichung von Informationen verfestigt. Keel und Perrin bezeichnen das Tempo als entscheidenden Wettbewerbsvorteil des Online-Journalismus {Keel/Perrin 2009: 14}. Die User würden erwarten, dass bei Ereignissen die Online- Berichterstattung unmittelbar einsetze {ebd.}. Dieser Umstand setzt auch die Produzenten von Fernsehnachrichten zunehmend unter Zeitdruck, so dass TV-Nachrichten heute noch aktueller sein müssten als früher, wie z.B. der ehemalige Tagesschau-Chefredakteur Wabnitz festgestellt hat. Darin sieht er die Gefahr, „dass die Geschwindigkeit der Berichterstattung immer weiter zunimmt und die Qualität der Information dabei gleichzeitig immer mehr abnimmt" {Bernhard Wabnitz, zitiert in: Boetzkes 2008: 254}.

I.3 Bewegtbild auf deutschen Nachrichtensites

I.3.1 Bewegtbild - das neue Maß aller Dinge im Netz

Die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie stellt fest, dass sowohl das Angebot, als auch die Nutzung von Bewegtbild im Internet in den vergangenen Jahren beständig zugenommen hat {van Eimeren/Frees 2008: 350f.}. So gehört Video zu schauen mittlerweile zu den beliebtesten Tätigkeiten von Onlinern. Rund die Hälfte von ihnen nutzt regelmäßig audiovisuelle Angebote im Netz, bei den 14 bis 29-jährigen sind es sogar 84 Prozent {ebd.: 352f.; vgl. auch Schorb et al 2008: 15f.}.

Laut Goldbach media group nahm in Deutschland die Reichweite von Videostreams[18], d.h. komprimierter Videodateien im Internet, zwischen 2005 und 2008 von knapp drei auf rund sechseinhalb Millionen Seher pro Tag zu {Fumagalli 2008: 5, siehe Anhang Abb. 14-15: pp. 11-12}.[19]

Diese Tatsache ist vor allem auf den verbesserten technischen Zugang durch Breitband­Anschlüsse zurückzuführen {vgl. Rager/Sehl 2009: 35; Hess 2007: 193}. Weber spricht bereits von einem „technikinduzierten Bewegtbild-Hype" {Weber 2007}, der sich von den USA auf Deutschland übertragen habe.

In den Vereinigten Staaten ist YouTube zwar das meistgenutzte Video-Portal {comScore 2009}, doch insgesamt ist das „News-Video" für fast alle Altersklassen die populärste Form audiovisueller Inhalte im Netz {Madden 2007}. Auch hierzulande gibt es im Sog von YouTube, Clipfish und Co. offenbar nicht nur gesteigerten Bedarf an unterhaltenden (Privat-)Videos, sondern auch ein zunehmendes Interesse an journalistisch gestalteten Nachrichten-Videos im Internet {vgl. Machill/Zenker 2007: 14f.}.

I.3.2 Bewegtbild auf deutschen Nachrichtensites

Nachrichtensites definieren sich über die wesentlichen Merkmale kontinuierliche Aktualisierung, Universalität, Publizität und Hypertextualität[20] {vgl. Meyer-Lucht 2005: 23f.}. Die Merkmale Aktualisierung, Universalität (allumfassender Kanon von Nachrichtenthemen) und Publizität (allgemeine Zugänglichkeit der Informationen) teilt das Internet mit den klassischen Medien. Die Hypertextualität hingegen besitzen Online-Medien exklusiv.[21]

Laut einer aktuellen Studie des Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. (BDVZ) binden in Deutschland mittlerweile rund 400 Online-Redaktionen Videos auf ihrer Seite ein {Stiefenhofer 2009}. „Man will ganz vorne mit dabei sein, sollte sich der Trend einmal durchsetzen“, erklärt Thomä die vielfältigen, ressourcenintensiven Aktivitäten der Medienunternehmen {Thomä 2008: 24}.

Für Nutzer ist es längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass Nachrichtensites ihnen auch zahlreiche Videos anbieten. Doch die Produktion audiovisueller Angebote ist kostenintensiv. Ihre Vermarktung im Internet gestaltet sich, im Gegensatz zu den unverändert hohen Werbelösen im Fernsehen, bislang schwierig. Bewegtbild auf Nachrichtensites ist größtenteils noch ein Verlustgeschäft {vgl. Fumagalli 2008: 13; Fösken 2009: 61}. Meinungsforscher sagen zwar unisono ein konstant positives Wachstum für Online-Werbung voraus {vgl. bspw. Kaspring 2008: 10; Mangelkramer 2008} und vermuten im Videobereich die Einnahmequelle der Zukunft {vgl. Neumann 2007}, doch der genaue Zeitpunkt für den Break-Even[22] bleibt unklar. Ungeachtet dessen hat für deutsche Nachrichtensites das Streben nach entscheidenden Wettbewerbsvorteilen im Bewegtbild­Bereich getreu dem Motto „Be-Fast-Be-First-Beat the Rest“ {Gugel/Müller 2007: 43} längst begonnen.

In diesen Aktivitäten deutet sich laut einer Bewegtbildstudie der Universität Leipzig ein tiefgreifender Strukturwandel in der Online-Kommunikation an. Im World Wide Web beginne eine Art Übergang von vorwiegend textorientierten Angeboten, die mit Bildern illustriert werden, hin zu multimedial erzählten Inhalten mit Bewegtbild, Ton und

Begleittexten {Zerfaß/Rau 2008: 30}. Der audiovisuelle Content diene dabei insbesondere der Qualitätssteigerung und der Reichweitenerhöhung einer Nachrichtensite {ebd.: 7}.

Die Mehrheit der 1000 befragten Online-Journalisten siedelt Webvideos eher bei den weichen Rubriken Sport, Zeitgeschehen/Vermischtes, Kultur und Reise/Tourismus an. Daraus folge, so Zerfaß/Rau, dass sich journalistische Online-Videos tendenziell stärker mit boulevardesken Themen beschäftigen würden als ihre Pendants aus dem Fernsehen {ebd.: 7}. Redaktionell sei insbesondere bei der Produktion und Nachbearbeitung von Bewegtbild Online ein klarer Mangel an Know How zu erkennen, schlussfolgern die Organisatoren der Studie aus ihren zentralen Ergebnissen {ebd.: 4}.

Ausschließlich für das World Wide Web produzierte Videos sind bislang eher selten, spezielle Qualitätsprofile haben sich anscheinend noch nicht herausgebildet. Entweder transferieren deutsche Nachrichtensites - im Sinne einer crossmedialen Zweitverwertung - ihre Beiträge aus dem Fernsehen ins Internet (z.B. tagesschau.de oder rtlnow.de), oder sie greifen aus Mangel an eigenem Filmmaterial auf vorgefertigte audiovisuelle Beiträge von Agenturen zurück {vgl. Boetzkes 2008: 319; Derichs 2008}:

„Die Bewegtbild-Angebote sind deshalb oft inhaltsgleich. Um Highlights zu finden, muss der Nutzer mühevoll Portale absuchen. Es wird vermutlich eine Konsolidierungsphase geben, nicht jeder Verlag wird mit seinem gesamten Portfolio dauerhaft erfolgreich sein“ {Eck 2007: 20}

Eck prophezeit einen harten Verdrängungswettbewerb unter den Anbietern von Bewegtbild auf Nachrichtensites. Deshalb gelte es künftig umso mehr, weboriginäre Nachrichtenvideos selbst zu produzieren, und diesen zudem einen innovativen und unverwechselbaren Charakter zu verleihen {ebd. 21}.

I.3.3 Kurzportraits Bewegtbild-Angebot von BILD.de, FOCUS Online, Sueddeutsche.de, STERN.de und ZEIT Online

In den vergangenen zwei bis drei Jahren haben deutsche Nachrichtensites ihre Bewegtbild-Sparte stark ausgebaut {Mangelkramer 2008: 34; Feldmeier 2007: 21}. Je nach redaktioneller Ausrichtung und organisatorischer Kapazitäten fallen die Strategien der jeweiligen Anbieter sehr unterschiedlich aus. Gemein ist ihnen zumeist der von der Bewegtbildstudie Leipzig attestierte Nachholbedarf bei der journalistischen Produktion von Online-Videos (siehe I.3.2 Bewegtbild auf deutschen Nachrichtensites).

Auch BILD.de, FOCUS Online, Sueddeutsche.de, STERN.de und ZEIT Online haben auf die gesteigerte Nachfrage nach Bewegtbild Online reagiert. Die sehr unterschiedlichen Strategien dieser reichweitenstarken Nachrichtensites werden im Folgenden kurz dargestellt und dienen im weiteren Verlauf der Diplomarbeit als Vergleichswerte für das Portfolio von SPIEGEL Online Video.

Abb.2: Popularität deutsche Nachrichtensites

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung, in Anlehnung an Zahlen vom Mai 2009 {MEEDIA 2009}.

Zunächst werden die Gesamt-Abrufzahlen der fünf Nachrichtensites einander gegenübergestellt. Dabei werden sowohl die Messungen der IVW[23] (Visits und Page Impressions) als auch die der AGOF[24] (Unique Users) berücksichtigt. Zwei Grafiken im

Anhang der Arbeit (Abb. 17-18: p.13) zeigen die Entwicklung der Visits und Page Impressions dieser Nachrichtensites in den vergangenen fünfjahren.[25]

In der obigen Abbildung lässt sich erkennen, dass die Unique User von STERN.de und vor allem BILD.de bei ihren Visits deutlich mehr Page Impressions auslösen, d.h. verschiedene Angebote innerhalb der Site nutzen, als die Unique Usern der drei anderen aufgeführten Nachrichtensites. Vor allem ZEIT Online fällt in der Relation von Unique Usern und ausgelösten Page Impressions pro Monat deutlich ab.

I.3.3.1 BILD.de

Der Springer-Verlag hat vor rund zwei Jahren auf den gesteigerten Eigenbedarf an laufenden Bildern reagiert. Mit Springer Digital TV gründete das Medienhaus eine eigene Abteilung für Web-TV. Mit drei festangestellten und 15 freien Mitarbeitern produziert das Unternehmen audiovisuelle Inhalte für die Marken von Axel Springer, insbesondere für BILD.de {vgl. Mangelkramer 2008}. Dort stehen dem User pro Monat mehr als 700 Videos zur Verfügung. Diese umfassen sowohl selbstproduzierte Videos, als auch Agenturmaterial und zahlreichen sog. User Generated Content („Bild-Leserreporter 1414“). Die BILD.de- Videos generieren pro Monat rund 20 Millionen Abrufe {vgl. Morr 2008 }.

BILD-Chef Diekmann glaubt, mit der „Bewegt-BILD" endlich die Markenfamilie BILD komplettiert zu haben. Zugleich würden die Videos der Stärkung der Online-Reichweite dienen, da Europas größte Tageszeitung im World Wide Web nicht länger Nummer zwei oder drei sein könne {Krüger 2007}. Diekmann will mit dem Bewegtbild-Angebot von BILD.de eine echte Alternative zum Fernsehen ermöglichen:

„Wir müssen etwas Neues bieten (...) Es macht keinen Sinn auf einer anderen Plattform das Gleiche zu machen. Es geht vielmehr darum, Web-Videos als journalistisches Instrument zu nutzen" {Kai Diekmann, zitiert nach Morr 2008}.

Audiovisuelle Inhalte bei BILD.de stammen vor allem aus den Bereichen Sport, Unterhaltung und Erotik. Im vergangenen Jahr wurde mit Hilfe eines Discounters die digitale „Volkskamera" günstig auf den Markt gebracht und 500 Euro für das „Video der Woche" ausgelobt. Seitdem steigt die Anzahl von Leservideos auf BILD.de sprunghaft an. Allerdings „ist das von den Usern gedrehte Material an Trivialität kaum zu überbieten", kritisiert Disselhoff {Disselhoff 2008}. So hätte kaum eines der Leservideos einen nachrichtlichen Kern bzw. Nachrichtenwert, obwohl sich BILD.de ja selbst als News-Site deklariere {ebd.}.

I.3.3.2 FOCUS Online

FOCUS Online hat im Jahr 2008 die Anzahl seiner Videos fast verdoppelt. Seitdem präsentiert die Nachrichtensite - zum Teil prominent auf der Startseite platziert - Börsen- und Sportnachrichten, „Neues aus Hollywood", Kino-Formate und eine eigene Satire-Serie. Hinzu kommen, ganz im Stil des Print-Magazins, Ratgeber-Serien aus den Bereichen Gesundheit, Technik und Finanzen. Das neue Magazin "News Navigator" wird werktags um 12 Uhr aktualisiert und von eigenen Redakteuren moderiert, ähnlich verhält es sich bei der Video-Kolumne über Prominente. Pro Woche produziert FOCUS Online mehrere Stunden eigener weboriginärer Videos {vgl. Bouhs 2008}.

Das erklärte Ziel der Nachrichtensite ist es, mehr Interaktivität zu wagen. Mit dem neuem Video-Player "Video Suite", einer Entwicklung des Tochterunternehmens Tomorrow Focus Technologies, können Nutzer die Videos nicht nur auf der eigenen Homepage oder auf Social Communities einbinden, sondern auch an Freunde verschicken. Auf diese Weise hofft FOCUS Online auf zusätzliche virale Effekte und eine langfristige Steigerung der Reichweite {vgl. Treiß 2008}.

Chefredakteur Wegner setzt bei den Videos auf Inhalt und Qualität: „Als journalistisches Medium können wir keine YouTube-Ästhetik bieten“ {Morr 2008}. Eine Amortisation der Kosten für den Bewegtbild-Bereich ist für spätestens Ende 2010 geplant {ebd.}.

I.3.3.3 Sueddeutsche.de

Der Sueddeutsche.de-Chefredakteur Jakobs hält Bewegtbild Online (noch) nicht für eine treibende Kraft seiner Nachrichtensite: „Die Produktion von Videos ist sehr teuer, und deshalb nicht profitabel“ {Morr 2008}. Laut Jakobs sind die Videos zwar „nice to have“ {Jenewein 2008}, aber für die Zukunft einer Nachrichtensite weder redaktionelles noch wirtschaftliches Muss.

So bietet Sueddeutsche.de kaum selbstproduziertes Bewegtbild an: Das Internetvideo der Woche rekrutiert sich aus User Generated Content (zumeist von YouTube), die audiovisuellen Nachrichtenclips kommen fast ausnahmslos von der Nachrichtenagentur Reuters. Reportagen von Süddeutsche Zeitung TV, der „Schwester“ aus dem Fernsehen, werden auf Sueddeutsche.de als kurze Ausschnitte crossmedial zweitverwertet.

Ausschließlich für den Online-Auftritt generierter Content beschränkt sich auf einige Interviews, Korrespondentenberichte und Produkttests aus dem Auto & Technik-Bereich {siehe Sueddeutsche.de 2009}. Erst seit Mai 2008 - und damit deutlich später als die meisten Konkurrenten - hat die Nachrichtensite auch einen eigenen Videoblog[26] gestartet {vgl. Jenewein 2008}.

I.3.3.4 STERN.de

Das Hamburger Medienhaus Gruner+Jahr setzt seit Ende 2007 verstärkt auf selbstproduzierte Videos im Internet. Allein STERN.de hat innerhalb des Jahres 2008 mehr als zehn weboriginäre Formate auf den Markt gebracht. Für diese Bewegtbild-Offensive startete STERN.de eigens eine großangelegte Werbekampagne auf den Websites aller namhaften Medienzeitschriften, um die Online-Werbung im Video-Bereich für Anzeigenkunden attraktiv zu machen {siehe dazu auch G+J/ems 2009}.

Mittlerweile verzeichnet das Video-Ressort der Nachrichtensite bis zu 100.000 Abrufe am Tag {Goetz 2008}. Im Monat kommt die Bewegtbild-Sparte von STERN.de durchschnittlich auf zwei Millionen Klicks, den Break Even sieht der Businessplan schon für 2010 vor {Goetz 2008}.

Die Nachrichtensite produziert mit ihrer eigens dafür gegründeten Unternehmensabteilung „Digital TV“ zahlreiche Kolumnen wie z.B. ein VIP-, ein Mode- und ein Kinomagazin. Hinzu kommen eine audiovisuelle Kochserie, das Spielemagazin „Games Check“ sowie die politischen Vlogs[27] „Cafe Einstein“ und „Jörges' Klartext“ {STERN.de 2009}.

Die Priorität, welche der Bewegtbild-Sparte bei STERN.de zugeschrieben wird, zeigt u.a. die Tatsache, dass Klassen seit 2008 neben seiner Funktion als Leiter von „Digital TV“ auch stellv. Chefredakteur der gesamten Nachrichtensite ist. Er beabsichtigt, die eigenen Videos passend zur gesamten Markenfamilie zu gestalten:

„Der STERN muss auch im Netz gut aussehen (...) Es geht nicht nur darum Filme bereitzustellen, sondern darum, sie sinnvoll mit allen anderen Inhalten zu verknüpfen" {Ralf Klassen, zitiert nach Morr 2008}.

Die Bewegtbild-Inhalte von STERN.de werden zumeist in Artikel integriert und dienen als multimediale Ergänzung. Die Nutzer werden zudem animiert, die Videos zu kommentieren und Fragen an die Redaktion zu senden. Laut Chefredakteur Frank Thomsen war „die Schwelle für User noch nie so gering, sich am Stern zu beteiligen" {Thomsen 2008: 8}.

I.3.3.5 ZEIT Online

Auf dem Wiener[28] Rundfunkforum 2008 sagte ZEIT Online-Chefredakteur Blau, dass viele Online-Videos noch stark durch die Erfahrungen aus dem Fernsehbereich geprägt seien. Für Nachrichtensites wie ZEIT Online ginge es künftig aber darum, sich sukzessive von den Produktionsweisen des klassischen Fernsehens zu lösen, und internetspezifische Darstellungsformen zu entwickeln {MEEDIA 2008}.

Allerdings zeigte sich schon wenig später, wie sehr journalistischer Anspruch und betriebswirtschaftliche Wirklichkeit auseinandergehen. Im Juni 2008 verbündete sich ZEIT Online mit dem ZDF und zahlt seitdem Geld für redaktionelle Dienstleistungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders. Täglich liefern die Mainzer acht Videos des Nachrichtenformats "ZDF 100-Sekunden" sowie weitere redaktionelle Filmbeiträge an ZEIT Online: "Die stundenaktuelle und internationale Berichterstattung ist für ZEIT Online von großer Bedeutung" begründet Blau diesen in seinen Augen unausweichlichen Schritt {N.N. 2008}.[29]

ZEIT Online hat die Produktion seiner rein nachrichtlichen Videos an die ZDF-Redaktion ausgelagert. Diese Beiträge sind auf der Startseite gut sichtbar und mit dem ZDF-Logo gekennzeichnet.

Das selbstproduzierte Bewegtbild-Angebot beschränkt sich vorwiegend auf Korrespondentenberichte oder Meinungsäußerungen. Hinzu kommen wöchentliche Vlogs populärer ZEIT-Kolumnisten wie Harald Martenstein, Gero von Randow oder Jens Jessen. Nach eigener Aussage der Online-Redaktion zählt bei den eigenen Internetvideos weniger die reine Aktualität, als vielmehr der Hintergrund einer Nachricht {vgl. ZEIT Online 2009}.

I.4 Nachrichtliches Bewegtbild Online vs. Offline

I.4.1 Konkurrenz zwischen (audiovisuellen) Nachrichten im Internet und im TV

Zwischen Nachrichten im World Wide Web und TV besteht mittlerweile eine formale Äquivalenz. In beiden Medien charakterisieren sie sich durch allgemeine Zugänglichkeit, (Tages-)Aktualität, thematische Universalität und fortlaufende Verbreitung {vgl. Ludes 2001: 57}. Nachrichtenvideos im Internet sind, im Gegensatz zu denen aus dem klassischen TV, nicht an einen festen Sendeablauf gebunden. Sie können von den Usern zusätzlich in ihre

Einzelteile zerlegt, individuell neu zusammengestellt und orts- sowie zeitsouverän genutzt werden {vgl. Martin 2008; Meckel/Stanoevska 2008: 219}. Im Unterschied zu den Redaktionen von Fernsehnachrichten müssen sich Anbieter von Bewegtbild im Internet nicht nach festen Sendezeiten richten, sondern können theoretisch rund um die Uhr möglichst simultan auf aktuelle Ereignisse reagieren. Ludes stellte bereits 2001 fest, dass der Aktualitätsvorsprung von Online-Medien die Funktion von TV-Nachrichten beeinflusst:

„Fernsehinformationssendungen werden in diesem Sinne seit den Neunziger Jahren zum ersten Mal durch ein historisch neueres Medium redefiniert. Sie können nicht mehr die aktuellsten Angebote für unterschiedliche Spezialinformationen bereitstellen, sie erreichen immer weniger Anteile an der Gesamtbevölkerung und damit reduziert sich ihre Integrationsfunktion" {vgl. Ludes 2001: 233}.

Mit dem Internet ändern sich für Fernsehnachrichtensendungen die medialen Rahmenbedingungen. Es entsteht ein neues medienübergreifendes Verständnis von Nachrichten und Information. Van Eimeren und Frees prognostizieren deshalb, dass das Fernsehen seinen Status als wichtigstes und aktuellstes Informationsmedium künftig an das Internet verlieren werde {van Eimeren/Frees 2008: 367}. Gerhards und Klingler hingegen meinen, dass das Fernsehen im Bereich der audiovisuellen Nachrichten das für Nutzer wichtigste Medium bleibe. Dies liege insbesondere daran, dass im Internet häufig crossmediale Zweitverwertungen von Fernsehnachrichtensendungen konsumiert würden und die Reichweite von ausschließlich für das Internet produzierten Nachrichtenvideos noch recht gering sei {Gerhards/Klingler 2008: 566}. Demnach blieben die bekannten TV- Nachrichten auch im Internet das Maß aller Dinge {ebd.: 567}.

I.4.2 Komplementarität, Crossmedialität und Konvergenz

Neuberger et al beschreiben das grundsätzlich neu geordnete Verhältnis zwischen den beiden Medientypen Fernsehen und Internet anhand folgender Kategorien: Demnach ergänzen die beiden Kommunikationssysteme einander (Komplementarität), sind bewusst miteinander verflochten (Crossmedialität) oder bewegen sich verstärkt aufeinander zu bzw. verschmelzen sogar miteinander (Konvergenz) {Neuberger et al 2009: 174}. Diese Dreiteilung lässt sich für den Bereich audiovisueller Nachrichten folgendermaßen konkretisieren:

1. Komplementarität: Stipp sieht kein neues „Web-Zeitalter" im Sinne einer Kannibalisierung klassischer Fernsehnachrichten aufkommen, sondern prophezeit ein „Multiscreen-Zeitalter", in dem beide Medien dank eigener professioneller Inhalte nebeneinander existieren können {Stipp 2009: 230f.}. Komplementäre Inhalte bzw. Formate von audiovisuellen Informationsangeboten im World Wide Web besitzen ein eigenes onlinespezifisches Profil und ergänzen respektive erweitern somit das Spektrum von Fernsehnachrichtensendungen {vgl. Oehmichen/Schröter 2008: 405f.}.

2. Crossmedialität; Crossmedialität ist ein akteursspezifischer Begriff, der die Reaktionen der Medienkonzerne auf veränderte Rahmenbedingungen beschreibt. Konkrete Angebote traditioneller TV-Nachrichten, die im Internet technisch verbreitet und inhaltlich nur marginal ergänzt werden, bezeichnet man als crossmediale Zweitverwertung. Nach dem COPE-Prinzip - Create One, Publish Everywhere - wird das medienübergreifende Gesamtangebot eines Unternehmens zu einem kohärenten Nutzungs- und Identifikationsraum für Rezipienten {Schultz 2008: 11f.}. So bietetbspw. die ARD ihr FlaggschiffTagesschau im Fernsehen und im Internet an, um die Reichweite der Sendung und damit auch die gesamte Marke Tagesschau zu stärken. Neuberger und Kollegen betonen, dass nachrichtliches Bewegtbild aufgrund der Crossmedialität auch im Internet weiterhin eine Domäne klassischer Rundfunkanbieter sei {Neuberger et al 2009: 179}.

3. Konvergenz; Als eine Art Evolutionsterminus beschreibt Konvergenz u.a.[30] die fortschreitende Verschmelzung von Hörfunk, Fernsehen und Print zu einer einzigen technologischen Plattform, dem Internet {vgl. Marcinkowski 2006: 141}. Technische Konvergenz ist im Grunde die Ursache für crossmediales Handeln der Medienunternehmen {vgl. Schultz 2008: 15f.}. Internetbasierte Bewegtbild­Angebote welche Inhalte sowie Formate von TV-Nachrichten weitgehend übernehmen, und diese kaum mit multimedialen/internetspezifischen Präsentationsmustern kombinieren, weisen Züge einer inhaltlichen Konvergenz mit eben diesen Fernsehnachrichtensendungen auf.

Die Grenzen zwischen den einzelnen Kategorien sind fließend, und deshalb nicht immer trennscharf zu beschreiben. So sind z.B. crossmedial angebotene Nachrichtenvideos im besten Fall zugleich auch inhaltlich komplementär {vgl. Schultz 2008: 67}. Für den angestrebten Vergleich zwischen nachrichtlichem Bewegtbild im Fernsehen und im Internet ist es dennoch zielführend, diese grobe Unterscheidung zwischen Komplementarität, Crossmedialität und Konvergenz beizubehalten.

Vor dem Hintergrund der Untersuchungsleitfragen rückt vor allem der Prozess der Konvergenz in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Im folgenden Kapitel wird deshalb beschrieben, wie Fernsehnachrichtensendungen und Bewegtbild auf Nachrichtensites miteinander konvergieren können.

I.4.3 Ausprägungen der Konvergenz-Technik, Nutzung und Inhalte

Bonfadelli definiert den allgemeinen Prozess der (substitutiven) Medienkonvergenz[31] wie folgt:

„Neue Medien werden alte dann ersetzen können, wenn sie deren Leistung (...) besser und/oder kostengünstiger (finanzieller, zeitlicher und mentaler Aufwand) zu erfüllen versprechen, und wenn sie darüber hinaus sogar zusätzliche neue Leistungen zu erbringen vermögen" {Bonfadelli 2004: 172}.

[...]


[1] Zitiert nach: {Meier 2009: 56).

[2] DSL steht für Digital Subscriber Line, ein digitaler Teilnehmeranschluss mit dem hohe Übertragungsraten bis zu 500 Mbit/s über einfache Kupferkabel gesendet werden können. Der Breitband-Anschluss ist eine wesentliche technische Verbesserung gegenüber konventionellen Telefonmodems [bis zu 56kbit/s) oder ISDN-Verbindungen (128kbit/s).

[3] Im vorherrschenden kommunikationswissenschaftlichen Verständnis wird die öffentliche Kommunikation vorwiegend durch Massenmedien vermittelt {vgl. Bentele/ Brosius/Jarren 2003; 512f.}.

[4] „Internet“ meint in diesem Sinne weniger die Sende-, Empfangs- und Übertragungstechniken, als vielmehr institutionelle Online-Medien. Deshalb ist „Internet“ hier als kommunikationswissenschaftlicher Begriff für alle massenmedialen Angebote im World Wide Web zu verstehen. Private Web-Angebote sowie die Bereiche E-Commerce, Werbung und Public Relations gelten dabei nicht als Online-Medien {vgl. Schweiger 2006a: 108f.; Schweiger 2006b: 209 }. Die Begriffe Internet und World Wide Web werden im Folgenden synonym verwendet.

[5] „Nachrichtensites sind journalistische Online-Angebote mit den Wesensmerkmalen kontinuierlicher Aktualisierung, Universalität, Publizität und Hypertextualität“ {Meyer-Lucht 2005: 26}. Allein die Begriffe „Online-Angebote“ und Hypertextualität implizieren, dass es sich hierbei um Inhalte handelt, die genuin für das Internet produziert werden. Die von Meyer-Lucht untersuchten Nachrichtensites waren SPIEGEL Online, tagesschau.de und FAZ.NET.

[6] Zitiert nach {Meier 2002: 422}.

[7] Als „Weitesten Nutzerkreis" bezeichnet die AGOF die Anzahl an Personen, die das Internet innerhalb der letzten drei Monate mindestens einmal genutzt hat {vgl. AGOF 2008 b: 3}.

[8] 80 Prozent der von der AGOF erhobenen Internetnetnutzer entsprechen rund 32 Millionen Menschen in der deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren.

[9] Ein DSL-Anschluss garantiert eine Übertragungsrate von mindestens einem Megabyte pro Sekunde, während es bei einem konventionellen Telefonmodem nur 0,128 Megabyte pro Sekunde sind.

[10] Die ARD/ZDF-Onlinestudie beschäftigt sich seit 1997 mit der gesellschaftlichen Entwicklung des Internets. Dabei bildet sie einmal jährlich die Online-Nutzung in Deutschland ab und setzt sich mit den zentralen Anwendungen des WWW auseinander. Zudem hinterfragt die Internetstudie, wie sich das Internet zu den klassischen Massenmedien verhält und ob das Schlagwort der „digitalen Spaltung der Gesellschaft“ immer noch Bestand hat (vgl. ARD/ZDF-Multimedia 2007: 3f.}. Dabei setzt die Analyse auf einen Multi-Methoden-Mix aus quantitativen Erhebungen und qualitativen Untersuchungen.

[11] BITKOM steht für Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neuen Medien e.V..

[12] Zitiert nach {Morr 2008}.

[13] Palfrey und Gasser bezeichnen die nach 1980 Geborenen in ihrem gleichnamigen Buch als „Generation Internet: Die Digital Natives". Diese Generation sei mit der digitalen Welt aufgewachsen und habe das dafür nötige technische Verständnis mit in die Wiege gelegt bekommen, so die Autoren. Somit sei diese Generation die Erste, welche sich die neuen Errungenschaften nicht erst mühsam habe erarbeiten müssen {Palfrey/Gasser2008: 6f.}.

[14] IBM steht für International Business Machines Corporation und ZEM für Zentrum für Evaluation und Methoden.

[15] Das Lead-Satz-Prinzip im Journalismus, auch Prinzip der umgekehrten Pyramide genannt, besagt, dass Nachrichten mit den wichtigsten aktuellen Informationen beginnen (W-Fragen) und dann immer unbedeutendere oder allgemeinere Angaben folgen.

[16] Die Nachrichtenfaktoren nach Galtung / Ruge sind: 1. Frequenz, 2. Schwellenfaktor, 3. Eindeutigkeit, 4. Bedeutsamkeit, 5. Konsonanz, 6. Überraschung, 7. Kontinuität, 8. Variation, 9. Bezug auf Elite-Nation, 10. Bezug aufElite-Personen, 11. Personalisierung, 12. Negativismus.

[17] Aktualität umschreibt die möglichst simultane Veröffentlichung von Ereignissen. Unter Relevanz versteht man ein Geschehen, das die Zielgruppe einer Fernsehnachrichtensendung persönlich angeht und daher in diesem Zusammenhang eine gewisse Wichtigkeit besitzt {vgl. Beck 2006: 11f.}. Konsonant sind Beiträge dann, wenn sie gängigen Vorstellungen und Erwartungen entsprechen {vgl. Wolf 2006: 138}. Der Nachrichtenfaktor Simplizität bezieht sich auf einfach verständliche und wenig komplexe Beiträge in Fernsehnachrichtensendungen. Visualität meint die Verfügbarkeit und die Aussagekraft der Bilder, denen im Medium Fernsehen eine nicht unerhebliche Bedeutung zukommt.

[18] Unter Streaming-Media versteht man die Übertragung komprimierter Video- und Audiodateien über das Internet. Beim Streaming werden die Daten nicht auf einmal heruntergeladen, sondern schubweise im Store-and-Forward-Verfahren. Sie kommen beim Anwender also nicht als fortlaufende Datei an, sondern werden in Puffern kurz zwischengespeichert, was zu Beginn der Übertragung einige Zeitverzögerungen verursacht. Dabei sind sowohl Live-Übertragungen als auch spätere Downloads der Daten möglich.

[19] Im Schnitt klicken User 62 Videos im Monat an {Machill/Zenker 2007: 13}, Männer deutlich häufiger als Frauen {vgl. ebd.: 7; Feierabend 2008: 620}.

[20] Als Hypertext bezeichnet man computerbasierte Informationsysteme, bei denen die einzelnen Angebote (Seiten) durch Links miteinander verbunden sind. Ein Hypertext kann nicht nur Text, sondern alle beliebigen Medienformate enthalten und eignet sich als Verbindungsglied für alle denkbaren Inhalte {vgl. Schweiger 2006: 93f.}.

[21] Für Nachrichtensites produzierte Textbeiträge sind laut Meier i.d.R. deutlich kürzer als in klassischen Medien {Meier 2002: 86f.}. Dies liege insbesondere an der Hypertext-Struktur des World Wide Webs, welche Nutzer zu einer schnellen und permanenten Selektion animieren würde. Die Sprunghaftigkeit des nichtlinearen Erzählens zwinge die Produzenten deshalb quasi dazu, möglichst kurze Informationseinheiten zu konzipieren {ebd.}.

[22] Als Break-Even bezeichnet man in der Wirtschaftswissenschaft den Zeitpunkt, an dem die Erlöse für ein Produkt seine Kosten übersteigen, das Unternehmen also die Gewinnschwelle überschreitet.

[23] IVW steht für Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V..

[24] AGOF steht für Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.V.

[25] Eine Pageimpression misst jeden nutzerinduzierten Abruf einer Internetseite oder eines darin verwobenen Angebotes. Als PageImpression wird zum Beispiel jeder Reload (neuer Aufruf) einer Seite oder jeder Klick durch eine Fotostrecke gewertet. Page Impressions sind ein Indiz dafür, wie intensiv sich ein Nutzer innerhalb einer Seite bewegt {vgl.Wegner 2009}.

Ein Visit hingegen zählt den Besuch einer Seite nur einmal, auch wenn der Nutzer sich munter durch die darauf vertretenen Angebote klickt {vgl. ebd. 2009}.

Unique User meint die spezifischen Nutzer, welche eine bestimmte Seite und ihr Angebot im Monat nutzen. So wird jeder Nutzer (nicht pro Rechner, Unique Client!) monatlich nur einmal gezählt, auch wenn dieser das entsprechende Angebot mehrmals im Monat aufruft. Daraus lässt sich die Netto-Reichweite eines Online-Mediums bestimmen {vgl. Gärtner 2007: 123f.}.

[26] Dabei handelt es sich um eine wöchentliche Videokolumne von und mit „Sprachpapst“ Wolf Schneider.

[27] Als Vlog bezeichnet man ein zumeist wöchentlich aktualisiertes Angebot auf einer Website, welches periodisch neue Einträge als Video enthält. Ein Vlog ist meinungsstark, bunt und personenbezogen - es gleicht daher einem Blog. Das Wort Vlog ist ein Kunstwort aus Video und Blog bzw. Weblog {vgl. Klee 2008: 153f.}.

[28] Die Nachrichtensite wurde 2008 von Zeit.de auf ZEIT Online umbenannt, die Internetadresse ist aber weiterhin zeit.de, da es die Verantwortlichen versäumten, sich rechtzeitig die entsprechende Domain zu sichern. Auch die Nachrichtensite tagesspiegel.de steht unter der Verantwortung des ZEIT-Verlages.

[29] Kooperation statt Konfrontation - im Frühjahr 2008 hatten bereits der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und die Mediengruppe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) eine ähnliche Zusammenarbeit vereinbart. Das WAZ-Portal „DerWesten" bietet seitdem regionale Radio- und Fernsehbeiträge aus dem Fundus des WDR an und zahlt dafür eine Lizenzgebühr. Gegen diese Marktoffensive einer öffentlich­rechtlichen Rundfunkanstalt gab und gibt es große Vorbehalte. Deutschlands Verleger protestieren gegen eine Bewegtbildoffensive, welche mit öffentlichen Gebührengeldern finanziert werde und daher eine Wettbewerbsverzerrung darstelle {vgl. Mischel 2008}.

[30] Konvergenz beschreibt auch die Systemkonkurrenz von öffentlich-rechtlichen und privaten Veranstaltern im dualisierten Rundfunk {vgl. Marcinkowski 2006: 146}. Dieser Konvergenzbegriff steht im Folgenden aber nicht im Zentrum des Interesses.

[31] Im Fall des vollständigen Zusammenwachsens von Medientypen (1+1=1) handelt es sich um substitutive Konvergenz. In diesem Begriff steckt die Annahme, dass ein Medium aufgrund seiner technischen Möglichkeiten die Funktionen eines anderen Mediums allumfassend zu ersetzen vermag.

Details

Seiten
145
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640898183
ISBN (Buch)
9783640898213
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170790
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Journalistik und Kommunikationswissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Web 2.0 Video Bewegtbild Streams SPIEGEL Online SPIEGEL ARD Tagesschau ARD RTL RTL aktuell Kommunikationswissenschaften Medienwissenschaften Neue Medien Journalismus Journalistik Journalismus der zukunft Inhaltsanalyse Medienwirkungsanalyse Qualitatives Leitfadeninterview Internet Netz Online-Videos Bewegtbild Online

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Titel: Bewegtbild auf Nachrichtensites: Neuer Journalismus oder alter Hut?