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Instruktionstechnologie, Instruktionsdesign, didaktisches Design - Abgrenzung und Konzepte dieser Begriffe

Hausarbeit 2005 20 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1.Abstract

2.Instruktionstechnologie
2.1.Der Begriff Instruktion
2.2.Erläuterung des Begriffs Instruktionstechnologie
2.3.Kritik

3.Instruktionsdesign
3.1.Historischer Abriss und Definition
3.2.Die verschiedenen Theorien des Instruktionsdesign
3.2.1.Einleitung
3.2.2.Das „Ur-Modell“ des Instruktionsdesigns
3.2.3.Kritik
3.2.4.Die Modelle Anchored Instruction, Cognitive Apprenticeship, Goal-Based Scenarios
3.2.5.Kritik an den Modellen Anchored Instruction, Cognitive Apprenticeship, Goal-Based Scenarios
3.3.Fazit

4.Didaktisches Design
4.1.Einleitung
4.2.Die Komponenten des didaktischen Designs
4.2.1.Einleitung
4.2.2.Die Komponenten einführende Analysen, didaktische Orientierung, Projektmanagement, Segmentierung
4.2.3.Die Komponente Design der Lernumgebung
4.2.4.Die Komponente Evaluation
4.3.Fazit

5.Schlussbemerkung

6.Literaturverzeichnis

1. Abstract

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Themen Instruktionstechnologie, Instruktionsdesign und didaktisches Design, die von zentraler Bedeutung für die Entwicklung und Gestaltung von multimedialen Lernumgebungen sind. Der thematischen Schwerpunkt liegt dabei auf das Instruktionsdesign, da dieser Begriff bereits Mitte der 60er Jahre erstmals genannt, im Laufe der Jahre weiterentwickelt wurde und heute oft kritisiert und zum Teil als sehr problematisch dargestellt wird. Durch die starke Verbundenheit der in meiner Hausarbeit beschriebenen Themen mit den Inhalten des Seminars erscheint eine Abgrenzung der Begriffe für das Verständnis der unterschiedlichen Themenfelder als unumgänglich und grundlegend. Zentrale Ergebnisse meiner Arbeit sind folgende: Instruktionstechnologien beziehen sich nicht, wie oft angenommen, auf die technischen Gegebenheiten von Lernumgebungen, sondern auf Verfahrensvorschriften im Bereich der Instruktion. Da dieser Begriff missverständlich war und ist, setzte sich bald der Begriff Instruktionsdesign durch, der sich im Großen und Ganzen mit den selben Bereichen wie die Instruktionstechnologie beschäftigt. Unter dem Begriff Instruktionsdesign wird nicht nur ein Modell verstanden, sondern es werden verschiedene Modelle zusammengefasst. Es ist möglich aus diesen auszuwählen oder mehrere Modelle zu nutzen, indem man diese kombiniert. Das Instruktionsdesign wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt, wobei es jedoch nicht wie der Begriff Instruktionstechnologie ersetzt wurde. Heute ist er noch immer ein geläufiger und häufig verwendeter Begriff. Er wurde weiterentwickelt zum Begriff didaktisches Design. Das didaktische Design ist weitaus allgemeiner als das Instruktionsdesign. D.h., dass beim didaktischen Design eine größere Anzahl von Bereichen angesprochen wird.

2. Instruktionstechnologie

2.1. Der Begriff Instruktion

Laut dem Fremdwörterbuch bezeichnet man mit dem Wort „Instruktion“ eine „Anleitung; Vorschrift; Richtschnur, Dienstanweisung.“[1] Diese Beschreibung ist eine sehr oberflächliche Deutung des Begriffs. Deutlicher wird dieser durch die Definition von Niegemann: „,Instruktion’ bezeichnet jedes systematische Arrangement von Umgebungsbedingungen, das geeignet ist, Kompetenzen zu fördern (vgl. Resnick, 1987, S. 51). ,Instruktion’ ist damit deutlich weiter gefasst als ,Unterricht’ oder ,Lehre’.“[2]

2.2. Erläuterung des Begriffs Instruktionstechnologie

Instruktionstechnologie ist ein Begriff aus der Didaktik, der nicht lange verwendet wurde und heute so gut wie gar nicht mehr genutzt wird. Aus diesem Grund existiert sehr wenig Literatur zu diesem Ausdruck, was auch die Kürze dieses Teils der Arbeit erklärt. Der Grund für die Aufgabe dieses Wortes ist, dass mit diesem Begriff oft die Technologie von Instruktionen bzw. Lernumgebungen verbunden wurde, obwohl ursprünglich damit „präzise Verfahrensvorschriften“[3] von Instruktionen gemeint waren. Um diese Verwechslung zu vermeiden, wurde der Begriff Instruktionsdesign eingeführt.

2.3. Kritik

Wenn man den Begriff Instruktionstechnologie das erste Mal hört, verbindet man ihn zunächst mit den Technologien von Instruktionen, also die Hard- und Software von Computern, Overheadprojektor, Fernseher, etc. Konkrete Verfahrensvorschriften, die ursprünglich mit dem Begriff beschrieben wurden, werden nicht damit assoziiert. Daher ist es sinnvoll, dass der Begriff Instruktionstechnologie durch einen anderen ersetzt wurde. Ob sich jedoch ein Ausdruck wie Instruktionsdesign als Ersatz hierfür eignet, wird im nachstehenden Kapitel überlegt.

3. Instruktionsdesign

3.1. Historischer Abriss und Definition

Das Wort Instruktionsdesign setzt sich zusammen aus den Begriffen „Instruktion“ und „Design“. Laut dem Fremdwörterbuch bezeichnet man (wie bereits unter 2.1. erläutert) mit dem Wort „Instruktion“ eine „Anleitung; Vorschrift; Richtschnur, Dienstanweisung.“[4] und mit „Design“" „zeichnerischer od. plastischer Entwurf, Skizze, Modell“[5], also sozusagen das Aussehen eines Gegenstandes. Setzt man diese Worte wieder zusammen, kann man für den Begriff Instruktionsdesign die folgende Definition finden: Anleitung, Vorschrift oder Richtschnur eines Entwurfs oder Modells. Weiter darüber nachgedacht könnte man unter „Instruktion“ auch das Lehren von etwas verstehen. Damit würde sich ergeben, dass das Wort „Instruktionsdesign“ die Gestaltung von zu Lehrendem bezeichnet. Da diese Definition in etwa auch dem entspricht, was das Instruktionsdesign beabsichtigt, halte ich diesen Begriff für angemessen. Dieser Begriff ist definitiv besser gewählt als der bereits behandelte Begriff Instruktionstechnologie, da man mit ihm direkt das assoziiert, was er ausdrücken soll. 1966 nannte Glaser in einer seiner Publikationen zum ersten Mal den Begriff „Instructional Design“, der im Deutschen als Instruktionsdesign bekannt wurde. Verschiedene Lehrbücher, z.B. von Gagné und Briggs aus dem Jahre 1974, sorgten schnell für die Etablierung dieses Wortes. Gagné wird heute als der Vater der „Instruktionsdesign-Idee“ benannt. Seine Ideen über das Lehren bezogen sich auf das Abwenden von der „einen“ richtigen Lehrmethode und der Zuwendung zu einem Konzept, das sich um die Auffindung von bestmöglichen Lernumgebungen für Lernaufgaben, Lernvoraussetzungen und Rahmenbedingungen kümmert.[6]

Heute gibt es differente Meinungen darüber, wie das Instruktionsdesign zu verstehen ist. Laut der Internetseite Wikipedia handelt es sich beim Instruktionsdesign um „die systematische Planung, Entwicklung und Evaluation von Lernumgebungen und Lernmaterialien“[7]. Eine andere Ansicht über die Bedeutung des Begriffs Instruktionsdesign vertritt der Autor und Dozent Michael Kerres. In seinem im Internet erschienen Artikel „Gestaltungsorientierte Mediendidaktik und ihr Verhältnis zur Allgemeinen Didaktik“ erklärt er, dass sich das Instructional Design mit der Erforschung von Lehr- und Lernmethoden beschäftige.[8] Vergleicht man die beiden Definitionen von Wikipedia und Kerres, erkennt man, dass diese sehr unterschiedlich sind. Wikipedias Erklärung handelt von der Herstellung von Lernumgebungen, also von dem, was das didaktische Design ausmacht (siehe Kapitel 4). Die Definition von Kerres hingegen betrachtet die Methoden des Lehrens und Lernens, also einen Teilaspekt des didaktischen Designs. Oft wird das Instruktionsdesign mit dem didaktischen Design nahezu gleichgesetzt, was ich allerdings für falsch halte, da das Instruktionsdesign nur einen Teilbereich des didaktischen Designs abdeckt. Kerres Idee von der „Erforschung von Lehr- und Lernmethoden“ ist grundlegend für eine Entwicklung von Lernumgebungen und Lernmaterialien und beschreibt das Instruktionsdesign in meinen Augen sehr passend. Aus diesem Grund habe ich die Aussage von Kerres als Grundlage für meine Ausarbeitung des Themenbereichs Instruktionsdesign gewählt.

3.2. Die verschiedenen Theorien des Instruktionsdesign

3.2.1. Einleitung

Menschen lernen tagtäglich auf die unterschiedlichsten Weisen und durch die verschiedenen Sinne des Körpers Neues zu ihrem vorhandenen Wissen dazu. Die verschiedenen Instruktionsdesign-Theorien berücksichtigen diese Arten des Lernens durch ihre unterschiedlichen Vorgehensweisen. Zunächst stellt sich die Frage, was genau gelernt/gelehrt werden soll. Welches Ziel soll erreicht werden? Da die verschiedenen Theorien verschiedene Ziele verfolgen, ist es notwendig, vor der Anwendung einer Instruktionsdesign-Theorie diese Ziele (z.B. die Schulung von Abstraktionsvermögen, Erlernen von motorischen Fähigkeiten, etc.) zu benennen und zu kategorisieren, um dann in einem nächsten Schritt das passende oder die passenden Modelle auszuwählen oder evtl. verschiedene Modelle zu kombinieren. Es muss daher immer der erste Schritt sein, die Ziele zu definieren, die der Lehrende vermitteln möchte.

Da es eine Reihe von Kritik, nicht nur im Rahmen der Konstruktivismus-Theorie gibt, wird in der Literatur wiederholt davor gewarnt, einer all zu strengen Umsetzung zu folgen. Zum einen ist das nachteilig für den Lehrenden, da er nicht mehr auf die individuellen und evtl. sehr unerwartet auftretenden Probleme des Lernenden eingehen könnte. Zum anderen hat es Nachteile für den Lernenden, weil dieser in diesem Fall in den Hintergrund getrieben und dadurch nicht mehr länger das Erlernen von Wissen als Hauptziel betrachtet würde. Da es eine große Anzahl an Instruktionsdesign-Theorien gibt, wird an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl vorgestellt, die aber sicher ausreichen wird, um sich ein geeignetes Bild von den verschiedenen Instruktionsdesignmodellen zu machen.

3.2.2. Das „Ur-Modell“ des Instruktionsdesigns

Das „Ur-Modell“ des Instruktionsdesigns wurde von Gagné, Briggs und Wagner entwickelt und war ursprünglich für den Einsatz im Frontalunterricht gedacht. Wichtigster Inhalt dieser Theorie ist, dass Wissen aufeinander aufbaut. Das bedeutet, dass man sich erst ein bestimmtes Wissen aneignen muss, um neue Inhalte verstehen zu können. Das Wissen, das man noch nicht besitzt, wird dadurch automatisch zu einem Lehrziel. Daraus ergibt sich, dass es eine Lehrzielhierarchie geben muss, um ein übergeordnetes Ziel erreichen zu können. Die Lehrzielhierarchie versucht eine Staffelung zu erreichen, die vom Grundlegenden zum Speziellen oder vom Einfachen zum Schweren aufgebaut wird. Diese Hierarchie muss eingehalten werden, um ein erfolgreiches Lernen zu ermöglichen. Niegemann beschreibt diesen Vorgang folgendermaßen:

„Von einem bestimmten Lehrziel aus rückwärts gehend, lässt sich eine hierarchische Struktur von Lernvoraussetzungen konstruieren, wobei jede noch nicht beherrschte Lernvoraussetzung ihrerseits ein Lehrziel darstellt, das zwingend vor dem übergeordneten Lehrziel vermittelt werden muss (Lehrzielhierarchie).“[9]

Um eine solche Lehrzielhierarchie und ein effektives Lernen zu gewährleisen, ist es notwendig, Ziele in Kategorien einzuteilen und aufzuklären, welches Wissen und welche Fähigkeiten sich Lernende bereits angeeignet haben. Gagné hielt folgende Einteilung für sinnvoll:

1. Sprachlich repräsentiertes Wissen: Hierbei handelt es sich um das Wissen von Fakten und um begriffliches Zusammenhangswissen. Dieses Wissen gilt als gelernt, wenn es schriftlich oder mündlich wiedergegeben werden kann.
2. Kognitive Fähigkeiten: Gagné teilt die kognitiven Fähigkeiten in weitere Unterkategorien ein. Bei den Unterkategorien handelte es sich um Unterscheidungs-fähigkeit, anschauliche Begriffe, abstrakte Begriffe, Regeln und Regeln höherer Ordnung.
3. Kognitive Strategien: Besitzt eine Person die Fähigkeit, seine eigenen Denk- und Lernprozesse selbstständig zu verbessern, selbstständig lernen zu können sowie Probleme formulieren und lösen zu können, dann sind kognitive Strategien von dieser Person erlernt worden.
4. Einstellungen: Dieser Begriff meint mentale Gegebenheiten. Hierbei handelt es sich um persönliche Handlungsentscheidungen, die man verschiedenen Ereignissen gegenüber trifft.
5. Motorische Fähigkeiten: Ist eine Person in der Lage, praktische Aufgaben routinemäßig auszuführen, sind motorische Fähigkeiten erlernt worden.[10]

Ist eine Kategorisierung der Ziele vollzogen, können die jeweils geeigneten Lehrmethoden herangezogen werden. Dazu werden zuvor jedoch Lehrschritte benötigt, die den Phasen eines Lernprozesses entsprechen. Diese hat Gagné ebenfalls ausgearbeitet und können speziell auf die Kategorien zugeschnitten werden. Dieses ist notwendig, da z. B. das Lehren von kognitiven Fähigkeiten eine andere Planung benötigt, als das von motorischen Fähigkeiten. Die von Gagné benannten Lehrschritte lauten:

a) Aufmerksamkeit gewinnen: Beispielsweise durch schnellen Reizwechsel, gestikulieren, Anheben der Stimme. Dies ist unabhängig von den zu erlernenden Fähigkeiten und somit immer der erste Lehrschritt.
b) Informieren über die Lehrziele: Dadurch soll von den Lernenden eine Erwartungshaltung aufgebaut werden, die während des Lernprozesses anhält. Die Erwartungshaltung soll am Ende über eine Rückmeldung durch die Lernenden bestätigt werden.

[...]


[1] Duden 2003, Seite 630

[2] Niegemann 2004, Seite 19

[3] Kerres 2001, Seite 40

[4] Duden 2003, Seite 630

[5] Duden 2003, Seite 318

[6] vgl. Niegemann 2004, Seite 19

[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Instruktionsdesign

[8] http://online-campus.net/edumedia/publications/m+didaktik-kerres.pdf

[9] Niegemann 2001, Seite 25

[10] Punkte 1 - 5 vgl. Niegemann 2001, Seiten 25 - 27

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640919017
ISBN (Buch)
9783640919536
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172111
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Instruktionstechnologie Instruktionsdesign didaktisches Design

Autor

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