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Die moderne Konsumgesellschaft, ihre Folgen für die Umwelt und eine neue Form der Konsumkritik: Containern

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Soziologie - Konsum und Werbung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Die Konsumgesellschaft
1.1 Definition der Konsumgesellschaft
1.2 Geschichte der Konsumgesellschaft

2 Umweltproblematik durch die Folgen der Konsumgesellschaft
2.1 Ausmaß der derzeitigen Umweltprobleme durch Konsum und Abfall

3 Containern - eine moderne Form der Konsumkritik?
3.1 Was ist Containern?
3.2 Ziele des Containern

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

6 Medienverzeichnis

0 Einleitung

Zwölf Quadratkilometer - das ist nicht nur die Fläche der größten, mittlerweile geschlossenen Mülldeponie der Welt, sondern auch symptomatisch für die Bilanz der modernen Konsumgesellschaft. Fresh Kills auf Staten Island gilt als das größte von Menschenhand erschaffene Gebilde, besitzt ein größeres Volumen als das der Chinesischen Mauer und ist 24 Meter höher als die New Yorker Freiheitsstatue (Leonard 2010). Die mittlerweile geschlossene Mülldeponie ist ein Zeugnis dafür, welche Dimension die heutige Konsum- und damit einhergehend Wegwerfgesellschaft erreicht hat. Der Leitspruch aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges: „Use it up, wear it out, make it do, or do without“ (Leonard 2010: 12) hat leider schon vor geraumer Zeit an Gültigkeit bei dem Großteil der Menschen in den Industrienationen verloren. Heute gilt: was nicht gefällt wird ersetzt und nur ein Minimum der Menschen weiß, wo ihre Abfälle landen. Diese Hausarbeit zum Thema Konsumsoziologie wird sich zunächst mit der Definition und der Begrifflichkeit der Konsumgesellschaft auseinandersetzen. Was ist eine Konsumgesellschaft, welche Merkmale prägen sie und ab welchem historischen Punkt kann man von ihr sprechen? Auf diese Fragen soll ebenso eine Antwort gefunden werden, wie darauf, welche negativen Konsequenzen die Menschen durch ihre Wegwerfmentalität ihrem Planeten aufbürden. Denn wenn man über die Wegwerfgesellschaft spricht, darf der Aspekt der Umweltproblematik unter keinen Umständen außen vor bleiben. Aus diesem Grund wird diesem Thema in Kapitel 2 Rechnung getragen. Es gibt allerdings eine Minderheit an Konsumenten, die die oben genannte ‚Wegwerfmentalität‘ abgelegt, ihr bisheriges Handeln reflektiert haben und nun eine andere Form des Konsums gewählt haben. Auf dieses sogenannte ‚Containern‘, oder auch ‚Dumpstern‘ genannt, soll in dieser Abhandlung der realitätsbezogene Fokus gelegt werden. Dabei stellen sich zunächst die Fragen: Was ist Containern, wer containert und natürlich warum? Es geht also in allererster Linie darum, die Beweggründe und die Vorgehensweise der Menschen zu erforschen, die diese Art von Konsumkritik üben. Diese Hausarbeit beschäftigt sich demnach mit der These, dass Containern als eine moderne Form der Kritik an der heutigen Konsumgesellschaft angesehen werden kann. Ob diese Annahme verifiziert werden kann oder doch nicht haltbar ist, soll im dritten Kapitel dieser Abhandlung geklärt werden.

Abschließend soll in der Zusammenfassung ein Fazit erfolgen, welches die Abhandlung und ihr Ergebnis zusammenfassend formuliert.

1 Die Konsumgesellschaft

In diesem Kapitel wird die Begrifflichkeit der Konsumgesellschaft anhand ihrer Merkmale zu definieren und charakterisieren sein. Ebenso wird die Geschichte des Konsums bis zur heutigen Ausprägung einer konsumorientierten Gesellschaft näher erläutert, um einen Grundstein für die darauf folgende Thematik der Folgen der Konsumgesellschaft zu schaffen.

1.1 Definition der Konsumgesellschaft

Um die Konsumgesellschaft ausführlich definieren zu können, sollte man in erster Linie einen Blick darauf werfen, welche Merkmale diese Begrifflichkeit ausmachen. Grundsätzlich spricht man von einer Konsumgesellschaft, wenn die Menschen dieser Gesellschaft der Möglichkeit des Konsums einen sehr hohen Stellenwert einräumen. Häufig wird der Begriff auch kritisch verwendet und wird umgangssprachlich gleichgesetzt mit Begriffen wie Wohlstandsgesellschaft, Überflussgesellschaft oder Wegwerfgesellschaft. Dennoch muss man aber auch zugestehen, dass in der heutigen Zeit der Begriff des „Konsum“ eine positive Renaissance erfährt und immer mehr auch mit den Worten Genuss und Selbstbestimmung in Verbindung gebracht wird. Norbert F. Schneider beschreibt, dass es aber nicht gleichzeitig bedeuten muss, dass der Konsumsektor nicht die einzig herausragende und vorzuzeigende Eigenschaft in der jeweiligen Gesellschaft ist (Schneider 2000: 11). Um einen genauen Blick darauf werfen zu können, ist es allen voran notwendig zu klären, was man in der Soziologie überhaupt unter dem Begriff „Konsum“ versteht. Nach Schneider bedeutet Konsum nicht nur, wie oftmals gedacht, die reine wirtschaftliche Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, die meist mit Verbrauch und Abnutzung von Gütern negativ behaftet ist, sondern auch „sämtliche Aktivitäten von Einzelpersonen oder privaten Haushalten verstanden, die auf die Entnahme von Gütern und Dienstleistungen aus dem Markt gerichtet sind“ (ebd.). Genau wie alle Systeme in einer Gesellschaft ist auch der Konsum ein Subsystem, der einem gewissen schematischen Kreislauf folgt. Zu Beginn gibt es ein Bedürfnis, welches durch das gezielte Informieren bestärkt wird. Darauf wird das gewünschte Produkt gekauft, genutzt und zu guter Letzt entsorgt. Konsum ist demnach, „soziales Handeln mit umfassenden gesellschaftlichen und individuellen Funktionen“ (ebd.: 12). Die Konsumgesellschaft zeichnet sich nach John Brewer durch sechs Merkmale aus. Darin enthalten sind: das Angebot eines reichhaltigen Sortiments von unterschiedlichsten Waren; komplizierte Kommunikationssysteme (z.B. Werbung, Marketing), die die Produkte mit Bedeutungen und damit Bedürfnissen versehen; Objektbereiche von als zusammengehörig geltenden Waren, die die Regeln des Geschmacks bilden (z.B. Mode, Stil); der hohe Stellenwert von Freizeit und Konsum vor der Arbeit; die Existenz des „Konsumenten“ als individuelle Rolle (ebd.) und zuletzt die Konsumkritik als Zeichen einer vorherrschenden Zwiespältigkeit zwischen Konsumenten und dem Konsum selbst, gekennzeichnet durch die Gefahren für den Menschen, seiner Umwelt und Gesellschaft. Der letzte Punkt gliedert sich hervorragend in diese Abhandlung ein. Denn wie schon erwähnt ist ein Hauptmerkmal der Konsumgesellschaft die Konsumkritik selbst. Nachdem die Begrifflichkeit nun kurz, aber ausführlich definiert wurde, ist es interessant einen Blick auf die Entwicklung vom menschlichen Konsum zu werfen. Dies soll nun im nächsten Unterkapitel erfolgen.

1.2 Geschichte der Konsumgesellschaft

Nachdem die verwendeten Begriffe definiert worden sind, soll nun ein kurzer historischer Überblick über die Entwicklung der Konsumgesellschaft gegeben werden. Grundsätzlich lässt sich dazu sagen, dass es eigentlich schon immer Konsum gegeben hat. Der Weg zur heutigen Konsumgesellschaft wurde schrittweise gegangen und immer durch einschneidende Veränderungen vorangetrieben. Wo die genauen Anfänge der Konsumgesellschaft liegen, lässt sich zwar nicht genau festsetzen, jedoch kann man anmerken, dass es theoretisch seit dem 15. Jahrhundert die erste kleine Form von übermäßigem Konsum gegeben hat. Die, die diesen allerdings genießen konnten, ließen sich wohl an einer Hand abzählen. Geschuldet ist diese Tatsache der bis in das 17. Jahrhundert andauernden Ständegesellschaft. Nutznießer des Genusses waren lediglich die Menschen der oberen Stände, die ihr Verlangen nach Genuss durch Fleisch und andere begehrte Nahrungsmitteln stillten. Die meisten Menschen verbrachten zu dieser Zeit einen Großteil ihrer Lebenszeit damit, Nahrung anzubauen, um sie im Anschluss wieder zu konsumieren und dies in stetiger Wiederholung (Jäckel 2004). Im 18. Jahrhundert lag dann der Fokus bezüglich der Nahrungsmittel immer noch weniger im Konsum, als vielmehr in den Überlegungen zur Produktion von Lebensmitteln. Zahlreiche ökonomische Theorien befassten sich damit, wie eine Verbesserung der Nahrungssituation zu bewerkstelligen sei. Damit ging man aktiv an das Problem der Versorgung mit Lebensmitteln einer immer schneller wachsenden Bevölkerungszahl entgegen. In der Wende vom 18. Jahrhundert zum 19. Jahrhundert konnten drei wichtige Veränderungen erreicht werden, die die genannte Problematik beschwichtigten. Zum einen wurde nun die Fruchtwechselwirtschaft genutzt, um einen höheren Ernteertrag zu erzielen. Bei dieser sogenannten Agrarrevolution wurden nun auch künstliche Düngemittel eingesetzt und die landwirtschaftliche Produktion immer fortschreitender mechanisiert (Jäckel 2004: 24). Auch die Transportrevolution verhalf zu einer neuen Handelsdynamik. Durch die Entwicklung neuer Infrastrukturen über Eisenbahn, Schiffen usw. konnten auch gleichzeitig neue Märkte erschlossen werden. Ein dritter wichtiger Faktor lag im Fortschritt zur Konservierung von Lebensmitteln. Der Franzose Nicolas Francois Appert entwickelt ein Konservierungsverfahren und war so in der Lage Nahrungsmitteln für eine enorm längere Zeit haltbar zu machen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es durch die Entwicklung von Kältemaschinen zu einem weiteren Fortschritt in puncto Nahrungsversorgung. All diese Faktoren spielen auch heute noch eine große Rolle, denn die Transportrevolution und auch die erste Entwicklung von Kühltechniken, sind ein wichtiger Basisbestandteil für die heutige moderne Konsumgesellschaft. Dadurch wurde ein Grundstein gelegt, der es ermöglicht jegliches Nahrungsmittel und Gut von einem Ort auf der Welt zum anderen zu bringen. Jäckel zitiert dazu Wolfgang König, der feststellt, dass „die ganze Welt zum Obstgarten, zum Gemüsebeet und zur Viehkoppel des Verbrauchers gemacht [wird]“ (Jäckel 2004:25). Dazu kam es ebenfalls im 18. Jahrhundert, dass die Vergrößerung des Marktes einhergehend mit der steigenden Nachfrage auch eine Ausweitung des Angebots zur Folge hatte. Anhand der Vermarktung von Bleich- und Waschmitteln, die zum einen zu einer höheren Reinlichkeit und zum anderen zu einer steigenden Nachfrage führten, lässt sich erkennen, dass vorher nie dagewesen Produkte plötzlich als zwingend notwendig angesehen werden. Dieses Phänomen ist heute aktueller denn je. Aber auch Mitte des 19. Jahrhunderts erschloss sich ein immer größer werdender Konsumentenkreis. Dies war auch durch den Mobilitätsaufschwung bedingt, der im 19. Jahrhundert einsetzte und die Strukturen der „so genannten alteuropäischen Gesellschaft“ (Jäckel 2004: 26) stark veränderte. Die Menschen, die zuvor in kleineren sozialen Einheiten lebten und eine Gemeinschaft bildeten, fanden sich nun in der Anonymität einer Großstadt wieder. Der deutsche Soziologe Georg Simmel sah in dem aus der Anonymität wachsenden Bedürfnis nach Unterschiedlichkeit einen entscheidenden Faktor in der Steigerung des Konsumverhaltens. Ebenso gehen andere Soziologen wie etwa der Konsumsoziologe Thorstein Veblen davon aus, dass der Konsum wie heute auch als ein „Prestigemittel“ (Jäckel 2004: 26) gesehen werden muss, der zur Demonstration eines gewissen Lebensstandard beitragen sollte und gleichzeitig einen Großteil des Einkommens verschlang. Wie schon anfänglich erwähnt geht die Konsumgesellschaft einher mit vielen wichtigen Veränderungen. Diese sieht König in sechs bestimmten Kriterien, die einen dazu beigetragen haben, dass unsere heutige Gesellschaft zu einer Konsumgesellschaft geworden ist. Durch neue Produktionstechniken, wie etwa dem Kunststoff, konnte die Produktion und der Preis gesenkt werden, dies steigerte natürlich zwangsläufig die Vielfalt und Nachfrage.

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Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640906505
ISBN (Buch)
9783640906758
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171348
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,7
Schlagworte
konsumgesellschaft folgen umwelt form konsumkritik containern

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