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Motive und Einflussfaktoren im Portfolio Entrepreneurship

Seminararbeit 2011 26 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definitionen

3. Motive des Portfolio Entrepreneurship
3.1 Einflussfaktoren auf die Motivation aus der persönlichen Umwelt
3.1.1 Einflussfaktor Familie
3.1.2 Einflussfaktor Unternehmerpersönlichkeit
3.2 Einflussfaktoren auf die Motivation aus der Unternehmensumwelt
3.2.1 Einflussfaktor Ressourcenzugang
3.2.2 Einflussfaktor Marktbedürfnisse
3.2.3 Opportunity treibende Kraft und erreichbare Benefits

4. Portfolio Entrepreneurship in der Praxis
4.1 Konzept und Fragestellung der Fallstudie
4.1.1 Wahl der Erhebungsmethode
4.1.2 Wahl der Untersuchungsobjekte
4.1.2 Kontaktaufnahme und Datenerfassung
4.2 Die Untersuchungsobjekte
4.2.1 Der Imitator
4.2.2 Der Innovator
4.3 Ergebnisse zu Motiven und Einflussfaktoren
4.3.1 Einflussfaktoren auf die Motivation aus der persönlichen Umwelt
4.3.2 Einflussfaktoren auf die Motivation aus der Unternehmensumwelt
4.3.3 Opportunity treibende Kraft und erreichbare Benefits

5. Kritische Diskussion des Themas
5.1 Relevanz für die Entrepreneurship Forschung
5.2 Relevanz für die Praxis
5.3 Persönliche Stellungnahme

6. Quellen

1. Einleitung

In folgender Arbeit sollen die Motive bzw. Einflussfaktoren eines Unternehmers zur Aufnahme einer weiteren unternehmerischen Tätigkeit, im Sinne des Portfolio Entrepreneurship betrachtet werden. Dies scheint insofern relevant, da seit den 1960er Jahren auch die volkswirtschaftliche Bedeutung, bzw. der daraus resultierende Beitrag, betreffend Wettbewerbsfähigkeit und Fortschritt von Nationen, des Entrepreneurship zunehmend in den Fokus der Volkswirte und der Politik rückte.[1]

Um die Motive zur Etablierung einer „Parallel-Unternehmung“, im Sinne des Portfolio Entrepreneurship, zu identifizieren, wird im ersten, theoretischen Abschnitt dieser Arbeit der Fokus auf die Unterschiede in Bezug auf den Ressourcenzugang zwischen Novice bzw. Portfolio Entrepreneuren gelegt. Die in diesem Abschnitt erarbeiteten Erkenntnisse werden anschließend im Zuge einer Fallstudie, für welche zwei Unternehmer, ein Imitator und ein Innovator, interviewt wurden, überprüft. Des Weiteren sollen eventuelle Unterschiede betreffend der Ausprägung der Einflussfaktoren auf die Motivation zwischen den beiden Typen aufgedeckt werden.

Zur praktischen Relevanz der Arbeit ist zu sagen, dass Unternehmer, welche bereits ein Unternehmen gegründet haben und erfolgreich führen, über entsprechendes Unternehmerwissen, sowohl Implizites als auch Explizites, sowie einen erweiterten Ressourcenzugang verfügen dürften. Somit kann erwartet werden, dass die Wiederholung eines unternehmerischen Erfolgs bei Neugründung einer weiteren Unternehmung wahrscheinlicher ist als bei Novice Entrepreneuren. Im Rückschluss bedeutet dies, dass oben genannte Unternehmer in Bezug auf ihr Wissen und ihre Erfahrungen eine bedeutende volkswirtschaftliche Ressource darstellen.

Um diese Ressource im Prozess der Gründungsförderung nutzbar zu machen bzw. zu aktivieren ist es notwendig die Beweggründe bestehender Portfolio Entrepreneur zu kennen. Nur so ist es möglich eine nutzenstiftende und dementsprechend akzeptierte Förderinfrastruktur aufzubauen.

2. Definitionen

Hisrich und Peters (2002) definieren Entrepreneurship, als einen Prozess in welchem etwas Neues geschaffen wird – unter Übernahme der dazugehörenden finanziellen, persönlichen und sozialen Risiken, sowie der aus dem Prozess resultierenden monetären Vergütung, persönlichen Befriedigung und Unabhängigkeit.[2]

So umfangreich diese Definition bereits scheinen mag ermangelt es ihr dennoch an einem der wichtigsten Identitätsmerkmale des Entrepreneurship, der „Opportunity-Recognition“. Respektive erfolgt die Entscheidung ein neues Unternehmen zu gründen, aufgrund der Annahme eine unternehmerische Gelegenheit entdeckt zu haben. Wobei sich die unterschiedliche Neigung von Personen betreffend der Unternehmensgründung in unterschiedlicher unternehmerischer Wachsamkeit bzw. Wahrnehmung unternehmerischer Gelegenheiten manifestiert.[3]

Westhead unterscheidet weiters in verschiedene Typen von Entrepreneuren, wobei der Novice Entrepreneur einen Unternehmer ohne Erfahrung im Bereich der Gründung einer Unternehmung vor der Gründung seiner aktiven Unternehmung darstellt. Jedoch bedeutet Entrepreneurship nicht gezwungenermaßen, dass ein Unternehmer in seiner Karriere nur ein Unternehmen gründet bzw. besitzt. So ist zwischen den zwei verschiedenen Typen von Unternehmern, den „Serial bzw. Portfolio Entrepreneuren“ zu differenzieren. Die Differenz der beiden Typen besteht in der zeitlichen Reihenfolge der unternehmerischen Tätigkeit, so besitzt erstgenannter Typus seine Firmen nacheinander, während Zweiter sie zeitgleich besitzt.[4] Eine weitere Definition der beiden eben genannten „Entrepreneur typen“ bieten Westhead und Wright (1998) an, wobei sie darlegen, dass der „Portfolio Entrepreneur“ neben seinem bestehendem Unternehmen eine neue Firma gründet, erbt oder kauft, wohingegen der „Serial Entrepreneur“ selbige Aktion durchführt, nachdem er das bestehende Unternehmen verkauft bzw. aufgibt.[5]

3. Motive des Portfolio Entrepreneurship

Im folgenden Abschnitt sollen die Beweggründe, sowie die Einflussfaktoren auf selbige, zum Start bzw. zur Etablierung von Portfolio-Unternehmertum behandelt werden. Hierzu werden diese in die persönliche Umwelt und die Unternehmensumwelt gegliedert. Wobei bei Ersterer die Unternehmerperson bzw. die intrinsische Motivation im Vordergrund stehen, während bei Zweiter die unternehmerische Gelegenheit als treibende Kraft untersucht wird.

3.1 Einflussfaktoren auf die Motivation aus der persönlichen Umwelt

Sicherlich beinhaltet die Entscheidung eine parallele Unternehmung zu gründen den Gedanken beispielsweise die Marktchancen des/der bestehenden Unternehmen zu stärken bzw. zusätzliche Einnahmequellen zu lukrieren, jedoch können auch die Familie und das „Lebensgefühl“ des Unternehmers, wie Zufriedenheit und Herausforderung, als beinflussende Faktoren eine Rolle spielen. Vor allem der Faktor Herausforderung könnte bei etablierten Unternehmern durchaus ein Motiv darstellen, sich diese in Form des Portfolio Unternehmertums zu verschaffen. Solche Verhaltensweise entspringt der intrinsischen Motivation und kann als interessenbestimmte Handlung angesehen werden, deren Aufnahme bzw. Aufrechterhaltung keine vom Handlungsgeschehen trennbaren Anreizfaktoren erfordert. Hierbei beinhaltet die intrinsische Motivation Neugier, Exploration, Spontanität und Interesse an der unmittelbaren Umwelt.[6]

3.1.1 Einflussfaktor Familie

Einer der prägenden Einflüsse, welchem der Mensch in seiner Persönlichkeitsentwicklung von Kindesbeinen an ausgesetzt ist, stellt die Familie dar. Wobei im Zuge des Sozialisationsprozesses, Verhaltensmaßstäbe und Ideale der Familie vom Individuum aufgenommen werden und die Bereitschaft zur Erfüllung eines spezifischen Rollentyps innerhalb dieser Struktur der Gesellschaft entwickelt wird.[7] Bezieht man diese Aussage auf die Neigung von Individuen ein Unternehmen zu gründen, so kann davon ausgegangen werden, dass im Rahmen dieses Prozesses eine vorhandene unternehmerische „Tradition“ in einer Familie diese zugunsten einer selbständigen Tätigkeit beeinflusst.

Zu diesem Ergebnis kam auch eine Untersuchung, welche den Einfluss von Erfahrungen innerhalb eines Familienbetriebes auf die Affinität zur Neugründung einer Unternehmung untersuchte. So konnte festgestellt werden, dass Personen, welche Arbeitserfahrungen im Familienbetrieb sammeln konnten das Engagement in einem neuen Unternehmens eher für machbar, erstrebenswert und profitabel sehen, als solche ohne vergleichbare Erfahrungen.[8] Bezugnehmend auf die Thematik des Portfolio Entrepreneurship würde dies bedeuten, dass Unternehmer, welche bereits in einem Familienbetrieb tätig sind, eher geneigt bzw. es als erstrebenswert erachten sich an einem zusätzlichen Unternehmen zu beteiligen.

3.1.2 Einflussfaktor Unternehmerpersönlichkeit

Die Neigung zur Gründung bzw. zur Beteiligung eines/an einem Unternehmen wird auch durch die Unternehmerpersönlichkeit beeinflusst. Wobei für diese Arbeit interessant ist, in wie weit sich der Portfolio Entrepreneur von anderen Unternehmertypen unterscheidet, bzw. ob es spezielle Faktoren gibt, welche als treibende Kraft des Portfolio Entrepreneurship angesehen werden können. Hierbei soll auf eine 2003 unter den Gruppen Novice-, Serial- und Portfolio Entrepreneuren durchgeführte Studie als Ausgangsbasis der Betrachtung dienen.[9]

In Bezug auf diese Studie konnte ein signifikanter Unterschied zwischen Novice Entrepreneur - Serial Entrepreneur und Serial Entrepreneur – Portfolio Entrepreneur festgestellt werden. So glaubt ein Portfolio Entrepreneur weniger daran, dass er zukünftige Ereignisse vorhersagen bzw. sich entsprechend anpassen kann und auch die Unternehmensgründung wird als eher ernüchternd und abschreckend angesehen, als bei den beiden Vergleichsgruppen. Wobei sich dies in Bezug auf den Portfolio Entrepreneur nicht mit der Annahme deckt, dass eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung und hohe interne Kontrollüberzeugung einhergeht mit hoher Motivation zur Gründung von Unternehmen.

Die getätigte Annahme, dass intrinsische Motivationsfaktoren in Bezug auf Portfolio Entrepreneure eine entscheidende Rolle spielen können, kann in Anbetracht der Studie jedenfalls nicht bestätigt werden. So „genießen“ Portfolio Unternehmer im Vergleich kaum die Frühphasen der Unternehmensgründung, wodurch wohl auch kaum intrinsische Faktoren, wie Neugier, persönliche Herausforderung, etc., eine Rolle spielen dürften.

3.2 Einflussfaktoren auf die Motivation aus der Unternehmensumwelt

Vielfach sind die Einflussfaktoren, welche die Entwicklung des Portfolio Entrepreneurship begünstigen, externer Natur. So stellt oftmals eine unternehmerische Gelegenheit den entscheidenden Anreiz dar ein weiteres Unternehmen zu gründen. Diese Aussage lässt sich durch eine Studie, welche die Unternehmensstruktur der landwirtschaftlichen Betriebe in Cambridgeshire, England, untersuchte, bestätigen. Hierbei sahen immerhin 45 % der Portfolio Unternehmer, es als unternehmerische Selbstverständlichkeit an, bei verfügbaren Ressourcen und entsprechender Gelegenheit diese auch zu nützen. Wohingegen bei Unternehmern, welche sich nur in einem Unternehmen engagieren, bloß 12,4% dieser Meinung waren.[10]

Als Ergebnis dieser Studie kann auch implizit angenommen werden, dass eine unternehmerische Gelegenheit erst entsteht, wenn zu den entdeckten Marktbedürfnissen entsprechende bzw. sich damit deckende Ressourcen zur Verfügung stehen. Diese Ressourcen können beispielsweise Know-How, Brachenwissen in Form von Humankapital, sozialem Kapital, aber auch monetäres Kapital sein.

3.2.1 Einflussfaktor Ressourcenzugang

Wie gerade erwähnt stellt der Zugang zu sozialen, humanen und monetären Ressourcen einen wesentlichen Motivator zur Erweiterung der unternehmerischen Tätigkeit im Sinne des Portfolio Entrepreneurship dar. Zu begründen ist dies, durch die Eigenschaft dieser Ressourcen, welche bei Knappheit eine Art „Eintrittsbarriere“ darstellen. In diesem Zuge beeinflussen sie auch die Kosten-Nutzen-Rechnung des Entrepreneurs - desto einfacher die Ressourcen zu lukrieren sind, desto eher fällt die Entscheidung zugunsten einer Erweiterung der bestehenden Tätigkeit

Betreffend den Zugang zu externen monetären Ressourcen muss beachtet werden, dass dieser vor allem Novice Entrepreneuren schwerer fallen dürfte als bereits etablierten Unternehmern. Wobei diese Annahme durch eine Studie, welche sich über insgesamt 354 Unternehmen erstreckte, bestätigen lässt, da hierbei die Gruppe der Novice Entrepreneure die Kaptitalbeschaffung, als größere Hürde bei der Gründung eines Unternehmens betrachtet, als die Vergleichsgruppe der Portfolio Entrepreneure.[11]

[...]


[1] Vgl. Kirchhoff (1994), S. 32

[2] Vgl. Hisrich & Peters (2002), S. 13

[3] Vgl. Gaglio und Katz (2001), S. 96

[4] Vgl. Hall (1995), S. 218

[5] Vgl. Westhead & Wright (1998), S. 111

[6] Vgl. Deci (1975), S. 26f

[7] Vgl. Nestvogel (2004), S. 155

[8] Vgl. Reitan B. (2007), S. 10

[9] Vgl. Westhead et. al. (2005), S. 115

[10] Vgl. Carter (2001) S. 52

[11] Vgl. Westhead et.al. (2005), S. 120

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640905928
ISBN (Buch)
9783640905706
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171281
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
sehr gut
Schlagworte
motive einflussfaktoren portfolio entrepreneurship

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