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Einkommensteuerrechtliche Behandlung von Alterseinkünften

Die Auswirkungen des AltEinkG

Fachbuch 2011 56 Seiten

Jura - Steuerrecht

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Aktuelle Situation
1.2 Fragen rund um die Altersvorsorge
1.3 Erkenntnisinteresse
1.4 Methodisches Vorgehen und Aufbau der Kapitel

2 Altersvorsorge im Wandel
2.1 Historische Betrachtung der Rentenbesteuerung
2.2 Altersvorsorge in der Vergangenheit
2.3 Drei – Säulen – Modell versus Drei – Schichten – Modell
2.3.1 Das Drei – Säulen – Modell
2.3.1.1 Gesetzliche Rentenversicherung
2.3.1.2 Betriebliche Altersvorsorge
2.3.1.3 Private Altersvorsorge
2.3.2 Das Drei – Schichten – Modell
2.3.2.1 Basisversorgung
2.3.2.2 Kapitalgedeckte Zusatzvorsorge und betriebliche Altersvorsorge
2.3.2.3 Kapitallebens- und sonstige private Rentenversicherungen

3 Reform der Besteuerung der Alterseinkünfte
3.1 Steuerliche Behandlung von Alterseinkünften bis
3.2 Neuregelungen nach dem Alterseinkünftegesetz
3.2.1 Besteuerung der Basisvorsorge
3.2.2 Besteuerung der kapitalgedeckten Zusatzvorsorge am Riestermodell
3.2.3 Besteuerung Kapitallebens- und sonstige Rentenversicherungen

4 Transformation des AltEinkG in die Praxis – im Vergleich Rentner – Pensionär
4.1 Abzugsfähigkeit der Beiträge zur Rentenversicherung
4.2 Betrachtung der gesetzlichen Regelungen bis

5 Besteuerung der Alterseinkünfte in Beispielen

6 Private Altersvorsorge als Muss

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Zielsystem der Arbeit

Abbildung 2 Konzeption der Arbeit

Abbildung 3 Drei – Säulen – Modell

Abbildung 4 Drei – Schichten - Modell

Abbildung 5 Tabelle Besteuerungsanteil

Abbildung 6 Angleichung der Renten- und Pensionsbesteuerung

Abbildung 7 Steuerpflichtiger Anteil der Rente

Abkürzungsverzeichnis

Sehr geehrte Damen und Herren, da es sich um eine reine Facharbeit handelt und die in dieser Arbeit verwendeten Abkürzungen gängig und zudem im Text abgleitet sind, verzichte ich auf ein zusätzliches Abkürzungsverzeichnis zumal ich auch sonstige Abkürzungen nicht oder kaum verwendet habe.

1 Einleitung

1.1 Aktuelle Situation

„Rentner müssen Steuernachzahlungen befürchten. Seit 2005 ausgezahlte Renten werden jetzt rückwirkend auf einen Schlag ans Finanzamt gemeldet.“[1] Diese oder ähnliche Schlagzeilen verunsichern die Rentner seit Ende 2009 bis heute zunehmend.

Mit dem Alterseinkünftegesetz vom 5. Juli 2004 hat der Gesetzgeber auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 6. März 2002 reagiert. Die Richter hatten festgestellt, dass die unterschiedliche Besteuerung von Rentnern und Pensionären nicht mit dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes vereinbar ist. Die entscheidende Neuregelung durch das Alterseinkünftegesetz bedeutet für den Rentner, dass deren Bezüge nach und nach - Neurentnerjahrgang für Neurentnerjahrgang (Kohorte) steuerpflichtig werden. Dafür werden die während des Berufslebens in die Altersvorsorge eingezahlten Beiträge für jeden Erwerbstätigen Schritt für Schritt von der Einkommensteuer freigestellt. Zugleich haben sich die steuerlichen Rahmenbedingungen für die betriebliche Altersversorgung verbessert. Das Alterseinkünftegesetz hat zudem die Kapitallebensversicherung als eine besondere Art der Vermögensbildung ab dem 1. Januar 2005 korrekt eingeordnet.

Diese Verunsicherung ist bei Rentnern und denen die es in nächster Zukunft werden deshalb so groß, weil es Ängste hinsichtlich der Besteuerung und gegebenenfalls anfallende Nachzahlung gibt. Aber im gleichen Maße ist das Interesse an Möglichkeiten oder gar Chancen gestiegen. Um diese deutlich werden zu lassen muss zunächst klar gestellt werden, wie die Renten ab dem 1. Januar 2005 besteuert werden.

Der Besteuerungsanteil beträgt für bereits bestehende Renten und 2005 beginnende Renten 50 %. Bei Renten die 2006 beginnen, steigt der Besteuerungsanteil bis zum Jahr 2020 schrittweise um 2 % Punkte jährlich an und danach um 1 % Punkt jährlich auf 100 % ab 2040. Der steuerfrei bleibende Teil der Rente wird für jeden Rentenbezieher im Jahr des Rentenbeginns als persönlicher Rentenfreibetrag für die gesamte Laufzeit der Rente festgeschrieben.

Anders als die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden Renten aus privaten Rentenversicherung seit 2005 weiterhin mit dem günstigeren Ertragsanteil besteuert (§ 22 Nr. 1 Satz 3 BstB. A Doppelbstb. bb EStG).[2] Das liegt daran, dass die Beiträge zu solchen Versicherungen nicht (mehr) steuerlich absetzbar sind und es auch keinen steuerfreien Arbeitgeberanteil gibt wie etwa bei der gesetzlichen Rente, also müssen die Beiträge aus versteuertem Einkommen gezahlt werden. Der Ertragsanteil ist der im Rentenbetrag enthaltene Zinsanteil.

Einen besonderen Status hat die Besteuerung der Riester – Rente. Während der Ansparphase werden Erträge nicht besteuert. In der Auszahlungsphase sind Rentenzahlungen aus mit Zulage oder Sonderausgabenabzug geförderten Altersvorsorgebeiträgen im vollen Umfang als sonstige Einkünfte zu versteuern. (nachgelagerte Besteuerung gemäß § 22 Nr. 5 Satz 1 EStG)

Die Rentenauszahlungen aus nicht geförderten Altersvorsorgebeiträgen werden nur mit dem Ertragsanteil besteuert (§ 22 Nr. 5 Satz 2 BBstb. A EstG). Eine einmalige Kapitalauszahlung wird wie bei einer Kapitallebensversicherung besteuert (§ 22 Nr. 5 Satz 2 Bstb. A EStG).

1.2 Fragen rund um die Altersvorsorge

Vermehrt kommen seit Oktober 2009 Fragen bei Rentnern auf. Muss der Rentner sein Einkommen versteuern ist da die Kernfrage. Wie werden Altersvorsorgeaufwendungen und Altersbezüge steuerlich behandelt? Neben der historischen Betrachtung der Altersvorsorge soll diese Arbeit vor allem klare Antworten auf diese Fragen der Betroffenen geben. Welche Veränderungen es seit 2005 gegeben hat und welche Bedeutung es für den Einzelnen haben kann. Das AltEinkG wurde bisher zumeist allenfalls erläutert. An einem umfassenden Beispiel im Vergleich Rentner und Pensionär mit Beginn des Altersruhegeldes vor 2005 und Bezieher eines solchen nach Einführung des AltEinkG mit weitreichenden Aufwendungen für die Altersvorsorge soll diese Arbeit die Auswirkungen des Alterseinkünftegesetzes analysieren und zudem einen prägnanten Überblick der Besteuerung vor allem von Alterseinkünften geben.

1.3 Erkenntnisinteresse

Die nachfolgende Abbildung (Abb. 1) veranschaulicht das Zielsystem der Arbeit unter Beachtung der Erkenntnisebenen der zuvor formulierten Fragen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zielsystem der Arbeit (Quelle: Eigene Darstellung)

1.4 Methodisches Vorgehen und Aufbau der Kapitel

Anhand der folgenden Abbildung (Abb. 2) wird der strukturelle und inhaltliche Aufbau der Kapitel als Gesamtsystem veranschaulicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Konzeption der Arbeit (Quelle: Eigene Darstellung)

2 Altersvorsorge im Wandel

Wie in fast allen Ländern der Welt steigt die Lebenserwartung in Deutschland. Damit auch die Sorge um die Vorsorge im Alter. Die gesetzliche Rentenversicherung wird zur Sicherung des Lebensstandards im Alter nicht mehr ausreichen.

2.1 Historische Betrachtung der Rentenbesteuerung

Die volle Besteuerung von Renten entsprach der ursprünglichen Vorstellung des Gesetzgebers bei Schaffung des preußischen EStG (1891) und war auch noch in den Reichseinkommensteuergesetzen enthalten. Zwar gab es von Anfang an die Diskussion, ob die periodisch wiederkehrende Rückzahlung von Kapital, also die Auflösung des angesparten Vermögensstamms, überhaupt steuerbar sein sollte. Vorherrschend war jedoch die formale Sichtweise, dass der regelmäßige Zufluss von Versorgungsbezügen die aktuelle Leistungsfähigkeit des Empfängers erhöhe. In zwei Grundsatzurteilen vertrat der BFH im Jahre 1952 erstmals die Auffassung, dass bei privaten Veräußerungsrenten

eine Steuerbarkeit nur insoweit gegeben sei, als die Einnahmen den Wert des veräußerten Gegenstands überstiegen.[3] Die geänderte Rechtsprechung hatte Auswirkung auf die Dogmatik der steuerlichen Einordnung der Leibrenten insgesamt, so dass der BFH mit Rücksicht auf die weittragende rechtliche Bedeutung der Frage eine Neuregelung der Rentenbesteuerung durch Gesetz für wünschenswert hielt. 1954 griff der Gesetzgeber die Anregung des Gerichts auf und trennte in der Neuregelung des § 22 Nr. 1 S. 3 EStG den Kapitalrückzahlungsanteil von den Erträgen aus dem Rentenrecht. Ertrag des Rentenrechts (Stammrechts) war der Unterschied zwischen dem Jahresbetrag und dem Kapitalrückzahlungsanteil. Als Kapitalrückzahlungsanteil galt der Betrag, der sich bei gleichmäßiger Verteilung des Kapitalwerts der Rente auf die Laufzeit der Rente für ein Jahr ergab. Um diesen Ansatz praktikabel zu machen, wurde in § 22 Nr. 1 EStG eine Tabelle aufgenommen, aus welcher der Ertrag des Rentenrechts, also der Ertragsanteil, abgelesen werden konnte.[4] Seit dem EStG 1955 wird die Leibrente somit in einen steuerpflichtigen Ertrag des Rentenrechts und in einen steuerfreien Rentenstamm (Rückzahlung aus angesammeltem Kapital)[5] aufgeteilt.

Rentenbeiträge in der aktiven Erwerbszeit wurden schon im preußischen EStG (1891)im Rahmen eines betragsmäßig begrenzten Sonderausgabenabzugs zum Abzug zugelassen, diese steuerliche Behandlung wurde in den nachfolgenden Kodifizierungen des EStG beibehalten.[6]

Die Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Rentenversicherung wurden und werden auch heute als nicht steuerbar angesehen, da der Arbeitgeber damit eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung erfüllt und nicht die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers vergütet.[7] Deshalb hat die von § 3 Nr. 62 EStG vorgesehene Steuerbefreiung insoweit auch nur deklaratorische Bedeutung.[8] Diese Situation, dass der Aufbau des Rentenstammrechts teilweise steuerfrei erfolgen konnte, mit der Folge, dass Rentenzahlungen steuerfreie Teile enthalten, während Pensionszahlungen als nachträglicher Arbeitslohn voll zu versteuern waren (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG), führte zu verfassungsrechtlichen Problemen, da im Bereich der Versorgungsbezüge aufgrund des teilweise steuerfrei gebildeten Rentenstammrechts voll zu besteuernde Pensionen nicht voll steuerlich erfassten Rentenzahlungen gleichheitswidrig gegenüberstanden. Der Gesetzgeber versuchte zunächst die steuerliche Ungleichbehandlung von Sozialversicherungsrenten und Pensionen dadurch auszugleichen, dass er für Pensionen (und andere Versorgungsbezüge) 1966 einen Versorgungsfreibetrag in Höhe von 25 % der Versorgungsbezüge, höchstens jedoch 2400 DM, einführte (damals § 19 Abs. 3 EStG). 1974 wurde der Betrag auf 40 % der Versorgungsbezüge, höchstens jedoch 4800 DM, erhöht, dieser Betrag wurde im Jahre 1994 erneut auf 6000 DM angehoben.[9] Die Einführung des Versorgungsfreibetrags war von vornherein umstritten, da ein Systemmangel (unvollständige Erfassung der Renten) mit einer weiteren Privilegierung

zu kompensieren versucht wurde. Erst durch die Entscheidung des BVerfG vom 6. 3. 2002 wurde der Weg zu einer grundlegenden Umgestaltung der Besteuerung der Alterseinkünfte frei gemacht. Das Bundesverfassungsgericht verpflichtete den Gesetzgeber, spätestens mit Wirkung zum 01. 01. 2005 eine verfassungskonforme Neuregelung zu treffen. Die Bundesregierung setzte daraufhin eine Sachverständigenkommission ein, die Vorschläge zur Neuregelung basierend

auf dem Grundgedanken der nachgelagerten Besteuerung erarbeitet hat.[10] Durch das

Alterseinkünftegesetz vom 05. 07. 2004 wurde der Systemwechsel mit Wirkung zum

01. 01. 2005 vollzogen. Diesem Systemwechsel sind viele Prozesse und notwendige Veränderungen in der Altersvorsorge vorausgegangen.

2.2 Altersvorsorge in der Vergangenheit

Bis zur Einführung der gesetzlichen Rentenversicherung unter Otto von Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts war die Altersversorgung reine Privatsache. Das hieß in der Praxis: Industriearbeiter waren lebenslang erwerbstätig. Auf dem Land hingegen war der Hoferbe verpflichtet, für die alten Eltern zu sorgen. Die zogen sich aufs Altenteil zurück und erhielten von den Nachkommen gemäß einem Altenteilervertrag eine Versorgung in Naturalien. Wohlhabende Bürger nutzten zudem die Möglichkeit des so genannten Rentenkaufs. Dabei überließ der Grundherr einem Bürger ein Grundstück, im Gegenzug entrichtete der ihm eine regelmäßige Rente. In den Städten, wo die Geldwirtschaft Einzug gehalten hatte, gab es schon früh Geldformen der Altersversorgung. Wohlhabende Bürger, die sich den Ruhestand leisten konnten und finanzielle Mittel zum Leben im Alter wünschten, konnten sich schon seit dem Mittelalter eine lebenslange Rente kaufen, die so genannte Leibrente oder Rente auf Lebenszeit. Die ersten echten Leibrentenverträge gab es in deutschen Städten schon seit dem 13.Jahrhundert. Weil das Risiko einer lebenslangen Rentenzahlung für einen einzelnen Gläubiger erheblich war, wurden schon damals Leibrenten meist nur von größeren Institutionen ausgezahlt. Damit ließ sich das Risiko, dass ein Rentner sehr lange lebte, ausgleichen durch andere, die früher starben. Viele Städte finanzierten den Bau ihres Rathauses, indem sie gegen die Zusage von Renten auf Lebenszeit Kapital einsammelten. Bürger stifteten Klöstern und Spitälern ihr Land und erhielten dafür lebenslange Unterhaltszahlungen. So richtig los ging das Geschäft mit den Leibrenten dann mit dem Finanzbedarf der großen Staaten im 18. Jahrhundert. Damals begann die Finanzierung von Kriegen oder die Umschuldung von Staatsschulden durch die Ausgabe von Anleihen. Diese waren aber nicht, wie heute in aller Regel, mit einer festen Laufzeit versehen. Ihre Laufzeit endete vielmehr mit dem Tod des Käufers. Dazu gründeten die Monarchen Leibrenten-Gesellschaften, die dann das benötigte Kapital mobilisierten durch die Zusage von lebenslangen Rentenzahlungen. Schnell wurde es unter wohlhabenden Bürgern in Deutschland populär, auch in ausländische Gesellschaften in den weiter entwickelten Volkswirtschaften England, Frankreich oder den Niederlanden zu investieren, obwohl die Zinserträge dort niedriger waren. Jahrhundertelang war die Berechnung der Höhe der Leibrente äußerst schwierig. Der Rentenbezieher hatte kaum eine Möglichkeit zu beurteilen, ob die Rente, die er erhielt, angemessen war. Erst im 18. Jahrhundert kamen Mathematiker darauf, Sterbetafeln zu erstellen, mit deren Hilfe man eine für beide Seiten kalkulierbare Höhe der Rente ausrechnen konnte. Solche Sterbetafeln dienen bis heute in der Versicherungsindustrie als Kalkulationsbasis zur Berechnung von Prämien und Renten. Das ermöglichte einen regelrechten Boom der Leibrenten: „Heutzutage sind sie insonderheit in England unter Privat-Personen sehr gewöhnlich“, schreibt Johann Georg Krünitz in seiner berühmten 242-bändigen Enzyklopädie aus dem Jahr 1796. Dem Stichwort Leibrente allein sind hier 423 Seiten gewidmet.[11]

In der Literatur und in der Diskussion sind zwei Modelle, die die Altersvorsorge in Deutschland in der heutigen Form beschreiben.

2.3 Drei – Säulen – Modell versus Drei – Schichten – Modell

Das so genannte Drei-Säulen-Modell beschreibt die Ergänzung der staatlichen Altersvorsorge durch betriebliche und private Vorsorge. Das Drei-Schichten-Modell teilt Altersvorsorgeprodukte nach ihrer einkommensteuerlichen Behandlung in drei Schichten ein: Basisvorsorge, kapitalgedeckte Zusatzvorsorge und ergänzende private Altersvorsorge. Nach der Einführung des Alterseinkünftegesetzes (AltEinkG) zum 1. Januar 2005 und der Neuordnung der einkommensteuerlichen Behandlung von Altersvorsorgeaufwendungen und Altersbezügen war diversen Pressemeldungen und Stellungnahmen zu entnehmen, dass das Drei-Säulen-Modell durch das so genannte Drei-Schichten-Modell abgelöst worden sei.

Im Folgenden werden beide Modelle vorgestellt und ihr Verhältnis zueinander untersucht. Dabei wird auch dargelegt, warum das Drei-Säulen-Modell keineswegs abgelöst worden ist, sondern beide Modelle unterschiedlichen Grundaussagen gewidmet nebeneinander bestehen.

2.3.1 Das Drei – Säulen – Modell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Drei – Säulen - Modell (Quelle: aus www.mercer.de )

Das System der Alterssicherung in Deutschland ist in verschiedene historisch gewachsene Systeme gegliedert. Die Sicherungssysteme werden in drei Gruppen unterteilt: Die öffentlich-rechtlichen Pflichtsysteme (gesetzliche Rentenversicherung, Beamtenversorgung, Alterssicherung der Landwirte, berufsständische Versorgungswerke) stellen die erste Säule der Alterssicherung dar. Die zweite Säule umfasst die betriebliche Altersversorgung in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst. Die private Altersvorsorge wird als dritte Säule bezeichnet. Die wichtigste Säule ist die gesetzliche Rentenversicherung. Durch die vom Gesetzgeber mit der Rentenreform 2001 eingeleitete Niveauabsenkung ist jedoch für die Sicherung des Lebensstandards im Alter der eigenverantwortliche Aufbau einer zusätzlichen Altersversorgung notwendig.[12]

2.3.1.1 Gesetzliche Rentenversicherung

Für die Bevölkerung Deutschlands hat die gesetzliche Rentenversicherung eine herausragende Bedeutung, bildet sie doch den Grundstein der Altersvorsorge.

Die Aufgaben der Rentenversicherung sind:

- Zahlung von Renten und Zusatzleistungen;
- Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben;
- Beitragszahlung zur Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner;
- Aufklären und Beraten der Versicherten und Rentner[13]

Die Rentenversicherung wird grundsätzlich durch Beiträge der Arbeitgeber und der Versicherten, auf der Grundlage des Arbeitsentgelts berechnet, sowie durch Zuschüsse des Bundes finanziert.

Versicherungspflichtig zur gesetzlichen Rentenversicherung sind alle Personen, die gegen Arbeitsentgelt oder zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind.[14]

Ausgenommen hiervon sind versicherungsfreie Personen, wie zum Beispiel Beamte, geringfügig Beschäftigte oder Vollrentner wegen Alters.[15] Darüber hinaus ist auf Antrag eine Befreiung von der Versicherungspflicht nach § 6 SGB VI möglich, zum Beispiel für Angestellte, die Mitglied einer öffentlich-rechtlichen oder berufsständischen Versorgungseinrichtung sind.

Neben den versicherungspflichtigen Beschäftigten unterliegen auch bestimmte selbständig Tätige und sonstige Versicherte der Rentenversicherungspflicht.[16]

Renten werden erbracht als:

- Altersrente;
- Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und
- Renten wegen Todes.

Die Höhe einer Rente richtet sich vor allem nach der Höhe der während des Versicherungslebens durch Beiträge versicherten Arbeitsentgelte und Arbeitseinkommen. Das versicherte Arbeitsentgelt eines Kalenderjahres wird in Verhältnis zum Durchschnittsverdienst aller Versicherten desselben Jahres gesetzt. Die für jedes Jahr ermittelten Verhältniswerte werden zusammengerechnet.

Anschließend werden Zeiten, die ohne Beitragszahlung eine rentenrechtliche Bedeutung haben, mit einer Art Durchschnittsentgeltpunkten versehen. Die Summe aller Entgeltpunkte wird mit zwei Faktoren multipliziert, die zum einen das Sicherungsziel der Rente und zum anderen Zu- oder Abschläge aufgrund eines verspäteten oder vorzeitigen Rentenbezugs steuern.

Das Endergebnis wird mit dem Rentenwert multipliziert. Der aktuelle Rentenwert wird dann jedes Jahr zum 01.07. an der Entwicklung der beitragspflichtigen Lohn- und Gehaltsentwicklung orientiert fortgeschrieben.[17] Zu den Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung könnte im Rahmen der Vorsorge auch noch eine zusätzliche Leistung vom Arbeitgeber hinzukommen.

2.3.1.2 Betriebliche Altersvorsorge

Eine betriebliche Altersversorgung liegt vor, wenn dem Arbeitnehmer aus Anlass seines Arbeitsverhältnisses vom Arbeitgeber Leistungen zur Absicherung mindestens eines biometrischen Risikos (Alter, Tod, Invalidität) zugesagt werden und Ansprüche auf diese Leistungen erst mit dem Eintritt des biologischen Ereignisses fällig werden. Die zugesagte Leistung muss einem Versorgungszweck dienen. Unter einer Versorgung sind alle Leistungen zu verstehen, die den Lebensstandard des Arbeitnehmers oder seiner Hinterbliebenen im Versorgungsfall, wenn auch nur zeitweilig, verbessern sollen. Auf die Bezeichnung der Leistung und sonstige Formalien kommt es nicht an.

Mögliche Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung sind

- die Pensionszusage (Direktzusage)
- die Unterstützungskasse
- die Direktversicherung
- die Pensionskasse und
- der Pensionsfonds

Neben der Finanzierung durch den Arbeitgeber ist auch eine Lohnumwandlung und somit eine (teilweise) Finanzierung durch den Arbeitnehmer möglich. Durch das Gesetz zur Förderung der betrieblichen Altersversorgung wird die Sozialversicherungsfreiheit der Entgeltumwandlung über 2008 hinaus unbefristet fortgesetzt.[18]

In vielen Fällen wird die Versorgung dennoch nicht ausreichend sein, sodass es zu einer zusätzlichen Vorsorge kommen muss.

2.3.1.3 Private Altersvorsorge

Neben der Sozialversicherung steht die private Altersvorsorge. Diese wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen, weil die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung niedriger ausfallen werden.

Ein Versorgungsmodell ist die „Riester-Rente“. Die so genannte Riester-Rente sieht vor, dass Arbeitnehmer den Rückgang der Leistungen in der gesetzlichen Rentenversicherung durch eigene Sparleistungen ausgleichen. Dazu erhalten Arbeitnehmer vom Jahr 2002 an eine Zulage sowie alternativ einen steigenden Sonderausgabenabzug. Anspruch auf die Förderung haben grundsätzlich alle Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind, aber auch Beamte.

Das zweite Modell der privaten Vorsorge ist die so genannte Rürup-Rente. Mit dem Alterseinkünftegesetz wurde beginnend mit 2005 die Rürup-Rente eingeführt. Diese funktioniert wie die gesetzliche Rentenversicherung; das heißt, Beiträge, steuerlich als Vorsorgeaufwendungen (Sonderausgaben) behandelt, werden in eine private Versicherungspolice eingezahlt und daraus eine monatliche Rente gezahlt, die zu versteuern ist.

Sonstige Instrumente für die private Altersversorgung sind zum Beispiel Kapitallebensversicherungen oder Investmentfondssparpläne. Soweit diese aktienfundiert sind, tragen sie aber immer ein Kursrisiko in sich; insofern ist eine sorgfältige individuelle Beratung unerlässlich. Außerdem können diese Anlagen irgendwann aufgebraucht sein. Auch der Erwerb von Immobilien ist als Altersvorsorgemaßnahme geeignet.[19]

Anders als also in diesem Drei – Säulen – Modell wird im Drei – Schichten – Modell von Basisversorgung, kapitalgedeckter Zusatzvorsorge und betriebliche Altersvorsorge sowie von ergänzender privater Vorsorge gesprochen.

2.3.2 Das Drei – Schichten – Modell

Die erste Schicht der drei Schichten dieses Modells, die Basisversorgung, besteht aus Produkten, bei denen die erworbenen Anwartschaften nicht beleihbar, nicht vererblich, nicht veräußerbar, nicht übertragbar und nicht kapitalisierbar sind. Hierzu gehören die Gesetzliche Rentenversicherung, die Berufsständische Versorgung, die Alterssicherung der Landwirte und die private kapitalgedeckte Leibrentenversicherung („Rürup-Rente“). Die zweite Schicht umfasst die Zusatzversorgung im Alter (Regelungen zur Förderung der privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge nach §§ 10a und 79ff EStG –„Riester-Rente“ sowie der betrieblichen Altersversorgung). Der dritten Schicht werden sonstige

Kapitalanlageprodukte zugeordnet, die auch der Altersvorsorge dienen können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Drei – Schichten – Modell (Quelle: Eigene Darstellung)

[...]


[1] Vgl. http://www.capital.de/steuern-recht/100025512.html

[2] Vgl. Einkommensteuergesetz 2009

[3] Vgl. BFH v. 18.09.1952, IV 70/49 U, BStBl. III 1952, 290

[4] Vgl. Fischer, in Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 22 Rn. A 235 ff.

[5] Vgl. Fischer, in Kirchhoff/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 22 Rn. A 229 ff.

[6] Vgl. Treisch, Die private Rentenversicherung im Einkommensteuerrecht, 1995, S. 5 ff.

[7] Vgl. BFH v. 06.06.2002, VI R 178/97, BstBl. II 2003

[8] Vgl. Cramer/Förster/Ruland, Handbuch Altersversorgung, 1998, S. 837

[9] Vgl. Breinersdorfer, in : Kirchhoff/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 19 Rn. A. 98 ff

[10] Vgl. Abschlussbericht der Sachverständigenkommission zur Neuordnung der steuerrechtlichen Behandlung von Altersvorsorgeaufwendungen und Altersbezügen vom 11.03.2003, BMF- Schriftenreihe, Heft 74

[11] Vgl. http://www.zeit.de/2006/08/G-Leibrente-Beistck, Abruf am 19.06.2010

[12] Vgl. http://www.mercer.de, Abruf am 04.07.2010

[13] Vgl. http://idesk.haufe.de, Abruf am 29.06.2010

[14] Vgl. SGB VI, § 1 Satz 1 Nr. 1

[15] Vgl. SGB VI, § 5

[16] Vgl. SGB VI, §§ 2 und 3

[17] Vgl. http://idesk.haufe.de, Abruf am 15.06.2010

[18] Vgl. nwb, Fundstelle: NWB DokID: VAAAB-14425, www7.nwb-datenbank.de, Abruf am 15.06.2010

[19] Vgl. Haufe, Steuer Office Kanzlei, Sozialversicherungsrecht, www.haufe.de, Abruf 02.07.2010

Details

Seiten
56
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640904099
ISBN (Buch)
9783640904419
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171176
Note
Schlagworte
einkommensteuerrechtliche behandlung alterseinkünften auswirkungen alteinkg

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