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Ursachen von Straffälligkeit: Kriminalitätstheorien näher betrachtet

Studienarbeit 2010 17 Seiten

Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Eidesstattliche Erklärung und Einleitung

2 Begriffserklärungen
2.1 Der Kriminalitätsbegriff
2.2 Kriminologie
2.3 Geschichte der Kriminologie und der Kriminalitätstheorien

3 Kriminalitätstheorien
3.1 Biologische Kriminalitätstheorien
3.1.1 Zwillingsforschung
3.1.2 Adoptionsstudien
3.1.3 XYY-Konstitution
3.1.4 Neurochemische Einflussfaktoren
3.1.5 Vergleichende biologische Verhaltensforschung (Ethologie)
3.2 Psychologische Kriminalitätstheorien
3.2.1 Psychodynamische Theorien
3.2.2 Theorie des rationalen Wahlhandelns
3.2.3 Lernpsychologische Ansätze
3.2.4 Aggressionstheorien
3.3 Soziologische Kriminalitätstheorien
3.3.1 Anomietheorie
3.3.2 Kulturkonfliktstheorie
3.3.3 Der ökologische Ansatz
3.3.4 Subkulturtheorien
3.4 Ergänzende Theorien und Konzepte
3.4.1 Der Etikettierungsansatz (labeling approach)
3.4.2 Opferorientierte Ansätze
3.4.3 Integrationskonzepte

4 Einflussfaktoren
4.1 Familie
4.2 Schule
4.3 Arbeitslosigkeit
4.4 Freizeit
4.5 Medien

5 Kritische Betrachtung und Stellungnahme

6 Literaturverzeichnis

1 Eidesstattliche Erklärung und Einleitung

Hiermit versichere ich, dass ich die Studienarbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe, alle Ausführungen, die anderen Schriften wörtlich oder sinngemäß entnommen wurden, kenntlich gemacht sind und dass die Arbeit in gleicher oder ähnlicher Fassung noch nicht Bestandteil einer Studien- oder Prüfungsleistung war.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Janina Geiß

Die vorliegende Studienarbeit beschäftigt sich mit der Ursachenforschung von Straffälligkeit. Im ersten Teil werden Fachbegriffe zur Kriminalität und Kriminologie abgegrenzt und definiert. Im Weiteren geht es um die historische Entstehung der Wissenschaft. Anschließend werden verschiedene wissenschaftliche Kriminalitätstheorien beschrieben und zum Teil kritisch hinterfragt. Die im Weiteren beschriebenen Einflussfaktoren dienen der Vervollständigung der zuvor erklärten Theorien. Abschließend möchte ich dann selbst zum Thema Stellung beziehen.

2 Begriffserklärungen

2.1 Der Kriminalitätsbegriff

Man unterscheidet im Allgemeinen drei Kriminalitätsbegriffe. Der strafrechtliche Kriminalitätsbegriff beschreibt diejenigen Handlungen von Menschen, die nach dem Gesetz unter Strafe stehen, sogenannte „delicta mere prohibita“. Das Gesetz bestimmt also was Kriminalität ist. Der natürliche Kriminalitätsbegriff kennzeichnet alle Handlungen, die kulturen-und zeitenübergreifend als moralisch verwerflich gelten, auch ohne dass ein Gesetz dies geregelt hätte, die sogenannten „delicta mala per se“. Erweitert werden diese beiden Kriminalitätsbegriffe um den soziologischen Kriminalitätsbegriff, der alle Handlungen von Menschen mit einbezieht, die nicht der sozialen Norm entsprechen beziehungsweise in irgendeiner Form als sozial schädlich angesehen werden können, unabhängig davon, ob sie nach geltendem Recht bestraft werden. (vgl. Schwind, 2006: 2-6)

2.2 Kriminologie

„Unter „Kriminologie“ ist der interdisziplinäre Forschungsbereich zu verstehen, der sich auf alle die empirischen Wissenschaften bezieht, die zum Ziel haben, den Umfang der Kriminalität zu ermitteln und Erfahrungen

- über die Erscheinungsformen und Ursachen der Kriminalität,
- über Täter und Opfer sowie
- über die Kontrolle der sozialen Auffälligkeit einschließlich der Behandlungsmöglichkeiten für Straftäter und der Wirkungen der Strafe (bzw. Maßregel) zu sammeln.“ (Schwind 2006: 8)

2.3 Geschichte der Kriminologie und der Kriminalitätstheorien

Der wahrscheinlich ursprünglich von P. Topinard (1830-1911) stammende Begriff „Kriminologie“ fand seine erste Verwendung in einem von Raffaele Garofalo (1851-1934) veröffentlichten Buch „Criminologia“ im Jahre 1885.

Als offizielle Begründer der Wissenschaft gelten jedoch der Strafrechtsreformer Cesare di Beccaria (1738-1794) und der Arzt Cesare Lombroso (1835-1909).

Beccaria hatte als Jurist einen großen Einfluss auf die bis heute noch vorherrschenden Grundsätze in der Kriminalpolitik, die ich im Folgenden nur kurz nennen möchte:

- Willkürverbot für Polizei und Richter
- Schnelle Abwicklung von Gerichtsverfahren
- Zeit für Verteidigung des Angeklagten
- Öffentliche Gerichtsverhandlungen
- Unschuldsvermutung
- Abschaffung der Strafe zur Abschreckung als Präventionsmaßnahme
- Abschaffung der Folter
- Lebenslange Freiheitsstrafen statt Todesstrafe
- Kriminalpolitik soll präventiv gestaltet werden.

Lombroso wurde durch seine empirischen Forschungen bekannt, in denen er sich mit den angeborenen Merkmalen von Verbrechern auseinandersetzte („L’uomo delinquente“, 1876). Er ging davon aus, dass man einen Verbrecher an seinen äußeren Merkmalen erkennen könnte. Fortschrittlich war die täterbezogene und nicht mehr nur die tatbezogene Ausrichtung seiner Arbeit. Man könnte dies auch als einen Vorläufer zur heutigen Erstellung von Täterprofilen ansehen.

Eine wichtige Epoche in der Geschichte der Kriminologie war der sogenannte „Schulenstreit“ im 19. Jahrhundert mit verschiedenen Vertretern.

Die Italienische Schule, basierend auf Lombrosos Forschungen und angelehnt an Darwins Evolutionstheorie, wurde als kriminal-anthropologische Schule bezeichnet und stand für den sogenannten „geborenen Verbrecher“.

Die Französische Schule, auch als kriminal-soziologische Schule bezeichnet, ging davon aus, dass Verbrechen aus der Umwelt entstehe. Jede Gesellschaft und jede Erziehung „forme“ seine eigenen Verbrecher.

Mit der Marburger Schule nach dem deutschen Jurist Franz von Liszt (1851-1919) wurde eine Theorie vertreten, die die beiden zuvor genannten Ansätze vereinigen sollte, eine Theorie also, in der mehrere Faktoren betrachtet wurden. Liszt sprach sich vor allem für weitgehende Präventionsmaßnahmen und für ein täterbezogenes Strafrecht aus.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich aus dem Streit der drei Schulen verschiedene Kriminalitätstheorien: biologische, psychologische und soziologische Kriminalitätstheorien, auf die ich in den nächsten Kapiteln ausführlicher eingehen möchte. (vgl. Schwind 2006: 87-101.)

3 Kriminalitätstheorien

3.1 Biologische Kriminalitätstheorien

3.1.1 Zwillingsforschung

In der Zwillingsforschung verglich man die Delinquenz von eineiigen und zweieiigen Zwillingspaaren. Die meisten Studien hierzu wurden im Dritten Reich vorgenommen, fanden jedoch auch zu späteren Zeitpunkten immer mal wieder statt. So beschrieb Eysenck im Jahre 1977, dass die Wahrscheinlichkeit für einen eineiigen Zwilling kriminell zu werden im Durchschnitt ungefähr viermal so hoch sei, wenn der andere Zwilling schon strafrechtlich bekannt war, im Gegensatz zu zweieiigen Zwillingen. Trotz dieser bemerkenswerten Ergebnisse, ist hier zu beachten, dass der Einfluss von Umwelt und Erziehung völlig vernachlässigt wurde.

3.1.2 Adoptionsstudien

In Adoptionsstudien wurde untersucht, ob Adoptierte, deren einer biologischer Elternteil kriminell war, eher kriminell werden, als wenn dies nicht der Fall ist.

Studien in den Jahren 1972 und 1984 kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder deren biologische Eltern kriminell waren, signifikant häufiger straffällig wurden, als die Kinder nichtkrimineller biologischer Eltern. Die höchste Wahrscheinlichkeit für eine kriminelle Entwicklung fand man bei Kindern, deren biologischer und Adoptiv-Vater kriminell waren.

3.1.3 XYY-Konstitution

In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts kamen verschiedene Ärzte und schließlich auch Richter in Gerichtsverfahren zu dem Ergebnis, dass eine seltene und nur bei Männern mögliche Chromosomenanomalie Ursache für Verbrechen sein könnten. Männer, die ein überzähliges Y Chromosom haben, neigen danach häufiger zu Aggressivität, tragen also ein sogenanntes „Mörderchromosom“ in sich und werden dadurch häufiger zu Tätern. Heutzutage gibt es jedoch keine empirisch gesicherten Anhaltspunkte, dass es tatsächlich so ist.

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Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640919130
ISBN (Buch)
9783640919642
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172144
Institution / Hochschule
Hochschule Mannheim
Note
Schlagworte
ursachen straffälligkeit kriminalitätstheorien

Autor

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