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Das Konzept der Basalen Stimulation

Anwendbarkeit im Pflegealltag

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Pflegewissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Methodisches Vorgehen

2. Das Konzept der Basalen Stimulation
2.1 Begründer der Basalen Stimulation und Hintergründe der Entstehung
2.2 Erste Erfahrungen

3. Zentrale Ziele

4. Grundelemente
4.1 Somatische Wahrnehmungen
4.2 Vibratorische Wahrnehmung
4.3 Vestibuläre Wahrnehmung
4.4 Audiorhythmische Wahrnehmung
4.5 Oral und Olfaktorische Wahrnehmung
4.6 Visuelle Wahrnehmung
4.7 Taktile Wahrnehmung

5. Berührung in der Pflege

6. Einführung in die Pflegepraxis
6.1 Grundlagen für den Einsatz des Konzepts
6.2 Das Konzept im Pflegealltag
6.3 Anforderung an Pflegende im klinischen Bereich

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Mittelpunkt der pflegerischen Arbeit sollte der Patient stehen. Durch medizinische und technische Entwicklungen wird die Arbeit besonders in Kliniken eher auf eine sym - ptombezogene Medizin und Pflege beschränkt. Der Patient rückt aus dem Blickfeld der ganzheitlichen Betrachtung und nicht seine Fähigkeiten sondern seine Defizite sind pri - mär interessant. Den Pflegenden sollte es wichtig sein, dem Patienten ein Gefühl von Akzeptanz und Respekt zu vermitteln, ihn in seiner Situation zu begleiten, zu unterstüt- zen und zu fördern. Das Konzept der Basalen Stimulation kann hier einen großen Bei - trag leisten, den Patienten therapeutisch, qualitativ und professionell zu unterstützen und zu pflegen.

In der folgenden Arbeit wird das Konzept der Basalen Stimulation beschrieben, ein Rückblick auf die Begründer, die Motivation im Hinblick auf die Entwicklung des Konzepts gegeben und knüpft an erste Erfahrungen an. Des Weiteren werden die zentralen Ziele sowie die Grundelemente genau dargestellt.

Anhand dessen wird deutlich gemacht: „Basale Stimulation bedeutet, für bestimmte Zeit einen Weg zusammen zu gehen (…) und erwächst aus der Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten“. (Nydahl/Bartoszek,2003,1) Basale Stimulation macht mehr als das Erlernen von Techniken und deren Umsetzung oder Anwendung aus.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll neben den Inhalten des Konzepts der Basalen Stimulation vor Allem auf der Anwendbarkeit in Bezug auf die Umsetzung in die Pflege- praxis gerichtet sein und beschäftigt sich daher mit der Frage, welche Anforderungen an die Pflegenden gestellt werden und welche Schwierigkeiten und Probleme sich dabei ergeben können.

1.1 Methodisches Vorgehen

Die Aussagen und Ergebnisse der vorliegenden Arbeit stützen sich allein auf vorhan - dene Literatur. Die Literatursuche wurde sowohl in der Bibliothek der Fachhochschule Frankfurt, der Deutschen Bibliothek und mittels Internetrecherche durchgeführt. Die Suche nach geeigneter Literatur wurde unter den Schlagwörtern: Analyse, Basale Stimulation, Berührung, Bienstein, Ergebnisse Basale Stimulation, Fröhlich, Pflegekonzepte, Pflegenotstand und Probleme der Krankenpflege durchgeführt.

2. Das Konzept der Basalen Stimulation

Die patientenorientierte Pflege, was soviel heißt wie auf die Bedürfnisse und Autonomie ausgerichtete Pflege, bildet die Basis für wissenschaftliche Pflegekonzepte, so auch das Konzept der Basalen Stimulation (Schwarz,2009,84).

Um das Konzept der Basalen Stimulation näher beschreiben zu können müssen zunächst die Begriffe erläutert werden.

Basal bezieht sich auf das aus dem Griechischen übersetztes Wort basis und bedeutet grundlegend, ein Fundament bildend. Ebenso können Schritt und Gang damit gemeint sein. Das lateinische Stimulus für Reiz kann, außer seiner Bedeutung der „Bereizung“, vor Allem als Anregung und Bereicherung übersetzt werden (Bienstein/Fröhlich,2003,16).

„Basale Stimulation ist ein Konzept zur Förderung von Menschen in krisenhaften Lebenssituationen, in denen Ihre Austausch- und Regulationskompetenzen deutlich ver- mindert, eingeschränkt oder dauerhaft behindert werden“. (Wurst/Meyer/Döttlinger,2009,23)

Ein Grundgedanke ist zu lernen die Situation des Patienten aus dessen Perspektive zu verstehen. Im Mittelpunkt der Pflegenden sollen die Aktivitäten des Patienten stehen, nicht die der Pflegenden (Nydahl/Bartoszek,2003,185).

Im Zentrum stehen die Fähigkeiten des Patienten zur Wahrnehmung, Kommunikation und Bewegung. Es soll durch einfache Angebote erreicht werden die Kompetenzen zu erhalten, zu sichern und zu fördern (Wurst/Meyer/Döttlinger,2009,23). Basale Stimula- tion wird daher als körperorientiertes Konzept verstanden (Bienstein/Fröhlich,2003,19), da es Anregungen vermittelt wieder ein Bewusstsein für den eigenen Körper zu entwi- ckeln (ebd.,63).

2.1 Begründer der Basalen Stimulation und Hintergründe der Entstehung

Das Konzept der Basalen Stimulation wurde von dem Sonderpädagogen und heilpädagogischen Psychologen Andreas Fröhlich innerhalb eines fünfjährigen Forschungsprojekts entwickelt (Bienstein/Fröhlich,2003,256). Mit der Unterstützung des Landes Rhein - land-Pfalz wurde ein Modellprojekt durchgeführt dessen Zielsetzung es war ein interdisziplinär anerkanntes, therapeutisches Konzept mit konkret formulierten Handlungsanweisungen zu entwickeln. Grund für diese Arbeit, waren die defizitären Förderungsmöglichkeiten, durch deren Anwendung kaum Entwicklungserfolge bei Kindern mit schweren Entwicklungsbeeinträchtigung zu erzielen waren. Somit entwickelte sich 1975 aus dieser Arbeit das Konzept der Basalen Stimulation (Werner,2002,24).

Die Krankenschwester und Diplompädagogin Christel Bienstein und Fröhlich überarbei- teten das Konzept der Basalen Stimulation gemeinsam in den 80er Jahren und inte - grierten das Konzept in die Krankenpflege. Dabei konnten sie feststellen, dass das Kon- zept sowohl bei behinderten Kindern wie auch bei wahrnehmungsbeeinträchtigten Erwachsenen Förderungsmöglichkeiten bietet. Eindeutige Ergebnisse wurden beson- ders bei komatösen und apallischen Patienten gesammelt. Das Konzept entwickelte sich weiter, und konnte später in allen Bereichen der Pflege angewandt werden (Nydahl/Bartoszek,2003,3). Basale Stimulation wird nun schon seit 1989 in der Pflege vermittelt (Bienstein/Fröhlich,2003,248).

2.2 Erste Erfahrungen

Nach ersten Erfahrungen der noch stark funktionsorientierten Konzeptübertragung wurde davon ausgegangen, dass mechanisch-pflegerische Veränderungen den bedeutensten Anteil ausmachen würden. Zunehmend wurde jedoch deutlich, dass die Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten und das Wissen über Wahrnehmungsvorgänge und deren Verlust, bedeutend sind (ebd.,229f.). Anfangs legte Fröhlich großen Wert auf die Art und Weise der Durchführung einzelner Angebote. Heute formuliert er lediglich wesentliche Prinzipien, um der Kreativität der Pflegenden und der gemeinsamen Entwicklung Raum zu geben (Werner,2002,70f.).

3. Zentrale Ziele

Bienstein und Fröhlich (2003,11,78ff.) formulierten die zentralen Zielen als Kernstück der Basalen Stimulation vor dem Hintergrund „handwerkliche Fähigkeiten“ des erlernten Konzeptes durch Pflegende nicht in den Vordergrund zu rücken, sondern sich im wesentlichen an der Person des Patienten zu orientieren. Pflegende sollen primär ihren Blick darauf richten die Betroffenen, die durch ihre veränderte Lebenssituation vor neuen Aufgaben und Situationen stehen, zu unterstützen.

Die Inhalte dieser Ziele werden in den nächsten Punkten näher erläutert.

1. Leben erhalten und Entwicklung erfahren; die stetige medizinische Entwicklung trägt dazu bei das primäre Ziel der Lebenserhaltung möglich zu machen. Die Pflege übt in dieser Phase nicht nur eine unterstützende Funktion bei der Durchführung von lebenserhaltenden Maßnahmen aus, sondern unterstützt den Patienten bei der Akzeptanz dieser Maßnahmen, begleitet ihn und bietet Hilfestellungen an (ebd.,80ff).
2. Das eigene Leben spüren; Menschen die stark beeinträchtigt sind, das Vermögen sich selbst zu bewegen oder über die eigene Existenz verloren haben benötigen eine gezielte, individuelle Hilfestellung um sich selbst wahrzunehmen und zu spüren (ebd.,82f.).
3. Sicherheit erleben und Vertrauen aufbauen; eine wichtige Voraussetzung für gefühlte Sicherheit ist, dass der Patient Kontinuität erlebt, d.h. Ereignisse erahnen und sich auf pflegerische Maßnahmen einstellen kann. Dadurch wird eine Basis für Vertrauen und somit für Kooperation geschaffen (ebd.,84f.).
4. Den eigenen Rhythmus entwickeln; hierbei sind Institutionen gefordert auf die Wachund Schlafrhythmen der Patienten einzugehen. Bisher sind diese primär den Abläufen der versorgenden Institution angepasst. Dies schließt sowohl die Besuchszeiten als auch die pflegerischen und therapeutischen Maßnahmen ein (ebd.,86f.).
5. Das Leben selbst gestalten; es i]st die Aufgabe der Pflege den Patienten soweit wie möglich dabei zu unterstützen sich und seine Umwelt selbst zu gestalten. Unser Lebensgefühl ist davon geprägt eigene Entscheidungen zu treffen, und es bedarf der Aufmerksamkeit der Pflegenden diese Möglichkeit zu erhalten und dies in den täglichen Prozess einer Institution mit einzubeziehen (ebd.,88ff.).
6. Die Außenwelt erfahren; die Außenwelt durch Erkennen und Spüren zu erfahren spielt eine wichtige Rolle im „sich Sicher zu fühlen“. Deshalb müssen auch wahrnehmungsbeeinträchtigte Menschen dabei unterstützt werden ihre dingliche Umwelt zu erfahren um diese auch als „wirklich“ zu erleben (Bienstein/Fröhlich,2003,92f.).
7. Beziehungen aufnehmen und Begegnungen gestalten; Beziehungen werden gewöhnlich durch Sprache aufgebaut. Schwer beeinträchtigte Menschen sind meist nicht in der Lage mittels Sprache zu kommunizieren und bedienen sich einer anderen Form der Kommunikation. Es ist hier besonders wichtig, das die Pflegenden ein hohes Maß an Aufmerksamkeit beweisen um die verbliebenen Möglichkeiten zur Kommunikation durch genaue Beobachtung zu erkennen. Nur so kann aus einer Begegnung auch eine Beziehung entstehen (ebd.,93f.).
8. Sinn und Bedeutung geben und erfahren; „Das Gefühl von Leere und Sinnlosigkeit ist das Resultat von fehlender Bedeutung im Leben eines Menschen“.(ebd.,95) Die Sinnhaftigkeit einer Maßnahme wird von den Betroffenen selbst bewertet. Erst wenn der Sinn einer Maßnahme für den Patienten deutlich ist, hat er eine Bedeutung und nur dies ermöglicht eine weitere Entwicklung (ebd.,95f.).
9. Autonomie und Verantwortung leben; trotz der offensichtlichen Abhängigkeit wahrnehmungseingeschränkter Menschen von Pflegenden bleiben kleine Inseln der eigenen Entscheidungen des Patienten. Hier gilt es sie wahrzunehmen, zu unterstützen und ihnen Raum zu geben (ebd.,97f.).

An diesen zentralen Zielen orientiert sich das Konzept der Basalen Stimulation. Die Grundelemente, welche im nächsten Kapitel (4) beschrieben werden, stellen lediglich Angebote dar mit deren Hilfe eines der zentrale Ziel erreicht werden kann (ebd.,102).

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Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640903740
ISBN (Buch)
9783640903849
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171203
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
2,3
Schlagworte
Basale Stimulation Pflegekonzepte

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