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Hochbegabte Schüler/innen - Identifikation und Förderung

Hausarbeit 2009 10 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Definitionsproblem Hochbegabung

III. „Das“ begabte Kind gibt es nicht! – Persönlichkeit Hochbegabter

IV. Es gibt oft zwei „Wahrheiten“ zu ein und demselben Kind! - Identifikation Hochbegabter

V. Der frühe Vogel fängt den Wurm! - Förderungsmöglichkeiten Hochbegabter

VI. Abschlussbetrachtungen

VII. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Die Arbeit des Erziehers gleicht der eines Gärtners, der verschiedene Pflanzen pflegt.

Eine Pflanze liebt den strahlenden Sonnenschein, die andere den kühlen Schatten; die eine liebt das Bachufer, die andere die dürre Bergspitze. Die eine gedeiht am besten auf sandigem Boden, die andere im fetten Lehm. Jede muss die ihrer Art angemessene Pflege haben, anderenfalls bleibt ihre Vollendung unbefriedigend.“ (Effendi)

Obwohl Abbas Effendi vor mehr als einhundert Jahren auf dieses Weise die Aufgabe eines Pädagogen beschrieb, ist die Aktualität dieser Thematik höher denn je. Kein Lehrer hat es je mit einer homogenen Gruppe von Schülern zu tun. Pluralität besteht sowohl in den Verhaltensweisen, als auch den Leistungen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen.

Spätestens seit die PISA-Studie den deutschen Schulen Nachholbedarf in Sachen effizienter Bildung bestätigte, werden Stimmen laut, die einen Unterricht fordern, in dem verstärkt auf die individuellen Bedürfnisse und Leistungsfähigkeiten der einzelnen Schüler eingegangen wird. Im ersten Moment denkt man sofort an Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, ADHS oder Schüler, die auf Grund anderer Lernstörungen ungenügende Leistungen erbringen. Doch wie steht es um Unterstützung für diejenigen Schüler, die auf Grund überdurchschnittlicher Begabung im herkömmlichen Schulalltag unterfordert sind und Bedürfnisse nach individuellerem und tiefgreifenderem Unterricht haben?

Auf Grund der zahlreichen Diskussionen rund um das Thema „Hochbegabung“ und nachdem ich in meinem Grundpraktikum bereits einen ersten Eindruck von der Situation Hochbegabter bekommen habe, möchte ich mich tiefgründiger mit dieser Thematik befassen. Hierzu werde ich mich im ersten Schritt mit dem Definitionsproblem der Hochbegabung befassen und anschließend einen Blick darauf werfen, wie die Persönlichkeit hochbegabter Kinder und Jugendlicher in der Wissenschaft beschrieben wird. Darauf aufbauend erfolgt eine Analyse der verschiedenen Identifikations- sowie Fördermöglichkeiten für hochbegabte Schüler und Schülerinnen. Abschließen werde ich meine Analyse mit einer kritischen Betrachtung der Hochbegabungsthematik in Deutschland und einem Blick in eine mögliche Zukunft.

Leider gibt es nur sehr wenige aktuelle Forschungsprojekte, die hinreichend groß und komplex angelegt worden sind (vgl. Rost 2007, S. 13). Trotzdem findet man einige solide empirische Untersuchungen wie die „Münchner Hochbegabungsstudie“ und das „Marburger Hochbegabtenprojekt“. In meinen Ausführungen werde ich mich vor allem auf den Akademiebericht Nr. 429 der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung sowie auf einige Monographien wie zum Beispiel von Ida Fleiß, Annette Heinbokel und Aiga Stapf beziehen.

II. Definitionsproblem Hochbegabung

Außerhalb der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur hat sich der Begriff „Hochbegabung“ in Deutschland noch nicht etabliert. Die Bezeichnungen „Begabung“, „hohe Begabung“ oder „besondere Begabung“ werden dabei nahezu simultan verwendet. Überdies wird die Frage, wie Hochbegabung zu definieren sei, von der Wissenschaft nicht einheitlich beantwortet (vgl. Herfurth-Uber 2005, S. 44).

Der Beginn der Hochbegabungsforschung liegt in den 1920er Jahren und ist eng verbunden mit der Längsschnittstudie von Terman (1925), der „diejenigen Schüler als „hochbegabt“ [bestimmte], die von der Lehrkraft […] zu den drei besten Schülern und Schülerinnen gezählt wurden und in einem Intelligenztest einen IQ von mindestens 135 erzielten“ (Rohrmann; Rohrmann 2005, S. 42; Hervorhebung: Rohrmann; Anpassung und Umstellung: F.L.).

Heute werden in der Regel diejenigen Personen als hochbegabt bezeichnet, die bei einem Intelligenztest besser abschneiden als 97,7 Prozent ihrer Altersgruppe oder die einen Intelligenzquotienten von mindestens 130 aufweisen (vgl. Herfurth-Uber 2005, S. 44; vgl. Rost 2007, S. 12). Bei dieser Art von Definitionen wird jedoch lediglich die kognitive Leistungsfähigkeit betrachtet. Andere Autoren, wie Anette Heinbokel, plädieren dagegen für eine weiter gefasste Begriffsdefinition, die vier Teilbereiche, intellektuelle Begabung, schöpferische Begabung (Malerei, Theater, Musik), psychomotorische Begabung (Sport, Tanz) und soziale Begabung, einschließt (vgl. Heinbokel 1988, S. 23).

Ergänzend anführen möchte ich an dieser Stelle die Position der Autorin Ida Fleiß, die zahlreiche unterschiedliche Definitionen in einer Kategorisierung erfasst hat. Sie differenziert hierbei zwischen Ex-post-facto-Definitionen, bei denen eine Person als hochbegabt bezeichnet wird, wenn diese etwas Hervorragendes geleistet hat, sowie Talentdefinitionen, bei denen diese Person im künstlerischen oder akademischen Bereich besondere Leistungen erbringt (vgl. Fleiß 2003, S. 47). Ebenso führt sie die bereits oben beschriebenen IQ-Definitionen und Prozentsatz-Definitionen an und beschreibt außerdem Kreativitäts-Definitionen, mit originellen und reproduktiven Leistungen als Kennzeichen für Hochbegabung, als eine eigene Kategorie (vgl. Fleiß 2003, S.47f.).

Eine allgemein gültige und von allen Wissenschaftlern akzeptierte und anerkannte Begriffsdefinition von „Hochbegabung“ ist an diesem Punkt der Forschung nicht realisierbar. Zu komplex ist das Thema und zu uneinig die Wissenschaft.

III. „Das“ begabte Kind gibt es nicht! – Persönlichkeit Hochbegabter

So uneinig die Wissenschaft in Bezug auf eine Definition von Hochbegabung argumentiert, so geschlossen verhält sie sich in einem Punkt bezüglich der Persönlichkeit hochbegabter Kinder und Jugendlicher: in der Wissenschaft gibt es nicht „den“ Hochbegabten. Das Verhalten begabter Kinder ist so unterschiedlich wie sie selbst und variiert vom „selbstbewussten, aufgeschlossenen kleinen Professor“ bis zum „unauffälligen, erfolglosen Underachiever“ (vgl. Rohrmann; Rohrmann 2005, S. 22 – 26). Da ich nicht im Detail auf die verschiedenen Persönlichkeitserscheinungen eingehen möchte, verweise ich in diesem Zusammenhang auf das Werk von Ida Fleiß „Hochbegabung und Hochbegabte. Mit Berichten Betroffener“, in dem sich eine ausführliche Typologie befindet.

Trotz aller Variosität im Auftreten hochbegabter Kinder und Jugendlicher lassen sich vor allem in Bezug auf das Denk- und Lernverhalten trotzdem einige gemeinsame Auffälligkeiten erkennen. So zeichnen sie sich insbesondere durch eine schnelle Auffassungsgabe, ein gutes Gedächtnis, einen großen Informationsreichtum und eine hohe geistige Anpassungsfähigkeit aus (vgl. Fleiß 2003, S. 52). Die Autorin Anette Heinbokel stimmt diesem zu und betont darüber hinaus, dass hochbegabte Kinder besonders früh lesen lernen, in ihrem Sprachvermögen den Altersgenossen überlegen sind und zudem durch eine überdurchschnittliche logische Denkkraft und hohe Wissbegierde charakterisiert sind (vgl. Heinbokel 1988, S. 34 – 42). In diesem Zusammenhang verweist sie jedoch eindringlich darauf, dass „ein Kind nicht alle [beschriebenen Eigenschaften und Fähigkeiten] haben [muss], damit es als hochbegabt bezeichnet werden kann“ (Heinbokel 1988, S. 33; Anpassung und Umstellung: F.L.).

Ergänzend in Bezug auf die Persönlichkeit möchte ich noch kurz auf das Sozialverhalten hochbegabter Kinder und Jugendlicher eingehen. Häufig wird ihnen sowohl von Seiten der Gesellschaft als auch von Seiten der Wissenschaft ein Mangel an sozialen Fähigkeiten zugeschrieben (vgl. Stapf 2003, S. 43). Demgegenüber steht die Ansicht der Autorin Aiga Stapf, die sich in ihrem Werk auf zahlreiche ältere und neuere amerikanische und deutsche Studien bezieht. Entgegen der weit verbreiteten Meinung kommt sie zu dem Schluss, dass sich die meisten Hochbegabten im Vergleich zu ihren Altersgenossen durch eine höhere soziale und emotionale Reife auszeichnen (vgl. Stapf 2003, S. 45f.).

IV. Es gibt oft zwei „Wahrheiten“ zu ein und demselben Kind! - Identifikation Hochbegabter

Hochbegabung zu identifizieren ist keine leichte Aufgabe. Zu viele mögliche Fehlerquellen und Fallen lauern und führen oft dazu, dass ein Fehldiagnose gestellt wird (vgl. Rost 2007, S. 23).

Kein anderes Identifikationsverfahren wird „so häufig eingesetzt und kommt zu derartig falschen Ergebnissen“ (Heinbokel 1988, S. 52) wie die Nominierung durch den Lehrer und durch die Eltern. Häufig widersprechen sich die Beobachtungen beider Parteien, weshalb Helmut Quitmann davon spricht, dass es „oft zwei „Wahrheiten“ zu ein und demselben Kind [gibt]“ (Quitmann 2001, S. 12; Hervorhebung: Quitmann; Anpassung und Umstellung: F.L.). Das Problem ist perfekt, da sowohl Eltern als auch Lehrkräfte genau wissen, was sie mit dem jeweiligen Kind erlebt haben und ihre Meinungen auf täglichen Beobachtungen und Wahrnehmungen basieren (vgl. Quitmann 2001, S. 13). Auf Grund dessen zählen Nominierungen durch Lehrer oder Eltern zu Identifikationsverfahren mit geringer Objektivität (vgl. Heinbokel 1988, S. 47).

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Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640906383
ISBN (Buch)
9783640906888
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171331
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Schulpädagogik und Grundschulpädagogik
Note
1,0
Schlagworte
hochbegabte schüler/innen identifikation förderung

Autor

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Titel: Hochbegabte Schüler/innen - Identifikation und Förderung