Lade Inhalt...

Das Egloffsteinsche Palais

Baubeschreibung

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Gliederung

A. Einleitende Worte

B. Hauptteil
I. Zum Bauherrn Carl Maximilian Freiherr von Egloffstein
II. Baugeschichte des Egloffsteinschen Palais
III. Baubeschreibung
1. Außenbau
1.1 Schmalseiten
1.2 Langseite
2. Innenhof
3. Innenausstattung

C. Schlussbetrachtung / Zusammenfassung

Literatur- und Bildverzeichnis

Abbildungen

A. Einleitende Worte

Das Egloffsteinsche Palais sticht in dem Ensemble barocker Wohnhäuser der Friedrichstraße, mit seinem Rückgebäude in der Südlichen Stadtmauerstraße 28, hervor. Es fällt heute im Vergleich zu den angrenzenden Häusern durch seine unverputzte Quaderbauweise in Sandstein und seine Ausdehnung dem Betrachter ins Auge. Den Bauauftrag für das Gebäude gab Carl Maximilian Freiherr von Egloffstein 1718. Die Räumlichkeiten des Barockpalais, welche nur kurze Zeit vom Adelsgeschlecht von Egloffstein bewohnt wurden, dienten in Folge vielen Zwecken. Heute stehen die Örtlichkeiten der Volkshochschule zur Verfügung. Im nun Folgenden sollen neben Ausführungen zum Bauherrn und der Planungs- und Baugeschichte, eine Baubeschreibung des Außenbaus, sowie der Innenausstattung, mit besonderem Blick auf den Obergeschosssaal, erfolgen.

B. Hauptteil

I. Zum Bauherrn Carl Maximilian Freiherr von Egloffstein

Als Sohn von Albrecht Christoph von Egloffstein und Maria Dorothea von Wildenstein wurde Carl Maximilian Freiherr von Egloffstein (vgl. Abbildung 1, Seite 17) am 8. Januar 1677 geboren. 1697 erbte Carl das „obere Schloß“ zu Egloffstein. Ab 1701 stand er im Militärdienst der Fürsten Oettingen und wurde zum Gehobenen Rat sowie Hofmarschall erhoben. Nach seiner Wahl zum Ritterhauptmann des Kantons Gebürg (heutige Gebiet der Fränkischen Schweiz) verließ er den fürstlich Oettingschen Hof.1 In Gebürg war er von 1721 bis 1733 im Dienst der fränkischen Reichsritterschaft tätig. Carl Maximilian Freiherr von Egloffstein ließ in der Ortschaft Kunreuth der Verwaltungseinheit Gebürg 1728-1733 ein Kanzleigebäude erbauen.2 Am 24. August 1724 heiratete er Maria Eleonora Catharina Freiin von Bibra.3 Das „obere Schloß“ wurde von ihm nicht umgebaut oder renoviert, dafür errichtete er das Egloffsteinsche Palais in Erlangen. Seinen Rittergutsbesitz vergrößerte er ferner durch Zukäufe in Biberbach und Regensburg. Die gehobene Stellung, die der Freiherr genoss, wird durch seine guten Kontakte zum Markgrafen von Brandenburg und zum Kaiser deutlich. Am 3. September 1733 starb Carl Maximilian Freiherr von Egloffstein in Erlangen, wo er auch begraben wurde.4

Die Adelsfamilie Egloffstein, mit gleichnamigem Ort in der Fränkischen Schweiz, ist hauptsächlich in der Region Franken vertreten. Im breit verästelten Stammbaum des Adelsgeschlechts ragen einige Persönlichkeiten, neben Carl Maximilian Freiherr von Egloffstein, heraus. So zum Beispiel Julie Gräfin Egloffstein (1792-1869). Die in Erlangen gebürtige Malerin stand im engen Kontakt zu Johann Wolfgang von Goethe.5 Vor allem Porträts schuf sie in ihrer Tätigkeit als Künstlerin, beispielsweise das Gemälde „Königin Therese aus Bayern“ aus dem Jahr 1836.

II. Baugeschichte des Egloffsteinschen Palais

Das Egloffsteinsche Palais wurde 1718 für Carl Maximilian von Egloffstein von einem unbekannten Architekten entworfen und unter dessen Leitung gebaut. Trotzdem das Gebäude für einen Adeligen errichtet wurde, unterlag es den allgemeinen Prinzipien des Erlanger Hausbaus. Neben der erfüllten Bedingung, dass die Häuser in der Reihe wirken sollten, was durch traufseitiges zur Straße stehen, erreicht wurde, beschränkt sich das Palais auf einfache Bauformen, die den Eindruck der Einheit und Ordnung verstärken.6 Lediglich die etwas aufwendigere Fassadengestaltung deutet auf den erhöhten Anspruch des Bauherrn. Obwohl es als Eckhaus eine betonte Stellung beansprucht, reiht es sich in die Häuserzeile der Friedrichstraße nahtlos ein, was durch eine beispielsweise gleichmäßig hohe Fensterreihung erreicht wird. 1723 erhielt der Freiherr vom Markgrafen für dieses Palais als Anerkennung ein Befreiungs-Privileg, das ihm wohl Erleichterung hinsichtlich der zu zahlenden Steuern brachte. Das Palais kam 1744 in den Besitz der Universität Erlangen, die die Räumlichkeiten allerdings nicht bzw. kaum gebrauchte. Aus diesem Grund erwarb es die Stadt Erlangen fünf Jahre später für 8000 Gulden, um das Adelspalais als Waisenhaus zu nutzten.7 Eine Aufstockung des Südflügels erfolgte in den Jahren 1783/84. Ab 1877 wurde das Gebäude als Oberrealschule gebraucht.8 Nie verwirklichte Entwurfspläne aus dem Jahre 1899 zeigen, dass eine Renovierung des Palais geplant war. Auf Nord- bzw. Südseite wurde ein Vergrößern der Fenster des ersten Geschosses beabsichtigt (vgl. Abbildung 2, Seitenansicht der Schmalseiten des Palais, Seite 17).1956/58 kam es schließlich zum Umbau und zur Neueinrichtung der alten Oberrealschule für den damalig vorgesehenen Verwendungszweck als kaufmännische Berufsschule und Volksbücherei. Die alte Ohm-Oberrealschule erhielt eine neue Bestimmung als „Kulturzentrum Erlangen-Neustadt“ (VHS) mit einer im Obergeschoss befindlichen städtischen Bibliothek.9 Seitdem wurde das Egloffsteinsche Palais in unterschiedlichster Weise verrwendet, u.a. als Armenhaus, Wohnung der Familien von Buirette, von Austin und des Dichters Dr. Friedrich Rückert, als Tabakfabrik und Sitz schulischer Einrichtungen. Heute ist in dem Baukomplex nach einer Instandsetzung 1998 ausschließlich die Volkshochschule untergebracht.10

III. Baubeschreibung

III. 1. Außenbau

Das Egloffsteinsche Palais liegt im Bereich der Neustadt Erlagen. Das repräsentative zweigädige Gebäude wurde am damaligen Stadtrand in unverputzter Quaderbauweise errichtet. Die Grundfläche beträgt 100 x 208 Schuh11, was einer Fläche von ca. 30 x 62 m entspricht (ein Schuh kommt einer Länge von etwa 30cm gleich).

Dem Obergeschossgrundriss des Palais (vgl. Abbildung 3, Seite 18) ist zu entnehmen, dass eine vierflüglige Anlage errichtet wurde, jedoch sind lediglich drei Flügel von außen einsehbar. Der Vierte ist im Innenhof zugänglich. Zudem fällt der größte Raum des Obergeschosses ins Auge, es handelt sich hierbei um den fast quadratischen Obergeschosssaal. Er hat an allen vier Seiten die Mauerstärke der Außenwand. Zudem wird er an Außen- und gegenüberliegender Seite durch jeweils drei Fenster unterbrochen.

Bei Betrachtung der Fassade des Gebäudes fällt auf, dass sie sich heute im Vergleich zu den angrenzenden Häusern durch ihre Bauweise in Steinsicht auszeichnet.

III. 1. 1. Schmalseiten

Es wird mit der Beschreibung der Schmalseiten, dem Nordflügel zur Friedrichstraße 17 (vgl. Abbildung 4, Seite 18), sowie dem Rückgebäude an der Südlichen Stadtmauerstraße 28 (vgl. Abbildung 5, Seite 18), begonnen. Beide Gebäudeteile erstrecken sich jeweils über eine Länge von zehn Fensterachsen. Die Vertikale wird durch Lisenen betont, die jeweils zwei direkt übereinanderliegende Fenster flankieren. Erlangen hatte den Rang eines bürgerlich-handwerklich bestimmten Ortes, daher war eine anspruchsvolle Fassadengestaltung nicht vorgesehen.12 „Die Differenzierung der Hausarchitektur […] nimmt jedoch im 18. Jahrhundert zu“13, was sich in der Steinbauweise widerspiegelt. Es werden lediglich Wand und Portale gestaltet. Auf beiden Schmalseiten ist ein Eingangsportal (vgl. Abbildung 6, Seite 19), genauer gesagt ein Korbbogenportal, eingebaut worden. Sie sind axial, also an der Mittellinie ausgerichtet, aus Symmetriegründen. Die Eingangsbögen werden von gequaderten Pilastern auf jeder Seite umfasst. Auf den dorischen Pilastern liegt eine Bügelverdachung auf, jene flachen Wandpfeiler mit Basis und Kapitell schließen bündig an die Kämpfer des Gewändes an. Der Schlussstein des Bogens wurde zur Anbringung der Hausnummer genutzt. Ob die Tore als Wageneinfahrt dienten, ist fraglich. „[D]ie niedrige Gesamthöhe - die Portale schließen mit der Oberkante der Fenster im Erdgeschoss ab und wirken eher wie verbreiterte Türen - schließt eine Zufahrt mit Kutschen oder größeren Wagen aus.“14 Zu erwähnen ist ebenfalls, dass das Portal in der Friedrichsstraße eine spätere Zutat ist. Der Pilaster, der jetzt genau auf Mitte des Portals steht, führte früher bis nach unten, genau wie oben waren in diesem Bereich des Erdgeschosses zwei Fenster vorhanden. Vermutlich auch das Portal an der Südseite wurde später eingebaut, doch konnte dies beim Abschlagen des ehemals vorhandenen Putzes nicht mehr eindeutig festgestellt werden.15 Das Eingangsportal ist aus massivem, dunklem Holz, oberhalb des Türsturzes schließt ein verglastes Bogenfeld an. Die Oberlichter werden am Rückgebäude durch vertikale, parallel angeordnete Stäbe, am Vordergebäude durch zwei senkrechte Eisensstäbe mit Zweipassgitter in drei Felder aufgeteilt.

An der Frontseite wurde links neben dem Portal eine Erinnerungstafel angebracht, der Text darauf lautet:

Erbaut 1718 für Carl Max v. Egloffstein 1744 Städt. Weisenhaus. 1877 Schule Saal mit Stuck. v. Domenico Cadenazzi.

Auf der Rückseite des Gebäudes ist eine Gedenktafel mittig über dem Portal zu sehen, die an Friedrich Rückert erinnern soll.16

Die hochrechteckigen Fenster des Egloffsteinschen Palais stehen im gleichmäßigen Abstand recht eng beieinander. Die Wand dazwischen ist, man kann beinahe sagen, verdrängt worden,17nur die Lisenen stehen quasi als Abstandhalter zwischen den Fenstern. Die weiß lackierten hölzernen Kreuzstockfenster sitzen relativ tief in der Wand. Das „äußerste breite Profil [tritt] erhaben vor die Wand“18 und wird durch waagrechte und schräge Fugen gegliedert, was an Keilsteine erinnern soll. Die Fenster werden sonach mit einem rustizierten Band eingerahmt. Der Rahmen wird nach innen hin in einer Stufe abgeplattet. Hinzuweisen ist noch auf die schlecht bearbeiteten Sandsteinquader, was etwas zum Wirkungsverlust führt.19 Im Erd- sowie im Obergeschoss werden die Fenster durch hölzerne Klappläden geschlossen. Die Fensterläden des Parterres sind geschlossene Modelle, welche durch schräg eingestemmte Sprossen gegliedert sind. Im Gegensatz dazu wurden in der ersten Etage Fensterläden mit feststehenden horizontalen Lamellen montiert. Fensterläden waren ursprünglich fast überall in der Stadt vorhanden, wodurch alle zweigädigen Häuser ein verbindendes Band bildeten.20 Diese Wirkung verstärkte sich durch das fortlaufende Traufgesims.

Außerdem bemerkenswert ist ein an der Rückseite des Palais noch erhaltener Austritt eines Balkons (vgl. Abbildung 7, Seite 19). Im Gegensatz zu den übrigen Obergeschossfenstern ist über jenem noch die Türrahmung zu sehen, welche aus der nach unten gezogenen Fenstereinfassung besteht. Unterhalb des Balkons sind als stützende Elemente vier Konsolvoluten, sprich zwei an jedem Seitenende, angebracht.

Wie bereits erwähnt, trennt das Traufgesims den Dachausbau von der Hauswand. Als Dachform wurde hierbei das Walmdach gewählt.

[...]


1 Vgl. Art. „Egloffstein, Carl Maximilian Freiherr von“. In: „ Christoph Friederich, Bertold von Haller und Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon, Nürnberg 2002, S. 217.

2 Vgl. Kunreuther Spurensuche. Kulturweg Kunreuth: http://www.landesgeschichte.phil.uni-erlangen.de/personal/Spurensuche.pdf [aufgerufen am 30.11.2008, 11:19]

3 Vgl. Leopold Nedopil: Deutsche Adelsproben aus dem Deutschen Ordens-central-archive, Bd. 1, Wien 1868, S. 208.

4 Vgl. Art. „Egloffstein, Carl Maximilian Freiherr von“. In: Christoph Friederich, Bertold von Haller und Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon, Nürnberg 2002, S. 217.

5 Vgl. Johann Wolfgang von Goethe: Goethe Gedichte, kommentiert von Erich Trunz, München 1974, S. 707.

6 Christoph Friedrich (Hrsg.): 300 Jahre Hugenottenstadt Erlangen, Vom Nutzen der Toleranz, Nürnberg 1986, S. 9.

7 Vgl. Art. „Egloffsteinsches Palais“. In: Christoph Friederich, Bertold von Haller und Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon, Nürnberg 2002, S. 218.

8 Vgl. August Gebessler: Stadt und Landkreis Erlangen, München 1962, S. 48.

9 Vgl. : Erlanger Stadtarchiv, Egloffsteinsches Palais, 6. A. XII, Bauakten „Umbau der alten Oberrealschule Friedrichstraße 17 für kfm. Berufsschule und Volksbücherei“, Erlangen 1958, S. 7.

10 Vgl. Art. „Egloffsteinsches Palais“. In: Christoph Friederich, Bertold von Haller und Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon, Nürnberg 2002, S. 218.

11 Vgl. Art. „Egloffsteinsches Palais“. In: Christoph Friederich, Bertold von Haller und Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon, Nürnberg 2002, S. 217.

12 Vgl. Andreas Jakob: Die Hausarchitektur des 17. und 18. Jahrhunderts in Erlangen, Erlangen 1983, S. 58.

13 Andreas Jakob: Die Hausarchitektur des 17. und 18. Jahrhunderts in Erlangen, Erlangen 1983, S. 59.

14 Ebda., S. 56.

15 Vgl. : Erlanger Stadtarchiv, Egloffsteinsches Palais, 6. A. XII, Bauakten „Umbau der alten Oberrealschule Friedrichstraße 17 für kfm. Berufsschule und Volksbücherei“, Erlangen 1958, S. 2.

16Wortlaut der Tafel: Hier wohnte Prof. und Dichter Dr. Friedrich Rückert (1830-1838)

17 Vgl. Andreas Jakob: Die Hausarchitektur des 17. und 18. Jahrhunderts in Erlangen, Erlangen 1983, S. 53.

18 Ebda., S. 59.

19 Vgl. ebda.

20 Vgl. ebda., S. 54.

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640924196
ISBN (Buch)
9783640923854
Dateigröße
15.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172473
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Schlagworte
Egloffsteinsche Palais Erlangen Baubeschreibung Carl Maximilian Freiherr von Egloffstein Palais

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Das Egloffsteinsche Palais