Lade Inhalt...

Entscheidungssysteme und Methoden

Entscheidung bei Unsicherheit (Erläuterung und Praxisbeispiel)

Seminararbeit 2009 23 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Vorgehensweise und Praxisbeispiel

3. Die Maximin-Regel
3.1. Definition und Begriffserläuterung
3.2. Wann und wie kann sie in der Praxis angewendet werden
3.3. Wie kann die Einhaltung in der Praxis kontrolliert werden
3.4. Aussagefähigkeit der Ergebnisse in der Praxis

4. Die Maximax-Regel
4.1. Definition und Begriffserläuterung
4.2. Wann und wie kann sie in der Praxis angewendet werden
4.3. Wie kann die Einhaltung in der Praxis kontrolliert werden
4.4. Aussagefähigkeit der Ergebnisse in der Praxis

5. Die Hurwicz-Regel
5.1. Definition und Begriffserläuterung
5.2. Wann und wie kann sie in der Praxis angewendet werden
5.3. Wie kann die Einhaltung in der Praxis kontrolliert werden
5.4. Aussagefähigkeit der Ergebnisse in der Praxis

6. Die Niehans-Savage-Regel
6.1. Definition und Begriffserläuterung
6.2. Wann und wie kann sie in der Praxis angewendet werden
6.3. Wie kann die Einhaltung in der Praxis kontrolliert werden
6.4. Aussagefähigkeit der Ergebnisse in der Praxis

7. Die Laplace-Regel
7.1. Definition und Begriffserläuterung
7.2. Wann und wie kann sie in der Praxis angewendet werden
7.3. Wie kann die Einhaltung in der Praxis kontrolliert werden
7.4. Aussagefähigkeit der Ergebnisse in der Praxis

8. Fazit bzw. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: Matrix der Handlungs-/Ergebnisalternativen

Tabelle 2: Anwendung der Maximin-Regel

Tabelle 3: Anwendung der Maximax-Regel

Tabelle 4: Anwendung der Hurwicz-Regel

Tabelle 5: Anwendung der Savage-Niehans-Regel

Tabelle 6: Anwendung der Laplace-Regel

1. Problemstellung

Alle Entscheidungen, die im Rahmen unternehmerischer Tätigkeit getroffen werden, sind stets mit Unsicherheit verbunden, da unter anderem durch den Zukunftsbezug eine Planungsunsicherheit vorhanden ist. Seit es Unternehmen gibt, arbeiten Unternehmen mit dieser vorhandenen Unsicherheit. Trotz Unsicherheit ist jedoch jeder Unternehmer gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die das Merkmal der unsicheren Erwartungen tragen, sind dadurch gekennzeichnet, dass die Entscheidungsträger zwar die verschiedenen Umweltzustände bzw. Umweltbedingungen kennen, dem Eintritt der verschiedenen Umweltbedingungen aber keine Wahrscheinlichkeit zuordnen können.[1] Dies kann zum Beispiel auch sein, wenn man bewusst auf die Zuordnung einer Wahrscheinlichkeit verzichtet, weil die Gefahr des Irrtums zu hoch ist oder weil man vermeiden möchte, von falschen Wahrscheinlichkeiten des Eintreffens auszugehen. Um diese Entscheidungen trotzdem nicht „blindlings“ treffen zu müssen, hat die Betriebswirtschaftslehre Lösungen für das Problem „Entscheidungen bei Unsicherheit“ entwickelt. Auch wenn sich in der Umgangssprache noch kein einheitlicher Sprachgebrauch entwickelt hat, so unterscheidet die Literatur in der Wissenschaftssprache üblicherweise, je nachdem, ob man Eintrittswahrscheinlichkeiten für die Umweltzustände kennt, zwischen:

A.) Entscheidungen unter Risiko Dem Entscheider sind die von seiner Entscheidung abhängigen Eintrittswahrscheinlichkeiten der Umweltzustände objektiv (z.B. beim Lotto) oder subjektiv (aufgrund von Schätzungen oder von der Extrapolation Vergangenheitswerten) bekannt.
B.) Entscheidungen unter Ungewissheit Dem Entscheider sind nur die von seiner Entscheidung abhängigen möglichen Umweltzustände bekannt. Er kann jedoch keine Aussage über die Wahrscheinlichkeiten treffen, mit denen diese Umweltzustände eintreten werden. [2]

In dieser Arbeit werden die Entscheidungen unter Ungewissheit dargestellt. Die bei dieser Situation vorliegenden Handlungsmöglichkeiten aufgrund der verschiedenen Umweltbedingungen sind vom Entscheider entsprechend dem Nutzen, den sie für ihn haben, bewertet und in einer Entscheidungsmatrix zusammengeführt.[3]

2. Vorgehensweise und Praxisbeispiel

Die verwendeten Entscheidungskriterien werden zunächst erläutert. Im Anschluss wird das jeweilige Kriterium anhand eines Beispiels umgesetzt. Als Beispiel dient folgende Ausgangssituation:

Die Bank hat aus einer Geldanlage eines Kunden einen Betrag von 100.000 Euro mit einer Laufzeit von einem Jahr erhalten. Als Zinssatz wurden mit dem Kunden 3,00% vereinbart. Dieses Geld soll für die Bank möglichst gewinnbringend[4] angelegt werden. Der Autor muss in der Bank nun entscheiden. Er hat die Wahl der Anlage des Geldes für die Bank in den nachfolgenden 3 verschiedenen Alternativen, die entweder als Gesamtbetrag in einer der Alternativen oder als Teilbetrag bei mehreren Alternativen erfolgen kann:

- Alternative A:
Vergabe eines Kundenkredites an einen Kunden
(Zinssatz 4,00%, kalkulierte Rückzahlungsquote bei Eintreten eines Ausfallereignisses = 95%)

- Alternative B:
Kauf eines Wertpapiers eines Emittenten
(Zinssatz 5,00%, kalkulierte Rückzahlungsquote bei Eintreten eines Ausfallereignisses = 90%)

- Alternative C:
Halten des Geldes als Liquidität bei der Deutschen Bundesbank
(Zinssatz 2,00%, kalkulierte Rückzahlungsquote bei = 100%, da kein Ausfall möglich)

Zwischen den oben genannten Handlungsalternativen gibt es keinen direkten Zusammenhang. Alle Alternativen stehen unabhängig nebeneinander, reagieren möglicherweise gleichzeitig und in möglicherweise ähnlicher Weise auf die auftretenden Umweltzustände. Mit welcher Wahrscheinlichkeit dies geschieht wissen wir jedoch nicht, weshalb hier jedes für sich autonom stehen muss.

Aufgrund der derzeitigen Turbulenzen an den weltweiten Geld- und Kapitalmärkten sowie der sich hieraus für die Wirtschaft abzeichnenden negativen Auswirkungen kann für die jetzt anstehende Entscheidung auf die dem Autor aus der Vergangenheit bei „normal“ verlaufenden Märkten vorliegenden Ausfallwahrscheinlichkeiten (Eintreten des Ausfallereignisses) der entsprechenden Anlagen für die Bank derzeit nicht zurückgegriffen werden. Eine Entscheidung unter Risiko ist deshalb wegen der fehlenden Eintrittswahrscheinlichkeiten nicht möglich.

Es sind hinsichtlich der Alternativenauswahl unter Unsicherheit die folgenden 3 theoretischen Umweltzustände bezüglich der Bonitätsveränderung möglich, die hier die Grundlage für eine Entscheidung unter Ungewissheit darstellen:

- die Bonität des Vertragspartners verbessert sich:
Ausfallereignis tritt nicht ein, Rückzahlung der Anlage zu 100%, Zinsen werden bezahlt
- die Bonität des Vertragspartners verschlechtert sich:
Ausfallereignis tritt ein, Rückzahlung der Anlage in Höhe der kalkulierten Rückzahlungsquote, Zinsen werden jedoch bezahlt
- die Bonität des Vertragspartners bleibt unverändert gleich:
Ausfallereignis tritt nicht ein, Rückzahlung der Anlage zu 100%, Zinsen werden vertragsgemäß bezahlt

In der Ergebnismatrix der im Anschluss angewandten Regeln werden die Ergebnisse der Alternativen bei den möglichen Umweltzuständen dargestellt. Der Autor weiß jedoch nicht, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Umweltzustände und damit letztendlich die Ergebnisse eintreten, weshalb er eine Entscheidung unter Ungewissheit treffen muss.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Matrix der Handlungs-/Ergebnisalternativen

Anhand der nachfolgenden Regeln soll herausgefunden werden, welche Alternative sich jeweils als die für die Bank Gewinnbringendste darstellt. Die Darstellung bzw. die Berechnung des Ergebnisses erfolgt mit der Formel (z.B. anhand Kalkulation der Alternative B: Kauf Wertpapier bei Umweltzustand „verschlechtert“):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Berechnung der Ergebnisse wird jeweils die Möglichkeit der Anwendung in der Praxis sowie die Aussagefähigkeit der Ergebnisse für die Praxis untersucht.

3. Die Maximin-Regel

Nachfolgend wird als erste die Maximin-Regel erläutert.

3.1. Definition und Begriffserläuterung

Nach der Maximin-Regel (die nach Abraham Wald auch Wald-Regel genannt wird) ist für die Beurteilung einer Alternative nur der Erfolg maßgeblich, der im ungünstigsten Fall erzielt wird (Mindesterfolg). Bei Beurteilung mehrerer Alternativen ist diejenige zu bevorzugen, die den größten Mindesterfolg aufweist. Die Regel ist von ihrer Tendenz her eher pessimistisch ausgerichtet bzw. angelegt zu sehen, d.h., sie berücksichtigt das ungünstigste Ergebnis. Bei mehreren Alternativen wird das Beste der ungünstigsten Ergebnisse berücksichtigt.[5]

3.2. Wann und wie kann sie in der Praxis angewendet werden

Der Autor muss in der Bank hinsichtlich der zu Eingang beschriebenen Ausgangssituation entscheiden. Es stehen die 3 alternativen Geschäfte bzw. Handlungsalternativen zu den bekannten Kriterien zur Auswahl. Die Regel könnte in der Praxis durch zum Beispiel nachfolgende Tabelle in einem Tabellenkalkulationsprogramm angewandt werden. Auch bei anderen Handlungsszenarien in der Bank könnte analog verfahren werden, um einheitlich in der gesamten Bank zu identischen und nachvollziehbaren Entscheidungen zu gelangen. Bei Anwendung der Maximin-Regel ergibt sich folgendes Ergebnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Anwendung der Maximin-Regel

Nachdem mit Hilfe der jeweiligen Umweltzustände das Zeilenminimum als das ungünstigste Ergebnis (siehe die grüne Spalte in der Tabelle) jeder alternativen Anlage ermittelt wurde, kann anhand des Maximums der Spalte Zeilenminimum (in der obigen Tabelle rot dargestellt) die in diesem Fall gewinnbringendste Anlage als das Ergebnis bei Anwendung der Maximin-Regel abgelesen werden. Die Lösung wäre diejenige Handlungsalternative, die den höchsten Wert (Maximum) aller Minima aufweist, deshalb „Maximin“-Regel.

Nachdem die Rückzahlung der Anlage bei der Alternative „Bundesbank“ auch in dem Fall einer Verschlechterung der Umweltsituation in jedem Fall gegeben ist, wird hier auch im ungünstigsten Fall immer ein positiver Ertrag sowie der höchste Ertrag der jeweiligen Alternative bei der ungünstigsten Umweltsituation erwirtschaftet. Bei Entscheidung aus Unsicherheit muss deshalb diese Wahl getroffen werden.

3.3. Wie kann die Einhaltung in der Praxis kontrolliert werden

Eine Kontrolle bzw. eine Soll-Ist-Abweichung sollte in der Praxis zur Aufrechterhaltung der Effizienz ohne größeren Aufwand erfolgen können. Durch die bereits genannte Anwendung der dargestellten Tabelle in einem Tabellenkalkulationsprogramm könnte die Überwachung durch interne Abteilungen wie z.B. die Qualitätssicherung oder die Innenrevision durch Ausdruck der Tabelle und Ablage bei dem entsprechenden Vorgang bereits durch den Entscheider ohne nennenswerten Aufwand sichergestellt werden. Eine Kontrolle von diesbezüglichen Entscheidungen ist in weiten Bereichen der Bank gesetzlich im Rahmen des 4-Augen-Prinzips vorgeschrieben. So könnte zu jedem Zeitpunkt das maximal mögliche Schadensereignis dargestellt werden, völlig unabhängig von Wahrscheinlichkeiten.

[...]


[1] Wöhe, Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, Verlag Vahlen, 19. Auflage, Seite 164

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidung_unter_Unsicherheit

[3] Bartscher, Entscheidungsorientierte Einführung in die BWL, vhb, Kapitel 13, Seite 5

[4] Gewinnbringend ist hier definiert als der laufende Ertrag (Zinsen) abzüglich der der Bank entstehende Schadens bei eintritt des Ausfallereignisses (100.000 Euro abzgl. kalkulierte Rückzahlungsquote, die sich aufgrund z.B. der vorhandenen Sicherheiten oder gedeckter Zahlungsverpflichtungen ergibt)

[5] Laux, Entscheidungstheorie, Springer Verlag, 7 Auflage, Seite 107

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640899005
ISBN (Buch)
9783640899067
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170884
Institution / Hochschule
Nyugat-magyarországi Egyetem; Westungarische Universität – Fakultät der Wirtschaftswissenschaften
Note
5 Creditpoint von 5 möglichen
Schlagworte
Entscheidungssysteme Entscheidung unter Unsicherheit

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Entscheidungssysteme und Methoden