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Das Genre des Melodrams am Beispiel von „Casablanca“

Seminararbeit 2010 18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Genre

3. Das Melodram

4. Das Genre des Melodrams am Beispiel „Casablanca“

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einstellungsprotokoll

1. Einleitung

„Schau mir in die Augen, Kleines.“, „Verhaftet die üblichen Verdächtigen!“ oder „Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“

Diese Filmaussprüche gehören wohl zu den berühmtesten der Filmgeschichte und wurden schon zigmal zitiert. Alle stammen aus „Casablanca“, bei dem Michael Curtiz 1942 in den USA Regie geführt hat.

Dass dieser „Frauenfilm für Männer“ Kultstatus erreicht hat, hängt wohl vor allem damit zusammen, dass „Casablanca“ tatsächlich einer der wenigen Filme ist, der sowohl eine männlich „heldische“ als auch eine weiblich „gefühlige“ Lesart zulässt.[1]

Dabei gehört „Casablanca“ doch dem Genre des Melodrams an, welches meistens den Frauen mehr zugetan ist.

Aber wird jemandem nun die Frage gestellt, was denn überhaupt ein Genre sei, wird es häufig mit „eine Art von Film“ oder ähnlichen Ausdrücken beschrieben. Dies mag nicht ganz falsch sein, stellt jedoch eine unzureichende Erklärung dar.

Genauso verhält es sich mit dem Begriff des Melodrams. Ebenfalls könnte jemand Beliebiges gefragt werden, was denn tatsächlich ein Melodram sei. Spontane Antworten wie „langweiliges Kitsch-Drama“, „Liebesschnulze“ oder ähnliches wären dann wohl zu hören. Doch auch diese abwertenden Auskünfte werden dem eigentlichen Melodram nicht gerecht.

So ist festzustellen, dass die meistens Menschen zwar die Begriffe kennen und im Alltag auch benutzen, jeder einzelne jedoch, andere sowie ungenügende Vorstellungen über diese Begrifflichkeiten besitzt.

Interessant ist es deshalb auch herauszufinden, was denn wirklich das Genre des Melodrams darstellt und warum „Casablanca“ der Melodramatik zugerechnet wird: Also warum wird ein Film denn eigentlich dem Genre des Melodrams zugeordnet? Was sind überhaupt Genres und Melodramen? Welche Merkmale kennzeichnen „Casablanca“ als ein Melodram und ist „Casablanca“ ein prototypisches Melodram?

In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit genau diesen Fragestellungen beschäftigen, um das „Kino der großen Gefühle“[2] auch anhand von „Casablanca“ näher beschreiben zu können und damit den Vorurteilen eventuell entgegenzuwirken.

Dabei werde ich sowohl sachgemäße Literatur über die Filmanalyse allgemein, über Genres sowie Melodramen verwenden als auch Filmführer sowie ein Lexikon zur Hilfe nehmen. Außerdem werde ich den Film „Casablanca“ (Regie: M.Curtiz, USA 1942) für meine Untersuchung miteinbeziehen und Interpretationsansätze mit einer Art Zitatkennzeichnung sowie genauer Dauer der betreffenden Stelle im Film belegen.

Konkret versuche ich als erstes den wichtigen, umfangreichen Begriff des Genres zu klären und dabei auch auf Filmgeschichtliches sowie den Zusammenhang des Genres mit dem Gattungsbegriff näher einzugehen. In einem nächsten Schritt versuche ich das Genre des Melodrams, zu beleuchten. Dabei soll geklärt werden, was ein Melodram eigentlich darstellt, welche Kennzeichen in typischen Melodramen zu finden sind und was diese bewirken sollen. Auch hier werden filmgeschichtliche Hintergründe sowie verschiedene Meinungen einschlägiger Autoren beachtet. Als nächstes wird das konkrete Filmbeispiel „Casablanca“ in den Mittelpunkt der Untersuchungen gestellt, um aufgrund der gewonnenen Kenntnisse über Melodramen herauszufinden oder eventuell auch zu beweisen, dass es sich hierbei um ein Melodram handele. In einem letzten Punkt werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit noch einmal zusammengefasst.

2. Das Genre

Der Begriff Genre bezeichnet „[…] Typen von Werken […], die wichtige Haupteigenschaften teilen und ganz bestimmten filmischen und kulturellen Konventionen folgen.“[3] Diese Konventionen können in der Thematik, in den Motiven und den Symbolen, aber auch in Handlungsschemata oder in Bedeutungen enthalten sein.[4] Faulstich beschreibt den Begriff folgendermaßen: „Ein Genre ist ein spezifisches Erzählmuster mit stofflich-motivlichen, dramaturgischen, formal-strategischen, stilistischen, ideologischen Konventionen und einem festgelegten Figureninventar.“[5]

Immer wiederkehrende Erzählmuster, Themen und Motive sind Genre bestimmend und bilden einen Rahmen, mit dem sie eine Definition der sich auf der Leinwand ereigneten Geschehnisse anbieten sowie auf diese Weise die Erfahrung der Rezipienten organisieren.[6]

Dass ein Western kein Kriegsfilm ist, wissen Zuschauer in der Regel, nachdem sie eine gewisse Filmsozialisation durchlaufen haben.[7] Um Filme als Western bestimmen zu können, muss der Rezipient über bestimmte Zuordnungskriterien verfügen, welche wiederum nur aus den Filmen selber gewonnen werden können (Vgl. Faulstich 2008, S.28). Es geht darum einen Film aus dem binnengeschichtlichen Kontext seines Genres zu verstehen, was heißt, dass „[…] das vorgängige Wissen um andere Filme dieses Genres aus derselben Zeitspanne oder auch aus unterschiedlichen Zeiten und Entwicklungsstadien ganz entscheidend […]“ ist (Faulstich 1988, S.78).

[...]


[1] Vgl. Koebner, Thomas; Felix, Jürgen (Hg.): Melodram und Liebeskomödie. (Filmgenres) Stuttgart 2007, S. 92.

[2] Titel von: Seeßlen, Georg: Kino der großen Gefühle. Geschichte und Mythologie des Film-Melodrams. (Grundlagen des populären Films 6) Hamburg 1980.

[3] Beicken, Peter: Wie interpretiert man einen Film. (Literaturwissen für Schüler) Stuttgart 2004, S. 131.

[4] Vgl. Faulstich, Werner: Die Filminterpretation. Göttingen 1988, S. 78.

[5] Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse. Paderborn 22008, S. 29.

[6] Vgl. Hickthier, Knut: Film- und Fernsehanalyse. (Sammlung Metzler 277) Stuttgart; Weimar 21996, S. 199.

[7] Vgl. Mikos, Lothar: Film- und Fernsehanalyse. Konstanz 22008, S. 262.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640923748
ISBN (Buch)
9783640923823
DOI
10.3239/9783640923748
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Germanistik
Erscheinungsdatum
2011 (Mai)
Note
1,7
Schlagworte
Melodram Genre Casablanca Filmanalyse Film Filmgenre Gattung Filmgeschichte

Autor

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