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Die Gestalt der Frau im translatologischen Vergleich anhand des Romans "Die Nacht von Lissabon" von Erich Maria Remarque

Diplomarbeit 2007 40 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Theoretischer Teil

1 Der allgemeine Begriff des Übersetzens

2 Das literarische Übersetzen

3 Begriffsbestimmung: Roman

4 Biografie von Erich Maria Remarque

II. Analytischer Teil

5 Vergleichsanalyse von Fragmenten aus dem Roman Die Nacht von Lissabon unter Berücksichtigung der Gestalt der Frau
5.1 Zusammenfassung des Romans
5.2 Translatologische Analyse der Fragmente

6 Zusammenfassung des analytischen Teils

7 Streszczenie w języku polskim

8 Bibliographie
8.1 Primärliteratur
8.2 Sekundärliteratur

9 Anhang

Vorwort

In meiner Diplomarbeit beschäftige ich mich mit der Thematik des lite-rarischen Übersetzens. An einem konkreten Beispiel, in meinem Fall dem Roman Die Nacht von Lissabon von Erich Maria Remarque, werde ich versuchen die Probleme des Übersetzungsprozesses zu verdeutlichen. Es geht dabei darum, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Original und Übersetzung ausfindig zu machen.

Meine Arbeit gliedert sich in zwei unmittelbar miteinander verknüpfte Teile. So werde ich im ersten eine kurze Einführung in die Theorie der Übersetzungs-wissenschaft geben. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werde ich dann im zwei-ten Teil praktisch anwenden.

In dem theoretischen Teil werde ich mich auf die anerkannten Theorien bekannter Sprachwissenschaftler stützen (K. Dedecius, W. Koller, F. Apel), die sich seit Jahren mit der Eigentümlichkeit des Übersetzungsprozesses auseinandersetzen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem „Literarischen Übersetzen“.

Da es sich bei meiner Arbeit um eine Analyse der literarischen Gattung „Roman“ handelt, ist es ebenfalls von Bedeutung die charakteristischen Merkmale des Romans darzustellen. Aus diesem Grund werde ich ebenfalls eine Begriffsbe-stimmung dieser Gattung vornehmen. Diese gehört ebenso wie die Biographie des Autors zum theoretischen Teil.

Die genaue Kenntnisnahme des allgemeinen Begriffs des Übersetzens, der Technik des Übersetzens sowie weiterer Aspekte, die mit dem Übersetzen verbunden sind, bilden die Grundlage zur Durchführung der sprachlichen Analyse des erwähnten Romans, mit der ich mich im zweiten Teil der Arbeit beschäftige.

In diesem analytischen Part wird der Schwerpunkt also auf die praktische Anwendung der Theorie gelegt. Dies geschieht wiederum unter einem vorgegebenen Thema, und zwar Die Gestalt der Frau im translatologischen Vergleich. Dieser Thematik entsprechend habe ich einige Fragmente ausgewählt, anhand derer die Analyse durchgeführt wird.

Besonderes Augenmerk wird dabei der „Transformation“ geschenkt. Diese umfasst verschiedene sprachliche Mittel wie Substitutionen, Ergänzungen, Inversio-nen und Weglassungen, von denen der Übersetzer zwangsläufig, teilweise aber auch eigenständig, Gebrauch macht. Insbesondere die Stellen, an denen der Übersetzer künstlerisch aktiv wird, sind für uns von besonderem Interesse. Gerade dort kann man viel über die Qualität der Übersetzung erfahren. Außerdem sind wir in der Lage anhand dieser Passagen zu bestimmen, ob es sich bei der Übersetzung um eine Adaptation oder einen Transfer handelt.

Auf diesem Wege lässt sich dann wiederum ziemlich präzise der Grad der Äquivalenz bestimmen. Die Auswirkungen der vom Übersetzer vorgenommenen Änderungen auf den Empfänger werden ebenfalls analysiert und bewertet.

I. Theoretischer Teil

1. Der allgemeine Begriff des Übersetzens

Die Entstehung verschiedener Sprachen hat zwangsläufig den Prozess der Dolmet-schung und der Übersetzung zur Folge. Um die Sprachbarriere in den verschiedensten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu überwinden, muss man übersetzen. Dieser Vorgang ist sehr komplex und von jeher stellten sich den Übersetzern verschiedene Probleme. Generell unterscheidet man zwischen zwei Bereichen, dem literarischen Übersetzen und dem Fachübersetzen. Obwohl das Übersetzen so alt ist wie die Schrift, ist es schwierig eine allgemein gültige Definition des Begriffs aufzustellen.

Im Brockhaus von 1957 heißt es dazu: „Die Übertragung von Gesprochenem oder Geschriebenem aus einer Sprache in eine andere.“[1] Dieser Erklärungsversuch ist relativ alt und im Laufe der Zeit haben sich die Ansichten über dem Vorgang des Übersetzens gewandelt. So heißt es bereits 1979 in Meyers Enzyklopädischem Lexikon: „Die Übersetzung ist eine Wiedergabe eines Textes in einer anderen Sprache. Sie ist Form der schriftlichen Kommunikation über Sprachgrenzen hinweg im Gegensatz zur aktuellen, mündlichen Vermittlung des Dolmetschers.“[2] Es wird also bereits eine deutliche Abgrenzung zwischen Dolmetscher und Übersetzer vorgenommen.

Im Laufe der Jahre haben sich viele bekannte Sprachwissenschaftler mit der Problematik des Übersetzens auseinandergesetzt. Das Hauptproblem besteht darin, dass beim Übersetzen oft so viele unterschiedliche Bedingungen erfüllt werden müssen, dass diese sich manchmal sogar gegenseitig ausschließen, eine wirklich zufriedenstellende Übersetzung also quasi ausgeschlossen ist. Wolfram Wills formuliert dieses Problem folgendermaßen: „Die Übersetzungswissenschaft ist und bleibt letztlich eine Grenzwissenschaft, die durch das oft problematische, gleichzeitig zentripetal und zentrifugal wirkende Kräftespiel zwischen objektiven und subjektiven Faktoren charakterisiert ist.“[3]

Werner Koller definiert den Prozess des Übersetzens wie folgt: „Übersetzen besteht darin, für eine Zeichen-Einheit der Ausgangssprache (AS) eine ziel-sprachliche Einheit zu finden, die in dem gegebenen Kontext dieselbe Bedeutung besitzt.“[4] Viele Sprachwissenschaftler haben eigene Definitionen des Begriffs der Übersetzung aufgestellt, jeder hat dabei andere Schwerpunkte gesetzt und trotz verschiedener Prioritäten kann man nicht behaupten, dass die eine Definition schlechter als die andere wäre. Das Thema ist einfach zu komplex, um eine, für alle Teilaspekte der Übersetzung zutreffende Definition aufzustellen.

Ein weiterer Beitrag von Wolfram Wills bringt eine weitere Komponente der Übersetzung ins Spiel: „Übersetzen ist ein Textverarbeitungs- und Textverbali-sierungsprozess, der von einem ausgangssprachlichen Text zu einem möglichst äquivalenten zielsprachlichen Text hinüberführt und das inhaltliche und stilistische Verständnis der Vorlage voraussetzt. Übersetzen ist demnach ein in sich gegliederter Vorgang, der zwei Hauptphasen umfasst, eine Verstehensphase, in der der Übersetzer den ausgangssprachlichen Text auf seine Sinn- und Stilintention hin analysiert und eine sprachliche Rekonstruktionsphase, in der der Übersetzer den inhaltlich und stilistisch analysierten ausgangssprachlichen Text unter optimaler Berücksichtigung kommunikativer Äquavialenzgesichtspunkte reproduziert.“[5] Für Wills beinhaltet der Übersetzungsvorgang also ebenfalls eine Phase des Verstehens. Die Anforderungen an den Übersetzer sind also ungleich höher. Er muss nun nicht nur die Sprache beherrschen, sondern ebenfalls den sachlichen und emotionalen Gehalt einer Vorlage erfassen und diesen bei der Übersetzung berücksichtigen.

H. Vernay schreibt dazu: „Wir definieren zunächst Übersetzen als den Akt, der eine in einer Sprache A gegebene Information so in eine Sprache B überträgt, dass die in Sprache B erhaltene relevante Informationsmenge mit jener in Sprache A identisch ist. Wir betrachten also den Übersetzungsvorgang als ein zweisprachiges Kommunikationsereignis, dass sich zwar der Sprache der Kommunikationsmittel bedient, bei dem aber auch nichtsprachliche kommunikationsrelevante Faktoren mit in Betracht gezogen werden müssen.“[6] Ähnlich wie Wills betont auch Vernay die „nichtsprachlichen kommunikationsrelevanten Faktoren“. Dieser Faktor ist wohl die Hauptursache für die kontroversen Diskussionen der Sprachwissenschaftler. Die Debatten kreisen dabei immer wieder um denselben Streitpunkt: Wie frei oder treu soll der Übersetzer übersetzen?

2. Das literarische Übersetzen

„Die literarische Übersetzung ist die wahrscheinlich bekannteste bzw. in der Öffentlichkeit meistdiskutierte Erscheinungsform des Über-setzens, macht jedoch nur einen geringen Anteil des Übersetzungs-marktes aus. Im Vergleich zu Übersetzern von Gebrauchstexten erzie-len literarische Übersetzer in der Regel ein deutlich geringeres Einkommen, weshalb die Entscheidung für diesen Beruf wohl in den meisten Fällen in der persönlichen Begeisterung für Literatur bzw. für eine bestimmte Sprache und Kultur begründet liegt.

Literarische Übersetzungen spielten und spielen eine bedeutende Rolle für den interkulturellen Austausch, das Bild anderer Kulturen in einer bestimmten Sprachgemeinschaft und die Entwicklung nationaler Kultur und Identität.”[7]

Das literarische Übersetzen kann sicherlich als die Königsdisziplin der Über-setzung angesehen werden. Bei keiner anderen Form der Übersetzung werden so hohe Ansprüche an den Übersetzer gestellt. Der Prozess einer literarischen Übersetzung ist eine der komplexesten menschlichen Geistestätigkeiten überhaupt.

„Es gibt kaum eine Frage in der jahrhundertealten Auseinandersetzung mit dem Übersetzen, die intensiver und kontroverser diskutiert worden ist, als die der theoretischen und praktischen Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Übersetzens. Das Spektrum der Antworten reicht von der These der absoluten Übersetzbarkeit, über die Bejahung der Übersetzbarkeit im Teilbereich der denotativen Bedeutung bzw. der rationalen Komponenten des Informationsgehalts bis zur Verneinung der Übersetzbarkeit für eine ganze Textgattung und bis zur Charakterisierung des Übersetzens als einer prinzipiell unmöglichen Aufgabe.“[8]

Bis heute stellt sich dem literarischen Übersetzen also dasselbe Problem. In der Sprachwissenschaft hat man dieses Problem das Problem der „doppelten Bindung“ genannt. So soll der Zieltext zugleich eine merkliche Rückbindung an den Ausgangstext aufweisen als auch den Ansprüchen des Lesers des Zieltextes genügen.

Der Übersetzer steht nun vor der Entscheidung, eine rückwärts oder vorwärts orientierte Übersetzung anzustellen. D.h., dass er entweder bewusst die charakte-ristischen Eigenschaften der Ausgangssprache und -kultur erhält, oder dass er die Reproduktion der Zielkultur und deren sprachlichen Besonderheiten anpasst. In der Übersetzungstheorie spielen also nicht nur die Sprachen, die in diesem Prozess teilnehmen, sondern auch der kulturelle Hintergrund eine wichtige Rolle. Hans J. Vermeer schreibt dazu:

„Eine Translation ist nicht eine Transkodierung von Wörtern oder Sätzen aus einer Sprache in eine andere, sondern eine komplexe Handlung, in der jemand unter neuen funktionalen und kulturellen und sprachlichen Bedingungen in einer neuen Situation über einen Text berichtet, indem er ihn auch formal möglichst nachahmt.“[9]

Für Vermeer ist das Übersetzen also ebenfalls ein kultureller Transfer, der weit über die bloße wortwörtliche Übersetzung hinausgeht.

Die größte Kunst beim Übersetzen ist es, die Einzigartigkeit des literarischen Werkes zu erhalten. Der Übersetzer muss ein Gefühl für diese Einzigartigkeit entwickeln, um in der Lage zu sein, sie auch in der Übersetzung zu vermitteln. Trotzdem muss er sich immer wieder vor Augen führen, dass das übertragene Original kein neues Werk, sondern „nur“ eine Reproduktion des Originals werden soll. Jiri Levys formuliert dies wie folgt:

„Das Ziel der Übersetzerarbeit ist es, das Orginalwerk (dessen Mit-teilung) zu erhalten, zu erfassen und zu vermitteln, keinesfalls aber, ein neues Werk zu schaffen, das keinen Vorgänger hat, das Ziel der Übersetzung ist reproduktiv“.[10]

Levy betont also eindeutig die Wichtigkeit der Reproduktion. Zum selben Thema schreibt sein Kollege Walter Benjamin:

„Die wahre Übersetzung ist durchscheinend, sie verdeckt nicht das Original, steht ihm nicht im Licht sondern lässt die reine Sprache, wie verstärkt durch ihr eigenes Medium, nur um so voller auf das Original fallen. Das vermag vor allem Wörtlichkeit in der Übertragung der Syntax, und gerade sie erweist das Wort, nicht den Satz als das Urelement des Übersetzers, denn der Satz ist die Mauer vor der Sprache des Originals, Wörtlichkeit der Arkade.“[11]

Benjamins Definition ist etwas ausführlicher und geht mehr ins Detail. So spricht er aus, was für jeden Übersetzer das größte Problem ist, der Satz! Besonderen Wert legt er auf die wörtliche Übertragung der Syntax, welche eine besondere Betonung auf das Wort als Basis der Übersetzung nach sich ziehe. Eine weitere Definition des Übersetzens stammt von Friedmar Apel:

„Übersetzung ist eine zugleich verstehende und gestaltende Form der Erfahrung von Werken einer anderen Sprache. Gegenstand dieser Erfahrung ist die dialektische Einheit von Form und Inhalt als jeweiliges Verhältnis des einzelnen Werks zum gegebenen Rezeptionshorizont (Stand der Sprache und Poetik, literarische Tradition, geschichtliche, gesellschaftliche, soziale und individuelle Situation). Diese Konstellation wird in der Gestaltung als Abstand zum Original spezifisch erfahrbar.“[12]

[...]


[1] Der Große Brockhaus, 16. Auflage, Wiesbaden 1957, Bd. XI, S. 714 in Radegundis Stolze: Übersetzungstheorien. Eine Einführung, Tübingen 1994, S. 13.

[2] Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Mannheim / Wien / Zürich 1979, Bd. 24, S. 76 in Radegundis Stolze: Übersetzungstheorien. Eine Einführung, Tübingen 1994, S. 13.

[3] Wills, Wolfram : Kognition und Übersetzen. Zu Theorie und Praxis der menschlichen und der maschinellen Übersetzung, Tübingen 1988. Auf http://www.fask.uni-mainz.de, 04.05.2007.

[4] Koller, Werner: Anmerkungen zu Definitionen des Übersetzungsvorgangs und zur Übersetzungskritik, 1970. In Wolfram Wilss (Hrsg.): Übersetzungswissenschaft, Darmstadt 1981, S.263.

[5] Wills, Wolfram: Übersetzungswissenschaft. Probleme und Methoden, Stuttgart 1977. In Friedman Apel: Literarische Übersetzung, Stuttgart 1983, S. 5.

[6] Vernay, H.: Möglichkeiten und Grenzen einer sprachwissenschaftlichen Beschreibung des Übersetzungsvorgangs. in Radegundis Stolze: Übersetzungstheorien. Eine Einführung, Tübingen 1994, S. 47.

[7] Übersetzung (Sprache), http://de.wikipedia.org, 04.05.2007.

[8] Die literarische Übersetzung als sprachlicher und kultureller Transfer, http://www.e-scoala.ro, 28.12.2006.

[9] Vermeer, Hans J (Hrsg.).: Kulturspezifik des translatorischen Handelns, Heidelberg 1979. Auf http://www.e-scoala.ro, 28.12.2007.

[10] Levy, Jiri: Die literarische Übersetzung: Theorie einer Kunstgattung, Frankfurt a. M. 1969. In Friedman Apel: Literarische Übersetzung, Stuttgart 1983, S. 6.

[11] Benjamin, Walter: Die Aufgabe des Übersetzers. In J. S. Störig (Hrsg.): Das Problem des Übersetzens, Darmstadt 1969. In Radegundis Stolze: Übersetzungstheorien. Eine Einführung, Tübingen 1994, S. 18.

[12] Apel, Friedman: Literarische Übersetzung, Stuttgart 1983, S.8.

Details

Seiten
40
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640917884
ISBN (Buch)
9783640918041
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172023
Institution / Hochschule
Wyższa Szkoła Języków Obcych, Poznań
Note
gut plus
Schlagworte
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Titel: Die Gestalt der Frau im translatologischen Vergleich anhand des Romans "Die Nacht von Lissabon" von Erich Maria Remarque