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Modalität - Deutsche Modalverben und ihre Entsprechungen im Japanischen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 17 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gegenstand der Arbeit

3. Die Rolle von Modalität in der Sprache allgemein

4. Die Syntax des Japanischen

5. Modalverben im Deutschen

6. Modalität im Japanischen
6.1. Semantik
6.2. Modalität im Vergleich
6.3. Entsprechung deutscher Modalverben im Japanischen
6.2.1. dürfen
6.2.2. können
6.2.3. mögen
6.2.4. müssen
6.2.5. sollen
6.2.6. wollen

7. Diskussion

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang: Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Modalverben machen im Grunde genommen eine Aussage darüber, ob eine Handlung gewollt, erlaubt, erwünscht oder möglich ist. Die sechs Verben dürfen, sollen, wollen, können, müssen und mögen gelten im Deutschen als Modalverben. Sie sind vielfältig kombinierbar und stellen für Viele beim Erlernen der deutschen Sprache eine Herausforderung dar, auch deswegen, da im umgangssprachlichen Gebrauch auch andere Verben ihre Funktion einnehmen. Sie können sowohl epistemisch als auch deontisch verwendet werden, und alle sechs Modalverben zeigen ein ähnliches syntaktisches Verhalten.

Das Japanische hingegen kennt keine Modalverben wie im Deutschen. Diese Sprache ist eine agglutinierende Sprache, die ein komplexes System an höflichen Formulierungen besitzt, wofür sie in westlichen Ländern besonders bekannt ist. Das finite Prädikat steht am Ende des Satzes. Durch das Anhängen von Suffixen werden Tempus, Negation etc. zum Ausdruck gebracht. Sätze, die dem Inhalt deutscher Modalverben wie dürfen, können, mögen, müssen, wollen oder sollen entsprechen werden anders formuliert.

In dieser Arbeit sollen die unterschiedlichen Satzkonstruktionen im Japanischen, die beispielsweise eine Erlaubnis, eine Aufforderung oder einen Willen ausdrücken, vorgestellt werden. Des Weiteren werden Zusammenhänge und Ähnlichkeiten mit der deutschen Modalität gezeigt.

2. Gegenstand der Arbeit

Im normalen Alltag kommen Modalverben im Deutschen sehr häufig vor. Sie geben Aufschluss darüber, in welcher Weise eine Person handelt, handeln sollte, handeln möchte, handeln darf oder handeln will. Sie modifizieren diese Handlung. Im modernen Japanischen finden sich solche Modalverben nicht, dennoch wird auch hier nicht auf die Modalität verzichtet. Doch wie kann man diese Modalität erfassen?

Ausdrücke, die eine Fähigkeit, eine Pflicht oder einen Wunsch beschreiben bzw. eine Vermutung über einen Sachverhalt anstellen, finden sich auch in dieser Sprache. Das Japanische verwendet oft lexikalische und morphosyntaktische Mittel. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht deshalb die deutsche Modalverbkonstruktion und was derselben im heutigen Japanischen entspricht. Wie sehen die funktionalen Entsprechungen im Japanischen aus? Gibt es überhaupt eine Ähnlichkeit mit dem Deutschen, oder muss bei der Bildung der Modalität komplett umgedacht werden? Anhand von Beispielen soll dies erläutert werden.

Zunächst erfolgt eine Betrachtung der deutschen Modalverben und ihrer jeweiligen Abgrenzungsmöglichkeiten. Hier soll aber nicht das ganze Spektrum der Modalverben betrachtet werden, sondern nur diejenigen, die sich auch möglicherweise ins Japanische übertragen lassen. Davor soll die japanische Sprache kurz erläutert werden. Die folgenden Beispielsätze wurden unter Zuhilfenahme des digitalen japanisch-deutsch Wörterbuches auf der Internetseite www.wadoku.de erstellt. Dieses Wörterbuch ist gut geeignet, da sich hier sowohl die japanische Schreibweise mit Kanjis als auch die für Japanisch-Anfänger leichtere Schreibweise mit Katakana und Hiragana finden lässt. Dennoch muss festgestellt werden, dass man nicht allzu viele Informationen zu unserem speziellen Themenbereich erwarten kann, auch wenn sich auf dieser gut ausgearbeiteten Seite einige Foren und Wikis für Fragen finden lassen. Um logische Entsprechungen der sechs Modalverben zu finden, wurde jedes Modalverb einzeln betrachtet. Unter zu Hilfenahme unterschiedlicher Literatur, aber auch aufgrund von Vorkenntnissen über die japanische Sprache zeigt die vorliegende Arbeit Befunde zur Modalität bzw. zu den Modalverbkonstruktionen der beiden Sprachen auf. Für die Glossierung der Beispielsätze wurde sich der Leipziger Glossing Rules (vgl. www.eva.mpg.de) bedient. Eine Auflistung aller verwendeten Abkürzungen für grammatikalische Morpheme findet man im Anhang.

3. Die Rolle von Modalität in der Sprache allgemein

Es gibt eine ganze Reihe sprachlicher Mittel um die Modalität auszudrücken. Die zwei Wortklassen der Modalverben und Modalpartikeln drücken die Modalität im Deutschen aus. Die deutschen Modalverben weisen des Weiteren das Phänomen der Polyfunktionalität auf. Darunter wird die Möglichkeit verstanden, sie deontisch oder epistemisch zu gebrauchen, wobei alle sechs Modalverben polyfunktional sind. So kann das deutsche MV müssen als (1) Vermutung (epistemisch) oder aber auch als (2) Befehl (deontisch) gesehen werden, wie in diesem Beispiel:

(1) Er muss der Täter gewesen sein.
(2) Er muss gehen!

Wichtig ist oftmals der Kontext und die jeweilige Kommunikationssituation bei der Anwendung von Modalität. „Wenn epistemische Bedeutungen der Modalverben in einer Äußerung in der Regel auch ohne weiteren Kontext ersichtlich sind, können manche deontische Lesarten nur aus einem Kontext hergeleitet werden.“ (Droessinger 2005: 87, auf www.ceeol.com).

Modalität, die im Deutschen mit Modalverben oder Modalpartikeln beschrieben wird, wird in anderen Sprachen oft mit ganz anderen Mitteln, etwa der Intonation, ausgedrückt. Der Gedanke bleibt dennoch der Gleiche: Es handelt sich um eine modifizierende Aussage im Hinblick auf eine bestimmte Situation. Oft wird in Sprachen, in denen kein Modalverb existiert, dessen Fehlen durch lexikalische Elemente umgangen. Auf Befunde zur Syntax und Semantik des modernen Japanischen soll im folgenden Überblicksweise eingegangen werden, wobei sich hier nur auf die gängige neutral- höfliche Stufe des Japanischen bezogen wird (- desu / - masu - Form). Das Japanische kennt verschiedene Höflichkeitsstufen, die häufig auch am Verb auszumachen sind. Im Japanischen werden Erscheinungen der Höflichkeitssprache meist als respektvolle Sprache = Keego ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) bezeichnet.

Die folgenden Ergebnisse beziehen sich somit auf das heute gängige moderne Japanisch. Um das Lesen der japanischen Sprache zu erleichtern, wird das Subjekt, Objekt und Verb des Satzes mit Großbuchstaben gekennzeichnet. Soweit es möglich war, wurden die Beispielsätze mit Kanji formuliert, ansonsten mit Hiragana und Katakana (z.B. für Ortsnamen).

4. Die Syntax des Japanischen

Japanische Subjektive kennen kein Numerus, kein Genus und auch keinen Artikel. Ein japanischer Satz enthält meist ein durch eine nachfolgende Partikel markiertes Substantiv und ein Verb, das sich am Ende des Satzes befindet und dessen Tempus veränderbar ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Tempora der Konjugation sind Gegenwart (- masu), welches auch durch den Satzzusammenhang die Zukunft darstellen kann und die Vergangenheit (- sita). Tanaka (2008) erklärt das moderne Japanisch wie folgt:

„In Japanese a verb does not inflect or conjugate for person, number, tense, or mood as in the European languages. Rather the verb changes depending on what type of element comes after it. For example, if the sentence ends with the verb, the verb takes the ending form (Syusi-kei); if the verb is followed by further verbal attribution, such as auxiliaries, the verb appear in the form of verbal attribution (Renyoo-kei).” (Tanaka 2008: 324). In Bezug auf die Modalverben kommt Tanaka (2008) zu dem folgenden Schluss: “As a direct comparison between verbal expressions, modal verbs and modal paraphrases does not show a pronounced affinity between aspect and modality, we look elsewhere for occurrences of the AML: We will mainly examine the epistemicity expressed through Handan-bun (‘‘evaluating sentence’’), which interests us for two reasons. On one hand, it has a marked affinity with imperfectivity. On the other hand, it seems that the development of Handanbun, the evaluating type of sentence, runs counter to the received sequel of the grammaticalization of modality, namely the development from deontic usages to epistemic usages.” (Tanaka 2008: 309).

Oft zeigen sich einige Probleme bei der Betrachtung des Japanischen, denn in der japanischen Sprache ist eine direkte Anrede wie Du oder Sie nicht üblich, wie es im Deutschen der Fall ist. Höflichkeitsformeln, die im Deutschen oftmals ein Modalverb enthalten, lassen auch falsche Schlüsse auf die Modalität zu. Eine einfache Frage z.B. nach dem Essen: Möchten sie noch etwas? Wollen sie noch was? oder Mögen sie noch was? kann im Japanischen unterschiedlich höflich ausfallen. Im Japanischen lernt man als Nicht-Japaner dafür feststehende eher neutral- höfliche Wendungen wie Moo sukosi ikaga desu ka? Um den Wunsch auszudrücken, dass sie nichts (mehr) wollen, könnte man folgende höfliche Formulierung verwenden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Wunschform wird von der - masu - Form abgeleitet. Beispiel essen: aus tabe-masu wird tabe-tai. Bei der Verneinung tabe-ta-kuna-i. Die sogenannte - tai - Form wird damit wie ein (i -) Adjektiv behandelt. Eine weitere Möglichkeit, einen Wunsch auszudrücken, wäre dagegen eine Formulierung aus dem Partikel ga und dem (na -) Adjektiv suki desu (=ist gut). Der Satz „Ich mag Bananen“, aus dem Subjekt Ich dem Objekt Bananen und dem Verb mögen,, würde hier im Japanischen lauten: Banana ga suki desu (Bananen: Mag ich).

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640918942
ISBN (Buch)
9783640918645
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172146
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,7
Schlagworte
modalität deutsche modalverben entsprechungen japanischen

Autor

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Titel: Modalität - Deutsche Modalverben und ihre Entsprechungen im Japanischen