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Zukunftsfähigkeit der Gesetzlichen Rentenversicherung

Beschreibung und Bewertung diesbezüglicher Reformen

Hausarbeit 2011 29 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Quellenverzeichnis Teil I

Quellenverzeichnis Teil II

Quellenverzeichnis Teil III

Abkürzungsverzeichnis

Vorbemerkung und Eidesstattliche Erklärung

1.0 Einleitung

2.0 Soziale Risiken
2.1 Allgemein
2.2 Risiko Alter

3.0 System der sozialen Sicherung
3.1 Überblick
3.2 Alterssicherungssysteme in Deutschland
3.2.1 Regelsysteme
3.2.2 Betriebliche Altersvorsorge
3.2.3 Private Altersvorsorge
3.2.4 Bedarforientierte Grundsicherung im Alter

4.0 Gesetzliche Rentenversicherung
4.1 Organisation
4.2 Versicherter Personenkreis
4.2.1 Pflichtversicherung
4.2.2 Freiwillige Versicherung
4.3 Finanzierung
4.4 Altersrenten
4.5 Rentenabschläge

5.0 Herausforderungen und Reformen der gesetzlichen 7 Rentenversicherung
5.1 Demografischer Wandel
5.2 Arbeitsmarkt
5.3 Rentenreform 2001
5.3.1 Gesetz über eine bedarfsorientierte 9 Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
5.3.2 Altersvermögensgesetz
5.3.3 Altersvermögensergänzungsgesetz
5.3.4 Bewertung
5.4 Rentenreform 2007
5.4.1 Überblick
5.4.2 Bewertung

6.0 Gesetzliche Rentenversicherung im Vergleich 12 mit dem schwedischen Rentensystem
6.1 Das schwedische Rentensystem
6.2 Vergleich mit dem Deutschem System

7.0 Fazit

Anlage 1: Altersaufbau 1950 Anlage 2: Altersaufbau 2010
Anlage 3: voraussichtlicher Altersaufbau 2060 1.Variante
Anlage 4: voraussichtlicher Altersaufbau 2060 2.Variante
Anlage 5: voraussichtlicher Altersaufbau 2060 3.Variante
Anlage 6: voraussichtlicher Altersaufbau 2060 4.Variante
Anlage 7: Verhältnis Beschäftigte zu Personen im erwerbsfähigen Alter
Anlage 8: Arbeitslosenquoten verteilt nach Altersgruppen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellenverzeichnis Teil I

Prof. Dr. Bäcker, Gerhard et al.: Sozialpolitik und soziale Lage in Deutschland; Band II Gesundheit, Familie, Alter und soziale Dienste; 4. Auflage; Verlag für Sozialwissenschaften; Wiesbaden 2008

Prof. Dr. Bäcker, Gerhard: Rentenversicherung und Alterssicherung, Neuregelungen, 2001, Online im Internet: http://www.sozialpolitik- aktuell.de/id-2001.289.html [16.01.2011]

Prof. Dr. Bäcker et al.: Vierter Monitoring Bericht des Netzwerks für eine gerechte Rente, 2010, DGB et al. (Hrsg.), Online im Internet: ://www.dgb- bestellservice.de/besys_dgb/pdf/DGB25042.pdf

Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Statistik, Online im Internet: http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Startseite/Startseite-Nav.html [16.01.2011]

Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Ältere am Arbeitsmarkt 2010, Stand

November 2010 Online im Internet: http://statistik.arbeitsagentur.de/cae/servlet/contentblob/223654/publicationFi le/103001/Aeltere-am-Arbeitsmarkt-2010.pdf [16.01.2011]

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.): Dieser Sozialstaat steht auf festen Füßen, Online im Internet: http://www.bmas.de/portal/46240/2010__06__18__leyen__sozialstaat.html, [16.01.2011]

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.): Das ändert sich im neuen Jahr, Online im Internet: http://www.bmas.de/portal/50178/, [16.01.2011]

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.): Übersicht über das Sozialrecht, 7.Auflage, BW Bildung und Wissen Verlag, 2010

Bundesregierung: Bericht der Bundesregierung gemäß § 154 Absatz 4 des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch zur Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre, Unterrichtung, BT-Drucksache 17/3814, 17.11.2010

Bundestagsfraktionen SPD/Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Gesetz zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und zur Förderung eines kapitalgedeckten Altersvorsorgevermögens (Altersvermögensgesetz - AVmG), Gesetzentwurf, BT-Drucksache 14/4595, 14.11.2000

Bundestagsfraktionen SPD/CDU/CSU: Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur Stärkung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung (RV- Altersgrenzenanpassungsgesetz, Gesetzentwurf, BT-Drucksache 16/3794, 12.12.2006

Bundestagsfraktion SPD et al.: Chancen für die Teilhabe am Arbeitsleben nutzen - Arbeitsbedingungen verbessern - Rentenzugang flexibilisieren, Antrag, BT-Drucksache 17/3995, 01.12.2010

Bundestagsfraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN et al.: Voraussetzungen für die Rente mit 67 schaffen, Antrag, BT-Drucksache 17/4046, 01.12.2010

Quellenverzeichnis Teil II

Deutsche Rentenversicherung (Hrsg.): Informationen zur Organisationsreform, Online im Internet: http://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/ de/Navigation/Deutsche_RV/unternehmensprofil/Organisationsreform_node. html, Stand 01.10.2010 [16.01.2011]

Deutsche Rentenversicherung (Hrsg.): Versicherungsträger, Online im Internet: http://www.deutsche-

rentenversicherung.de/SharedDocs/de/Navigation/Deutsche_RV/Versicherun gstraeger_node.html, Stand 01.10.2010 [16.01.2011]

Deutsche Rentenversicherung (Hrsg.): Daten 2011 - Statistiken der Deutschen Rentenversicherung, Stand 06.12.2010

Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Regelsätze der Grundsicherung, Online im Internet: http://www.deutsche-rentenversicherung- bund.de/SharedDocs/de/Inhalt/02_Rente/03_leistungen/06_grundsicherung/R egelsaetze.html?nn=37110#doc34296bodyText2, Stand 01.10.2010 [16.01.2011]

Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Wartezeit, Online im Internet: http://www.deutsche-rentenversicherung- bund.de/nn_104600/SharedDocs/de/Inhalt/Servicebereich2/Lexikon/W/warte zeit.html [16.01.2011]

Grill, Wolfgang / Reip, Hubert: Einführung in das Arbeits- und Sozialrecht, Lehrbuch und Aufgabensammlung, 18. Auflage, Bildungsverlag EINS, April 2006 OECD (Hrsg.): Renten auf einen Blick 2009, November 2009, Online im

Internet: http://www.oecd.org/document/4/0,3746,de_34968570_34968855 _38723716_1_1_1_1,00.html

Prof. Dr. Schulin, Bertram/Prof. Dr. Igl, Gerhard: Sozialrecht, 7. Auflage, 2002, Werner Verlag

Schwedisches Gesundheitsministerium (Hrsg.): Die schwedische Altersrente, 24.05.2005, Online im Internet:

http://www.sweden.gov.se/content/1/c6/02/38/13/7488de8d.pdf [16.01.2011] Dr. Standfest, Erich: Mitgliederversammlung am 15. Mai 2001 in Berlin, Bericht des Vorstandsvorsitzenden des VDR, Online im Internet: http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/28422/ publicationFile/12966/Standfest2_Anlage_1.pdf [16.01.2011]

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung nach Altersgruppen, Online im Internet: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/ DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/LangeReihen/Bevoelkerung/Content100/lr bev01ga,templateId=renderPrint.psml, Stand 09.11.2010 [16.01.2011]

Quellenverzeichnis Teil III

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): 12. koordinierte

Bevölkerungsvorausberechnung, Online im Internet: http://www.destatis.de/bevoelkerungspyramide/, Stand 2009 [16.01.2011]

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Was beschreibt die ILO-

Arbeitsmarktstatistik?, Online im Internet:

http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content /Statistiken/Arbeitsmarkt/ILOArbeitsmarktstatistik/Content75/ILOArbeitsma rktInfo,templateId=renderPrint.psml [16.01.2011]

Vorbemerkung

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde in der Regel die männliche Schreibweise verwendet. An dieser Stelle wird darauf hin gewiesen dass sowohl die männliche als auch die weibliche Schreibweise für die entsprechenden Abschnitte gemeint sind

1. Einleitung

„Dieser Sozialstaat steht auf festen Füßen“1, so analysiert die Bundesministerin für Arbeit und Soziales (BMAS), Frau von der Leyen, die aktuelle finanzielle Lage der Sozialversicherungssysteme, anlässlich einer Rede am 18.06.2010 im Deutschen Bundestag. Sozialversicherungssysteme sollen die Versicherten vor bestimmten sozialen Risiken absichern. Durch Reformen versucht die Politik in Deutschland, die Systeme der sozialen Sicherung, zukunftsfähig zu machen. In dieser Hausarbeit werden anhand des sozialen Risikos „Alter“, verschiedene Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung beschrieben und auf die Geeignetheit zur Bewältigung der sozialen, finanziellen und demografischen Herausforderungen, bewertet. Des Weiteren wird die Gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland mit dem Rentensystem in Schweden verglichen und geprüft, ob dieses System Alternativen für das deutsche System bietet.

2. Soziale Risiken

2.1. Allgemein

In der heutigen Gesellschaft wird der Lebensunterhalt überwiegend durch die eigene Arbeitskraft gesichert. Folglich bedeutet der Verlust der Arbeitsfähigkeit eine Bedrohung der Existenz, da keine finanziellen Mittel für die Lebensführung zu Verfügung stehen. Die Existenz des Individuums ist durch verschiedene Risiken, wie Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Arbeitslosigkeit gefährdet.

2.2. Risiko Alter

Das Alter stellt ebenfalls ein existenzielles Risiko dar. Das Hauptproblem im Alter ist die Aufgab der beruflichen Tätigkeit. Damit entfallen zum einen ein zentraler Lebensabschnitt und zum anderen das Arbeitsentgelt, welches für die Lebensführung essentiell ist. Um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, ist für ältere Menschen ein Einkommen notwendig, welches nicht vom Faktor Arbeit abhängt. Des Weiteren sind finanzielle Mittel für ein selbstständiges und selbstbestimmendes Leben nötig, um z.B. die Wohn- und Lebenskosten zu decken.2

3. System der sozialen Sicherung

3.1. Überblick

Laut Art. 1 GG „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ Aus dem Sozialstaatsprinzip geht hervor, das der Staat für eine gerechte Sozialordnung und die Absicherung der sozialen Risiken zu sorgen hat. Zur Ausführung dieses Verfassungsauftrags werden den Bürgern Sozialleistungen gewährt. Im System der Sozialversicherung werden Teile der Sozialleistungen erbracht. Aufgabe dieser ist es die Versichertengemeinschaft gegen soziale Risiken abzusichern.3

3.2. Alterssicherungssysteme in Deutschland

Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Alterssicherungssysteme in Deutschland entwickelt, um das Risiko Altersarmut zu verhindern. Diese Systeme lassen sich in vier Säulen unterteilen:4

3.2.1. Regelsysteme

Die „Regelsysteme“ bilden die erste Säule der Alterssicherung in Deutschland und umfassen alle Pflichtversicherten Bevölkerungsgruppen. Hierzu zählt die Gruppe der Arbeitnehmer in der Gesetzlichen Rentenversicherung, die Alterssicherung für Beamte und die Alterssicherung für spezifische Personengruppen, wie z.B. die Künstlersozialversicherung oder die Alterssicherung der für Landwirte. Selbstständige haben die Möglichkeit sich freiwillig im Regelsystem zu versichern.

3.2.2. Betriebliche Altersvorsorge

Die zweite Säule umfasst alle Vereinbarungen über Leistungen der Altersvorsorge zwischen Unternehmen und Mitarbeitern. Die betriebliche Altersvorsorge ist eine freiwillig abgeschlossene Vereinbarung. Es gibt aber zudem die Möglichkeit über einen Tarifvertrag zu regeln, dass eine Altersvorsorge für alle Beschäftigten gewährt wird. Dies wurde z.B. im öffentlichen Dienst des Bundes per Tarifvertrag für alle Arbeitnehmer so vereinbart und wird Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst genannt.5

3.2.3. Private Altersvorsorge

Die dritte Säule umfasst die private Altersvorsorge.6 Jeder Bürger in Deutschland hat die Möglichkeit sich freiwillig über eine private Versicherung gegen das Risiko Alter abzusichern. Die private Altersvorsorge ist ein rein kapitalgedecktes System. Folglich muss jeder, der aus der privaten Vorsorge, Leistungen beziehen möchte, vorher ein bestimmtes Kapital angespart haben. Dies kann z.B. durch eine Lebensversicherung geschehen bei der eingezahlte Beiträge die Grundlage für die Leistungen bilden. Zu dem gibt es die Möglichkeit durch Sparen (Banksparpläne, Wertpapiere, Fonds etc.) sich für die Zukunft abzusichern. Einige private Vorsorgen werden staatlich gefördert, wie z.B. die Riesterrente, auf die im Kapitel 5.3 näher eingegangen wird.

3.2.4. Bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter

Die vierte Säule umfasst die Grundsicherung im Alter.7 Im Alter kann es passieren das Versicherte aufgrund einer zu geringen Rente oder weil sie keinen sonstigen Rentenanspruch haben, unter die Grundsicherung fallen. Die Rente beträgt 359 Euro8 im Monat In diesem Fall haben Personen, die z.B. das 65. Lebensjahr vollendet haben, Anspruch auf die Grundsicherung und Unterkunftskosten gem. §

42 Sozialgesetzbuch (SGB) Zwölftes Buch (XII). Die Unterscheidung zwischen Rentnern und Arbeitslosen, die auf eine Grundsicherung angewiesen sind, wurde erst im Jahr 2005 eingeführt. Bis zum 31.12.2004 gab es für alle Hilfebedürftigen Personen das Bundessozialhilfegesetz. In früheren Zeiten machten alte Menschen Sozialhilfeansprüche nicht geltend, weil sie befürchten, dass der Unterhalt dann von ihren Kindern gezahlt werden muss. Das ist eine wichtige Ursache für verschämte Altersarmut. Mit Einführung der „Grundsicherung im Alter“ ist der Rückgriff auf die Kinder grundsätzlich nicht mehr möglich.9 10

4. Gesetzliche Rentenversicherung (GRV)

4.1. Organisation

Seit dem 01.10.2005 (Änderung durch die Organisationsreform) treten die Rentenversicherungsträger unter dem gemeinsamen Dach der Deutschen Rentenversicherung (DRV) auf.11 Die bisherigen Träger hängen ihren Träger- Namen an die „Deutsche Rentenversicherung“ an. Sie gliedert sich in zwei Bundesträger: DRV Bund und DRV Knappschaft-Bahn-See (KBS) sowie in 14 Landesträger: DRV Baden-Württemberg, Bayern Süd, Berlin-Brandenburg, Braunschweig-Hannover, Hessen, Mitteldeutschland, Nord, Nordbayern, Oldenburg-Bremen, Rheinland, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schwaben und DRV Westfalen.12 Dabei soll der Träger DRV Bund 40 %, der Träger DRV KBS 5 % und alle übrigen Landesträger zusammen 55 % aller Versicherten betreuen. Die DRV Bund vertritt des Weiteren die Deutsche Rentenversicherung in ihrer Gesamtheit nach außen und ist für fachliche Grundsatzfragen zuständig.13

4.2. Versicherter Personenkreis

Wenn man die Altersgruppe über 60 Jahre (möglicher Rentenbezug) aus der Bevölkerung in Deutschland (81,80 Mio. zum 31.12.200914 ) herausrechnet, so waren von den rund 60 Millionen Bürgern unter 60 Jahren15, rund 58 % (35,12 Mio.16 ) in der GRV aktiv17 versichert.

4.2.1. Pflichtversicherung

Insgesamt waren zum 31.12.2009 ca. 31,2 Mio.18. Personen in der DRV pflichtversichert. Die größte Gruppe bilden hierbei die versicherungspflichtigen Beschäftigten mit rund 26,25 Mio.19. Versicherten. Dabei sind alle Arbeitnehmer in Deutschland pflichtversichert, die ein Entgelt beziehen oder die sich in einer Ausbildung befinden. Neben den versicherungspflichtigen Beschäftigten sind Personen in geringfügigen Beschäftigungen, im Wehr- und Zivildienst, Leistungsempfänger nach dem SGB II und SGB III, Pflegepersonen und Personen, die sich in Kindererziehungszeiten befinden, pflichtversichert. Selbstständige, wie Handwerker, Künstler/Publizisten und sonstige Gruppen sind ebenfalls verpflichtet, sich in der DRV zu versichern.

4.2.2. Freiwillige Versicherung

Neben den Pflichtversicherten können sich bestimmte Gruppen freiwillig versichern. Hierzu zählen alle Personengruppen, die nicht pflichtversichert sind und nicht durch andere Versorgungssysteme abgesichert sind. Unter anderem sind hier die übrigen Selbstständigen zu nennen.

4.3. Finanzierung

Die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung erfolgt durch ein Umlageverfahren. Die derzeit Erwerbstätigen finanzieren die Renten der Leistungsbezieher. Die Beiträge werden durch die Versicherten direkt an die Rentner ausgezahlt. Durch die Einzahlung von Beiträgen erwerben die Versicherten zugleich einen Anspruch darauf, dass ihre eigenen Renten in der Zukunft von den dann aktiven Erwerbstätigen finanziert werden. Somit finanzieren die Erwerbstätigen nie ihre eigenen Renten, sondern immer die der vorherigen Generationen. Dieses Verfahren wird deshalb Generationenvertrag genannt. Der aktuelle Beitragssatz beläuft sich auf 19,9 % des regelmäßigen Bruttoeinkommens. Dabei tragen der Beschäftigte und der Arbeitgeber jeweils 50 % des Beitrags. Die Beiträge werden jedoch nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze entrichtet. Diese beträgt in 2011 monatlich 5500 Euro20 in den alten und 480021 in den neuen Bundesländern. Wenn ein Versicherter 6000 Euro pro Monat verdient, wird der Beitrag folglich nur mit einem Gehalt von 5500 Euro bemessen. Neben den reinen Beiträgen finanziert sich die DRV aus Steuerzuschüssen des Bundes. Dies wird mit den gesellschaftspolitischen Aufgaben der DRV begründet, wie z.B. Altlasten aus der Deutschen Wiedervereinigung.22 Im Jahr 2010 betrug der Bundeszuschuss rund 57,33 Mrd. Euro23. Damit beteiligt sich der Bund mit 23,98 % an den Gesamtausgaben der DRV24.

4.4. Altersrenten

Der Beginn der Altersrenten hängt von der vom Versicherten gewählten Rentenart ab. Versicherte, die das 65. Lebensjahr vollendet haben und eine Wartezeit von grundsätzlich 5 Jahren erfüllen, haben Anspruch auf die Regelaltersrente. Die Regelaltersgrenze wird ab dem Jahr 2012 stufenweise auf 67 Jahren erhöht25. Wer das 63. Lebensjahr vollendet hat und eine Wartezeit26 von 35 Jahren erfüllt, hat Anspruch auf eine Altersrente für langjährig Versicherte. Neben diesen beiden Arten von Altersrenten gibt es noch Altersrenten für bestimmte Personengruppen, wie z.B. für schwerbehinderte Menschen, für Arbeitslose sowie die vor dem 01.01.1952 geborenen Frauen.27

4.5. Rentenabschläge

Wenn ein Versicherter eine Altersrente vor dem Erreichen des 65. Lebensjahr in Anspruch nimmt (Altersrente für Langjährig Versicherte, Altersrenten für Frauen, Arbeitslose) oder Schwerbehinderte vor dem Erreichen des 63. Lebensjahr, wird der Zugangsfaktor um 0,003 Punkte je Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme der Rente gemindert.28

5. Herausforderungen und Reformen der gesetzlichen

Rentenversicherung

Die Finanzierung der DRV hängt von dem Verhältnis ihrer laufenden Einnahmen und Ausgaben ab. Hierbei wird sie seit Jahren mit Problemen konfrontiert. Im Folgenden werden die Faktoren, welche für die Finanzierungsproblematik ursächlich sind erörtert.

5.1. Demografischer Wandel

Mit dem demografischen Wandel wird die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur beschrieben. Nach dieser Entwicklung nimmt in Deutschland die Zahl der Erwerbstätigen (ab 15 Jahre) immer weiter ab und Zahl der älteren Bevölkerung (ab 65 Jahre) immer weiter zu. Die Zahl der Erwerbstätigen lag 1950 noch bei 67%29 der Bevölkerung, die der Älteren bei 10 %30, Heute liegen die Erwerbstätigen bei 66 %31 und die Älteren bei 21 %32. Nach Berechnungen des statistischen Bundesamtes (die Zahlen variieren je nach der Geburtenrate, Zuwanderungsrate und erwarteter Lebensdauer) sinkt die Zahl der Erwerbstätigen bis zum Jahr 2060 auf 53 bis 56 %33 und die Zahl der Älteren steigt auf 31 bis 38 %34. Folge dieser Entwicklung ist, dass immer weniger Erwerbsfähige die Renten von immer mehr älteren Menschen tragen müssen.

[...]


1 BMAS (Hrsg.), http://www.bmas.de/portal/46240/2010__06__18__leyen__sozialstaat.html [17.06.2010] zit. nach U. von der Leyen, Rede am 18.06.2010 im Deutschen Bundestag

2 Vgl. Bäcker et al., Sozialpolitik und Soziale Lage in Deutschland Band 2, 2008, S. 354 f.

3 Vgl. Grill et al., Einführung in das Arbeits- und Sozialrecht, 2006, S. 90 ff.

4 Vgl. Bäcker, a.a.O., 2008, S. 390 f.

5 Vgl. Bäcker, a.a.O., 2008, S. 390 f.

6 Ebd.

7 Ebd.

8 DRV Bund (Hrsg.), http://www.deutsche-rentenversicherung-bund.de/SharedDocs/de/ Inhalt/02_Rente/03_leistungen/06_grundsicherung/Regelsaetze.html? nn=37110#doc34296bodyText2, [01.10.2010]

9 Vgl. Bäcker et al., Sozialpolitik und Soziale Lage in Deutschland Band 2, 2008, S. 390 f.

10 Prof. Dr. Bäcker, http://www.sozialpolitik-aktuell.de/id-2001.289.html

11 DRV (Hrsg.), http://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/de/Navigation/ Deutsche_RV/unternehmensprofil/Organisationsreform_node.html [01.10.2010]

12 DRV (Hrsg.), http://www.deutsche- rentenversicherung.de/SharedDocs/de/Navigation/Deutsche _RV/Versicherungstraeger_node.html, [01.10.2010]

13 Vgl. Bäcker, a.a.O., 2008, S. 447 f.

14 Statistisches Bundesamt (Hrsg.), http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/ Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/LangeReihen/Bevoelkerung/Content100/lrbev01 ga,templateId=renderPrint.psml, [Stand: 09.11.2010]

15 Eigene Berechnung nach Angaben des Statistischen Bundesamtes

16 DRV (Hrsg.), Aktuelle Daten 2011 - Statistiken der Deutschen Rentenversicherung, Stand 06.12.2010

17 Unter Aktiv Versicherte werden alle Personen verstanden, die in dem Berichtsjahr wenigstens einen Beitrag geleistet haben.

18 Ebd.

19 Ebd.

20 BMAS (Hrsg.), http://www.bmas.de/portal/50178/, [22.12.2010]

21 Ebd.

22 Vgl. Bäcker, a.a.O., 2008, S. 444 f.

23 DRV (Hrsg.), a.a.O., Stand 06.12.2010

24 Gesamtausgaben der DRV im Jahr 2009: 239 Mrd. Euro nach Angaben der DRV

25 Näheres hierzu in Kapitel 5.4

26 Als Wartezeit wird die Mindestversicherungszeit genannt. Vgl. http://www.deutsche- rentenversicherung-bund.de/nn_104600/SharedDocs/de/Inhalt/Servicebereich2/Lexikon/W/ wartezeit.html

27 BMAS (Hrsg.), a.a.O., 2010, S. 318 ff.

28 BMAS (Hrsg.), a.a.O., 2010, S. 318 ff.

29 Nach Angaben des statistischen Bundesamtes, vgl. Anlage 1

30 Ebd.

31 Nach Angaben des statistischen Bundesamtes, vgl. Anlage 2

32 Ebd.

33 Vorausberechnungen des statistischen Bundesamtes, vgl. Anlage 3-6

34 Ebd.

Details

Seiten
29
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640900893
Dateigröße
751 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171075
Institution / Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Hennef
Note
1,0
Schlagworte
Gesetzliche Rentenversicherung demografischer Wandel soziale Sicherung Sozialversicherung Reformen

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