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Der Georgien-Krieg und seine Auswirkungen

Seminararbeit 2010 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Georgien während des Verfalls der UdSSR

3.Der Georgien-Krieg
3.1.Der Kriegsverlauf
3.2.Das Ende der Kampfhandlungen und der Rückzug

4.Die Hintergründe zum Konflikt

5.Die Auswirkungen des Georgien-Krieges

6.Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Kaukasus war, historisch betrachtet, schon immer ein Konfliktherd mit enormem Eskalationspotential. Ein Gebiet, das mehrere Eroberungen ertragen musste und sowohl ethnisches, wie auch religiöses Konfliktpotential beheimatete und immer noch beheimatet. Nach mehrmaligen erfolglosen Versuchen die Unabhängigkeit zu erlangen, wurde Georgien erst mit dem Zerfall der Sowjetunion ein eigenständiger, unabhängiger Staat und trat der, kurze Zeit später gegründeten, Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bei. Durch die willkürlichen Grenzziehungen in der sowjetischen Ära, nahm das Konfliktpotential allerdings nicht ab. Georgien beheimatet, ähnlich wie andere post-sowjetische Staaten, Minderheiten mit Unabhängigkeitsdrang.

Georgien wird von seinen Bewohnern als Balkon Europas bezeichnet und liegt an der Nahtstelle Eurasiens. Oftmals wird Georgien, die russische Bezeichnung lautet Grusija, auch als Perle des Kaukasus bezeichnet. Im Norden wird es von Russland, im Süden von der Türkei und Armenien und im Osten von Aserbaidschan begrenzt.

Die Konfliktzonen Georgiens sind Süd-Ossetien und Abchasien. Beide Gebiete grenzen an Russland und stehen nicht (mehr) unter Kontrolle der georgischen Regierung.

Für Russland gilt die gesamte Kaukasusregion als „Nahes Ausland“, ganz nach den „Primakow-Doktrin“ als Bezeichnung für die ehemaligen sowjetischen Teilrepubliken, und reklamiert somit Sicherheitsinteressen für sich. Während in anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion Unabhängigkeitsbewegungen durch Russland bekämpft werden, wie es in Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan der Fall ist, unterstützt Russland die Unabhängigkeitsbewegungen in Süd-Ossetien und Abchasien finanziell, militärisch und auch personell. Dennoch vermied es Russland immer die Regionen formell als unabhängig anzuerkennen.

„In der zweiten Augustwoche 2008 entwickelte sich ein lokaler Konflikt in Süd-Ossetien unversehens zu einem Brandherd internationalen Maßstabs.“[1]

In dieser Seminararbeit sollen die Fragen beantwortet werden, welche Auswirkungen der Georgien-Konflikt 2008 auf die Beziehungen der Konfliktparteien zum Westen hat und warum Russland im Kaukasus so hart durchgegriffen hatte. Warum erhielt der Konflikt im Kaukasus diese Brisanz und internationale Dimension?

Hierzu soll zunächst die Entwicklung Georgiens zum unabhängigen Staat dargestellt werden. Anschließend soll der Georgien-Krieg von 2008 erklärt werden und im darauf folgenden Teil die Hintergründe, die zu diesem Krieg geführt haben. Dazu werden sowohl georgische, als auch russische Beweggründe dargestellt. Im anschließenden Punkt werden die Auswirkungen genannt, die der Konflikt zwischen den Konfliktparteien und dem Westen auslöste. Im Fazit soll eine kurze Zusammenfassung folgen sowie die jeweiligen Beweggründe und erreichten Punkte der Konfliktparteien bewertet werden.

2. Georgien während des Verfalls der UdSSR

Das Eigen- und Selbstbewusstsein war schon immer sehr ausgeprägt in Georgien. Insbesondere da die Geschichte Georgiens viele Jahrhunderte älter ist als die Geschichte Russlands.[2] Dennoch war Georgien nur zeitweise unabhängig und überwiegend unter Fremdherrschaft. Es kamen Römer, Byzantiner, Perser, Araber und Türken und mit den letztgenannten eine Islamisierung. Dennoch behielt Georgien eine gewisse Selbstständigkeit. Mit Armenien galt es als eines der ersten Länder, welches das Christentum zur Staatsreligion erklärte und selbst die Islamisierung überstand es ohne sich vom Glauben loszusagen. Im 19. Jahrhundert erbat Georgien vom russischen Zaren Schutz vor den Türken, wurde jedoch statt dessen ins Zarenreich eingegliedert. Nach der Oktoberrevolution 1918 erklärte sich Georgien für unabhängig, nur um wenige Jahre später, 1921, eine Teilrepublik der Sowjetunion zu werden.

Während des Verfalls der Sowjetunion, zum Ende der 1980er Jahre, gab es eine erneute Bewegung weg von Moskau, die auf solider Grundlage beruhte.[3] Unter den politischen Gruppierungen gab es zwar keine politische Einheit, dennoch waren sich alle einig, einen Weg weg von Moskau beschreiten zu wollen und zu müssen.

Der eigentliche Wendepunkt in der georgischen Geschichte war der 9. April 1989. An diesem Tag fand eine friedliche Demonstration für die Unabhängigkeit Georgiens in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, statt. Zwar gab es aus Moskau eine Anweisung nicht auf die Demonstranten zu schießen, dennoch wurde die Demonstration gewaltsam aufgelöst, indem die Soldaten 20 Menschen, meist junge Frauen, mit Spaten erschlugen.[4] Seit diesem Tag hatten nur politische Gruppen in Georgien eine Chance die einen radikalen Bruch mit der kommunistischen Zentralmacht anstrebten.[5]

Im November 1990 gelang es einem Wahlbündnis „ Runder Tisch/Freies Georgien “ unter Swiad Gamsachurdija, einem Professor für Anglistik, die georgische Parlamentswahlen zu gewinnen.[6] Im darauf folgenden Monat, Dezember 1990, erklärten sich die georgischen Kommunisten für unabhängig von der KPdSU. Trotz dieser Umstände gelang es aber „nicht Georgien auf den Weg der Demokratie zu führen.“[7] Am 31. März 1991 sprach sich eine überwiegende Mehrheit in einem Referendum für die Unabhängigkeit Georgiens aus und somit für die Wiederherstellung staatlicher Selbstständigkeit.[8] Am 9. April 1991 und somit dem Jahrestag des „Massakers“ von Tiflis, erklärte das Parlament Georgien für einen unabhängigen Staat.[9] Ende Mai 1991 wurde Gamsachurdija mit großer Mehrheit in einer direkten Volkswahl zum Staatspräsidenten gewählt.

Trotz Unabhängigkeit hatte Georgien einen beginnenden Bürgerkrieg, denn die „Georgier waren nicht bereit, jene nationalen Rechte, die sie für sich gewonnen hatten auch den vergleichsweise kleinen nationalen Minderheiten innerhalb Georgiens zuzugestehen.“[10]

In Süd-Ossetien machten die Volksgruppe der Osseten rund Zweidrittel der Bevölkerung aus. Daher formierte sich bereits seit 1990 eine Bewegung zur Vereinigung mit dem zur RSFSR[11] gehörendem Nord-Ossetien.[12] Das Parlament in Tiflis hob im Dezember 1990 das Wahlversprechen auf, Süd-Ossetien den Autonomiestatus weiterhin zu genehmigen, weshalb sich die Süd-Osseten versuchten militärisch zur Wehr zu setzen, wobei es immer wieder Gefechte zwischen georgischen und ossetischen Milizen gab.[13] Zehntausende Osseten verließen aufgrund der Gefechte Süd-Ossetien und flohen nach Nord-Ossetien.

Obwohl die Politik gegen die Minderheiten eine breite Unterstützung in der georgischen Gesellschaft erhielt, bildete sich Widerstand gegen das „diktatorische“ Vorgehen von Präsident Gamsachurdija.[14] Georgien war das erste postkommu-nistische Land in dem politische Auseinandersetzungen militärisch zu einem Bürgerkrieg eskalierten.

[...]


[1] Schröder, Hans-Henning: Die Kaukasus-Krise. SWP-Studie S25, Berlin: Schröder, Hans-Henning (Hg.), 2008. S. 5.

[2] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: Verfall und Untergang des sowjetischen Imperiums. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 1993. S. 154.

[3] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: a.a.O. S. 154.

[4] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: Verfall und Untergang des sowjetischen Imperiums. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 1993. S. 154.

[5] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: a.a.O. S. 154.

[6] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: a.a.O. S. 154.

[7] Simon, Gerhard / Simon, Nadja: a.a.O. S. 154.

[8] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: a.a.O. S. 154.

[9] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: a.a.O. S. 154.

[10] Simon, Gerhard / Simon, Nadja: a.a.O. S. 155.

[11] RSFSR = Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik

[12] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: Verfall und Untergang des sowjetischen Imperiums. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 1993. S. 155.

[13] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: a.a.O. S. 155.

[14] Vgl. Simon, Gerhard / Simon, Nadja: a.a.O. S. 155.

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640915538
ISBN (Buch)
9783640915989
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171876
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Zolfagharieh Putin Medwedew Georgien Russland Ossetien Krieg Saakashwili Konflikt

Autor

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