Lade Inhalt...

Der SPD-Wahlkampf 1998: Personalisierung des Wahlkampfes 1998 auf die Person Gerhard Schröder

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Personalisierung als Wahlkampfstrategie
1.1 Personalisierung der Wahlkampfführung
1.2 Personalisierung der Medienberichterstattung
1.3 Personalisierung des Wählerverhaltens

2. SPD-Wahlkampfstrategie 1998
2.1 Die Ausrichtung der Kampa 98 auf den Kanzlerkandidaten Schröder
2.2 Die Person Schröder und seine Darstellung während des Wahlkampfes
2.3 Negative Campaigning: Schröder vs. Kohl?

Personen wichtiger als Themen? (Schlussbetrachtung)

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Personalisierungsthese und dem Einfluss der Personalisierung der Politik auf den Bundestagswahlkampf der SPD 1998. Besonders im Hinblick auf die SPD-Wahlkampagne 1998, die 'Kampa `98', sowie deren Ausrichtung auf den SPD-Kanzlerkandidaten, Gerhard Schröder und den darauf folgenden Wahlsieg der Oppositionspartei.

Der Forschungsstand zur Personalisierungsthese ist in den letzten 20 Jahren stark angewachsen und diese wird immer stärker thematisiert und wissenschaftlich untersucht. Vor allem, da die Personalisierung bzw. die 'Amerikanisierung' deutscher Wahlkämpfe immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Empirische Untersuchungen, ob der Spitzenkandidat einer Partei die Wahlentscheidung wirklich in so starkem Ausmaß beeinflusst wie es scheint, gibt es allerdings noch nicht sehr viele.

Aufgrund der Personalisierungsthese und ihrer großen Bedeutung für die Politik und die Wahlkampfführung möchte ich in dieser Hausarbeit untersuchen, welche Faktoren die Wähler in ihrer Entscheidung bei den Bundestagswahlen 1998 wirklich beeinflusst haben. Des Weiteren auch, ob die Professionalisierung der SPD-Wahlkampagne, nach amerikanischem Vorbild, mit der Herausstellung des Kanzlerkandidaten als wichtigstem Punkt, den Wahlsieg der SPD entscheidend mitbestimmt hat. Außerdem beschäftige ich mich damit, ob die Personalisierung der Wahlkämpfe ein neues Phänomen im Zuge des Medienzeitalters und der zunehmenden 'Amerikanisierung' der Wahlkämpfe ist, oder schon länger existiert und nur mehr beachtet und untersucht wird.

Für die Beantwortung meiner Fragestellungen in dieser Hausarbeit beschäftige ich mich im ersten Teil meiner Arbeit mit dem theoretischen Hintergrund einer personalisierten Wahlkampfstrategie. Diesen Hintergrund bearbeite ich zum einen im Hinblick auf die Wahlkampfführung, des Weiteren auf die Medienberichterstattung und letztlich des Wählerverhaltens.

Im zweiten Teil werde ich auf diesem Hintergrund aufbauend die SPD-Wahlkampfkampagne (Kampa `98) für den Wahlkampf 1998, deren allgemeine Strategie und die Ausrichtung auf den Kandidaten Gerhard Schröder untersuchen.

Im Schlussteil meiner Arbeit möchte ich, aufbauend auf den zuvor herausgearbeiteten, theoretischen und praktischen Punkten meiner Hausarbeit, zeigen, ob wirklich die Person Gerhard Schröder 1998 wahlentscheidend war. Ob die Themen dieses Wahlkampfes wichtiger waren oder ob eine Symbiose aus beidem, eventuell inklusive der politischen Stimmung im Vorfeld der Wahlen, die Wahlentscheidung der Wähler bei der Bundestagswahl 1998 entscheidend beeinflusst haben und dadurch der Sieg der SPD möglich war.

1. Personalisierung als Wahlkampfstrategie

In der Strategie eines Wahlkampfes und dem Kampagnenaufbau spielt die Personalisierung eine immer bedeutendere Rolle, auch aufgrund der vielen Wechselwähler und der immer wichtiger werdenden Medienlandschaft in Deutschland. Dieses möchte ich anhand meiner theoretischen Ausführungen zur Personalisierung belegen. Deswegen gehe ich in diesem ersten Teil meiner Arbeit auf die Strategie der Personalisierung der Politik in ihrer Wechselwirkung von Wahlkampfführung, Medienberichterstattung und Wählerverhalten genauer ein, da diese Funktionen grundsätzlich voneinander abhängen bzw. aufeinander aufbauen. Daher spielt die Untersuchung dieser Wechselwirkungen eine große Rolle innerhalb der Personalisierung der politischen Kampagnen.

Grundsätzlich bedeutet die Personalisierung der Wahlkampfführung die Ausrichtung eines Wahlkampfes am Image des Spitzenkandidaten, mit dem Ziel der Imagebildung und eines möglichst positiven Bildes des Kandidaten. Die Personalisierung der Medienberichterstattung bedeutet, dass sich die Medien in ihrer Berichterstattung an Personen orientieren und nicht der Inhalt, sondern die betreffende Person im Mittelpunkt der Berichterstattung steht. Die Personalisierung des Wählerverhaltens heißt, dass sich der Wähler am jeweiligen Kandidaten orientiert und dieser somit an Einfluss auf die Stimmabgabe gewinnt (vgl. Jun 2001: 73-74).

1.1 Personalisierung der Wahlkampfführung

Die Personalisierung der Wahlkampfführung spiegelt sich vor allem in dem "Bedeutungsgewinn der Spitzenkandidaten gegenüber ihren Parteien" (Brettschneider 2002: 14) wieder, welches auch das Hauptmerkmal der Personalisierung der Wahlkampfführung darstellt. Obwohl bei den Bundestagswahlen der Kanzler nicht durch das Volk direkt gewählt wird, wird mit der Herausstellung des Kanzlers bzw. seines Herausforderers in der Wahlkampfstrategie, als Personalisierungsstrategie, eine solche Annahme suggeriert bzw. gefördert. Vor allem in Wahlkampfaussagen wie 1998 "Zweitstimme ist Schröder-Stimme" oder bei der CDU "Zweitstimme ist Kanzlerstimme" wird die Personalisierung der Wahlkampfführung auf eben jene beiden, für dieses Amt zur Verfügung stehenden Personen, deutlich.

Die Entscheidung zu einer Wahlkampfführung bezogen auf nur einen Spitzenkandidaten oder aber dagegen für einen Mannschaftswahlkampf, hängt vor allem von dem zur Verfügung stehenden Personal und der Popularität des jeweiligen Kanzlers und seines entgegenstehenden Herausforderers ab. Seit den ersten Bundestagswahlen 1949 wurden immer wieder Züge einer personalisierten Kampagne beobachtet. Bei der SPD erstmals 1972 mit Willy Brandt, durch Plakate mit der Aufschrift "Willy Wählen". Bei der CDU waren die Wahlkämpfe schon seit 1953 stärker auf den Kandidaten zugeschnitten (vgl. Brettschneider 2002: 15). Die Konzentration auf die eine oder die andere Strategie gibt es also schon seit den ersten Bundestagswahlen 1949 in wechselnden Konstellationen, mal rein personenorientiert, wie die der CDU 1994, mal mannschaftsorientiert, wie die der SPD 1965 oder der CDU 1972 (vgl. Timm 1999: 33), je nach Stimmungslage der Bevölkerung vor den Wahlen und ist kein neues Phänomen (vgl. Brettschneider 2002: 15).

Weitere Merkmale der Personalisierung der Wahlkampfführung sind die "Entkopplung von Kandidat und Partei" und die "Art der Wahlkampforganisation" (Brettschneider 2002: 16-17). Die 'Entkopplung von der Partei' ist ein eher amerikanisches Phänomen, da dort der Präsident direkt gewählt wird und die Präsidentschaftskandidaten dort grundsätzlich einen eigenen, von der Partei losgelösten, Wahlkampf führen. Deutsche Politiker nähern sich dieser Entkopplung von der Partei teilweise an, indem sie z.B. andere Positionen vertreten, als die üblichen der Partei, für die sie antreten. Teilweise übernehmen sie auch Positionen der gegnerischen Regierungspartei bzw. nähern sich diesen zumindest an. Dies vor allem, um unentschlossene Wähler nicht abzuschrecken bzw. auch, um von den Gegnern unzufriedene Wähler abwerben zu können.

Im Wahlkampf der Spitzenkandidaten werben manche Kandidaten auf Plakaten auch nur mit ihrem eigenen Portrait, ohne Parteilogo, wie z.B. Helmut Kohl im Wahlkampf 1994, was eine Entkopplung von der eigenen Partei verdeutlicht.

Bei der 'Art der Wahlkampforganisation' handelt es sich um die Ausgliederung der Kampagnen aus der Parteizentrale zu unabhängigen, professionellen Beratern, Agenturen etc., was eine Entkopplung von der Partei zum Teil noch erhöhen kann. Diese aus den USA übernommene Wahlkampfführung setzt neue Maßstäbe innerhalb der Kampagnenplanung und Durchführung und führt zu immer mehr Professionalität innerhalb des Wahlkampfes. Dies begünstigt ein weiteres Merkmal der Wahlkampfführung die "Konzentration des Wahlkampfes auf das Medium Fernsehen" (Brettschneider 2002: 18). Auch wenn Fernsehwahlwerbespots in Deutschland noch lange nicht so bedeutend sind wie in den USA, beeinflusst die weite Verbreitung und die hohe Glaubwürdigkeit des Mediums Fernsehen auch hierzulande immer öfter Wählerentscheidungen. Vor allem führt dieses Phänomen auch zur systematischen Beobachtung und Nutzung des Mediums Fernsehen für den zu führenden Wahlkampf (vgl. Brettschneider 2002: 20-22).

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640914012
ISBN (Buch)
9783640912841
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171804
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
spd-wahlkampf personalisierung wahlkampfes person gerhard schröder

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der SPD-Wahlkampf 1998: Personalisierung des Wahlkampfes 1998 auf die Person Gerhard Schröder