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Diversity-Management an der Universität Wien

Darstellung und Umsetzung auf Webseiten der Universität

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 26 Seiten

Frauenstudien / Gender-Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Internet

3. Diversity Management

4. Diversity Management auf den Webseiten der Universität Wien
4.1.1 Gender
4.1.2 Gebärdensprache
4.1.3 Einschätzung
4.2.1 DM-Website
4.2.2 Gender
4.2.3 Barrierefreiheit
4.2.4 Einschätzung

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Websites von Universitäten stellen immer stärker einen Image-Faktor für die Einrichtung dar: Zum einen stellen sie die Universität nach außen dar und zum anderen soll sie die Angehörigen der Universität ansprechen und ihnen Informationen geben. Wirtschaftliche Bedeutung erhalten sie u.a. dadurch, dass in Österreich ein Studienbeitrag an öffentlichen Universitäten erhoben wird.[1] Die Universitäten müssen daher auch über ihren Webauftritt eine positive Außenwirkung erreichen und attraktiv auf möglichst viele Personen wirken.

Auch beim Diversity Management steht zumindest ein imagefördernder Faktor im Vordergrund, indem auf das soziale Engagement der Organisation verwiesen wird. An der Universität Wien wird ein Diversity-Programm betrieben und auf der Website dargestellt. Wie stellt sich dieses Besucher_innen der Website dar? Aufgrund dieses Blickwinkels wurden in Bezug auf das Diversity Management der Universität ausschließlich online verfügbare Selbstdarstellungen betrachtet.

In dieser Arbeit sollen zwei Aspekte betrachtet werden: Zum einen steht die Präsentation des Diversity-Programms auf der Website der Universität Wien im Mittelpunkt. Hier soll untersucht werden, welche Definitionen und aufgestellt werden und aus welcher Logik heraus argumentiert wird. Schließlich soll es zu einer Einordnung des Ansatzes kommen, wie er aus der Online-Darstellung heraus verstanden werden kann: Wird Diversity Management als Minderheitenförderung, als Antidiskriminierungsstrategie, als Image-Kampagne, als verbessertes Ressourcen-Management oder als gesamtheitliche Aufgabe verstanden?

Einen zweiten Block bildet die Website der Universität Wien allgemein: Wie werden die Ansprüche des Diversity-Ansätze der Universität Wien auf der eigenen Website umgesetzt? Dabei werden verschiedene Webseiten der Universität untersucht, darunter auch die Seiten der Darstellung des Diversity Managements selbst.[2] Auf letztere wird in dieser Arbeit verwiesen, wenn von der „DM-Website“ gesprochen wird, ansonsten sind die übrigen Webseiten der Universität gemeint.

Am Ende soll überprüft werden, inwieweit Anspruch und Umsetzung deckungsgleich sind. Als studentischer Mitarbeiter bei der Öffentlichkeitsarbeit der Humboldt-Universität zu Berlin arbeite ich an der Website dieser Universität und bin daher mit der Arbeit an einer Universitätswebseite vertraut: Gerade bei einer solchen dezentral organisierten Einrichtung mit einem umfangreichen Webauftritt ist eine konsequente Umsetzung nicht einfach umsetzbar.

2. Das Internet

2.1 Grundlagen

Wenn Inhalte von Webseiten für Analysen genutzt werden sollen, dann sollte zunächst eine Einordnung des Mediums Internet stattfinden: Wie spezifisch ist das www in seiner Publikations- und Rezeptionspraxis und wie lässt sich dies analytisch fassen?

Es lassen sich Ähnlichkeiten zu herkömmlichen Medien ausmachen: So sei die Bandbreite der Qualität der Inhalte nicht anders als in herkömmlichen Medien[3] Die online Kommunizierenden bedienten sich wie klassische Massenmedien eines hoch konventionellen und attraktiven Zeichenhandeln, um Verständlichkeit und große Leser_innenschaften zu erreichen. Klassisch-journalistische Angebote gebe es demnach ebenso wie kleinere Rezipientenkreisen mit ihren spezifischen kulturellen Kodes.[4]

Aufgrund von Interaktivität, Autorenanonymität und Zeit- sowie Ortsunabhängigkeit[5] steht f ür Meier fest, dass „mit dem www eine besondere mediale Publikationspraxis vorliegt.“[6] Zu weiteren besonderen Bedingungen zählt er neben den ungefilterten Textmengen und Autorenschaften auch die permanente Modifikationen der Inhalte.[7]

Eine Selektion der Inhalte finde im Internet nicht mehr durch das klassische System des Journalismus statt, sondern entscheidend sei die Sichtbarkeit des eigenen Angebots und diese könne durch das Schaffen einer Vielzahl von Verlinkungen erreicht werden. Auch auf Seite der Rezipierenden stünden die Verknüpfungen zu weiteren Seiten im Mittelpunkt: „Das Web lebt nicht von den Inhalten, sondern von der Jagd, vom Verfolgen des nächsten interessanten Links.“[8] Dies liege am Leseverhalten im Netz: „Blickverfolgungsstudien haben immer wieder gezeigt, dass Menschen Texte im Web ganz anders lesen als auf Papier. Man liest nicht, man scannt. Und das Auge bleibt am liebsten an Links hängen.“ Es werde nicht gelesen, sondern „gescannt“ und das Auge bleibe vor allem an Links hängen.

Ob Interaktivität ein Hauptcharakteristikum von Internetangebote darstelle, wird von Thome bezweifelt – diese beschränke sich „auf das Anklicken bestimmter Oberflächenbereiche und das Eingeben von Suchbegriffen und Gästebuchkommentaren, während der wirkliche Austausch, die zwischenmenschliche Kommunikation mit direkter Feedback-Möglichkeit, über andere Internetdienste abläuft (…), die zugegebenermaßen heute zwar oft ins WWW, jedoch nicht in die jeweilige Site eingebunden sind.“[9] Ob diese Feststellung auch heute noch angesichts von Plattformen mit sogenannter social software wie z.B. Facebook, deren Inhalte ausschließlich aus der Kommunikation ihrer Mitglieder besteht, Bestand hat, müsste an anderer Stelle überprüft werden. Für die Untersuchung „klassischer“ Websites sollte die Feststellung ausreichen, dass der Schwerpunkt auf der Bereitstellung von Inhalten steht und Interaktivität in erster Linie ein Zusatzangebot darstellt.

Ein stärkeres Charakteristikum für die Funktionsweise des www dürfte sein, dass hier nach Schneider „ganz unterschiedliche Kommunikationsformen zusammengeführt [sind], die je nach ihrer Funktionalität im Online-Diskurs zum Einsatz kommen.“ Eine Unterscheidung dieser Formen ist wichtig, denn: „Es wird damit sichtbar, für welche kommunikativen Ziele innerhalb des Diskurses welche Kommunikationsformen zum Einsatz gebracht werden und somit welche Funktionalitäten ihnen damit von Seiten des Kommunikators zugeschrieben werden.“[10] Auch Göldi macht darauf aufmerksam, dass „das Internet“ kein Medium sei, sondern eine Trägerinfrastruktur für verschiedenste Medien.[11] Es gilt also zu differenzieren, wenn es um Websites geht: Sie bedienen sich unterschiedlicher Techniken, um unterschiedliche Menschen zu erreichen.

Ein Unterschied zu anderen Medien sind die kommunikativen Mittel, die durch das Internet möglich sind. Wie bei anderen Multimedia-Anwendungen können dadurch zusätzliche (syn)ästethische Eindrücke erzeugt werden. Möglich seien dadurch weitere Möglichkeiten der Inszenierung von Information, eine Steigerung von Unterhaltungswert, die Vereinfachung der Darstellung komplexer Sachverhalte und Aufmerksamkeit und die Freiheit für User_innen, dies zu nutzen oder ignorieren.[12] Aufgrund des Zusammenwirkens verschiedener Elemente auf einer Website muss eine Betrachtung isolierter Einzeltexte als problematisch angesehen werden, so Meier: „Websites nur als eine Art 'Rahmenkommunikationsform' (…) zu betrachten, erscheint als nicht ausreichend.“[13]

2.2 Schwierigkeiten

Die Charakteristika von Online-Dokumenten als Quelle bringen verschiedene Schwierigkeiten mit sich, deren Bedeutung und Folgen für diese Arbeit im Folgenden kurz aufgeführt werden.

Als problematisch an der Datenerhebung im Online-Bereich ist zu bewerten, dass die Verfügbarkeit der Medientexte nicht gesichert ist; damit können Texte, die aus dem Netz genommen sind, nachträglich nicht für die Analyse hinzugezogen werden. Darum wird in dieser Arbeit davon ausgegangen, dass nur Texte, die im Zeitraum dieser Arbeit online aufgefunden worden sind, rezipiert werden können. Für die lokale Archivierung empfiehlt Meier die kompletten Webseiten abzuspeichern, denn Screenshots würden aufgrund von Animation und Interaktivität nicht für die Darstellung des Korpus ausreichen.

Die Analyse bestehender Seiten kann nur einen zeitlichen und inhaltlichen Ausschnitt darstellen: Da stets neue Verknüpfungen – und damit Veränderungen – möglich sind, sei es nach Meier schwer, eine Diskursdiachronie abzuleiten - „alte“ Texte könnten in Teildiskurs zur Wirkung gelangen, obwohl sie in anderen Teildiskursen kaum noch eine Rolle spielten. Auch könne nie der aktuelle Stand in seiner Gänze berücksichtigt werden. Daher ist Meiers Vorschlag aus forschungspraktischer Sicht zuzustimmen, „anhand ausgewählter empirischer Einzelphänomene prototypische Spezifika online-kommunikatives Zeichenhandeln [zu] explizieren.“[14]

Durch die flexible Textkonstitution von Websites ergeben sich weitere Schwierigkeiten für den analytischen Zugriff – u.a. durch Hypertextualität, Modularität, Multimodalität und Interaktivität ließen sich Einzeltexte „in ihrer kommunikativen Funktionalität nicht isoliert als kohärente Sinnangebote bestimmen.“ Meier plädiert daher für eine ganzheitliche Analyse einer Website: „Dabei reicht es auch nicht aus, mehrere Zeichenmodalitäten (…) in den Blick zu nehmen, sondern die kommunikative Funktionalität der Gesamtwebsite ist angesichts des Zusammenwirkens der unterschiedlichen Propositionen und Illukutionen eines Auftritts in die Analyse der Einzeltexte bzw. Module einzubeziehen.“[15] Thome hat zudem eine gelungene Nutzerführung als einen der wichtigsten Aspekte der Webkommunikation ausgemacht.[16] Die Analyse der Texte in dieser Arbeit wird daher neben dem Textinhalt auch dessen Einbettung in die Website mit berücksichtigen.

Eine grundsätzliche Schwierigkeit stellen die bislang wenig ausgereiften Analysemethoden dar. So müssten die Charakteristika der neuen Textsorten in www-Publikationen noch herausgearbeitet werden[17], es gebe bislang keine konzeptionell für Online-Diskurse weiterentwickelte Diskursanalyse[18] und es sei noch kein „klar definiertes Konzept“ von Hypertexten entwickelt worden, obwohl ständig von Hypertext gesprochen werde.[19] Damit sind zentrale Aspekte der Webkommunikation analytisch derzeit unterbelichtet.

2.3 Universitätswebseiten

Die Bedeutung einer Website für eine Universität muss heute als sehr hoch eingeschätzt werden: Für viele Studieninteressierte und andere Personen stellt sie nach Keller und Seyfarth den ersten intensiven und bei entsprechender Entfernung einzigen visuelle Kontakt mit der Institution dar.[20] Ähnlich äußert sich Bode.[21] Außerdem bietet sie für Angehörige der Universität eine Anlaufstelle für Informationen.

Die Website einer Universität ist Bestandteil des Hochschulmarketing, welches „Charakteristika der Universität – respektvolle Gemeinschaft des Lernenden, Verantwortungsübernahme im geschützten Umfeld, Motivation für soziales Engagement – in den Vordergrund stellt." Eine fundamentale Rolle bei diesem Prozess spiele laut Keller der Webauftritt der Universität: Sie kann über ihre Inhalte, die Struktur und das Design die Markenpersönlichkeit der Hochschule vermitteln. Außerdem kann durch sie der Bekanntheitsgrad der Hochschule erhöht und das Image profiliert werden.[22] „Eine auf diese Weise erreichte Bindung der Nutzer an das Online-Angebot leistet einen wertvollen Beitrag für die soziale Gestaltung der Markenidentität.“[23]

Auf der anderen Seite herrsche auf Universitäts-Websites eine verwaltungstechnische Sicht auf die Institution vor, die sozio-emotionale Dimension einer Universitätsmarke stoße hier häufig an technischen, pragmatischen oder finanziellen Grenzen.[24] Keller plädiert dafür, die holistisch-emotionale Ansprache auf einer Website nicht zu unterschätzen.[25]

[...]


[1] http://www.bmwf.gv.at/wissenschaft/national/studieren_in_oesterreich/informationen/studienbeitrag/

[2] http://www.univie.ac.at/diversity/

[3] Jäckel 2002, S. 6

[4] Meier 2008, S. 185

[5] Meier 2008, S. 192f.

[6] Meier 2008, S. 280

[7] Meier 2008, S. 14

[8] Göldi 2009

[9] Thome 2004, S. 83

[10] Meier 2008, S. 297f.

[11] Göldi 2009

[12] Meier 2008, S. 278f

[13] Meier 2008, S. 349

[14] Meier 2008, S. 12

[15] Meier 2008, S. 238

[16] Thome 2004, S. 85

[17] Endres 2004, S. 45

[18] Meier 2008, S. 293

[19] Meier 2008, S. 300. Meier entwickelt erstmals eine solche Konzeption, gibt aber zu bedenken, dass sie sich nicht direkt auf andere Online-Diskurse übertragen lasse.

[20] Keller, Seyfahrth 2008, S. 87

[21] Keller, Seyfahrth 2008, S. 87

[22] Bode et al. 2008, S. 206

[23] Keller, Seyfahrth 2008, S. 88

[24] Keller, Seyfahrth 2008, S. 87

[25] Keller, Seyfahrth 2008, S. 87

Details

Seiten
26
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640923540
ISBN (Buch)
9783640923168
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172458
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Schlagworte
gleichstellungspolitik internet diversity leitbild

Autor

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