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Das Konzept der Angebotsorientierten Wachstumspolitik

Darstellung und kritische Würdigung

von Daniel Wittkowsky (Autor) Thomas Schwich (Autor)

Studienarbeit 2009 24 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wirtschaftswachstum
2.1 Definition von Wirtschaftswachstum und Wachstumspolitik
2.2 Wachstumsziel
2.3 Der Prozess des Wirtschaftswachstums
2.4 Ursachen von Stagnation des Wirtschaftswachstums

3. Grundlagen der Angebotsorientierten Wachstumspolitik
3.1 Theoretische Grundlagen
3.2 Ansatzpunkte der Angebotsorientierten Wachstumspolitik

4. Maßnahmen der Angebotsorientierten Wachstumspolitik
4.1 Finanzpolitik
4.2 Geldpolitik
4.3 Lohnpolitik
4.4 Wettbewerbspolitik
4.5 Sozialpolitik
4.6 Forschungs- und Entwicklungspolitik
4.7 Bildungspolitik
4.8 Ressourcen- und Umweltpolitik

5. Kritische Würdigung der Angebotsorientierten Wachstumspolitik

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Veränderungen von BIP und PP

Abbildung 2: Laffer Kurve

Abbildung 3: Reallöhne im Vergleich

Abbildung 4: Nominale Lohnstückkosten 1997

Abbildung 5: Nominale Lohnstückkosten 2007

Abbildung 6: Vergleich Lohnstückkosten und Export 2000 - 2007

„Der Staat muss Gärtner sein und darf nicht Zaun sein, wenn er Wachstumspolitik betreiben will.“[1]

1. Einleitung

Gerade in Zeiten von Wirtschaftskrisen entfacht der Streit über die „richtige“

Wirtschaftspolitik. Angefangen von klassischen Ansätzen über den Keynesianismus bis hin zum Monetarismus existieren unterschiedlichste Theorien. Die in den letzten Jahren praktizierte Politik, bei der unter anderem die Agenda 2010 entstand, war geprägt von sozialen Einschnitten, zahlreichen Reformen , mit dem Ziel, die Angebotsseite der Wirtschaft zu stärken. Diese Politik der Angebotsorientierung steht bei der Bundestagswahl 2009 auch im Hinblick auf die aktuelle Wirtschaftskrise nun auf dem Prüfstand.

In der folgenden Arbeit soll deshalb die Theorie der Angebotsorientierten Wachstumspolitik näher betrachtet werden. Dazu widmet sich Kapitel 2 dem Wirtschaftswachstum. Kapitel 3 stellt die Grundlagen der Angebotstheorie in den Vordergrund. Im folgenden Kapitel 4 werden Maßnahmen genannt, mit denen Aufschwung und Wachstum erreicht werden können. Im letzten Kapitel 5 wird das Thema kritisch gewürdigt und bewertet.

2. Wirtschaftswachstum

2.1 Definition von Wirtschaftswachstum und Wachstumspolitik

Unter Wirtschaftswachstum wird im allgemeinen Sinne „eine anhaltende Ausdehnung der Güterproduktion einer Volkswirtschaft“[2] verstanden, wobei unter Gut sowohl Sachgüter als auch Dienstleistungen fallen. Soll die Definition weiter konkretisiert werden, so gilt es sich in erster Linie mit der Bestimmung von Wirtschaftswachstum auseinanderzusetzen.

In der Literatur kann Wirtschaftswachstum auf 2 Arten bestimmt werden, über das reale BIP und das Produktionspotential.

a) Bestimmung über das reale BIP

Das reale BIP ist inflationsbereinigt und meint „den Gesamtwert aller Güter, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt und zu Marktpreisen bewertet wurden“.[3] Das Wachstum wird dabei über die Veränderung des BIPs zum Vorjahr berechnet, das im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) ermittelt wird. Beim so ermittelten Wachstum handelt es sich um einen kurzfristigen Vorgang, weil sowohl Veränderungen der Produktionskapazitäten als auch konjunkturelle Veränderungen (durch Änderung der Auslastung der vorhandenen Produktionskapazitäten) Einfluss auf das reale BIP haben.[4]

b) Bestimmung über das Produktionspotential

Das Produktionspotential (PP) stellt die „potentielle gesamtwirtschaftliche Produktion“ dar und wird als BIP bei voller Auslastung der Produktionskapazitäten ermittelt.[5] Wachstum beschreibt dabei die Veränderung des Produktionspotentials und umfasst somit alleine Veränderungen der Produktionskapazitäten. Diese Art der Bestimmung ist damit unabhängig von konjunkturellen Schwankungen und versteht Wachstum als einen längerfristigen Vorgang. Die Tatsache, dass die Entwicklung des BIPs und des Produktionspotentials nicht unbedingt übereinstimmen müssen, zeigt folgende Abbildung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: [BMF 2006]

Abbildung 1: Veränderungen von BIP und PP

Im Rahmen dieser Seminararbeit soll sich mit dem reinen Wirtschaftswachstum, unabhängig von Konjunkturschwankungen, auseinandergesetzt werden. Aus diesem Grund wird Wirtschaftswachstum als „langfristige Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes bei normaler oder voller Auslastung aller sachlichen und personellen Kapazitäten, also der Veränderung des Produktionspotentials“[6] verstanden. Dementsprechend hat eine Wachstumspolitik in diesem Zusammenhang, das Ziel, „das Produktionspotential mittelbis langfristig zu erhöhen“[7], während das Ziel, das Produktionspotential normal auszulasten der Konjunkturpolitik zugeschrieben werden.

2.2 Wachstumsziel

Mit Wachstum können sowohl positive als auch negative Veränderungen assoziiert werden. [8] So erhöht eine steigende Güterversorgung, die Wachstum evoziert, den Lebensstandard der Bevölkerung. Weiterhin ist Wachstum für einen hohen Beschäftigungsstand notwendig, um Arbeitslosigkeit z.B. aufgrund der Zunahme der Bevölkerung oder Rationalisierung durch Technik vermeiden zu können. Zusätzlich entschärft Wachstum Verteilungskonflikte, wenn der Schwerpunkt auf die Umverteilung von Einkommenszuwächsen gelegt wird. Als möglichen negativen Aspekt könnte angesehen werden, dass Wirtschaftswachstum nicht unbedingt Rücksicht auf die Umwelt und ihre begrenzten Ressourcen nimmt, sondern diese im Produktionswahn unnötig verbraucht werden. Weitere Nebeneffekte können Arbeitsentfremdung und Stress und damit gesundheitliche Probleme durch die steigende Belastung der Arbeitnehmer bedeuten.

Daher wird im Stabilisierungsgesetz §1 ein „stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum“ [9] gefordert, um einen Ausgleich zwischen den negativen und positiven Aspekten von Wirtschaftswachstum zu schaffen.

2.3 Der Prozess des Wirtschaftswachstums

Wurde Wirtschaftswachstum als Zunahme des Produktionspotentials definiert, so gilt es sich mit den Faktoren auseinanderzusetzen, die das Produktionspotential bestimmen und Antriebskräfte für das Wachstum darstellen[10]:

a) Arbeitskräftevolumen (A)

Das Arbeitskräftevolumen umfasst sowohl Quantität, Anzahl der verfügbaren Arbeitskräfte, als auch die Qualität, Fertigkeiten, Wissen und Disziplin der einzelnen Arbeitnehmer, des Faktor Arbeit.

b) Sachkapitalausstattung(K)

Damit ist das Vorhandensein von allgemein Sachkapital, das die Produktion ermöglicht, gemeint. Ausrüstungsgegenstände, Infrastruktur und Lagerbestände fallen unter diesen Bereich.

c) Natürliche Ressourcenbestände (R)

Darunter fallen zum Beispiel Grund und Boden, Bodenschätze, Brennstoffe

d) Technisch und organisatorisches Wissen (TO)

Der technische Fortschritt und auch die Organisation finden in diesem Faktor Berücksichtigung.

Dementsprechend kann das Produktionspotential als folgende Funktion dargestellt werden:

PP = PP(A, K, R, TO).

Wachstum des Produktionspotentials ist damit abhängig von der qualitativen und quantitativen Zunahme der Faktorbestände[11], sodass gilt: WPP = f(WA, WK, WR, WTO). Dementsprechend setzt eine Wachstumspolitik primär auf der Angebotsseite einer Volkswirtschaft an und muss darauf abzielen, dass die Bedingungen für investive Aktivitäten, die allgemein eine Erweiterung der Produktionskapazität bewirken (z.B. Sachkapitalerweiterungsinvestionen, Humankapital-investitionen etc.), verbessert werden.

2.4 Ursachen von Stagnation des Wirtschaftswachstums

Wirtschaftswachstum kann stagnieren. Dazu werden unterschiedliche Gründe genannt[12]. So wird teilweise davon ausgegangen, dass die Wachstumsraten sich in einer Volkswirtschaft aufgrund der größer werdenden Wirtschaft immer mehr verlangsamen müssen, bis sie schließlich gegen Null tendieren (Basis-Problem). Andere Gruppen gehen davon aus, dass aufgrund begrenzter Ressourcen und der Umwelt nur begrenztes Wachstum möglich ist. Zusätzlich liefern ökonomische Analyse grundsätzlich 2 Denksätze bezüglich der Stagnation des Wirtschaftswachstums:

Der Nachfrageorientierte Ansatz(bestimmt durch Keynes) geht von Sättigungstendenzen bezüglich der Nachfrage aus, die Wachstumsschwäche verursachen.

Der Angebotsorienterte Ansatz(bestimmt durch die Klassik) geht von Angebotshemmnissen aus, die die Investitions- und Wachstumsdynamik erlahmen.

Im Rahmen dieser Seminararbeit wird sich im Folgenden alleine dem Angebotsorientierten Ansatz gewidmet.

3. Grundlagen der Angebotsorientierten Wachstumspolitik

3.1 Theoretische Grundlagen

Die Anfänge der Angebotsorientierten Politik gehen zurück bis ins 18. Jahrhundert. Dabei stellt die Klassik den Ausgangspunkt der Angebotspolitik dar. Adam Smith lieferte 1776 mit dem Werk „Wohlstand der Nationen“ eines der Leitwerke, welches bis heute noch Anerkennung findet. Jedoch entwickelten sich im Laufe der Zeit neben Smiths Annahmen noch weitere Grundlagen mit Betrachtung der Angebotstheorie heraus. Diese werden im Folgenden Kapitel näher erläutert.

Saysches Theorem

In dem Sayschen Theorem beschreibt Jean-Baptiste Say 1803 den Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage. Ihm zufolge „schafft sich jedes Angebot seine eigene Nachfrage.“[13] Die Begründung seiner Auffassung sieht er in der eigentlichen Produktion. Da aufgrund der Produktion von Gütern parallel auch Einkommen entsteht, wächst gleichzeitig auch die Nachfrage. Der Theorie entsprechend werde dieses wiederum vollständig verwendet, um die Bedürfnisse zu befriedigen. Demzufolge sieht Say die Unternehmen in der Pflicht für ausreichend Beschäftigung zu sorgen, da somit nachfragekräftiges Einkommen entsteht. Auch für den Fall fehlender Nachfrage, also einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, gibt es eine Lösung. Aufgrund des Zinseffektes wird der Konsum nur in die Zukunft verschoben. Dieser fällt dann durch die Vermehrung der Finanzmittel größer aus, was die Nachfrage wieder stabilisiert.

Schumpeter Theorem

1912 veröffentlichte Joseph Alois Schumpeter das Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“. Eine der Kernthesen ist die „schöpferische Zerstörung“. Gemäß Schumpeter treten auf einzelnen Märkten Sättigungstendenzen auf. Diese werden jedoch durch innovative Unternehmer, welche mit neuen Produkten, Verfahren und Rohstoffen neue Märkte erschließen, geschlossen. Die dabei entstehende Mehrnachfrage nach Gütern übertrifft die Nachfragesättigung auf den alten Märkten. Dabei ist es besonders wichtig, Rahmenbedingungen für Pionierunternehmer zu bieten. Dies ist durch geförderte Forschungs- und Entwicklungspolitik oder durch Deregulierung möglich.

Laffer Theorem

Den allgemeinen mathematischen Zusammenhang, dass mit steigendem Steuersatz gleichzeitig die Steuereinnahmen steigen, widerlegte Arthur Betz Laffer mit seinem „Laffer Theorem“. In diesem beschreibt er das Verhältnis zwischen Steuersatz und Steuereinnahmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: [Pätzold 1994]

Abbildung 2: Laffer Kurve

Laffer zufolge führt die Erhöhung des Steuersatzes t nur bis zu einem bestimmten Punkt „topt“ zu höheren Einnahmen (Tmax als höchstes Steueraufkommen). Danach fallen die Einnahmen ab, weil höhere Steuersätze zu einem Rückgang des volkswirtschaftlichen Outputs führen können. Diese Gegenbeziehung gilt sowohl für die Erhöhung als auch für die Senkung von Steuersätzen.

[...]


[1] Angela Merkel in [Graw 2005]

[2] vgl. [Meyer 1998] S. 1

[3] vgl. [Mussel 1997] S. 38

[4] vgl. [Pätzold 2008] S. 22

[5] vgl. [Pätzold 2008] S. 22

[6] vgl. [Pätzold 2008] S. 21

[7] Vgl. [Müller 1992] S. 369

[8] Vgl. [Meyer 2998] S. 1

[9] [StabG 1967] §1

[10] [Samuelson 2007] S. 780ff

[11] [Mussel 2005] S. 152

[12] vgl. [Mussel 2005] S. 160 ff

[13] [Mussel 2005], S.169

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640911608
ISBN (Buch)
9783640909766
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171600
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg, früher: Berufsakademie Ravensburg
Note
2,0
Schlagworte
konzept angebotsorientierten wachstumspolitik darstellung würdigung

Autoren

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Titel: Das Konzept der Angebotsorientierten Wachstumspolitik