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Geldpolitik - Allgemeine Erklärungen und spezieller Einsatz in der Praxis

Studienarbeit 2008 24 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis

1. Die Aufgabenstellung

2. Die Europäische Zentralbank

3. Die Aufgaben und Ziele der Europäischen Zentralbank

4. Die Geldschöpfung

5. Die Geldmengenpolitik

6. Das geldpolitische Instrumentarium
6.1. Offenmarktgeschäfte
6.1.1 Hauptrefinanzierungsinstrument
6.1.1.1. Anwendung in der Praxis
6.1.1.2. Beurteilung der Anwendbarkeit
6.1.2 Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte
6.1.2.1. Anwendung in der Praxis
6.1.2.2. Beurteilung der Anwendbarkeit
6.1.3 Feinsteuerungsoperationen
6.1.3.1. Anwendung in der Praxis
6.1.3.2. Beurteilung der Anwendbarkeit
6.1.4 Strukturelle Operationen
6.1.4.1. Anwendung in der Praxis
6.1.4.2. Beurteilung der Anwendbarkeit
6.2. Ständige Fazilitäten
6.2.1 Spitzenrefinanzierungsfazilität
6.2.1.1. Anwendung in der Praxis
6.2.1.2. Beurteilung der Anwendbarkeit
6.2.2 Einlagenfazilität
6.2.2.1. Anwendung in der Praxis
6.2.2.2. Beurteilung der Anwendbarkeit
6.3. Mindestreservepflicht
6.3.3 Anwendung in der Praxis
6.3.4 Beurteilung der Anwendbarkeit

7. Fazit bzw. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Geldmengenabgrenzung

Abbildung 2: Das geldpolitische Instrumentarium der EZB

Abbildung 3: Unterscheidungsmerkmale geldpolitischer Transaktionen

Abbildung 4: Übersicht der Leitzinsen der EZB per 30.12

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Die Aufgabenstellung

Im allgemeinen Teil dieser Arbeit werden die Europäische Zentralbank, die Aufgaben der Europäischen Zentralbank, die Geldmenge bzw. die Geldschöpfung sowie die Geldmengenpolitik dargestellt.

Im zweiten, speziellen Teil dieser Arbeit werden die geldpolitischen Instrumentarien allgemein und anschließend anhand von Praxisbeispielen bzw. Auswirkungen auf die Praxis des Arbeitsgebers des Autors dargestellt.

2. Die Europäische Zentralbank

Seit dem 1. Januar 1999 ist die Europäische Zentralbank (EZB) für die Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet – dem zweitgrößten Wirtschaftsraum der Welt nach den Vereinigten Staaten – verantwortlich.[1] Insgesamt 14 Mitgliedstaaten der EU haben zu diesem Zeitpunkt den Euro als gemeinsame Währung eingeführt. Damit haben diese Mitgliedsstaaten auf ihre nationale monetäre Souveränität verzichtet. Die EZB steht an der Spitze des ESZB.[2] An der EZB sind alle nationalen Notenbanken der EU-Mitgliedsstaaten beteiligt.

Das Entscheidungsgremium der EZB ist der Europäische Zentralbankrat, der sich aus dem sechsköpfigen Direktorium und den an der Währungsunion teilnehmen Zentralbanken zusammensetzt.[3] Die Deutsche Bundesbank ist integraler Bestandteil des ESZB. Sie ist wie alle anderen nationalen Zentralbanken in ihren Ländern für die Umsetzung der geldpolitischen Beschlüsse der EZB in Deutschland verantwortlich.[4]

3. Die Aufgaben und Ziele der Europäischen Zentralbank

Die Aufgaben des ESZB sind im Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft festgelegt. In der Satzung des europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) und der Europäischen Zentralbank (EZB) werden sie im Einzelnen erläutert.[5]

Gemäß Artikel 105 Absatz 2 des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft bestehen die grundlegenden Aufgaben[6] darin,

- die Geldpolitik des Euro-Währungsgebiets festzulegen und auszuführen,
- Devisengeschäfte durchzuführen,
- die offiziellen Währungsreserven der Mitgliedsstaaten zu halten und zu verwalten,
- das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu fördern.

Zu den weiteren Aufgaben zählen:

- Banknoten[7]
- Statistik[8]
- Aufsicht über die Kreditinstitute und Stabilität des Finanzsystems
- Internationale und europäische Zusammenarbeit[9]

Ein großer Teil der Aufgaben wird von diesen nationalen Notenbanken als dem Europäischen Systems der Zentralbanken wahrgenommen.

Das vorrangige Ziel des europäischen Systems der Zentralbanken und damit der EZB ist die Gewährleistung der Preisstabilität. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftpolitik in der Gemeinschaft, um zur Verwirklichung der in Artikel 2 festgelegten Ziele der Gemeinschaft beizutragen.[10] Die Ziele der Union sind ein hohes Beschäftigungsniveau und ein beständiges, nichtinflationäres Wachstum.[11]

Um das Ziel der Preisstabilität zu erreichen, formuliert die EZB einen Orientierungswert für das anzustrebende Geldmengenwachstum[12]. Die Geldmengenentwicklung spielt nach Auffassung der EZB eine herausragende Rolle für die mittel- und langfristige Entwicklung der Inflationsraten. Diese herausragende Rolle ist darin begründet, dass Inflation mittel- bis langfristig ein monetäres Phänomen ist, das aus einem überhöhten Geldmengenwachstum im Vergleich zu den realen Wachstumsmöglichkeiten der Volkswirtschaft resultiert.[13]

4. Die Geldschöpfung

In modernen Volkswirtschaften kann Geld im Sinne von Zahlungsmitteln sowohl von der Zentralbank[14] wie auch von den Geschäftsbanken (als Geschäftsbankengeld) geschaffen werden. Zentralbankgeld entsteht immer dann, wenn die Zentralbank Finanzaktiva wie Wertpapiere oder Devisen aufkauft oder Kredite gewährt, also Geld in den Wirtschaftskreislauf außerhalb des Zentralbankensystems abgibt.[15] Geschäftsbanken können Geldschöpfung entweder über die Passivseite oder die Aktivseite Ihrer Bilanz betreiben. Bei der passiven Geldschöpfung wird die Geldmenge nicht erhöht, sondern ausschließlich Zentralbankgeld in Geschäftsbankengeld umgewandelt. Bei der aktiven Geldschöpfung findet tatsächliche eine Erhöhung der Geldmenge statt. Dies funktioniert dadurch, dass die Banken entweder Finanzaktiva von Nichtbanken ankaufen oder diesen Nichtbanken Kredite gewährt.[16] Der Geldschöpfungsprozess der Geschäftsbanken ist durch die erforderliche Barreserve[17] und die Mindestreserve[18] bei der Zentralbank begrenzt.

Wichtiger Unterschied zwischen der Geldschöpfung durch die Zentralbank und die Geschäftsbanken ist somit, dass die Zentralbank unbegrenzt, die Geschäftsbanken hingegen nur begrenzt Geld schöpfen können.

Die Preisniveaustabilität kann nicht direkt gesteuert werden, deshalb wird eine geldpolitische Strategie, d.h. eine Zwischenzielgröße, an der das geldpolitische Vorgehen ausgerichtet werden kann, benötigt.[19] Diese Strategie wird über die in Kapitel 5 definierte Geldmengenpolitik gelenkt und über die in Kapitel 6 genannten geldpolitischen Instrumentarien umgesetzt.

Durch die Steuerung der Geldschöpfung kann die EZB entscheidenden Einfluss auf das Geldmengenwachstum und damit letztendlich auf die Preisniveaustabilität als ihr oberstes Ziel nehmen.

5. Die Geldmengenpolitik

Der im vorgenannten Kapitel bei den Zielen genannte Referenzwert für das Geldmengenwachstum setzt sich aus 3 Bestandteilen zusammen. Diese 3 Bestandteile sind:

- die Inflationsrate, die noch als mit der Preisstabilität vereinbar angesehen wird (sollte unter 2% betragen)
- der mittelfristige Trend des realen BIP-Wachstums (hier wurden 2% bis 2,5% p.A. veranschlagt)
- die trendmäßige Veränderung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (hier wurde von der EZB ein Korridor von -0,5 bis -1% gewählt)

Addiert man diese drei Elemente, ergibt sich für das Geldmengenwachstum ein Referenzwert von 4,5 bis 5,5% p.A.. Der EZB-Rat beschloss im Dezember 1998 den ersten Referenzwert für 1999 auf der untersten Grenze des Korridors, somit auf 4,5% p.A. festzulegen. Seither wurde dieser Referenzwert nicht mehr verändert.[20]

Die Messung des genannten Referenzwertes erfolgt mit den drei sogenannten Geldmengenaggregaten M1 (eng gefasstes Aggregat), M2 (mittleres Aggregat) und einem weit gefassten Aggregat M3. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Komponenten der einzelnen Geldmengenaggregate.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Geldmengenabgrenzung[21]

Der EZB-Rat beschloss für die Steuerung des im vorstehenden Kapitel dargelegten Korridors von 4,5% p.A. die Geldmenge M3 zugrunde zu legen. M3 deshalb, da diese Referenzgröße von Umschichtungen zwischen Finanzvermögen weniger beeinflusst wird und die Nachfrage nach diesem Aggregat stabiler ist.[22] Des Weiteren haben empirische Studien ergeben, dass die Geldmenge M3 im Zeitverlauf am wenigsten schwankt, einen gewissen zeitlichen Vorlauf besitzt und eine große Parallelität zur Entwicklung der Inflationsrate aufweist.[23]

Zur Steuerung der Geldmengen und zur Einhaltung des definierten Korridors setzt die EZB die in Kapitel 6 dargestellten Instrumentarien ein.

6. Das geldpolitische Instrumentarium

Um die Geldmenge steuern zu können, verfügt die EZB über drei unterschiedliche Arten von geldpolitischen Instrumentarien. Diese Instrumentarien teilen sich in die

- Offenmarktgeschäfte
- Ständige Fazilitäten
- Mindestreservepflicht

auf. Diese einzelnen Instrumentarien unterteilen sich wiederum in verschiedene Einzelmaßnahmen, die in nachfolgender Übersicht zusammengestellt und in den folgenden Kapiteln erläutert sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das geldpolitische Instrumentarium der EZB[24]

Entscheidend ist der richtige Mix der eingesetzten Instrumentarien.

[...]


[1] Homepage der EZB, http://www.ecb.eu/ecb/orga/escb/html/index.de.html

[2] Altmann, Wirtschaftspolitik, Verlag Lucius & Lucius, 8 Auflage, Seite 363

[3] Altmann, Wirtschaftspolitik, Verlag Lucius & Lucius, 8 Auflage, Seite 363

[4] Altmann, Wirtschaftspolitik, Verlag Lucius & Lucius, 8 Auflage, Seite 364

[5] Homepage der EZB, http://www.ecb-eu/ecb/orga/tasks/html/index.de.html

[6] Artikel 105 Absatz 2 des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft

[7] Die EZB hat das ausschließliche Recht, die Ausgabe von Bankkoten innerhalb des Euroraumes zu genehmigen

[8] In Zusammenarbeit mit den nationalen Zentralbanken erhebt die EZB die für die Erfüllung der Aufgaben notwendigen statistischen Daten

[9] Die EZB arbeitet sowohl innerhalb der EU als auch international mit den zuständigen Organen, Einrichtungen und Foren zusammen

[10] Artikel 105 Absatz 1 des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft

[11] Artikel 2 des Vertrages über die Europäische Union

[12] Erläuterungen zum Geldmengenwachstum siehe Kapitel 4 dieser Arbeit

[13] Vollmer, BankColleg, Volkswirtschaft, Kapitel 17 Europäische Geldpolitik, Ausgabe Mai 2008, Seite 8

[14] Im konkreten Fall der Europäischen Währungsunion von der EZB bzw. in ihrem Auftrag von den nationalen Notenbanken

[15] Altmann, Wirtschaftspolitik, Verlag Lucius & Lucius, 8 Auflage, Seite 370

[16] Altmann, Wirtschaftspolitik, Verlag Lucius & Lucius, 8 Auflage, Seite 371

[17] Der Teil der als Bargeldbestand bei den Geschäftsbanken erforderlich ist, da die Kunden sich über die Geschäftsbanken mit Bargeld versorgen

[18] Siehe Kapitel 6.3 dieser Arbeit

[19] Altmann, Wirtschaftspolitik, Verlag Lucius & Lucius, 8 Auflage, Seite 378

[20] Vollmer, BankColleg, Volkswirtschaft, Kapitel 17 Europäische Geldpolitik, Ausgabe Mai 2008, Seite 10

[21] Vollmer, BankColleg, Volkswirtschaft, Kapitel 17 Europäische Geldpolitik, Ausgabe Mai 2008, Seite 11

[22] Vollmer, BankColleg, Volkswirtschaft, Kapitel 17 Europäische Geldpolitik, Ausgabe Mai 2008, Seite 11

[23] Altmann, Wirtschaftspolitik, Verlag Lucius & Lucius, 8 Auflage, Seite 379

[24] Vollmer, BankColleg, Volkswirtschaft, Kapitel 17 Europäische Geldpolitik, Ausgabe Mai 2008, Seite 13

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640899838
ISBN (Buch)
9783640900022
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170876
Institution / Hochschule
Nyugat-magyarországi Egyetem; Westungarische Universität – Fakultät der Wirtschaftswissenschaften
Note
5 Creditpoint von 5 möglichen
Schlagworte
wirtschaftspoltik Geldpolitik

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