Lade Inhalt...

Analyse und Erörterung eines Textauszuges aus Ulrich Wickerts "Mehr Klartext, bitte"

Hausarbeit 2010 6 Seiten

Didaktik - Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Analyse und Erörterung eines Textauszuges aus Ulrich Wickerts „Mehr Klartext, Bitte!“

„Der Mensch als ‚zoon logon echon’ – ein mit Vernunft und Sprache begabtes Wesen“ (Aristoteles). Wenn der Mensch wirklich vernunft- und sprachbegabt ist, wieso lässt er dann zu, dass das eine das andere zerstört?

Ulrich Wickert, Fernsehjournalist, TV-Korrespondent, Moderator und Autor, der 1942, also zur Zeit des Zweiten Weltkrieges geboren wurde, ist der Auffassung, dass es mehr „Klartext“ bedarf. Dabei spricht er im uns vorliegenden Text, „Mehr Klartext, Bitte!“, der, meiner Meinung nach belehrender Art ist, die „Tabuisierung“ und die Vielzahl an Anglizismen in der deutschen Sprache an, die seiner Meinung nach unsere Sprache und damit verbunden unsere kulturelle Identität zerstören. Der Fundort unserer Textgrundlage ist die Beilage „Literarische Welt“ aus der Tageszeitung „Die Welt“ aus dem Jahr 2008, der Text liegt uns nur in einem Auszug vor.

In den folgenden Abschnitten möchte ich mich mit dem Text auseinandersetzen, die Aussagen des Autors zusammenfassen und auf seine Argumentationsstruktur eingehen, sowie mich mit der These „Sprache und Geschichte lassen sich nicht trennen“ auseinandersetzen und mich gegebenenfalls konträr dazu äußern.

Im Text, der durch seine einseitige, manchmal subjektive Argumentation mir als Glosse erscheint, nimmt Ulrich Wickert kein Blatt vor dem Mund, er praktiziert das, was er schreibt, Loslösen von der Tabuisierung und von Anglizismen, somit tut er genau das, was er von allen anderen auch erwartet, die Reinhaltung der deutschen Sprache um ihrer Selbst willen.

Adressaten sollen vor allen Dingen ältere Menschen sein, die zum einen von dieser Tabuisierung nicht so stark geprägt sind, da sie die Zeit vor ebendieser selbst miterlebten und, um auf den zweiten Teil der Argumentation Wickerts zu sprechen zu kommen, können diese alten Leute mit Anglizismen nicht viel anfangen. Jedoch sollen auch Erwachsene und vor allem Jugendliche angesprochen werden, da diese die Möglichkeit haben, etwas zu verändern, indem sie sich nicht mehr mit sozialen Disparitäten auseinandersetzen, sondern mit gesellschaftlichen Unterschieden.

Für Wickert ist der Stand der Dinge kritisch und wenn wir und weiter von der deutschen Sprache entfernen, entfernen wir uns auch weiter von uns selbst.

Seiner Argumentation ist sehr schlüssig und versucht zu überzeugen, deshalb besteht der Zusammenhang zwischen Absicht und Darlegungsform in der Überzeugung der Leser. Er belegt alle Thesen mit Argumenten und Fakten, worauf ich später näher eingehen werde. Bei seinen Thesen klammert er sich an Behauptungen, die er mit Autoritäts-, Fakten und analogisierenden Argumenten bekräftigt.

Wickert benutzt hochdeutsche Sprache und behält dabei einen normalen Sprachstil bei. Er benutzt Denotationen, da seine Argumente und Beispiele wertfrei sind und seine Absicht die ist, dass er versucht die Leser zu überzeugen. Jedoch bei seinen verwendeten Beispielen, wie z.B. „[…] ist aberwitzig, ist dumm“, erkennt man eine gewisse subjektive Haltung, bei der er sehr engagiert wirkt.

Bei seinen Überzeugungsversuchen, die mehr wie Appelle wirken, jedoch der Form nach keine sind, kann man beobachten, dass sich die Länge der Absätze deutlich verringert, was wiederum die Eindringlichkeit seiner Aussage steigert, was zu bedeuten hat, dass es sich um eine formale Klimax handelt.

Im ersten Teil versucht er die Worte von Jorge Luis Borges nachzuvollziehen, kommt jedoch zu dem Schluss, dass Sprache nur dann glücklich macht, wenn man sie bewusst anwendet, und dies ist seiner Meinung nach in Deutschland nicht der Fall. Dabei geht er von der Tabuisierung der deutschen Sprache nach der Zeit des Nationalsozialismus aus. Sprache und Geschichte lassen sich nun mal nicht trennen und die Tabuisierung führt dazu, dass wir das Denken vernachlässigen und unsere Vergangenheit verleugnen und verdrängen. Nur weil ein Wort irgendwann einmal negativ belastet war, besteht nun ein Tabu? Das ist unverständlich! Er beschreibt die „Toleranz“ anderen „Bräuchen“ gegenüber, wie z.B. dem Ehrenmord, aber warum sind wir uns selbst gegenüber nicht tolerant?

Wickert formuliert, dass die Tabuisierung aufgehoben wird und die belasteten Wörter wieder ihrer ursprünglichen Bedeutung zugeschrieben werden. Wir sollen Verantwortung übernehmen und nicht vor den Problemen weglaufen.

Auch die Zunahme an Anglizismen in unserer Sprache ist ihm ein Dorn im Auge. Viele verstehen diese Wörter nicht und deutsche Wörter sind doch viel aussagekräftiger. Im Folgenden ironisiert Wickert, indem er der Forderung von Rolf Hochhut nachgeht, ein Sprachgesetz nach französischem Vorbild einzuführen.

Ulrich Wickert benutzt eine Vielzahl von rhetorischen und stilistischen Mitteln. Die Anapher „[…] wegen der zwölf Jahre […], wegen des Weltkrieges […], wegen der Judenvernichtung“, wirkt als Bekräftigung seiner Aussage, dass die deutsche Sprache zunehmend tabuisiert wird. Die Parenthesen wirken bei ihm wie kleine Gedächtnisstützen, wie z.B. „[…] –wegen Auschwitz- […]“. Durch das Einbringen von wörtlicher Rede, wie z.B. „Ich habe ja, obwohl man in meiner Kindheit mit erhobenen Arm ‚Heil Hitler’ grüßte, was damals alles andere als komisch war […], trotzdem Heilbutt gegessen und Heilkräuter getrunken.“, wird seine Aussageabsicht, hier speziell durch ein Autoritätsargument von Hellmuth Karasek, verstärkt. Die Akkumulation „Frankreich, England, Spanien“, soll beweisen, dass andere Länder dieses Problem nicht haben, nur wir.

Als nächstes führt er ein Paradoxon an „[…] Mord […] mit […] Menschenwürde“ und gleich dahinter die Correctio „[…]ist aberwitzig, ist dumm“. Dies alles bekräftigt die Absurdität des Gesagten und soll auf die Probleme unserer Sprache hinweisen. Er benutzt viele treffende Adjektive „kaltblütig[…], kabarettreif“ und wechselt bei seiner Deutung des Wortes „Klartext“ von den Hypotaxen zu Parataxen, dies alles, um seine Aussage und deren Eindringlichkeit zu verstärken.

Nun werde ich die Argumentationsstruktur darlegen und mich danach zum Thema erörternd äußern.

Wickert beginnt mit der These, und das ist die erste Hauptthese, dass sich Sprache und Geschichte nicht voneinander trennen lassen. Die erste Unterthese dazu ist, dass besonders in der deutschen Sprache besonders feinfühlig mit Worten umgegangen wird. Hierbei bezieht er sich auf die Zeit des Nationalsozialismus’, sein erstes Argument ist, dass die Verbrechen der Nazis hier tabuisiert werden, was ebenfalls Beispiele für sein Argument sind. Als nächste These fügt er an, dass „der Sinn von Tabus [der ist], das Denken auszuschalten“. Sein Argument dazu ist, dass viele Leute nur wegen dieser einmaligen Belastung dieser Wörter die Benutzung ebendieser Wörter vermeiden. Ein Beispiel dafür ist Rolf Hochhuth, der wegen des Wortes „Führer“ in „Führerschein“ ebendiesen nicht gemacht hat. Ein zweites Beispiel ist die Uniform, die hierzulande mit Wehrmacht assoziiert wird, jedoch anderswo im normalen Sprachgebrauch ist.

Seine nächste Unterthese ist, dass wir Deutschen ein Übermaß an Toleranz besitzen, doch nur nicht uns gegenüber. Dies belegt er mit dem Argument, dass z.B. Türken Morde an Familienmitglieder mit der Bezeichnung „Ehrenmord“ rechtfertigen. Beispiel dafür ist, dass Richter, die eigentlich nach deutschem Recht urteilen sollten, eine milde Strafe in Erwägung ziehen. Im Anschluss darauf erstellt er seine Konklusion.

Seine nächste Hauptthese ist, dass zu viele Fremdwörter unsere Sprache und deren Verständnis schädigen, wobei man als Argument anführen kann, dass viele Leute, vor allen Dingen ältere Leute, diese Fremdwörter nicht verstehen, was er mit dem Beispielwort „Sanktion“ belegt. Ein weiteres Autoritätsargument ist die Forderung von Rolf Hochhuth eines Sprachgesetzes nach französischem Vorbild um unsere kulturelle Identität zu wahren und uns vor innerer Entfremdung zu schützen, obwohl er genau bei diesem Beispiel die Situation ironisiert, also nach dem Motto „Man kann es auch zu weit treiben“.

Sprache und Geschichte lassen sich nicht voneinander trennen, ist dem so? Ulrich Wickert meint, dass Sprache und Geschichte sich nicht trennen lassen, obwohl es für ihn wünschenswert wäre, dass es möglich sei, da wir ja sonst auf jedes Wort, was einmal negativ belastet war, verzichten müssten. Ich glaube, dass man die beiden nur soweit voneinander trennen sollte, wie nötig ist, also ein Wort so zu benutzen, dass man nicht zwangsläufig an die negative Bedeutung denkt, jedoch wäre es verwerflich, wenn man den geschichtlichen Aspekt gänzlich verdrängt, denn das ist nicht Sinn der Sache. Wie man sieht ist eine komplette Trennung nicht möglich, doch es ist wichtig etwas von den bestehenden Tabus zu distanzieren, denn jedes Wort was wir kennen, macht unseren Wortschatz reicher. Man soll jedoch nie vergessen oder verdrängen, deshalb ist die Tabuisierung genau der falsche Weg, wie auch Wickert meint, da wir uns mit unseren Problemen auseinandersetzen müssen und sie nicht verdrängen oder vor uns hinschieben dürfen. Ziel ist es Sprache bewusst anzuwenden und Verdrängung von Fakten ist alles andere als bewusst. Ich bin der Auffassung, dass, obwohl die Nazi-Zeit schwer war, deren Begriffe nicht in Vergessenheit geraten dürfen, da uns etwas damit verbindet – die Geschichte. Sprache und der Sinn von Wörtern hängt meiner Meinung nach vom Kontext und der Entstehungszeit ab, da z.B. „Führer“ damals eine andere Bedeutung hatte als heute, damals war es der große unumstößliche Diktator, der die Menschen in ein neues Zeitalter führen wollte, heute hat man den Führer in den Pyramiden von Gise.

[...]

Details

Seiten
6
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640910694
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171457
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Gymnasium, Calbe (Saale)
Note
1,0
Schlagworte
Ulrich Wickert Klartext Erörterung Analyse Argumentation

Autor

Zurück

Titel: Analyse und Erörterung eines Textauszuges aus Ulrich Wickerts "Mehr Klartext, bitte"