Lade Inhalt...

Der Bologna-Prozess als europäisches Globalisierungsinstrument

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Dimension des Bologna-Prozesses und festgelegte Ziele
2.1 Die Sorbonne-Deklaration
2.2 Die Erklärung von Bologna
2.3 Die Prager Kommuniqué
2.4 Die Berlin-Konferenz
2.5 Die Bergen Kommunique
2.6 Die Konferenz in London
2.7 Die Konferenz in Louvain-la-Neuve/Leuven

3 Die Akteure des Bologna-Prozesses
3.1 Akteure auf europäischer Ebene
3.1.1 Die Ministerkonferenz
3.1.2 Die Bologna-Follow-up-Group
3.1.3 Die Bologna-Seminare
3.2 Akteure auf staatlicher Ebene
3.3.1 Die Kultusministerkonferenz (KMK)
3.3.2 Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK)
3.3.3 Der Wissenschaftsrat (WR)

4 Die Umsetzung der Ziele in Deutschland
4.1 Mobilität
4.2 Studienabbruch
4.3 Konzeption
4.4 Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt
4.5 Das Diploma Supplement

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1 Einleitung

Hauptziel des Bologna-Prozesses ist die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes bis zum Jahr 2010. Rechtlich bindend ist der Bologna-Prozess keineswegs, es handelt sich lediglich um Empfehlungen. Durch die Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen sollte eine Vergleichbarkeit geschaffen werden und ein leichter Wechsel innerhalb der Universitäten in Europa sollte sowohl den Studenten als auch dem besseren Austausch von Forschungsergebnissen zugute kommen.

Doch gerader in jüngster Zeit werden Rufe nach einem Überdenken dieser Hochschulreform laut. Zuletzt fanden bundesweite Bildungsstreiks im November und Dezember 2009 statt.

Diese Hausarbeit möchte die Frage klären, ob die vereinbarten Ziele des Bologna-Prozesses in Deutschland optimal umgesetzt werden. Daneben zeigt sie mögliche Verbesserungsmöglichkeiten auf. Die angewandte Methode ist die wissenschaftliche Literaturrecherche. Dabei beschäftigt sie sich zunächst mit der historischen Entwicklung des Bologna-Prozesses. Dabei werden auf die Konferenzen seit 1998 näher betrachtet, da diese von großer Relevanz für die Entwicklung des Bologna-Prozesses waren und eine Betrachtung früherer Vereinbarungen (wie zum Beispiel die Römischen Verträge von 1957) den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Schließlich finden in den Konferenzen vereinbarte Ziele Erwähnung.

Das zweite große Kapitel beschäftigt sich mit den Akteuren des Bologna-Prozesses. Dabei findet eine Unterscheidung der Akteure auf europäischer und auf staatlicher Ebene statt. Dabei finden auch nur die wichtigsten Akteure Erwähnung, da kleinere, wie das Centrum der Hochschulentwicklung (CHE) ebenfalls den Rahmen der Arbeit sprengen würden.

Das dritte große Kapitel beleuchtet die Umsetzung der in den Konferenzen festgelegten Ziele kritisch. Hierbei kommen die wichtigsten Ziele wie die Umsetzung der Mobilität und des Diploma Supplement zur Sprache. Auch hier kann auf andere festgelegte Ziele wie der Akkreditierung und der Einführung des ECTS (European Credit Transfer System) nicht eingegangen werden, die die Kapazitäten dieses Arbeit dies nicht zulassen.

Die Hausarbeit schließt mit einem zusammenfassenden Fazit ab und versucht die gestellte Kernfrage zu beantworten.

2 Historische Dimension des Bologna-Prozesses und festgelegte Ziele

Seit über 50 Jahren besteht die Idee zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums. Den Anfang machten die Römischen Verträge (1957) bis hin zum SokratesHochschulvertrag (1997). Die für das Bologna-Projekt relevanten Etappen und deren festgelegte Ziele sollen im folgenden Kapitel näher dargestellt werden.

2.1 Die Sorbonne-Deklaration

Der Anfang des Bologna-Projektes lag nicht, wie man zunächst vermutet in Bologna, sondern in Paris. Anlässlich des 800jährigen Bestehens der Universität von Sorbonne trafen sich die Wissenschaftsminister der vier Länder Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland. Frankreich wurde hierbei durch Claude Allègre, Großbritannien durch Tessa Blackstone, Italien durch Luigi Berlinguer und Deutschland durch Jürgen Rüttgers vertreten.1 Die vier Bildungsminister strebten hierbei einen gemeinsamen europäischen Raum für Hochschulbildung an. Dieses Ziel wurde schließlich durch die im Mai 1998, anlässlich eben dieses zweitägigen Treffens, unterzeichnete Sorbonne-Erklärung abgesegnet.2

Die Sorbonne Joint Declaration on harmonisation of the architecture of European higher education system, kurz Sorbonne-Deklaration, löste ein europaweites Chaos über die Art und Weise des Vorgehens dieser vier Bildungsminister aus. Ebenso kam es zu Meinungsverschiedenheiten anderer europäischer Staaten über Inhalt und Bedeutung dieser Erklärung.3 Zunächst wollten sich diese restlichen europäischen Mitgliedsstaaten, die weder an der Niederschrift noch an der Unterzeichnung beteiligt waren, nicht mitbeteiligen. Um die Teilnahme anderer Mitgliedsstaaten doch noch einzuholen, forderte der französische Bildungsminister seine Kollegen zur Unterstützung und Beitritt der Sorbonne-Deklaration auf. Diesem Angebot folgten schließlich Dänemark, Belgien, die Schweiz, Bulgarien und Rumänien. Ungarn, die Tschechische Republik, die Slowakei, Slowenien und Kroatien bekundeten sich längerfristig daran zu beteiligen.4

Mit der Sorbonne-Erklärung legten die Bildungsminister der Unterzeichnerstaaten eine wesentliche Grundlage für die Europäisierung der Hochschulbildung, welche 11 Jahre später in Bologna fortgesetzt wurde.5

2.2 Die Erkl ä rung von Bologna

Die nächste Etappe zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums war das Treffen in Bologna am 18. und 19. Juni 1999. 32 Minister, Ministerinnen und Staatssekretäre aus 29 europäischen Staaten nahmen an diesem Treffen teil und erklärten ihre Zustimmung jener Prinzipien, welche in der Sorbonne-Deklaration gefasst worden waren.6 Im Wesentlichen werden in der Erklärung von Bologna drei Ziele festgehalten, welche intendierte Veränderungen nach innen (Europa betreffend) und nach außen (die übrige Welt betreffend) enthält7: Mobilität, Berufsfähigkeit der europäischen Bürger und internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Hochschulsystems. Zur Erreichung diese Ziele ist für die Unterzeichner die Schaffung eines europäischen Hochschulraums unabdingbar. Ebenso wurden Teilziele festgelegt welche zunächst bis zum Jahr 2010, Ausnahmen bis 2005, bewirkt werden sollen. Hierzu zählen vor allem die Schaffung eines Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse, die Einführung eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen (Bachelor, Master), die Einführung eines Leistungspunktesystems (nach dem European Credit Transfer System)8, die Erweiterung der Mobilität für Studierende, Wissenschaftler, Lehrer und Verwaltungspersonal durch Überwindung von Mobilitätshindernissen, die Förderung der Qualitätssicherung durch europaweite Zusammenarbeit und die Erarbeitung vergleichbarer Kriterien und Methoden, zudem die Förderung der europäischen Dimension in der Hochschulausbildung in den Bereichen:

internationale Zusammenarbeit und Integration von Studien-, Ausbildungs- und Förderprogrammen.9

Diese festgelegten Ziele sind jedoch keineswegs rechtlich bindend, sondern sollen eher durch eine intensive Kooperation der Hochschulen untereinander erreicht werden. Dabei sollen die einzelnen Kulturen, Sprachen, die nationalen Bildungssystem und die Autonomie der Universitäten gewahrt bleiben, so heißt es in der Bologna-Erklärung. Weitere Beratungen bezüglich der Europäisierung des Hochschulraums sollen von nun an alle 2 Jahre statt finden.10

2.3 Die Prager Kommuniqu é

Wie vereinbart trafen sich 2 Jahre später, nämlich am 19. Mai 2001, 32 europäische Bildungsminister in Prag zur Bologna-Folgekonferenz. Prag als Veranstaltungsort wurde hierbei nicht zufällig gewählt, vielmehr wollte man damit ein Zeichen setzen, dass die Europäische Union sowohl auf politische, wirtschaftliche, territoriale als auch auf bildungspolitischen Komponenten zusammengewachsen ist.11

Ziel des Treffens war zum Einen die Neustrukturierung der Arbeitsweise12 und zum Anderen die Bilanzierung der Zieldefinitionen der Bologna-Deklaration und die Ergänzung beziehungsweise Differenzierung von neuen Zielen.13 Eines der neuen Ziele war die enge Einbeziehung der Hochschuleinrichtungen und der Studierenden. Dieses Ziel ist notwendig für den Gesamterfolg des Bologna-Projektes. Das zweite neue aufgenommene Aspekt war die Bekräftigung der sozialen Dimension des Bologna-Pozesses14 und die Steigerung der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des eur]opäischen Hochschulraums durch Qualtitätszunahme.15

Ebenso fand das lebenslange Lernen zum ersten Mal Erwähnung in dem Prozess.16 Jedoch wurden keinerlei konkrete Aussagen hinsichtlich deren Gestaltung dargelegt.17

2.4 Die Berlin-Konferenz

Im September 2003 fand die nächste Bologna-Nachfolgekonferenz statt. Neben den Bildungsministern der 33 Teilnehmerstaaten waren ebenso viele Beobachter beteiligt.18 Die Berliner Kommunique stellt das bisher inhaltlich und formal umfangreichste Ergebnis der Bolognafolgekonferenzen dar.19 So wurden unter anderem mittelfristige Ziele festgelegt wie die verstärkte Anstrengung zur Förderung einer wirksamen Qualitätssicherung, die tatsächliche Anwendung von gestuften Studienstrukturen und die Verbesserung der Anerkennungsverfahren von Studienabschlüssen und Studienabschnitten.20 Ebenso wurde die soziale Dimension des Bologna-Prozesses erneut bestätigt. Hierbei sollen Wettbewerbsfähigkeit und Gleichstellungspolitik in Einklang gebracht werden, um so soziale Ungleichheiten abzubauen.

Am Ende der Konferenz wurde, wie auch schon bei den anderen Nachfolgekonferenzen eine Follow-Up-Gruppe beauftragt die Inhalte und Aufgaben der nächsten Konferenz zu koordinieren.21

2.5 Die Bergen Kommunique

Die Bergen-Konferenz, welche vom 19. bis 20. mai 2005 in Bergen stattfand, steht für die „Halbzeit“ im Bologna-Prozess. Daher war es Aufgabe dieses Treffens neben Formulierung weiterer Ziele eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Zunächst wurden neue Mitgliedsländer begrüßt, somit waren 45 Länder am Bologna-Prozess beteiligt. In der Zwischenbilanz ging es vor allem um Studienstruktur, Qualitätssicherung sowie Anerkennung von Studienabschlüssen. Die Minister stellten fest, dass in den meisten Ländern 50% der Studierenden in einem Bachelor- oder Masterstudium eingeschrieben sind (Deutschland gehörte nicht zu diesen Ländern). Die Qualitätssicherung der Lehre wurde größtenteils umgesetzt. Jedoch müsste an der internationalen Zusammenarbeit und der Beteiligung der Studierenden weiter gearbeitet werden.

Für die folgenden zwei Jahre wollte man sich besonders auf die Doktorantenausbildung als dritten Zyklus neben Bachelor und Master konzentrieren.22

2.6 Die Konferenz in London

Im Mai 2007 war London der Veranstaltungsort der Bildungsminister. In dieser Konferenz wurden keine neuen Ziele vereinbart, lediglich die Umsetzung schon vereinbarter Ziele wurde dokumentiert und bewertet. Für die nächsten zwei Jahre wurden neue Ziele wie die Förderung von Mobilität und der Sozialen Dimension, der diesbezüglichen Datensammlung und die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit im europäischen Raum festgelegt.

2.7 Die Konferenz in Louvain-la-Neuve/Leuven

Die nächste Bologna-Nachfolgekonferenz wurde von den Beneluxstaaten bewerkstelligt. Sie fand in Louvain-la-Neuve/Leuven 2009 statt. Auch bei dieser Konferenz wurden keine neuen Ziele vereinbart, stattdessen wurden bereits ausgehandelte Ziele besiegelt. Des Weiteren wurde vereinbart, dass in den nächsten zehn Jahren bis 2020 jene Ziele weiter verfolgt und umgesetzt werden. Neu aufgenommen wurde der Vorschlag eines Rankings europäischer Hochschulen, welches durch vergleichbare Daten Hochschulen bewerten und dadurch die Qualitätssicherung prüfen soll.23

[...]


1 vgl. Walter 2006, S. 123

2 vgl. Maassen 2004, S. 11

3 vgl. Walter 2006, S. 123

4 vgl. ebd., S. 127-128

5 vgl. Maassen 2004, S. 12

6 vgl. Walter 2006, S. 132

7 vgl. ebd., S. 133

8 Vgl. Maassen 2004, S. 12

9 vgl. Walter 2006, 133-134

10 vgl. Maassen 2004, S. 13

11 vgl. Klein 2007, S. 32

12 vgl. Maassen 2004, S. 13

13 vgl. Klein 2007, S. 32

14 vgl. Walter 2006, 144

15 vgl. Maassen 2004, S. 13

16 vgl. Klein 2007, S. 34

17 vgl. ebd., S. 39

18 vgl. Walter 2006, S. 152

19 vgl. Klein 2007, S. 34

20 vgl. Maassen 2004, S. 14

21 vgl. Klein 2007, S. 37

22 vgl. Klein 2007, S. 37-38

23 vgl. Dahm/Berg 2009, o.S.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640905607
ISBN (Buch)
9783640905461
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171272
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
2,0
Schlagworte
bologna-prozess globalisierungsinstrument Bachelor Master Diploma Supplement Globalisierung Bologna

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der Bologna-Prozess als europäisches Globalisierungsinstrument