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Soziale Netzwerkarbeit

Darstellung des Ansatzes anhand eines Fallbeispiels aus der ambulanten Eingliederungshilfe

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1.0. Fallbeschreibung und Fragestellung
1.1 Ausgangslage
1.2 Operationalisierung der Fragestellung

2.0 Netzwerke in der Theorie
2.1 Definitionen
2.2 Merkmale und Ziele
2.3 Visualisierungsformen

3.0 Netzwerkarbeit als praktische Methode

4.0. Möglichkeiten und Grenzen
4.1 Interventionsmöglichkeiten
4.2. Grenzen

5. Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Netzwerkarbeit ist aus der Sozialen Arbeit seit den 1990er Jahren nicht mehr wegzudenken. Seit Beginn der Netzwerkforschung in den 1950er Jahren, die sich um 1970 zur Netzwerkarbeit weiterentwickelte, wurde eine praktikable Methode für die Soziale Arbeit. Galuske versteht unter sozialer Netzwerkarbeit „(…) ein sozialpädagogisches Handlungsmodell, das aufbauend auf die Netzwerkforschung durch Analyse, Nutzung, Gestaltung und Ausweitung des Beziehungsgeflechts der Klienten zu Personen, Gruppen und Institutionen auf eine Optimierung ihrer Unterstützungsnetzwerke und damit auf die Stärkung ihrer Selbsthilfepotentiale abzielt und sich zu diesem Zweck unterschiedlichster Techniken der Analyse von und Einflussnahme auf Klientennetzwerke bedient“(Galuske 2008:206).

Die Vernetzung mit anderen sozialpädagogischen Bereichen, aber auch nicht-pädagogischen Bereichen nimmt einen Teil der täglichen Arbeit ein. In vielen Hilfeplänen taucht immer wieder das Ziel zur Netzwerkerweiterung oder zur Erweiterung sozialer Beziehungen auf, da sich traditionelle Netzwerke aufgelöst haben und sich (post-)moderne Netzwerke bildeten, Lebenswelten und -lagen individualisiert und pluralisiert sind. Traditionelle zeugten z.B. von Beständigkeit, Begrenztheit (Intoleranz) und Nestwärme, während die (post-)modernen hingegen Unbeständigkeit, Vielfältigkeit (Toleranz) und Beziehungslosigkeit zeigen (vgl. Eggert-Schmid Noerr 2005:28, Nestmann 2005:1684).

Menschen in komplexen Problemlagen, deren Ereignisse nicht mit ihrem Selbstbild vereinbart werden können und ihre Netzwerke nicht neu zu organisieren fähig sind, oder der in seinem Handeln durch körperliche, geistige oder psychische Erkrankungen eingeschränkte Mensch ist oftmals nicht in der Lage ihre sozialen Netzwerke zu überblicken und diese ausreichend zu nutzen. Sie sind im Prinzip auf professionelle Hilfe angewiesen, so wie es im Folgenden, am Beispiel von Marek1, gezeigt werden soll.

In einem ersten Schritt wird der Fall beschrieben und die Fragestellung formuliert (1.0). Anschließend werden theoretische Inhalte der Netzwerkarbeit dargestellt (2.0). Im dritten Teil erfolgt dann die praktische Durchführung unter Erarbeitung eigener Verlaufsschritte (3.0). In einem vierten Schritt werden handlungsstrategische Ableitungen erfolgen (4.0) und anschließend (5.0) ein Resümee gezogen.

1.0 Fallbeschreibung und Fragestellung

Die hier dargestellte Person wird im Rahmen der ambulanten Eingliederungshilfe für psychisch kranke Menschen (SGB XII) seit Oktober 2010 betreut.

1.1 Ausgangslage

Marek, 30 Jahre, war von März - September 2010 in einer fachpsychiatrischen Einrichtung. Er bekam, wie er betont, seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle. Im Mai wurde eine emotionale Instabilität vom Borderlinetypus diagnostiziert. Marek wurde von den Ärzten mit vielerlei Informationsmaterial versorgt, konnte aber kein richtiges Bild von der Krankheit und den Umgang damit entwickeln.

Zum Zeitpunkt seiner Entlassung legte man ihm nahe ambulante Hilfe in Anspruch zu nehmen. Marek wandte sich an den „Sozialen Dienst“. Er wollte die Zeit nach dem stationären Aufenthalt zu einem Neuanfang nutzen. Marek suchte sich eine erste eigene Wohnung und wählte auch einen anderen Stadtteil. Er begann sein eigenes Leben zu leben und das erste Mal Verantwortung für sich zu übernehmen.

Marek ist ein kreativer Mensch, der sein Hobby, Graphikdesign, zum Beruf machte. Er ist wortgewandt, spontan und zuverlässig. Diese Eigenschaften erwartet er auch von seinen Mit- menschen. Aktuell denkt er exzessiv über sein Dasein und sein Wirken auf andere nach und steht in Konflikt mit seiner Krankheit. Marek zeigt ambivalentes Verhalten in Bezug auf Ak- zeptanz und offenem Umgang damit. Die Auswirkungen auf sein Umfeld sind unterschiedli- cher Ausprägung. Zum einen zeigt es sich darin, dass Marek sich von seinen Freunden zu- rückzieht, zum anderen ist er versucht an den Kontakten festzuhalten, was ihm wiederum als unangenehm an seiner Person auffällt. Er schiebt es auf die Borderline-Störung.

Ein Ausspruch von Marek ist häufig: „Wenn ich diese Krankheit nicht hätte, dann würde ich nicht alles kaputt machen. Ich kann einfach nichts und ich bin auch nichts! Gehöre ich überhaupt hier hin?“

1.2 Operationalisierung der Fragestellung

„Die Borderline-Störung ist eine Erkrankung, bei der Anlage- und entwicklungspsychologische Faktoren zu einer spezifischen Anfälligkeit gegenüber emotionalem Stress führen“ (Rahn 2007:51). Häufig treten Symptome in Überforderungssituationen auf, in denen das eigene Selbstbild inkongruent wird, in diesem Falle die Emotionen und das Erleben kollidieren, so auch bei Marek, als sich seine Freundin von ihm trennte.

Das Borderline-Syndrom gehört zu den Persönlichkeitsstörungen und Symptome treten typi- scherweise gemeinsam in unterschiedlicher Stärke und Vielfältigkeit auf. Hauptmerkmale sind Störungen des Selbstbildes und interpersonelle Konflikte, aber auch die generelle In-Frage-Stellung der eigenen Person ist Thema. Erste Anzeichen der Störung sind meist im Übergang von Jugendzeit zum frühen Erwachsenenalter zu beobachten und nicht sofort diagnostizierbar, da sie eine Eigendynamik in der Entwicklung zeigen. Personen mit dieser Diagnose „haben in der Regel Schwierigkeiten, sich ein ausreichendes Maß an sozialer Unterstützung zu sichern. Daher ist ein zentrales Anliegen der Hilfe, dem Betroffenen zu helfen, sich ein tragfähiges soziales Netz aufzubauen“ (Rahn 2007:46).

Daraus lässt sich folgende Fragestellung formulieren:

Inwieweit beeinflusst die Borderline-Pers ö nlichkeitsst ö rung tats ä chlich das soziale Netzwerk von Marek und wie kann dieses trotzdessen stabilisiert und/oder ausgebaut werden?

2.0 Netzwerke in der Theorie

2.1 Definitionen

Als Erfinder des Netzwerkes gilt der Sozioanthropologe T. Barnes. Dieser verglich symbolisch das Netzwerk eines Menschen mit dem eines Fischernetzes. Dabei stellten Knoten die sozialen Beziehungen dar und die Fäden die jeweiligen Verbindungen.

Ein soziales Netzwerk ist also ein Geflecht „(…) sozialer Beziehungen zwischen einer be- stimmten Anzahl von Menschen (oder Organisationen)“ (Nestmann 2005:1684). Die gesamte Situation des Individuums kann betrachtet werden und Netzwerke sind „(…) ein Analysein- strument zur Erhebung und Durchdringung von sozialen Strukturen(…)“ (ebd.). Rose defi- niert Netzwerk detaillierter, indem sie schreibt, dass „soziale Netzwerke (…) aus Menschen und deren Beziehungen zu anderen Menschen (…bestehen…), sie umfassen sowohl die Be- ziehungen zu privaten als auch zu halböffentlichen oder öffentlichen Menschen“ (Rose 1995:20). Daraus lassen sich die im Nachfolgend beschriebenen Merkmale und Ziele ableiten.

2.2 Merkmale und Ziele

Jeder Mensch ist in ein bestimmtes Netzwerk eingebunden. Dieses ist individuell und wohl einzigartig, denn es besteht nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ein zweites Netzwerk in dieser Form existiert. Ein bestehendes soziales Netzwerk ist veränderlich, da es durch differente Ereignisse, wie der Schuleintritt, ein Umzug oder ein Beziehungsabbruch, wandelt. Es ist multilateral zu betrachten und zu gestalten. Ein Netzwerk ist eine „(…)Landkarte der Lebenswelt(…)“, welche sich verschiedenartig darstellen lässt (Rose 1995:20).

Zu unterscheiden wären totale/partielle und egozentrierte Netzwerke sowie primäre (natürliche) und sekundäre/tertiäre (künstliche) Das totale Netzwerk ist eher unübersichtlich, da es alle sozialen Beziehungen darstellen würde. Das partielle hingegen betrachtet nur einen bestimmten Teil eines Netzwerkes, zielt dabei auf die Beantwortung der Fragestellung und gibt Aufschluss über Nutzungsmöglichkeiten. Es wird hier also auf nützliche Ressourcen in der sozialen Unterstützung reduziert. Beim egozentrierten Netzwerk, welches auf Barnes zurückgeht, steht die Person im Mittelpunkt und bildet den „Star“. Jeder Bereich um diese Person herum wird als eine Zone bezeichnet. Diese Zonen wiederum werden in primär (Familie, Verwandte, Freunde), sekundär (Nachbarschaft) und tertiär (Organisationen, Institutionen) eingeteilt. (vgl. Lammers 1992:118f., Rose 1995:20f.)

[...]


1 Alle hier verwendeten Namen wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640918911
ISBN (Buch)
9783640919369
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172136
Institution / Hochschule
Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg – Soziale Pracis
Note
2,3
Schlagworte
Netzwerke Soziales Netzwerk Borderlinestörung Analyse veränderte Familienstrukturen Einsamkeit Angst Depression Keine Freunde Netzwerkanalyse

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Titel: Soziale Netzwerkarbeit