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Der Weltbegriff in Heideggers Fundamentalontologie und Nelson Goodmans Symboltheorie

Bachelorarbeit 2010 30 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Was ist die Welt?

2 Rekonstruktion
2.1 Viele unwillkürliche Welten. Goodmans Position
2.1.1 Welten und Weltversionen
2.1.2 Weisen der Welterzeugung
2.1.3 Wahre, richtige und falsche Welten
2.2 Das Fundament der Welt oder die Welt als Fundament. Heideggers Position
2.2.1 Dasein und ontologische Differenz
2.2.2 Das In-der-Welt-sein
2.2.3 Zuhandenes, Vorhandenes, Bewandtnisganzheit
2.2.4 Die Sorge
2.2.5 Die Zeitlichkeit

3 Diskussion
3.1 Vereinbarkeiten und Ergänzungen
3.2 Die Zirkelstruktur beider Positionen
3.3 Der Versuch einer Synthese am Beispiel des Phi-Phänomens
3.4 Unvereinbarkeit: Linguistisches Argument vs. Hermeneutischer Zirkel

4 Schlusswort: Ist die Welt?

Literaturverzeichnis

1 Einleitung: Was ist die Welt?

Was ist die Welt? Mögliche Antworten auf diese Frage lauten: der Planet Erde, eine Ansammlung bzw. Kombination von Elementarteilchen, die Schöpfung Gottes, alles, was nicht das Subjekt ist, mein persönlicher Erfahrungshorizont, eine Illusion durch Maya[1], die Totalität aller Dinge und Gedanken, die Musik, eine Liebesbeziehung, ein Begriff mit einer sehr weitreichenden Bedeutung.

Jeder einzelne dieser Vorschläge ist in einem bestimmten Kontext legitim und wahr. Würde man sie jedoch versuchen zu vereinen, stieße man auf teilweise unlösbare Probleme. Z. B. könnte ein passionierter Physiker die Antwort eines frisch Verliebten („(m)eine Liebes-beziehung“) zu Recht mit einem Lächeln abtun, während der Verliebte ebenfalls zu Recht erwiderte, dass für ihn nichts existiere außerhalb der mit seinem Liebesleben verbundenen Geschehnisse, erst recht nicht abstrakte physikalische Theorien. Andererseits könnte sich der Physiker mit einem Theologen versöhnen, indem sie sich darauf einigten, die Welt bestehe aus physikalischen Teilchen nach physikalischen Gesetzen und sei darin von Gott geschaffen.

Sowohl die aufgeführten möglichen Antworten auf die vorangestellte Frage als auch die Beispiele ihrer (Un)Vereinbarkeit weisen selbst in ihrer stark begrenzten Auswahl darauf hin, dass eine einheitliche Antwort auf die Frage „Was ist die Welt?“ nicht ohne weiteres zu geben ist. Sie stellt ein Problem dar, das zu seiner Lösung gewisse Herangehensweisen fordert. Diese zu finden, darzulegen und (gegeneinander) auszuwerten, ist das Ziel dieser Arbeit.

Um eine nicht eindeutig beantwortbare Frage beantwortbar zu machen, muss sie umformuliert bzw. müssen Fragen formuliert werden, die jene umkreisen und somit einen Kontext schaffen, in dem sie sich als beantwortbar oder als grundlegend falsch gestellt erweist. Zwei unterschiedliche Ansätze hierzu stellen der konstruktionalistische Welten-pluralismus von Nelson Goodman und die Fundamentalontologie von Martin Heidegger dar. Von ihnen ausgehend, unterteilt sich meine Arbeit in folgende Leitfragen.

1. Wann kann von einer Welt gesprochen werden und in welchem Verhältnis stehen die verschiedenen Welten zueinander? Hierzu werde ich die Position Goodmans rekon-struieren, indem ich mich auf seine Werke Weisen der Welterzeugung (WW[2] ), Vom Denken und anderen Dingen (VDD) und Revisionen (REV) berufe. In dem Ansatz, den er entwickelt, wird vorgeschlagen, die verschiedenen legitimen Antworten auf die Frage, was die Welt ist, jeweils eigenen Welten bzw. Weltversionen zuzuordnen und im weite-ren zu erläutern, wie diese Welten (auseinander) entstehen und wann man von einer wirklichen bzw. richtigen Welt sprechen kann.

2. Wie sind Welten möglich? Die mit dieser Frage eingeleitete folgende Rekonstruktion der Position Heideggers zum Begriff der Welt bzw. des In-der-Welt-seins vollziehe ich vor allem anhand von Sein und Zeit (SZ) sowie seines Aufsatzes Vom Wesen des Grundes (VWG). Heidegger fragt im Gegensatz zu Goodman nach Zusammenhängen, die jenem zufolge ursprünglicher (fundamental) sind und die dieser nicht konkret verwirft, sondern eher indirekt als irrelevant aus seiner Untersuchung ausschließt: In welcher Weise verhält sich der Mensch zu sich selbst und den Dingen bzw. der Welt, die es überhaupt ermöglicht, so etwas wie Welt(en) zu entdecken, wahrzunehmen und zu konstruieren? Dieses Verhältnis als einen einheitlichen Vollzug begreifend, entwickelt er den Begriff des Daseins, nach dessen Sein er fragt und welches sich wiederum als In-der-Welt-sein herausstellt. Darüber hinaus fragt er danach, auf welchem Grund es möglich ist, dass sich dieser Vollzug, also Existenz vollzieht und entwickelt als sogenannten „Sinn“ des Seins das Konzept der Zeitlichkeit.

Anschließend werde ich so weit wie möglich versuchen, die Schnittstellen zwischen Goodmans und Heideggers Positionen ausfindig zu machen und auf Übersetzbarkeiten zu prüfen.

3. Lassen sich alle Welt(version)en in einer einheitlichen Struktur fundieren, oder stellt die Fundamentalontologie nur eine weitere Weltversion unter vielen dar? Mit dieser Frage eröffne ich die Diskussion, die einen Versuch darstellen soll, die beiden Positionen dergestalt aufeinandertreffen zu lassen, dass sich Ansätze zu einem philosophischen Blickwinkel finden lassen, demzufolge sie entweder strikt voneinander getrennt verlaufen, eine die andere stichhaltig widerlegt oder es zu einer Synthese kommt. Hierzu beziehe ich mich auf das linguistische Argument Goodmans und das anti-linguistische Heideggers, das hermeneutische Beweisverfahren Heideggers sowie auf ein Beispiel ergänzender Wahrnehmung aus der kognitiven Forschung.

Zuletzt werde ich auf die zu Anfang gestellte Frage zurückkommen und anmerken, wie nun mit ihr umzugehen ist.

2 Rekonstruktion

2.1 Viele unwillkürliche Welten. Goodmans Position

2.1.1 Welten und Weltversionen

Die Tatsache, dass es auf die Frage nach der Welt unzählige Antworten gibt und es bislang kein Denker geschafft hat, alle anderen von einer einzigen richtigen zu überzeugen, nimmt Goodman als Ausgangspunkt seiner Theorie des Weltenpluralismus. So sieht er die Lösung für das Problem, das zwei unvereinbare Aussagen über das Wesen der Welt bilden („Die Welt besteht aus Atomen“ und „Die Welt ist ein geistiges Konstrukt“), darin, dass beide Aussagen jeweils einem eigenen Kontext oder Beschreibungssystem (und somit einer eigenen Welt) angehören, in dem sie auch jeweils mit allen übrigen Aussagen harmonieren. Die Maßstäbe dafür, ob eine Aussage wahr/richtig oder falsch ist, kommen daher weder aus einem anderen, grundsätzlich widerstreitenden Beschreibungssystem, noch aus einem einzigen, für alle anderen geltenden. Sie sind nicht universell, sondern beschreibungssystemintern.

Dies gilt nicht nur für Grundaussagen über das Wesen der Welt (das Grundvokabular eines Beschreibunssystems), sondern für jeden möglichen Sachverhalt. Die logisch sich widersprechenden Aussagen „Elefant1 steht still“ und „Elefant1 bewegt sich sehr schnell“ können zur gleichen Zeit wahr sein, wenn man einerseits die Erdumdrehung nicht berücksichtigt, andererseits schon, d. h. wenn man sie in verschiedenen Bezugsrahmen ansiedelt. So können auch innerhalb eines einzigen Beschreibungssystems (mit bestimmten Grundannahmen und Grundvokabular) zwei konfligierende Aussagen gleichzeitig wahr sein, wenn man ihre verschiedenen Bezugsrahmen berücksichtigt, wobei jeder Bezugsrahmen einem Beschreibungssystem angehört.

Bei allen Aussagen über die Welt ist man auf Beschreibungsweisen angewiesen. Es gibt keine eine reale, unbeschriebene Welt, anhand derer man die Richtigkeit einer Welt-beschreibung prüfen könnte. Die Rede von einer unstrukturierten Ursubstanz (als Ursprung der Welten) ist ein Widerspruch in sich, da jede Rede bereits strukturiert bzw. prädiziert.

„Wir können zwar Wörter ohne eine Welt haben, aber keine Welt ohne Wörter oder andere Symbole.“ (WW, S. 19)

Etwas zu beschreiben heißt etwas zu erzeugen; etwas Unbeschriebenes wäre folglich etwas Unerzeugtes, wäre nicht(s).

„Doch was ist es, das so organisiert wird? Wenn wir alle Unterschiede zwischen den Weisen, es zu beschreiben, als Schichten der Konvention abstreifen, was bleibt übrig? Die Zwiebel wird geschält bis auf den leeren Kern.“ (WW, S. 144)

Auf diese Weise weist Goodman sowohl den Essenzialismus als auch den Realismus von sich, wohingegen er nicht bestreitet, dass es in manchen Beschreibungssystemen Korres-pondenz zwischen Aussagen und Tatsachen als Maßstab für die Richtigkeit jener gibt, nur dass die Tatsachen – wie alles, worauf referiert werden kann – selbst eine Beschreibung und somit etwas Erzeugtes sind. Auch Urstoffe existieren in manchen Welten (wie z. B. das Feuer bei Heraklit), nur dass sie wie alle Stoffe und Inhalte mit den Welten gemeinsam erzeugt werden. Die Welt jenseits der Beschreibungen ist „well lost“[3].

Nun beschränkt sich die Erzeugung von Welten nicht auf sprachliche Beschreibungen. Vielmehr nimmt Goodman eine symboltheoretische Erweiterung vor, indem er sagt, dass auch nicht-sprachliche Abbildungen in der Kunst und Malerei, Darstellungen im Tanz, Fiktionen in der Literatur, gänzlich abstrakte Kunst und auch die Musik zur Welterzeugung beitragen.[4]

Die verschiedenen Kategorien der Welterzeugung (Beschreibung, Abbildung, Darstellung, Fiktion) zusammenfassend, führt Goodman den Begriff der Weltversion ein. Weltversionen sind also aktiv-erzeugende Konstruktionen, die beschreibend, abbildend, darstellend oder rein fiktional Sachverhalte und Wahrnehmung und somit Welten generieren. Jedoch ist keine genaue Trennung zwischen Weltversionen und den durch sie erzeugten Welten zu ziehen. Einerseits kann eine Weltversion in Form einer Einteilung der hellen Punkte des Nacht-himmels in Sterne und Sternbilder von den Sternen, die durch diese Benennung erst als solche wahrgenommen werden, eindeutig getrennt werden, da schließlich die Buchstaben der Sternennamen an sich nichts mit den leuchtenden Sternen am Himmel gemeinsam haben (an dieser Stelle wäre die Weltversion die sprachlich-geometrische Einteilung der Sterne, die dadurch erzeugte Welt hingegen der wahrgenommene Sternenhimmel). Andererseits kann eine Weltversion in Form einer Darstellung des jüngsten Gerichts durch ein Gemälde von Hieronymus Bosch mit der Welt, die sie erzeugt, identisch sein, da diese Darstellung keinen außerhalb des Gemäldes wahrnehmbaren Sachverhalt generiert, sondern aus sich selbst heraus wirkt. Aus einem anderen Betrachtungswinkel heraus könnte man jedoch wieder sagen, dass die durch biblische Überlieferungen bereits zuvor erzeugte Idee des jüngsten Gerichts durch Boschs Darstellung umgeschaffen wurde. Die Grenze zwischen Welt und Weltversion ist somit ebenfalls relativ zum Bezugsrahmen, in dem diese betrachtet werden und der wiederum einer Weltversion angehört (nämlich der, in der fiktional-sprachliche Beschreibungen und bildliche Darstellungen des jüngsten Gerichts thematisch zusammengefasst und stilistisch unterschieden werden).

Obgleich die Grenze wie eben beschrieben teilweise verschwimmt, lässt sich grundsätzlich sagen: Weltversionen sind die verschiedenen Weisen, die Welt zu beschreiben, abzubilden und darzustellen, und Welt ist die Wahrnehmung der Tatsachen, die aus den Weltversionen erzeugt und durch diese generiert wird.

2.1.2 Weisen der Welterzeugung

Nachdem Goodman die Ideen einer unstrukturierten Ursubstanz, einer creatio ex nihilo sowie die einer vorab fertigen, einzig realen Welt, auf die alle Weltversionen referieren, zwar als Bestandteile mancher Weltversionen erkennt, sie jedoch als Letztbegründung seiner eigenen Weltversion des Weltenpluralismus ablehnt, stellt sich die Frage nach der Entstehung der Welten und Weltversionen von neuem.

Eine Variante, das zerschlagene Fundament zu ersetzen, wäre herauszufinden, ob es unter den unzähligen Weltversionen eine gibt, die gegenüber den anderen eine privilegierte Stellung einnimmt. Ein Maßstab für eine derartige Privilegiertheit wäre ein Symbolsystem, das so weitreichend und differenziert ist, dass sich alle möglichen Weltversionen dadurch wieder-geben lassen, d. h. eine „Sprache“ zu finden, in die sich alle Weltversionen übersetzen lassen.

Ein Beispiel hierfür wäre die Mathematik. Schließlich wäre es theoretisch möglich, alle Buchstaben durch Zahlen zu ersetzen und auch jegliche Bilder, Musikstücke, Performances, psychische Strukturen etc. anhand mathematischer Gleichungen zu reformulieren. Dabei wird jedoch vergessen, dass die Reduktion einer Weltversion auf eine andere jene vernichtet. Ein Gemälde als mathematische Gleichung darzustellen bedeutet, die spezielle Wirkung und die (impliziten) Kompositionsregeln, die durch das malereispezfische Symbolsystem erzeugt werden, auszuklammern. Hierbei handelte es sich um eine Erweiterung der Qualität und Quantität einer Weltversion (der mathematischen) zum Preis der Quantität des Weltenplura-lismus.

Nachdem nun auch dieses Unterfangen gescheitert ist, umgeht Goodman gewissermaßen die Frage nach einem ontologischen Fundament der Welten[5] und setzt die Existenz vieler Welten als Anfangsgegebenheit. Da dieser Weltenpluralismus nicht starr und einförmig ist, einem stetigen Wandel unterliegt und fortwährend neue Welten entstehen, während alte zerstört werden, antwortet er auf die Frage „Wie entstehen Welten?“ bzw. „Woraus werden Welten erzeugt?“ mit: Welten werden aus anderen Welten erzeugt. Alles Erschaffen ist ein Umschaffen. Wie sich dies genau vollzieht, will ich im Folgenden wiedergeben.

Die Beziehungen zwischen Welten und die Prozesse, durch die eine Welt aus einer anderen erzeugt wird, d. h. die Weisen der Welterzeugung, lassen sich wie folgt unterteilen:

1. Komposition und Dekomposition: Hierunter versteht Goodman ein Zusammenfügen und Zerlegen von Beschreibungs- und Abbildungsstrukturen mit Hilfe von unterscheidenden oder umfassenden Begriffen bzw. „Etiketten“ (Namen, Prädikate, Gesten, Bilder), die neue Unterarten bilden und vorherige auflösen. Ein Beispiel hierfür wäre die Einführung der ontologischen Differenz.

Aus der Einteilung in Arten und Entitäten ergeben sich Identitäten (von Dingen und Menschen), und je nachdem in Bezug auf welche Arteneinteilung man mehrere Dinge betrachtet, können sie dasselbe sein oder auch nicht. Z. B. können zwei Zellen an sich nicht identisch, aber derselbe Organismus sein.

2. Gewichtung: Zwei Weltversionen können die gleichen Klassen und Entitäten beinhalten, die jedoch in der einen relevanten, in der anderen irrelevanten Arten zugeteilt sind (wobei es in jeder Welt(version) irrelevante Arten geben muss, damit es relevante geben kann). So kann eine Welt in Abgrenzung zu einer anderen entstehen, indem sie zunächst deren ganzes Symbolsystem übernimmt, dann jedoch andere Aspekte und Begriffe besonders hervorhebt, differenzierter ausformuliert und sich somit in eine andere Richtung weiterentwickelt. Es kann aber auch bereits die reine Neu-Akzentuierung den endgültigen Unterschied machen, wie z. B. bei zwei Abbildungen desselben Gegenstands, während die eine dessen Rottöne besonders hervorhebt und die andere gänzlich auf Farbe verzichtet.

3. Ordnen: Verschiedene Entitäten können nach neuen Kriterien neu geordnet werden. Ein Beispiel hierfür wäre die Darstellung der individuellen Lebensgeschichte, der Erlebnisse, nicht auf einer Zeitschiene, sondern unterteilt in die jeweiligen emotionalen Zustände, in denen sie auftraten.

Ordnung kann hingegen auch erst Entitäten erzeugen, wie z. B. bei der Einführung von Zeiteinheiten.

4. Tilgung und Ergänzung: Die selektive, ausschließende Betrachtung, in der der Blick auf bestimmte Arten (oder Merkmale) fokussiert wird, während andere nicht weiter beachtet werden, ist ein Grundzug der Erzeugung wissenschaftlicher Welten (wenn man sie mit der Alltagswahrnehmung vergleicht). Durch die Tilgung (z. B. den Ausschluss zweckgebundener Hantierbarkeit von Objekten) eröffnet sich jedoch auch Raum für Ergänzung wie der Anbringung theoretischer Hypothesen.

An dieser Stelle findet sich auch eine weitere Form der Welterzeugung: die Wahrnehmungsergänzung. Fragmentarische Reize werden von Personen als fließende Bewegungen wahrgenommen. Auf diese Phänomene werde ich im Diskussionsteil meiner Arbeit zurückkommen.

5. Deformation: Insbesondere Formen können durch neue Proportionalisierung ihrer Teile zu neuen Formen oder Varianten umgeschaffen werden. Dies ist z. B. ein Grundzug zur Erzeugung abstrakter Kunst.

Es ist unschwer zu erkennen, dass diese Weisen der Welterzeugung einander ergänzen und ineinander übergehen. In diesem Zusammenspiel beansprucht Goodman jedoch keine Vollständigkeit, d. h. keine Welt, die alle anderen Welten beschreibt, da dies seiner Ansicht nach unmöglich ist.

[...]


[1] Hierbei beziehe ich mich auf einen Lehrsatz aus den indischen Veden, demzufolge unsere Erfahrungswelt nur aus Erscheinungen besteht, generiert durch einen Schleier (Maya), während das wahre Wesen der Welt verbor-gen bleibt. Siehe: Peter Michel (Hrsg.): Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda, Wiesbaden 2006.

[2] Bei allen Zitaten aus den Werken Goodmans und Heideggers verwende ich die jeweils in Klammern gesetzten Abkürzungen. Eine genaue Angabe findet sich im Literaturverzeichnis.

[3] “If we can come to see both the coherence and correspondence theories as noncompeting trivialities, then we may finally move beyond realism and idealism and to the point at which, in Wittgenstein’s words, we are capable of stopping doing philosophy when we want to.” (Richard Rorty: The World Well Lost, in: Journal Of Philosophy 69 (1972), S. 665) Das „well” bezieht sich demnach auf eine philosophische Erleichterung durch die Entkräftung absolutistischer Beschreibunssysteme.

[4] Ebenso zeichnet sich die symboltheoretische Erweiterung eben dadurch aus, dass nicht nur sprachliche Zeichen als generierend-erzeugende Bedeutungsträger betrachtet werden, sondern neben diesen auch alle übrigen Arten von Symbolen (Formen, Gesten, Töne, Gegenstände, Vorgänge etc.). Symbolisierung ist dementsprechend als (assoziative) Bezugnahme zu verstehen, als Beziehung zwischen dem Symbol und dem, wofür es steht. Sie kann sowohl buchstäblich als auch metaphorisch sein, in Form von Denotation oder Exemplifikation auftreten. Für eine detailliertere Auseinandersetzung mit diesem Thema siehe: Nelson Goodman: Sprachen der Kunst, Frankfurt a M. 1998

[5] Was Goodman unter „verschwindender Ontologie“ versteht, ist der besagte Wegfall der unerzeugten da unbeschriebenen einen Welt als Grund und Referenzpunkt aller Versionen (vgl. VDD, S. 56ff.). Dass sich darin ein unfruchtbares Verständnis von Ontologie verbirgt, während diese unter anderer Auffassung hingegen einen Beitrag zur Frage nach dem Ursprung der Welten im allgemeinen leisten kann, wird die spätere Reproduktion und Diskussion der Gedanken Heideggers zeigen.

Details

Seiten
30
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640914289
ISBN (Buch)
9783640914531
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171829
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Institut für Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Heidegger Goodman Welt Konstruktionalismus Konstruktivismus Symboltheorie Fundamentalontologie Ontologie Phänomenologie Weltbegriff ontologische Differenz hermeneutischer Zirkel Dasein In-der-Welt-sein Weltversion

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Titel: Der Weltbegriff in Heideggers Fundamentalontologie und Nelson Goodmans Symboltheorie