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"labor matronalis" - Die häuslichen Pflichten einer römischen Matrone

Hausarbeit 2011 23 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vom Kind zur Matrone

3. Die römische Idealvorstellung der matrona

4. “labor matronalis”
4.1. Die matrona als Mutter
4.2. Spinnen und Weben
4.3. Sklavenverwaltung

5. Der „Wert“ einer Matrone

6. Literaturverzeichnis

7. QuellennachweisS

1. Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Untersuchung soll sein, die häuslichen Pflichten einer römischen Ehefrau aus der Oberschicht darzustellen. Körperliche Arbeit war in dieser sozialen Schicht verpönt und entsprach nicht dem Ideal der Elite. Dennoch nahmen diese Frauen wichtige Funktionen wahr. Die Funktionen der Herrin (domina) beschränkten sich dabei ausschließlich auf die Arbeit im Hause (domus).

Es waren traditionelle Pflichten, wie zum Beispiel die Haushaltsführung, die Sklavenkoordination, Sklavenüberwachung und die Kontrolle der Spinn- und Wollarbeiten. Der Kern meiner Arbeit bezieht sich auf die Tätigkeitsbereiche von Frauen „aus den besseren Kreisen“ der römischen Kaiserzeit. Dieser „bessere Kreis“ war der erste Stand der Gesellschaft (nobilitas), bestehend aus dem Senatorenstand (ordo senatorius). Die soziale Mittel- und Unterschicht wird in dieser Arbeit nicht angesprochen, da sich die vorliegende Untersuchung allein auf die Frauenforschung zur Nobilität beschränken soll. Es dient dem Zweck, ein abgerundetes Bild über die Matronen zu geben.

Die Frauen der Oberschicht verfügten aufgrund ihres Reichtums über zahlreiche Sklaven, denen sie Arbeiten im Hauswesen übertragen konnten. Man könnte eine Matrone mit einer modernen Managerin vergleichen, die dafür Sorge zu tragen hat, dass der ganze Betrieb reibungslos funktioniert. Die Frauen selbst haben uns keine schriftlichen Zeugnisse ihrer Tätigkeiten innerhalb der domus hinterlassen. Die einzigen Informanten bezüglich der „Frauenfragen“ sind antike männliche Schriftsteller. Die vorliegende Arbeit basiert auf antike literarische Zeugnisse, wobei eine besondere Aufmerksamkeit für die Quellen nötig wird. Diese literarischen Texte sind jeweils vor dem eigenen kulturellen und mentalen Horizont der Autoren geschrieben. Jeder dieser Autoren schrieb aus einem anderen Anlass, und von einem anderen Standpunkt, aus über die Frauen. Es werden Texte des jüngeren Plinius, Juvenal, Seneca, Ovid und des Columella für die Untersuchung hinzugezogen. Columella und Ovid befanden sich zwar nicht im Stand des ordo senatorius (Anm. sie gehörten dem Ritterstand ordo equester an), doch einige ihrer Informationen über Frauen sind für diese Untersuchung von Wichtigkeit.

In Punkt 2 der Arbeit möchte ich auf den Werdegang einer Matrone eingehen. Die Ausbildung zur Matrone (erst die rechtsgültig verheiratete Frau wurde als matrona bezeichnet) begann durch die Erziehung durch Bedienstete[1] Die Mädchen erlernten schon früh alles was mit der Haushaltsführung, Sklavenverwaltung und Textilverarbeitung zu tun hatte[2].

Welche Eigenschaften wurden von der Matrone erwartet? Welche Voraussetzungen für eine Ehe waren für eine matrona nötig? Was waren die Idealvorstellungen einer Ehefrau? Diesen Fragen soll im Punkt 3 nachgegangen werden.

Der Hauptteil (Punkt 4) beginnt mit der unerlässlichen Klärung der Begriffe „ labor “ und „matrona“. Hier werden im Einzelnen auch die Pflichten der verheirateten Frauen (officia matronae) beleuchtet. Der römische Agrarschriftsteller Columella hält dazu im 1. Jh. n. Chr. fest:

„Romanos usque in patrum nostrorum memoriam fere domesticus labor matronalis fuit,…” (12 praef. 7)

(„Bei den Römern war, solange sich unsere Väter erinnern können, die häusliche Arbeit die Sphäre der Ehefrau,…“)

Man(n) erwartete von den Frauen, dass sie ihren häuslichen Pflichten und den traditionellen Pflichten nachgingen.[3] Ihren Ehealltag kann man nicht mit einer modernen Partnerschaft vergleichen. Christiane Kunst hat dies deutlich formuliert, indem sie sagt „Partnerschaft war ein auf Männer zentriertes Konzept und bedeutete, auf die Ehe angewandt, dass Frauen ihr Leben der Unterstützung und Förderung des Ehemannes weihten.“[4] Um als Matrone eine würdige Gastgeberin im Hause zu sein und ihren Gatten stets im besten Licht erscheinen zu lassen, ist nach Andrea Rottloff ein hoher Grad an Bildung[5] nötig.

Eine traditionelle Pflicht der mater familias bestand darin, legitime Kinder zu gebären und zu nähren. Der Kern der ehelichen Gemeinschaft war die Familie und damit verbunden als oberste Bürgerpflicht, das Aufziehen von Kindern.[6] Die Matrone als Mutter (Punkt 4.1.) hatte die Rolle einer beaufsichtigenden Person[7], denn die Erziehung der Kinder erfolgte in der Oberschicht durch eine sorgfältig ausgesuchte Amme und einen Lehrer. Die beaufsichtigende Rolle der matrona setzte aber voraus, dass sie die nötigen Kenntnisse bereits als junges Mädchen erworben hatte und so war es nach Monika Eichenauer eine Pflicht der matrona Töchter und Mägde durch ihre Anleitung im Spinnen und Weben zu unterweisen.[8]

In diesem Zusammenhang soll in Punkt 4.2. untersucht werden, ob die traditionelle Pflicht des Spinnens und Webens tatsächlich unter der Aufsicht der matrona geschah, oder ob es sich um einen Topos handelt. Juvenal sieht in seiner sechsten Satire ein Anzeichen für den Verfall guter Sitte, da diese häusliche Pflicht von der Frau vernachlässigt wird, seitdem der Luxus in ihre Welt eingekehrt sei.[9] In Punkt 4.3. wird die Pflicht der Sklavenverwaltung beleuchtet. In reichen Haushalten lebten viele Sklaven, da jeder Sklave nur eine bestimmte Tätigkeit ausführte[10] und sie in ihren Aufgaben spezialisiert waren. Die Ehefrau überwachte und koordinierte deren Tätigkeiten in der domus.

Der „Wert“ einer Matrone wird im Schlusskapitel (Punkt 5) beleuchtet. Da die Loyalität einer Ehefrau zu ihrem Gatten von zeitgenössischen Autoren höchst gelobt wurde, ist der „Wert“ einer Matrone nicht gering zu schätzen. Über die Loyalität seiner Ehefrau Calpurnia schreibt Plinius:

„(3) Wie besorgt ist sie, wenn ich als Redner vor Gericht auftreten soll, wie sehr freut sie sich, wenn es vorbei ist! Sie beauftragt Leute, die ihr melden sollen, welche Zustimmung, welchen Beifall ich hervorgerufen, welchen Erfolg ich bei Gericht erreicht habe. Wenn ich einmal rezitiere, sitzt sie auch in nächster Nähe hinter einem Vorhang verborgen und hört mit begierigen Ohren mein Lob.[11]

2. Vom Kind zur Matrone

Einer Amme (mamma, nutrix, nutricula[12]) kam bei der frühkindlichen Erziehung eine besondere Rolle bei der Entwicklung des Kindes zu. Die nutrix pflegte von der Stillzeit an einen engen Kontakt zum Kind und besaß eine starke Bindung zum Zögling. Im Alter von sechs bis sieben Jahren begann die elementare Erziehung der Kinder in der sozialen Oberschicht durch Bedienstete.[13] Sie bekamen Unterricht von einem Erzieher (paedagogus) oder einer Erzieherin (paedagoga), sowie zusätzlich von Lehrern (praeceptores) oder sie wurden von einem Elternteil selbst unterrichtet.[14] Für eine gewisse Zeit wurden die Töchter und Söhne zusammen unterrichtet, im Alter von etwa 14 Jahren begannen die Knaben dann mit ihrer rhetorischen Ausbildung und wurden in die Philosophie eingeführt, während die Mädchen mit 12-14 Jahren in das heiratsfähige Alter kamen und auf die Rolle als zukünftige Hausherrin intensiver vorbereitet wurden. Hier trennten sich die Bildungswege von Knaben und Mädchen.

Bevor die Mädchen heirateten, war es notwendig sie in der Haushaltsführung, Sklavenverwaltung und Wollarbeit zu unterrichten, auch eine literarische Bildung war insofern wichtig, sollten sie doch die Ehefrauen gebildeter Männer werden. Plinius stellt seine Frau Calpurnia als Ideal einer Ehefrau dar. In einem Brief an Calpurnia Hispulla[15] bedankt sich Plinius für die Erziehung seiner Frau und betont ihre Bildung. Er schreibt:

(6) „Denn nichts anderes ziemt sich auch für ein Mädchen, das unter Deinen Händen erzogen, durch Deine Lehren unterwiesen worden ist, das in Deinem Umgang nichts anderes gesehen hat als Anstand und Ehrbarkeit, das schließlich aufgrund Deiner Empfehlung mich zu lieben gelernt hat.“[16]

(Mutter) mater und Vater (pater) suchten die Heiratskandidaten ihrer Töchter mit Sorgfalt aus. Bei Plinius erfahren wir mehr darüber, wie eine solche Auswahl erfolgte und dass bei der Auswahl auch Freunde der Familie integriert wurden. Er schreibt in einem Brief an Iunius Mauricus:

(1) „Du bittest darum, daß ich mich nach einem Mann für die Tochter Deines Bruders umsehe; […]“

(2) „Nichts Wichtigeres oder Angenehmeres konntest Du mir übertragen, nichts Ehrenvolleres konnte ich übernehmen, als einen Mann auszuwählen, der es wert wäre, dem Arulenus Rusticus Enkel zu schenken.“

(9) „ Ich weiß nicht, ob ich noch hinzufügen soll, daß sein Vater reiche Geldmittel besitzt. Denn wenn ich mir vorstelle, daß Ihr es seid, für die ich einen Schwiegersohn suche, dann muß ich wohl über die Finanzen schweigen; schaue ich aber auf die allgemeinen Sitten und auch auf die Gesetze des Staates, die sogar das bürgerliche Vermögen glauben in Betracht ziehen zu müssen, so meine ich, diesen Punkt doch wohl nicht unberücksichtigt lassen zu dürfen. Ja, gewiß doch: wenn man an die Nachkommen. Und zwar an zahlreiche, denkt, so muß auch dies bei der Auswahl des Heiratskandidaten in Rechnung gestellt werden.“[17]

Entscheidend ist, dass wir in diesem Brief erfahren, was für die Auswahl des zukünftigen Ehegatten einer aristokratischen Tochter (filae loco) von Wichtigkeit ist:

Der Vater des Auserwählten ist „[…], der erste Mann im Ritterstand, […]“[18] Der Auserwählte Heiratskandidat Minicius Acilianus „Quästur, Tribunat und Prätur hat er sehr ehrenvoll durchlaufen, [...]“[19]Seine ganze Gestalt zeigt eine natürliche Schönheit und sozusagen eine senatorische Würde.“[20]

Plinius hält auch die optischen Aspekte des Kandidaten für erwähnenswert und schreibt:

„ Das sind Vorzüge, die man, wie ich meine, keinesfalls geringschätzen sollte: denn solches muß gleichsam als Belohnung für die Tugend der Mädchen gegeben werden.“[21]

[...]


[1] Vgl. Rottloff, Andrea: Lebensbilder römischer Frauen. Mainz am Rhein: Philipp v. Zabern 2006. S. 16.

[2]Vgl. Ebd. S.17.

[3] Vgl. Kunst, Christiane: Eheallianzen und Ehealltag in Rom. In: Frauenwelten in der Antike. Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis. Hrsg. Von: Thomas Späth/Beate Wagner-Hasel. Stuttgart ∙ Weimar: J.B.Metzler 2006. S.40.

[4] Vgl. Ebd. S.40.

[5] Vgl.Rottloff, A.: Lebensbilder römischer Frauen. S.16-18.

[6] Vgl. Rottloff, A.: Lebensbilder römischer Frauen. S.46.

[7] Vgl. Ebd. S.16-18.

[8] Vgl. Eichenauer, Monika: Untersuchungen zur Arbeitswelt der Frau in der römischen Antike. Frankfurt am Main; Bern; New York; Paris: Lang 1988. S.35.

[9] Juvenal: Satiren. Sechste Satire. S.111.

[10] Zu den Aufgaben von Sklaven und deren Spezialisierungen siehe Andrea Rottloff. Lebensbilder römischer Frauen. S.154-156.

[11] Plinius: Briefe.Viertes Buch.19. (3).

[12] Bezeichnungen der ‚Frauenberufe‘ nach M. Eichenauer. Untersuchungen. S.56-59.

[13] Vgl. Rottloff, A.: Lebensbilder römischer Frauen. S.16-17

[14] Zur Ausbildung der Kinder siehe Rottloff, A.: Lebensbilder römischer Frauen. S.16-17.

[15] Calpurnia Hispulla war die Tante seiner dritten Ehefrau Calpurnia und hatte diese nach dem Tod der Eltern erzogen.

[16] Plinius: Briefe.Viertes Buch .19 (6).

[17] Plinius: Briefe. Erstes Buch. 14 (1)/(2)/(9).

[18] Plinius: Briefe. Erstes Buch. 14 (5).

[19] Plinius: Briefe. Erstes Buch. 14 (7).

[20] Plinius: Briefe. Erstes Buch. 14 (8).

[21] Plinius: Briefe. Erstes Buch. 14 (8).

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640917143
ISBN (Buch)
9783640917693
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171874
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Historisches Institut
Note
2,7
Schlagworte
Antike Römisches Reich

Autor

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