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Die Große Rhetra

Seminararbeit 2010 10 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Verbindungen der Großen Rhetra und der Eunomia -Elegie

2. Die Rolle des Damos in der Großen Rhetra

Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Das in der Forschung kontrovers diskutierte Zeugnis der ersten Verfassung Spartas, gemeinhin als Große Rhetra bezeichnet, und die damit verbundenen, in Fragmenten enthaltenen Ausführungen von Tyrtaios, unterliegen in der Forschung differenzierten Betrachtungsansätzen und hinterlassen zahlreiche offene Fragen.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird aufgezeigt werden, welche historischen Diskontinuitäten sich bei der Betrachtung des Gegenstandes entgegenstehen. Dabei soll der aktuelle Forschungsstand einbezogen, und die (möglichen) Abhängigkeiten der Ausführungen Plutarchs und Tyrtaios` diskutiert werden. Im folgenden Teil gilt der Institution des Damos in der Rhetra nähere Betrachtung. Aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit müssen inhaltliche Schwerpunkte gesetzt werden und es können nicht alle historischen Reflexionen in die Untersuchung einfließen.

Zentrale Quellen (und nahezu die einzigen verwertbaren) bilden Plutarchs Aufzeichnungen zu Lykurg1 und Tyrtaios` Werk der Eunomia -Elegie. Plutarch schrieb in der frühen römischen Kaiserzeit, in der Kämpfe zwischen Athen und Sparta der Vergangenheit angehörten. Demnach kann ihm eine liberalere Haltung zur spartanischen Verfassung angerechnet werden.2 WELWEI betont vor allem zum zu untersuchenden Themenkomplex, dass geäußerte Zweifel an einem „echten Kern“ von den Ausführungen des Griechen unberechtigt seien.3 Wahrscheinlich ist Plutarchs Quelle der bereits in dessen Ausführungen (Plut. Lyk. 6) zitierte Aristoteles. Eine ausformulierte Verfassung Spartas von Aristoteles, die möglicherweise Plutarch noch vorlag, ist nicht mehr erhalten. Ebenfalls könne darauf geschlossen werden, dass aus weiteren Quellen des Aristoteles die Ansichten über Sparta dessen mit der bei Plutarch zitierten aristotelischen Passage übereinstimmen würden.4

Tyrtaios` Gute Verfassung, die Eunomia- Elegie, ist in Fragmenten überliefert. Sowohl die Datierung, als auch die Deutung der Schrift unterliegt kontroversen Forschungsansätzen, welche im ersten Kapitel näher beleuchtet werden. Gemeinhin wird sie als Gedicht zur Verfassung Spartas verstanden.5

1. V erb indungen der Rhetra und der Eunomia -Elegie

Zunächst stellt sich die Frage der Datierung der Werke. Die Rhetra wird meist zwischen dem 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. datiert. Dabei werden nicht selten Verweise gebracht, dass die Historie der Überlieferung nur bis ins 4. Jahrhundert zu verfolgen ist6. Tyrtaois` Datierung unterliegt ebenfalls großen Differenzen, so finden sich Angaben von der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts bis zum 5. Jahrhundert.7

Gerade im 21. Jahrhundert entflammte ein Diskurs, inwieweit und ob Tyrtaios` in Gedichtform verfasstes Werk auf die Rhetra in Plutarchs Ausführungen zu Lykurg anspielt bzw. ob überhaupt ein Bezug hergestellt werden kann. Einleitend zur Untersuchung sollen beide Werke im Kern aufgeführt werden:

„Herrschen sollen im Rate die Könige, götterbegnadet, Denen am Herzen die Stadt Sparta, die ewige, liegt, Herrschen die würdigen Greise, mit ihnen die Bürger des Volkes, Wahrend das gültige Recht, wie es der Satzung entspricht; Sollen Geziemendes reden und alles Gerechte erwirken, Nie unredlichen Rat geben der heimischen Stadt, Und die Versammlung soll durch den Sieg der Stimmen entscheiden!“8

„Gründend ein Heiligtum des Zeus Syllanios und der Athena Syllania, schaffend […] Stämme (phylai) und einrichtend Dörfer (obai), bestimmend einen Ältestenrat (gerousia) von dreißig mit den Anführern (archegetai), sind von Zeit zu Zeit Versammlungen (apellai) zwischen Babyka und Knakion abzuhalten und dann vorschlagen und abtreten zu lassen. Entscheidung und Bestätigung soll dem Volke zustehen […]“9

Eine weitere Passage, welche eine angebliche Fälschung in Form späterer Hinzufügung der Könige Polydoros und Theopompos sei, da das Volk Anträge durch Streichungen und Dichtungen verfälscht habe, wird von Plutarch angefügt:10

[...]


1 Lykurgos gilt als Stifter der Guten Ordnung im gesellschaftlichen und politischen Bereich Spartas. Mithin gilt er als großer Gesetzgeber wobei seine Lebensdaten (11. - 8. Jh. v. Chr.) und Taten äußerst umstritten sind, was bereits bei Plutarch auffällig erscheint: „ Von dem Gesetzgeber Lykurg lässt sich überhaupt nichts sagen, was keinem Zweifel unterworfen wäre; [...]“ (Plut. Lyk. 1). Im Kontext dieser Arbeit gilt besonderer Beachtung, dass er das Orakel von Delphi aufsuchte, um politische Problemlagen zwischen Volk und Königtum zu lösen. Hieraus resultiert die Große Rhetra. Vgl. HÖLKESKAMP 1999, Sp. 579.

2 Vgl. HARTMANN 2007, S. 220f.

3 WELWEI 2004, S. 60.

4 Vgl. MURRAY 1982, S. 211.

5 Vgl. BOWIE 2002, Sp. 957f.

6 Vgl. LUTHER 2004, S. 32f.

7 Vgl. LUTHER 2004, S. 60f.

8 Tyrt. Frgm. 3aD.

9 Plut. Lyk. 6.

10 Hierbei muss heute davon ausgegangen werden, dass die angebliche Fälschung reine Konstruktion von Plutarch ist. Diese Klausel gehörte wahrscheinlich zur ursprünglichen Form der Rhetra. Dies lässt sich zum einen durch Plutarchs fragwürdige Begründung der Verfälschung durch das Volk nachweisen, da es kein Recht zur Initiative besaß, ist ein so gravierendes Einwirken äußerst unwahrscheinlich. Zum anderen fehlt, unter der anzunehmenden Voraussetzung der gegenseitigen Abhängigkeit beider Werke, ein Verweis darauf bei Tyrtaios. Vgl. hierzu THOMMEN 2003, S. 35f.

Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640911974
ISBN (Buch)
9783640912070
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171676
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Schlagworte
große rhetra Sparta Verfassung Tyrtaios Plutarch Eunomia Elegie Lykurg

Autor

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Titel: Die Große Rhetra