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Analyse und Planung von Unterricht - Das Hamburger Modell

Lehrtheoretische Didaktik nach Wolfgang Schulz

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in das Hamburger Modell von Wolfgang Schulz
2.1 Zum Begriff der Didaktik
2.2 Vom Berliner zum Hamburger Modell

3. Inhalt der „Neuen Konzeption“
3.1 Die Kerntheorien
3.1.1 Normative Kerntheorie
3.1.2 Deskriptive Kerntheorie
3.2 Grundstrukturen und Aufgabe der Unterrichtsplanung
3.2.1 Perspektivplanung
3.2.2 Umrissplanung
3.2.3 Prozessplanung
3.2.4 Wert der Emanzipation
3.3 Didaktischer Hintergrund

4. Prinzip der Planung: TZI – Themenzentrierte Interaktion

5. Schluss

Zusammenfassung und Reflexion

1. Einleitung

Schule - ein Ort des Lehrens und des Lernens. Ein komplexes System wie das der Schule in einigen Worten wiederzugeben könnte ihrer Bedeutung nicht Rechnung tragen. Schule als Ort des Lehrens oder Unterrichtens zu thematisieren wirft unweigerlich die Frage auf: Was ist Unterricht? Wer entwirft ihn? Wie plant der Lehrkörper seinen Unterricht? Schließlich impliziert letzterer eine Planung, könnte sich doch kaum einer vorstellen, sich vor eine Klasse zu stellen mit einem Lehrplan respektive mit Lerninhalten, die man sozusagen aus dem Stegreif versucht, den Lernenden bzw. den Schülern zu vermitteln. Dies würde schlichtweg in Chaos enden. Aus diesem Grunde bedient sich die moderne Pädagogik unterschiedlicher didaktischer Modelle um dem Unterricht eine Struktur zu verleihen, um festzulegen welche Ziele in welcher Reihenfolge mit welchen Medien „an den Mann“ gebracht werden sollen. Hier wäre das so genannte Berliner Modell zu erwähnen, dessen Urheber Paul Heimann ist. Seine lerntheoretische Didaktik wurde zum „Urkonzept“ für viele darauffolgende didaktische Modelle, die sich auf Heimann beriefen. Dieses Modell entstand nicht zuletzt aus der Kritik an der bildungstheoretischen Didaktik von Wolfgang Klafki. Nichtsdestotrotz empfand man auch das Berliner Modell nicht als die „Krönung“ der didaktischen Modelle, so auch Wolfgang Schulz, Erziehungswissenschaftler und Professor für Didaktik in Hamburg. Diese Arbeit soll sich im Folgenden mit dem durch letztgenannten entstandenen didaktischen Modell, dem Hamburger Modell, auseinandersetzen. Seine Entstehungsgeschichte, Kernpunkte und Ziele sollen thematisiert und erläutert werden. Zum Schluss soll es einer kritischen Betrachtung unterzogen werden.

2. Einführung in das Hamburger Modell von Wolfgang Schulz

2.1 Zum Begriff der Didaktik

Das Hamburger Modell von Wolfgang Schulz wird auch als die Lehrtheoretische Didaktik bezeichnet. Diesen Begriff gilt es zu klären um eruieren zu können, was Schulz mit diesem Terminus beschreiben möchte. Doch zunächst stellt sich die Frage: Was ist Didaktik? Wozu dient sie? „Didaktik ist die Lehre von der Organisation der Lehr- und Lernprozesse im Hinblick auf kognitive, soziale und emotionale menschliche

Fähigkeiten und Tätigkeiten. Als solche spielt die Didaktik in der Ausbildung von

Lehrern und anderen pädagogischen Berufen eine wichtige Rolle.“[1] Schulz definiert Didaktik „als die Theorie vom emanzipatorisch relevanten, professionell pädagogischen Handeln […], die Lehrern Grundlagen für eben solches Handeln aufbereiten und in der Lehre vermitteln soll“[2]. Für Schulz indes stand, wie zuvor erwähnt, die lehrtheoretische Didaktik im Vordergrund, war es für ihn doch von Bedeutung, „einseitige Lehrerzentriertheit des (Berliner) Modells“[3] zu vermeiden und so „eine konkrete Utopie schülerorientierten Unterrichts“[4] zu schaffen. Lehrtheoretische Didaktik will also weg von einem einseitigen Lehr-Lernprozess hin zu einem solchen, in dem beide Seiten, sowohl Lehrer als auch Schüler, als Handelnde involviert sind und aktiv agieren können und sollen.

2.2 Vom Berliner zum Hamburger Modell

Wolfgang Schulz war mit dem Berliner Modell nicht wirklich zufrieden. Die skeptische Einstellung zum technologischen Charakter des Modells[5] veranlasste ihn dazu, Mitte der 1960er Jahre dieses zu überarbeiten, musste jedoch auf die Mitarbeit von Paul Heimann, dem Urheber des Berliner Modells, verzichten, da dieser 1967 starb.[6] Der Wechsel an die Universität Hamburg brachte auch den Namenswechsel mit sich. Das neue Modell hieß nun das „Hamburger Modell“.[7] Die neue Konzeption unterschied sich im Wesentlichen durch zwei Aspekte vom Berliner Modell. „Zum einen ist es ein Modell nicht nur kurzfristiger, sondern auch langfristiger Unterrichtsplanung; zum anderen ein Handlungsmodell, wo das Berliner ein Entscheidungsmodell war.“[8] Hierbei hebt Schulz besonders hervor, dass es „'nicht mehr [um] Unterrichtsplanung überhaupt'“ gehe, sondern dass „'ein Handlungsmodell für unsere Situation' (der Unterrichtsplanung)“[9] geboten würde. Das Entscheidungsmodell bestimmt den Lehrer als einzigen Bezugspunkt didaktischer Theorie, während das Handlungsmodell Lehrer und Schüler

bzw. alle Beteiligten als Bezugspunkt sieht.[10]

3. Inhalt der „Neuen Konzeption“

3.1 Die Kerntheorien

Das Hamburger Modell ist in seiner Form in eine normative und eine deskriptive Kerntheorie zu unterscheiden, welches die Möglichkeit bietet, dem Rezipienten einen groben Überblick über das Geschehen zu geben, bevor zur genauen Analyse und Planung von Unterricht übergegangen wird.

3.1.1 Normative Kerntheorie

Der von Schulz weiterentwickelten lehrtheoretischen Didaktik liegt eine normative Kerntheorie zugrunde, deren Ziel es ist, Selbstverwirklichung der Persönlichkeit zu erreichen. Um die emanzipatorische Tendenz seiner Theorie zu untermauern betont Schulz drei wichtige Faktoren. Diese sind namentlich Kompetenz, Autonomie und Solidarität. Diesen schließt er drei thematische Dimensionen an, nämlich Sach-, Gefühls- und Sozialerfahrung.[11] Näher wird dies im Folgenden in der Perspektivplanung des Modells erörtert.

3.1.2 Deskriptive Kerntheorie

In der deskriptiven Kerntheorie geht es um die Planungstätigkeit und allen weiteren Bereichen von Unterricht, die zur Organisation desselben gehören. Alle Elemente des Unterrichts werden hier berücksichtigt.[12] Diese sind:

- Lehrer (L) und Schüler (S)
- Unterrichtsziele (UZ)
- Ausgangslage (AZ)
- Vermittlungsvariablen (VV)
- Erfolgskontrolle (EK)[13]

Dieses Konstrukt enthält überdies noch weitere Instanzen, denen äußere Einheiten untergeordnet sind:

- Institutionelle Bedingungen
- Produktions- und Herrschaftsverhältnisse
- Selbst- und Weltverständnis schulbezogen Handelnder[14]

Im Folgenden wird in der Umrissplanung genauer darauf eingegangen.

3.2 Grundstrukturen und Aufgaben der Unterrichtsplanung

Bei der Unterrichtsplanung ergeben sich drei große Planungsebenen:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten][15]

Abbildung 1: Planungsebenen

3.2.1 Perspektivplanung

Die Perspektivplanung ist immer über einen größeren Zeitraum anzulegen, etwa ein Semester oder ein Jahr.[16] Schulz erachtet Perspektivplanung für notwendig, „weil die Rahmenvorgaben für Unterricht einerseits so allgemein gehalten sind, daß sie nicht ohne weiteres in konkreten Unterricht übersetzt werden können […][17] und andererseits der Lehrkörper so die Gelegenheit hat, durch Planung im Hinblick auf individuelle Bedürfnisse seiner Schüler den an ihn gerichteten pädagogischen Auftrag zu erfüllen. Für den Lehrer bedeutet dies, dass er einen Orientierungsrahmen geboten bekommt, in

Bezug auf die weitere Vorgehensweise, dass er somit keine direkten Vorgaben bekommt, die Schulz auch als „Richtziele“ bezeichnet. Diesbezüglich wendet er sich mit einer Matrix an die Lehrer, die nur insofern verstanden werden kann, wenn man weiß, wie Schulz Unterricht definiert und was er herbeiführen soll, nämlich, dass Unterricht Emanzipation ermöglichen soll. Der Schüler soll dazu animiert werden, über sich selbst zu bestimmen, fähig zu sein, ein gewissenhaftes kultiviertes Leben zu führen. Die drei Faktoren, die die Matrix ausfüllen, sind Kompetenz, Autonomie und Solidarität. Unter Kompetenz versteht Schulz, dass man die Heranwachsenden mit allen Fähigkeiten

versehen muss, derer sie für ihr Leben, ihren beruflichen Weg und für gesellschaftliches Mitwirken bedürfen.[18] Autonomie bezeichnet die „persönliche Unabhängigkeit in eigenständigem und verantwortlichem Denken und Handeln [...]“[19], während die Solidarität das soziale Verhalten im Umgang mit anderen ausbauen und Hilfsbereitschaft evozieren soll. Diese Matrix wird erweitert durch drei weitere Kategorien, mithilfe derer die entsprechende Ausstattung ermöglicht werden soll. Dies sind namentlich die Sacherfahrung, die Gefühlserfahrung und die Sozialerfahrung. Die Sacherfahrung meint die Auseinandersetzung der Schüler mit bestimmten Sachverhalten, etwa mathematischen Formeln oder Strukturen von Farben, während die Gefühlserfahrung die positiven oder negativen Gefühle impliziert, die der Schüler bei der Auseinandersetzung mit dieser Sacherfahrung mitbringt. Die Sozialerfahrung indes bezeichnet die Erfahrungen, die man als Schüler regelmäßig, ob freiwillig oder unfreiwillig, beispielsweise im Umgang mit Mitschülern und dem Lehrer macht. Im Folgenden ist hierzu diese Matrix als Grafik dargestellt.

[...]


[1] http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/l50/l5088.htm (Letzter Zugriff am 18.12.2010)

[2] Peterßen, W.H.: Lehrbuch Allgemeine Didaktik. München 2001, 6. Aufl. 59

[3] Jank, W./ Meyer, H.: didaktische Modelle. Berlin 2008, 8. Aufl. 282

[4] Ebd.

[5] Vgl. Peterßen. 58

[6] Vgl. Jank/Meyer. 282

[7] Vgl. Peterßen, W.H.: Handbuch Unterrichtsplanung. Grundfragen-Modelle-Stufen-Dimensionen. München 2000, 9. Aufl. 96

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Vgl. Peterßen 2001 63

[11] Vgl. Evers, Reimund: Soziale Kompetenz zwischen Rationalisierung und Humanisierung - eine erwachsenenpädagogische Analyse. Münster 2000. 215

[12] Vgl. von Martial, Ingbert: Einführung in didaktische Modelle. Hohengehren 2002. 165

[13] Vgl. Peterßen 2000. 99

[14] Vgl. Peterßen 2000 99

[15] Vgl. Ebd. 96f.

[16] Vgl. Ebd. 97

[17] Ebd.

[18] Vgl. Ebd.

[19] Ebd.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640910731
ISBN (Buch)
9783640908691
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171464
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,7
Schlagworte
analyse planung unterricht hamburger modell lehrtheoretische didaktik wolfgang schulz

Autor

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Titel: Analyse und Planung von Unterricht - Das Hamburger Modell