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Die "gesprengte Institution" nach Maud Mannoni

Kann und sollte dieses Konzept der psychoanalytischen Sozialarbeit in Deutschland umgesetzt werden?

Bachelorarbeit 2011 120 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Einleitung
1.1 Das Ziel dieser Arbeit
1.2 Die Vorgehensweise und Gliederung
1.3 Die Quellen

2. Die psychoanalytische Sozialarbeit
2.1 Was bedeutet soziale Arbeit?
2.2 Was bedeutet Psychoanalyse?
2.3 Zur Entstehung von psychoanalytischer Sozialarbeit
2.4 Eine Beschreibung von psychoanalytischer Sozialarbeit
2.5 Wo wird psychoanalytische Sozialarbeit verwendet?
2.6 Der psychoanalytische Sozialarbeiter
2.7 Das Resümee

3. Das psychoanalytische Konzept nach Maud Mannoni
3.1 Wichtige Stationen im Leben von Maud Mannoni
3.2 Die psychoanalytische Bewegung in Frankreich
3.3 Die theoretischen Überlegungen von Maud Mannoni
3.3.1 Von der„totalen lnstitution“zur„gesprengten Institution“
3.3.2 Maud Mannoni und Antipädagogik
3.3.3 Das „Fort-Da-Spiel“ als ursprüngliche Symbolisierung
3.3.4 Die Institution Familie
3.3.4.1 Die phantastische Mutter-Kind-Beziehung
3.3.4.2 Die Rolle des Vaters
3.3.5 Das Resümee

4. Die drei exemplarischen „gesprengten Institutionen“
4.1 Die Modelleinrichtung „Bonneuil“ in Frankreich
4.1.1 Das Konzept der Einrichtung
4.1.2 Die Finanzierung
4.1.3 Die Klientel und die Mitarbeiter
4.1.4 Die Pädagogik
4.1.4.1 Der Alltag und die Räumlichkeiten
4.1.4.2 Der Unterricht und das Arbeitsprojekt
4.1.4.3 Die Workshops
4.1.4.4 Die Psychoanalyse außerhalb der Institution
4.1.4.5 Die Aufnahmefamilien
4.2 Das Resümee
4.3 Die Einrichtung „Escuela especial el Puente“ in Argentinien
4.4 Die psychoanalytische Bewegung in Argentinien
4.5 Die Einrichtung „Escuela especial el Puente“
4.5.1 Das Konzept der Einrichtung
4.5.2 Die Finanzierung
4.5.3 Die Klientel und die Mitarbeiter
4.5.4 Die Pädagogik
4.5.4.1 Der Alltag und die Räumlichkeiten
4.5.4.2 Die Workshops
4.6 Ein Erfahrungsbericht
4.7 Das Resümee
4.8 Die „gesprengte Institution „Haqenwört“ in Deutschland
4.9 Der Verein für psychoanalytische Sozialarbeit in Tübingen
4.10 Die Einrichtung „Hagenwört“
4.10.1 Das Konzept der Einrichtung
4.10.2 Die Klientel und die Mitarbeiter
4.10.3 Die Pädagogik
4.10.3.1 Der Alltag und die Räumlichkeiten
4.10.3.2 Der Unterricht und das Arbeitsprojekt
4.10.3.3 Die Psychoanalyse außerhalb der Institution
4.11 Das Resümee

5. Die empirische Befragung der Mitarbeiter von „Hagenwört“
5.1 Die Forschungsintention und die Hypothesenbildung
5.2 Die Vorbereitung der empirischen Untersuchung
5.3 Die Durchführung der empirischen Untersuchung
5.4 Die Auswertung
5.5 Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung
5.5.1 Zur Person der Befragten
5.5.2 Zu den Rahmenbedingungen
5.5.3 Zum Konzept der „gesprengten Institution“
5.6 Die Diskussion
5.7 Das Resümee

6. Die abschließende Diskussion und der Ausblick

7. Das Quellenverzeichnis
7.1 Das Literaturverzeichnis
7.2 Das Internetverzeichnis
7.3 Das Abbildungsverzeichnis

8. Die ehrenwörtliche Erklärung

Anhang I: Der Fragebogen

Anhang II: Die Auswertung der Fragebogen

1 Einleitung

Im Artikel 1 des Grundgesetzes (GG) ist folgendes verankert: „Die Würde des Men­schen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatli­chen Gewalt.“1 Artikel 3 spezifiziert, dass diese Würde für alle Menschen gilt, und keiner aufgrund bestimmter Merkmale diskriminiert werden darf:

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, sei­ner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf we­gen seiner Behinderung benachteiligt werden.“2

Das höchste Gut, die Würde des Menschen, besteht also heute auch für beein­trächtigte oder behinderte Menschen. Das Problem ist nur, dass unsere Gesellschaft oft keinen Platz für diese besonderen Menschen hat und diese oft in „Anstalten“ ab­geschoben oder zu wenig in das gesellschaftliche Leben integriert werden.

Die Menschenrechte waren aber nicht immer so selbstverständlich und besonders in den Institutionen für Behinderte wurden die Grundrechte der BewohnerInnen oftmals eingeschränkt.3 Die Devisen „satt, sauber und sicher“ und „Behindert ist, wer behin­dert wird“, spielten damals die wichtigste Rolle.4 Diese teilweise sehr veralteten und unangemessenen (Rahmen-) Bedingungen waren nicht mehr tragbar und wurden somit verändert. Hierbei spielte nicht nur der demografische Wandel eine Rolle, sondern auch das Wirtschaftlichkeitsprinzip der Träger. Um menschenwürdige Bedingungen zu schaffen, ist es notwendig, die strukturellen, individuellen und insti­tutionellen Feststellungen zu verändern. Somit entstanden in Deutschland verschie­dene neue Konzepte und Umstrukturierungen, wie zum Beispiel der ganzheitliche, heilpädagogische oder systemische Ansatz. Das Problem der angemessenen Unter­bringung von behinderten Menschen verschärft sich aber wieder in der heutigen Wirtschaftskrise, da alle Träger auf Einsparungen angewiesen sind.

1.1 Das Ziel dieser Arbeit

Der vorliegende Text beschäftigt sich mit MAUD MANNONIS Konzept der „ge­sprengten Institution“. Sie war eine der ersten PsychoanalytikerInnen, die die Me­thode des psychoanalytischen Verstehens auf die Behandlung von Behinderungen angewandt hat. In dieser Darstellung wird das Konzept von der Französin kritisch untersucht, indem wissenschaftlich erforscht wird, ob dieses in Deutschland umge­setzt werden kann und sollte. Ihre Konzeption wird dem Bereich der psychoanalyti­schen Sozialarbeit zugeschrieben. Was dies genau bedeutet, wird in den nachfol­genden Punkten erläutert.

Interessant erscheint hier auch, dass andere Länder in der Betreibung von psycho­analytischer Sozialarbeit weiter vorangekommen sind als Deutschland und welche strukturellen, personellen und institutionellen Hindernisse dieser Entwicklung im We­ge stehen. Dies hat zum Ziel, die Pädagogik von MAUD MANNONI eindeutiger ein­zuordnen und ihr eine deutlichere Position in der wissenschaftlichen Debatte zuzu­ordnen.

1.2 Die Vorgehensweise und Gliederung

Da in dieser Arbeit die psychoanalytisch orientierte Sozialarbeit als Ausgangspunkt für sämtliche Überlegungen dient, scheint es unerlässlich, diese im Kapitel zwei kurz darzustellen. Um die Theorie zu verdeutlichen, wird zuerst die psychoanalytische Bewegung Frankreichs dargestellt und das Leben von MAUD MANNONI themati­siert. Die verstorbene Psychoanalytikerin war aber nicht nur Theoretikerin, sie zog, im Gegensatz zu anderen Experten, auch praktischen Nutzen aus ihren theoreti­schen Erkenntnissen. Zu diesem Zweck gründete sie die „nicht-segregative Ver­suchsschule“5 für Kinder und Jugendliche, die kurz „Bonneuil“ genannt wird. Diese sogenannte gesprengte Institution stellt das genaue Gegenteil von einer „totalen Institution“ nach ERVING GEOFFMAN dar, eine Unterbringung ohne die Bewohne­rInnen „einsperren, bevormunden und drangsalieren“6 zu müssen. Der Unterschied zwischen „totalen“ und „gesprengten Institutionen“, die theoretischen Schlussfolge- rungen von MAUD MANNONI und die Besonderheiten von „Bonneuil“ werden im dritten Teil dieser Arbeit erläutert und kritisch reflektiert.

Da die Autorin mit der Arbeit von MAUD MANNONI zum ersten Mal in einem Praxis­semester in der „Escuela especial el Puente“ in Argentinien in Berührung gekom­men ist, wird die Psychoanalyse in Argentinien, die benannte Einrichtung und die damit verbundenen Erfahrungen im vierten Abschnitt vorgestellt. Dies erklärt auch die Themenfindung dieser Arbeit, denn nach dem achtmonatigen Praktizieren psy­choanalytischen Sozialarbeit war das Interesse für dieses Thema geweckt und eine weitere Auseinandersetzung erschien sinnvoll, da aufgrund der sprachlichen, kultu­rellen und auch zeitlichen Schwierigkeiten, dies in Córdoba (Argentinien) nicht voll­ständig möglich war.

Im fünften und sechsten Kapitel erfolgt eine Darstellung und wissenschaftliche Un­tersuchung, der in Deutschland einzigartigen, „gesprengten Institution Hagenwört“, hinsichtlich ihrer konzeptionellen Strukturen und Rahmenbedingungen. Dabei soll aber kein negatives Bild des in solchen Einrichtungen arbeitenden Personals ge­zeichnet, sondern erforscht werden, warum psychoanalytische Sozialarbeit in Deutschland wenig Anklang findet. Der aktuelle Forschungsstand soll aber nicht nur demonstriert werden, sondern wird in dieser Arbeit auch reflektiert und bewertet. Den Abschluss bilden eine Diskussion und Ausblick der theoretisch, empirisch und prak­tisch gewonnen Ergebnisse.

Die hier vorliegende Arbeit stellt kurz die historischen, politischen und theoretischen Einflüsse der drei benannten Einrichtungen aus Frankreich, Argentinien und Deutschland vor.

Dies sind natürlich nicht die einzigen Länder, in denen das Konzept von MAUD MANNONI umgesetzt wird und soll auch keinen Ländervergleich herbeiführen. Nach Meinung der Autorin ist der angesprochene Aspekt notwendig, weil diese Einflüsse ausschlaggebend für die psychoanalytische Arbeit im jeweiligen Land sind und dem Leser ein besseres Bild vermitteln sollen.

1.3 Die Quellen

Die meisten angestellten Überlegungen basieren auf MAUD MANNONIS eigenen Werken. Aber auch die Veröffentlichungen des Vereins für psychoanalytische So­zialarbeit in Tübingen wurden verwendet. Eine für die Entstehung dieser Arbeit un­schätzbare - wenn auch nicht zitierbare - Quelle stellt außerdem die Praxiserfahrung der Autorin in der „Escuela especial el Puente“ dar. Weitere Ursprünge sind im Lite­raturverzeichnis aufgeführt.

Hingewiesen sei an dieser Stelle, dass behinderte oder beeinträchtigte Kinder und Jugendliche unterschiedlichste Bezeichnungen in der Literatur haben. So wird zum Beispiel von unangepassten, systemgestörten, verrückten, debilen oder anormalen Kindern und Jugendlichen gesprochen. Die Autorin sieht diese Begriffe aber als ver­altet und unangemessen an.

In dieser Arbeit wird außerdem nicht auf die einzelnen, spezifischen Störungsbilder und Behinderungen der Klientel eingegangen, da dieses Spektrum von Verhaltens­auffälligen bis hin zu psychotischen Störungen reicht. Eins aber haben nach MAUD MANNONI all diese Kinder gemeinsam, nämlich, dass sie in ihrer normalen Umge­bung nicht mehr bleiben können.

2 Die psychoanalytische Sozialarbeit

Im folgenden Abschnitt wir die psychoanalytische Sozialarbeit kurz dargestellt, da Psychoanalyse und Sozialarbeit früher eigentlich zwei unterschiedliche Bezugspunk­te waren, die sich entgegenhaltend verhielten. Diese abwehrende Haltung der ande­ren Profession gegenüber, wurde aber mit der Zeit abgeschwächt, da sich die beiden Wissenschaften sehr gut ergänzen und voneinander profitieren können.

2.1 Was bedeutet soziale Arbeit?

Die soziale Arbeit soll den sozialen Wandel fördern, Lösungen der Probleme in zwi­schenmenschlichen Beziehungen anbieten und die materielle Lebenssituation ein­zelner in Not geratener Menschen verbessern. Diese Profession greift da ein, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten, gestützt von wissenschaftlichen Er­kenntnissen über das Verhalten des Menschen und seiner sozialen Systeme. Die Grundlage der sozialen Arbeit sind die Prinzipien der Menschenrechte und der so­zialen Gerechtigkeit.7

Hierbei werden Methoden verwendet, die auf planvolle, nachvollziehbare und damit kontrollierbare Gestaltung von Hilfeprozessen abzielen.8 Des Weiteren spielt aber auch die Person-, Sach- und Zielorientierung eine Rolle. Je nach kulturellen, reli­giösen, historischen oder sozialwissenschaftlichen Bedingungen verlagert sich der Schwerpunkt der professionellen Sozialarbeit.9

2.2 Was bedeutet Psychoanalyse?

Die Humanwissenschaft wurde Ende des 19. Jahrhunderts von SIEGMUND FREUD begründet und seitdem immer mehr weiterentwickelt. Die Psychoanalyse beschäftigt sich mit dem Hintergründen und Bewegründen des menschlichen Erle­bens und Verhaltens. Hierbei wird dieser Wissenschaft oft kritisch unterstellt, dass sie nur zur Aufarbeitung unbewältigter Kindheitserlebnisse dient. Diese untersucht aber genauso aktuelle Erfahrungen und Auswirkungen im Erwachsenenalter.10

„Psychoanalyse heißt ein methodisch reflektiertes Vorgehen der Aufdeckung unbe­wusster Antriebe, Zusammenhänge und Bedeutungen, das sich aktiver und gestal­tender Eingriffe in das Leben eines Analysanden enthält.“11 Diese Wissenschaft hat eine umfassende Sicht des Menschen und seiner Umwelt.12

MAUD MANNONI verwendet die Begriffe Psychotherapie und Psychoanalyse in ihrer Literatur alternativ, außerdem macht sie auch keine Abgrenzungen zwischen Psychoanalyse für Kinder oder Erwachsene. Bei Kindern sind aber Informationsge­spräche mit den Eltern notwendig und teilweise findet parallel auch eine Behandlung der Eltern statt.

Unter Psychotherapie wird aber nach LISA STROBEL verstanden, wenn die Behin­derung eines Klienten von seelischer Natur ist und mit Hilfenahme von psychothera­peutischen Verfahren, d. h. Gesprächen, behandelt wird. Als zusätzliche Maßnah­men werden Methoden der Verhaltenstherapie oder Entspannungsverfahren einge- setzt.13

2.3 Zur Entstehung von psychoanalytischer Sozialarbeit

Als Begründer der psychoanalytischen Sozialarbeit wird der Österreicher AUGUST AICHORN mit seinen Büchern „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“ und „Ver­wahrloste Jugend“ im Jahr 1925 genannt.14 Außerdem diente das amerikanische Konzept des „social casework“ als Vorläufer. Beide Theorien wurden damals durch die gezwungene Emigration wegen des Nationalsozialismus zusammengeführt und dann von ERNST FEDERN zurück nach Europa gebracht.15 „Die Wirkung wurde dort eingesetzt, wo Psychotherapie nicht möglich war, wegen z.B. mangelnder Motivation, soziale Lage oder psychischer Strukturmerkmale der Klienten [...].‘‘16 „Heute ist der Platz der psychoanalytischen Sozialarbeit nicht in, sondern neben der etablierten Psychoanalyse, von der sie nicht selten mit einer argwöhnischen Herab­lassung betrachtet und behandelt wird. Man kann und ich glaube: man muß (sic!) diese Entwicklung bedauern, aber rückgängig zu machen ist wohl nicht. Das heißt aber, daß (sic!) die psychoanalytische Sozialarbeit sich ihre eigenen Zusammenhän­ge und Institutionen schaffen muß (sic!), wenn sie sich tradieren und ausweiten will.“17

Die Untersuchungen in der Geschichte der Psychoanalyse zeigen, dass die Psy­choanalyse sich in vier von fünf Kontinenten angesiedelt hat, mit einer hohen Domi­nanz Europas sowie Nord- und Südamerikas.18 Die Kombination der beiden Bezugs­punkte ist in Deutschland jedoch nur selten gegeben, wohl am stärksten in Tübingen. Obwohl es eine expansionsfähige Marktnische ist, denn man arbeitet dabei mit Klien­ten, die sonst keiner haben will.19

2.4 Eine Beschreibung von psychoanalytischer Sozialarbeit

Die psychoanalytisch orientierte Sozialarbeit ist eine sehr komplexe Disziplin, die un­terschiedlichste Methoden, Konzepte und Theorien in sich vereint. Eins haben sie aber alle gemeinsam: Ausgehend von der Triebtheorie glauben sie alle an die Exis­tenz des Unbewussten und dessen Bedeutung für das menschliche Denken, Fühlen und Handeln.20 Auf die Triebtheorie und die einzelnen Begriffe und Konzepte der Psychoanalyse kann in dieser Arbeit aber nicht ausführlich eingegangen werden.

Es gibt drei Dimensionen der psychoanalytischen Theorie, die für Sozialarbeit gel­ten, die hier aber nur kurz erörtert werden:21

1. Die phänomenale Perspektive:

Diese bezieht sich vor allem auf die sozialarbeiterischen Interaktionen. Dem Klienten sollen seine unbewussten Konflikte bewusst gemacht und behandelt werden. Ein wichtiges Instrument für diese Hilfeleistung ist hierbei die Übertra­gung. Dies ist eine affektive Einstellung oder Bindung, die aus einer früheren in die spätere Beziehung mitgebracht und reaktiviert wird. Dies geschieht dann ge­genüber Personen die eigentlich nicht gemeint sind.22

2. Die kausale Perspektive:

Diese Übertragungen sind wichtig, für die aktuellen Beziehungen und die Be­handlung von individuellen Interaktionsproblemen. Für die helfende Beziehung sind die Gegenübertragungsphänomene von großer Bedeutung. Die eigenen Gefühle und Erinnerungen des psychoanalytischen Sozialarbeiters werden für Problemerklärungen des Klienten genutzt. Dadurch wird Empathie und Akzeptanz vom Klienten eingefordert.

3. Die aktionale Perspektive:

Für psychosoziale Hilfe ist auch Beziehungsarbeit notwendig. Diese findet statt, indem Interaktionserfahrungen der Vergangenheit wiederholt und durchgearbeitet werden. Das heißt, dass der Helfer sich selbst erst gut kennen muss, um unpas­sende Übertragungen zu vermeiden und Gegenübertragungen zu erkennen. Denn es soll eine stabile Beziehung zum Klienten aufgebaut werden, die frei von Manipulationen ist.

Nach MICHAEL GÜNTER und GEORG BRUNS ist das Ziel der psychoanalytischen Sozialarbeit, das Unbewusste dem Klienten bewusst und sprachlich formulierbar zu machen und „eine partielle strukturelle Umorganisation zu erreichen“.23 Es wird sich also ganz bewusst mit den Klienten auseinandergesetzt und versucht, seine und die eigenen unbewussten Aspekte zu verstehen. Danach sollen diese aufgearbeitet und in entsprechendes Handeln umgesetzt werden.24

2.5 Wo wird psychoanalytische Sozialarbeit verwendet?

Psychoanalytische Sozialarbeit wird eingesetzt, „wenn neben der Situation der äuße­ren Not oder Hilfebedürftigkeit auch eine ernsthafte seelische oder interaktionelle Störung besteht, also eine Konstellation der Problemdoppeldeutung von äußerer und innerer Not vorliegt, die mit technisch-instrumentellen Hilfestellungen allein nicht überwunden werden kann.“25 Es werden instrumenteile Hilfen mit dem Beziehungs­aufbau zum Klienten kombiniert und dies ist in den Alltag eingebettet. Es findet kein formalisiertes Setting statt, wie es bei einer psychoanalytischen Behandlung üblich ist.26 Das heißt, dass der Klient sich nicht während des Gesprächs hinlegen muss und sich Gespräche oft einfach aus der Situation heraus ergeben.

Nach dem §§ 28-35 Sozialgesetzbuch (SGB VIII) ist psychoanalytische Sozialarbeit ,,[...] anwendbar in der Erziehungsberatung, in der sozialen Gruppenarbeit, [...] in der sozialen Familienhilfe, [...] in der Vollzeitpflege, in der Heimerziehung, in betreuten Wohnformen und in der intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung.“27

Typische Anwendungsgebiete sind somit:28

- psychotische und autistische Kinder und Jugendliche
- Persönlichkeitsstörungen und Persönlichkeitsentwicklungsstörungen
- Dissoziale Entwicklungen
- Arbeit mit schwer entwicklungsgestörten, behinderten und chronisch kranken Kindern
- Psychische Störungen bei Eltern
- Desorganisierte Erwachsene mit psychischen Auffälligkeiten

Diese Erscheinungsbilder werden im ICD 10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) unter „Psychische und Verhaltensstörun­gen“ (F00-F99) eingeordnet.29

2.6 Der psychoanalytische Sozialarbeiter

Selbst bei der implementierten Verbindung von Psychoanalyse und Sozialarbeit liegt der Schwerpunkt auf dem Zweiteren, deswegen wird hier auch von „Sozialarbei­tern“ gesprochen.30 Dazu sagte schon ERNST FEDERN: „Man muss genau unter­scheiden zwischen psychoanalytischer Sozialarbeit und Sozialarbeitern, die Psycho- analyse machen.“31 Ein psychoanalytisch orientierter Sozialarbeiter benötigt psycho­analytische Selbsterfahrung, psychoanalytische Supervisionen, Wissen über die Theorie der Psychoanalyse und eine Berufserfahrung im sozialen Bereich. Hierbei wird auch eine erhöhte Belastbarkeit vorausgesetzt.

Unter Supervision wird eine spezielle Beratungsform verstanden, die bei Fragen und Problemen unterstützt. Außerdem werden Handlungsmöglichkeiten erarbeitet und das bisherige Vorgehen reflektiert.32 Es geht also um den „dritten Ort“, um das Schaffen eines Raumes, in dem über das Erlebte nachgedacht und im Gespräch un­bewusste Gegebenheiten bewusst gemacht werden.33

2.7 Das Resümee

Was kurz gesagt psychoanalytische Sozialarbeit bedeutet, hat ERNST FEDERN wie folgt zusammengefasst: „Die psychoanalytische Sozialarbeit ist jener Beruf, der das Soziale und das Individuelle miteinander verbindet und mit dem Wissen der Psycho­analyse die sozialen und psychologischen Probleme der Menschen zu lösen ver­sucht. Das ist eine unerhört schwere Aufgabe, aber eine Aufgabe, die meiner Mei­nung nach immer nötiger werden wird.“34

Deswegen müssen psychoanalytische Sozialarbeiter besonders ausgebildet und vor allem durch Supervision unterstützt werden. Wie bei jeder Art von sozialer Arbeit ist auch hier die Beziehungsgestaltung zum Klienten die ausschlaggebende Position, wobei die Aspekte des Unbewussten durch Übertragungen und Gegenübertragun­gen beachtet und erkannt werden müssen. Hierbei wird auch das Lebensumfeld des Klienten berücksichtigt.

Eine wichtige Persönlichkeit der psychoanalytischen Sozialarbeit wird im folgenden Kapitel vorgestellt.

3 Das psychoanalytische Konzept nach Maud Mannoni

Kapitel drei umfasst die Biografie von MAUD MANNONI, ihre theoretischen Schluss­folgerungen und eine Beschreibung dervon ihrgegründeten Schule „Bonneuil“.

3.1 Wichtige Stationen im Leben von Maud Mannoni

MAUD MANNONI (geborene Magdalena van der Spoel) wur­de am 22. Oktober 1923 in Belgien geboren und lebte in ihrer frühen Kindheit auf der Insel Ceylon (Sri Lanka). Ihr Vater übte dort die Funktion eines Generalkonsuls der Niederlande aus.35 Ihre singhalesische Kinderfrau Aya war für sie damals eine wichtige Bezugsperson, die sie sehr liebte. Sie erlitt ein Trau­ma, als die Familie 1929 nach Europa zog, denn ihre geliebte Kinderfrau mussten sie zurücklassen.36 Sie fühlte sich mit ihren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung i: Maud Mannoni sechs Jahren im Stich gelassen und war völlig verzweifelt; so

schrieb sie 1988: „[ich] wußte (sic!) ich nicht mehr, wer ich war und was ich wollte, ich verstand nicht, was mir passiert war.“37 Erst später bei ihrem Großvater mütterlicherseits in Belgien fand sie die nötige Si­cherheit wieder. Das Kind lernte nun Französisch, verlernte das Englische, ihre Mut­tersprache und vergaß die Hindi-Worte, die ihr ihre geliebte Kinderfrau beigebracht hatte.38 Diese Sicherheit währte jedoch nicht lange, da ihre Eltern erneut umzogen - nach Amsterdam. Über die Zeit in Amsterdam schreibt MAUD MANNONI: „In Ams­terdam war die Einsamkeit groß. Vom sechsten bis zum elften Lebensjahr fehlte mir jemand, mit dem ich hätte sprechen können. Dem Vater gegenüber feindselig einge­stellt [...], fühlte ich mich weit entfernt von der Erwachsenenwelt [...]. Um so (sic!) mehr, weil die akademische Sprache, über die ich verfügte, sowie mein Niederlän­disch, die lebendigen Worte zum Schweigen brachte: Die Suche nach dem Schönen ersetzte das Wahrhaftige. Ich verlernte zu sprechen. Die Worte hatten keinen Sinn mehr.“39

In ihrer Kindheit erkennt man schon deutliche Parallelen zu MANNONIS späterem Konzept von „Bonneuil“. Sie machte die Erfahrung vieler Umzüge, bei denen sie sich von geliebten Personen verabschieden musste. „So erlebte sie auch einen Mangel in ihrer Existenz, wodurch sich ihre Wünsche, Überzeugungen und ihre Sehnsüchte äußern konnten. Sie durchlebte das, was die Kinder von Bonneuil erst erfahren müs­sen. Auch sie sollen ihren Mangel durch häufige Ortswechsel erleben und dadurch ihre Wünsche konstatieren.“40

Ebenfalls wird hier die Wichtigkeit der Sprache sichtbar. Das Mädchen fühlte sich verlassen, als sie „verlernte zu sprechen.“41 „So sieht sie es auch bei den Kindern als zwingend notwendig, zu einer wahren und befreiten Sprache zu kommen, da das Kind erst dadurch eine Persönlichkeit bekommt und ein eigenständiger Mensch wird.42

Nach ihrer Schulzeit in Belgien studierte MAUD MANNONI Kriminologie und Psychi­atrie an den Universitäten von Brüssel und Antwerpen. Während der Kriegsjahre, als die Universitäten ihren Betrieb einstellten, arbeitete sie erstmals mit psychotischen Patienten in einer psychiatrischen Klinik.43

„Meine psychiatrische Ausbildung erhielt ich sozusagen .vor Ort'. [...]. Man gab mir die Erlaubnis, das Krankenhaus mit den Patienten zu verlassen und sie in .unbewohnte' Gegenden mitzunehmen. Dort, am Rande der Gesellschaft, erlebte ich meine erste Begegnung mit jenen Wesen, die man als anormal, pervers oder ver­rückt bezeichnet, eine Begegnung, die man im Kontext einer Zeit sehen muss, in der die Außenwelt einer immer gegenwärtigen, offenen oder versteckten Gewalt ausge­liefert war. Sicherheit fand man nur in fragwürdigen Rückzugspositionen. Die Univer­sitätsausbildung kam für mich erst nach der Praxis. Ein Wissen (vom Unbewussten), so könnte man sagen, war schon vorhanden; man hatte mir den Zugang dazu nicht versperrt.“44 Diese ersten Erfahrungen prägten die Kinderanalytikerin sehr.

Nach ihrem Studium wurde sie Mitglied der Belgischen Psychoanalytischen Ge­sellschaft und ließ sich von FRANCOISE DOLTO weiter in der Kinderanalyse aus bilden. Später nahm sie einen Teil seiner Theorien als Grundlage ihrer Arbeit.45 „Sie erlernte einen freudianischen Interventionsstil, in dem sich Revolte und theoretische Strenge mischten.“46 „Außerdem kam sie zu dem Ergebnis, dass es nur über eine radikale Infragestellung der Institutionen möglich ist, psychotischen Menschen bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten zu helfen, woraufhin das Konzept der .gesprengten Institution' in .Bonneuil' entsteht.“47 Bei ihrem Lehrer lernte sie auch den älteren Psychoanalytiker OCTAVE MANNONI kennen und heiratete ihn noch im selben Jahr. Er war ein politisch engagierter Linksintellektueller, der den französi­schen Kolonialismus bekämpfte.48

Im Jahr 1964 erschien die erste Studie der Psychoanalytikerin: „Das zurückgeblie­bene Kind und seine Mutter“. 1970 folgte das Werk „Der Psychiater, sein Patient und die Psychoanalyse“. Ein Jahr zuvor gründete sie mit Hilfe zweier Kollegen die Experimentalschule „Bonneuil“ für psychotische, debile und verhaltensgestörte Kin­der. Ihre wohl bekannteste Schrift „Scheißerziehung - Von der Antipsychiatrie zur Antipädagogik“ wurde sechs Jahre später, unter diesem frei übersetzen Titel, in Deutsch veröffentlicht. Sie schreibt dazu: „[Das Buch] ist ein leidenschaftliches Plä­doyer gegen die Institutionen der Kindererziehung, die die Kinder, um sie „erziehen“ zu können, erst einmal kaputt machen.“49 Im selben Jahr folgte noch „Ein Ort zum Leben. Die Kinder von Bonneuil, ihre Eltern und das Team der Betreuer“50

Im Jahr 1989 verstarb ihr Mann und MAUD MANNONI dachte immer öfter an Selbstmord, da sie sich einsam fühlte und gesundheitlich angeschlagen war. Jedoch starb die Spezialistin für Kinder- und Jugendlichenanalysen - im Alter von 75 Jahren eines natürlichen Todes - am 15. März 1998 in Paris an einem Herzstillstand.51

Die französische Republik wurde MAUD MANNONIS Heimatland, deswegen wird im folgenden Kapitel kurz erläutert, wodurch die Psychoanalyse dort entstand und wel­che Auswirkungen dies auf die Arbeit der Analytikerin hatte.

3.2 Die psychoanalytische Bewegung in Frankreich

In Frankreich hat die Bewegung der Psychoanalyse erst relativ spät begonnen und wurde dort stark von den Ereignissen des zweiten Weltkriegs geprägt. Ab 1968 ge­wann dort JAQUES LANCAN (1901-1981) einen starken Einfluss. MAUD MANNONIS Verdienst war es, sein Konzept für die angewandte Psychoanalyse brauchbar zu machen.52 Aber schon 1926 wurde dort die erste psychoanalytische Gesellschaft gegründet und Psychoanalyse hatte große Auswirkungen auf Politik und Kultur53 „Schließlich entstand in Frankreich in Anlehnung an Jaques Lancan eine ei­gene Richtung der Kinder- und Jugendlichenpsychoanalyse, die besonders von Francoise Dolto und Maud Mannoni vertreten wurde.“54

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass in diesem Land die Entste­hung der Psychoanalyse eng mit der anti-psychiatrischen Bewegung zusammen­hing, die dort sehr ausgeprägt war. Eine Protestbewegung die daraus entstand, dass es für Menschen mit Behinderungen und psychischen Störungen damals zwar Diagnosen gab, aber keine Perspektiven.55

Insgesamt wurde MAUD MANNONI zu ihrer Zeit geprägt von der institutionellen Psy­chotherapie, eine der wichtigsten Reformbewegungen der französischen Psychothe­rapie; die Arbeiten von MICHEL FOUCAULT; die 68er-Bewegung und die Lacansche Psychoanalyse im Rückgriff auf SIEGMUND FREUD.56

3.3 Die theoretischen Überlegungen von Maud Mannoni

Um die Versuchsschule „Bonneuil“ später beschreiben zu können, müssen zuerst theoretische Bezüge, die für MAUD MANNONI wesentlich waren, dargestellt werden. Die grundsätzlichen Forschungsergebnisse entstanden durch ihre langjährigen Stu­dien und der intensiven Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Praxis. Dieses Theoriewissen stellt im Zusammenhang mit den praktischen Überlegungen ihr Kon­zept der „gesprengten Institution“ dar.

3.3.1 Von der „totalen Institution“ zur „gesprengten Institution“

Damals bildete sich in Frankreich um den Analytiker JAQUES LANCAN eine Gruppe von TherapeutInnen herum, die sich mit der sogenannten Antipsychiatrie beschäftig­ten. Diese Bewegung stand im Gegensatz zu dem, vom amerikanischen Soziologen ERVING GOFFMAN geprägten, Begriff der „totalen Institution“ aus den 70er Jah­ren. Darunter verstand er Einrichtungen, die Menschen „zwangsvergemeinschaften und über eine längere Zeit von anderen Menschen abschneiden (also Gefängnisse, Krankenhäuser, Psychiatrien, Klöster, Behinderten- und Altenheime u. Ä.).‘‘

Die KlientInnen übertragen in diesem Sinne die Verantwortung in fast allen Lebens­bereichen auf die übergeordnete Autorität und beschränken sich immer auf die glei­che Umgebung. Dort finden zum Beispiel das Arbeiten, die Freizeit und die Therapie in denselben Räumen statt. „Die „totale Institution“ verlangt und ermöglicht den Be­wohnerInnen die Regression auf ein sehr frühes symbiotisches Stadium, in dem eine Bezugsperson für die Erfüllung jedes Wunsches zuständig ist [...].“ Aber genau diese Regression, kann auf längere Zeit, einen Schaden hervorrufen „da Entwicklungs­schritte und Individuationsprozesse strukturell verhindert werden.“57

Um dieser Möglichkeit der Problematik entgegenzuwirken, entwarf der französische Psychoanalytiker JAQUES LANCAN den Begriff der „gesprengten Institution“. Der französischen Begriff „éclatée“ kann auch zerplatzt, zersprungen, zerborsten oder zersplittert bedeuten.58

Ein wichtiges Kennzeichen dieser Art von Institution ist die räumliche und personelle Trennung der verschiedenen Lebensbereiche der KlientInnen. Dies ist für Bewohne­rInnen der Einrichtungen wichtig, weil sie dann weniger in Abhängigkeit leben und sich auf emotionaler Ebene von dem Ort oder Personal distanzieren können. Dies kann man bei einer „totalen Institution“ nicht so leicht in Kauf nehmen, da dort eine Auflehnung oft schnell mit einem Rauswurf bestraft wird, was einer Ablehnung der eigenen Mutter gleichkäme. Das bedeutet, dass es für ein Kind sehr schlimm wäre, eine erneute Ablehnung des Personals der Institution zu erfahren, da es sich schon durch das Verlassen der Herkunftsfamilie im Stich gelassen fühlt.

„Psychoanalytisch betrachtet ist eine „gesprengte Institution“ ein Ort, an dem das Phantasma der Allmacht aufgegeben wird, an dem der Mangel und das Unvorherge­sehene Platz haben und ausgehalten werden müssen.“ MAUD MANNONI, die Schü­lerin von JAQUES LANCAN, hat den Begriff der „gesprengten Institution“ aufgegrif­fen und theoretisch und praktisch weiter ausgebaut. 59

„Hinter dem von uns eingeführten Begriff der gesprengten Institution [Hervorhebung im Original] steht die Absicht, aus allen ungewöhnlichen Vorkommnissen Nutzen zu ziehen (aus dem Ungewöhnlichen, das man gewöhnlich unterdrückt).“60 In „Bonneuil“ wurde der Begriff auch geprägt durch eine Äußerung eines Kindes, dass die „éscole der dingue“ (Schule der Verrückten) verlassen wollte um sich mit der „normalen Welt“ konfrontieren zu können.61 Es ist kein verankertes theoretisches Modell, das der Pra­xis dient, sondern steht als Signifikant für einen offenen Prozess.62 Sie bezieht sich hierbei auf das von SIEGMUND FREUD beschriebene „Fort-Da-Spiel“, das in ei­nem weiteren Punkt näher erläutert wird.

Die Verfasserin ist aber der Ansicht, dass man nicht alle Institutionen in „totale“ und „gesprengte“ Einrichtungen unterteilen kann, da es eine Vielzahl von Mischformen und Konzepte gibt. Auch nach ACHIM PERNER sind dies sind nur die zwei extre­men Pole, zwischen denen die sozialen Institutionen heute angesiedelt sind.63 Da jeder Klient sehr individuell ist, sollte man die geeignete Institution auswählen kön­nen; dies ist aber leider nicht immer möglich.

Durch diese neue Entwicklung entstand in Frankreich eine ,, [...] latente Spaltung zwischen den, „guten neuen pädagogisch-integrativen“ und den, „bösen alten psychiatrisch-pflegerischen“ Ansätzen.64 Kann man das Konzept von MAUD MANNONI aber als Antipädagogik bezeichnen? Dieser Frage wird im nächsten Punkt nachgegangen.

3.3.2 Maud Mannoni und Antipädagogik

Die radikale Bewegung der Antipädagogik begann in den 70er Jahren, sie stand ge­gen jegliche erzieherische Handlung und für eine uneingeschränkte Gleichberechti­gung von Kindern und Eltern. Die Antipädagogik kann nach LUTHER BILSETT als Gegensatz zur Pädagogik verstanden werden, sollte aber nicht mit antiautoritärer Erziehung verwechselt werden. „Dieser Ansatz zielt auf das Erziehen insgesamt - auf alle Maßnahmen und Einstellungen, welche die Würde und die Gefühle eines Menschen verletzen. „Kinder" werden zu Erziehungssubjekten, den „Zöglingen" de­gradiert und nicht als Individuen, mit verletzbaren Gefühlen angesehen.“65

Die Bewegung wurde aus der Antipsychiatrie gebildet, die bedeutend von MICHEL FOUCAULT beeinflusst wurde. Zu eine der ersten, die dann Antipsychiatrie und Pädagogik miteinander verknüpft haben, zählte MAUD MANNONI. Jedoch ist ihr pädagogisches Handeln nicht als Antipädagogik zu verstehen. Sie wollte nur einen neuen Weg der früheren Psychiatrie aufzeigen.66 Denn das utopische Ziel der Anti­psychiatrie, das alle Psychiatrien ganz abgeschafft werden müssen vertrat sie nie.67

MAUD MANNONIS Konzept wird dementsprechend nicht der Antipädagogik zuge­ordnet, trotzdem hat sie sich davon stark beeinflussen lassen. Schon seit 20 Jahren ist es ruhiger um die Auseinandersetzung mit der Antipädagogik geworden; dessen ungeachtet hat sie Spuren in der Pädagogik hinterlassen. Und deswegen muss in der heutigen Zeit an „Das Recht des Kindes auf Achtung“ (JANUSZ KORCZAK), auf Geborgenheit und Liebe immer wieder erinnert werden.68

3.3.3 Das „Fort-Da-Spiel“ als ursprüngliche Symbolisierung

Das Entweder „Da oder Fort“ von SIEGMUND FREUD (aus „Jenseits des Lustprin­zips“) bezieht sich auf eine beschriebene Sequenz seines Enkels, der sehr an seiner Mutter hing, in ihrer Abwesenheit aber nie weinte, sondern die Zeit damit überbrück­te, eine Garnspule immer und immer wieder von sich weg zu werfen, sie dann wieder herzuholen und dazu die Laute „a“ und „o“ zu bilden. Dies passierte, indem das Kind die Rolle neben seinem Gitterbett hinauf und hinab senkte; wenn die Garnrolle wie­der auftauchte, stieß das Kind freudige Laute aus. Das war für die psychoanalytische Theoriebildung von großer Bedeutung. Der Mangel (die nicht verfügbare Mutter) sei­nes Enkels wird zur Symbolisierung genutzt und letztlich dadurch die Sprachent­wicklung anregt und dies ist die Voraussetzung für eine reale Trennung von einem Objekt69

Was bedeutet aber Symbolisierung? Dieser Begriff wird von der psychoanalytischen Symboltheorie abgeleitet und wird folgendermaßen verstanden: „Allgemeiner wird der Ausdruck „symbolisch" verwendet, um die Beziehung zu bezeichnen, die den manifesten Inhalt eines Verhaltens, eines Gedankens, eines Wortes mit ihrer laten­ten Bedeutung verbindet. Man wird ihn um so (sic!) mehr da verwenden, wo die ma­nifeste Bedeutung weitgehend fehlt (zum Beispiel bei einer Symptomhandlung, von der deutlich ist, daß (sic!) sie sich nicht auf die bewußten (sic!) Motivationen des Subjekts reduzieren läßt (sic!)).“70

„Auf die „gesprengte Institution“ übertragen bedeutet dies, dass der Mangel Platz haben muss, damit die BewohnerInnen zur Symbolisierung angeregt werden. Das Verlassen der symbiotischen Versorgungsphantasien (sic!) auf beiden Seiten sowohl der BetreuerInnen/TherapeutInnen wie auch der Menschen mit Lernschwierigkeiten, ist Voraussetzung für das Erreichen des nächsten Entwicklungsstadiums. Oder ganz einfach formuliert: Wird das psychotherapeutische Setting [...] in die Organisation verlegt, ist damit strukturell bereits vorgegeben, über welche Entwicklungsstufe, die Klientin nicht hinauskommen kann.“71 Denn schon das Setting der psychoanalyti­schen Sozialarbeit kann hierzu Reifungsprozesse anregen.

„Durch die Trennung der äußeren Orte (Lebenswirklichkeiten) provozieren wir beim autistisch-psychotischen Menschen eine Entwicklung bzw. Bildung innerer, psychi­scher Strukturen.“72 Hierzu sagte auch schon MAUD MANNONI: „Die Kinder sollen die Regisseure ihres Lebens werden [...] “73

Dies ist eine wesentliche Grundlage für die Praxis in „Bonneuil“, dessen Strukturen durch ein Kommen und Gehen der Schüler an verschiedene Orte gekennzeichnet ist. „Dabei impliziert sie, dass auch ihr eigener Ansatz von denen, die ihn durchlaufen haben, in Zukunft in Frage gestellt werden wird und muss.“74

Diese theoretischen Bezüge der Psychoanalytikerin wirken oft sehr abstrakt und die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse fehlen auf diesem Gebiet. Das Klienten bessere Lernerfolge erzielen, wenn sie ihre Lebensbereiche trennen, erscheint aber durchaus sinnvoll. Dieses Prinzip kommt aber in den verschiedensten Konzepten der sozialen Arbeit vor und wird nicht nur in „gesprengten Institutionen“ betrieben. Ein sehr positiver Aspekt dieser Theorie ist aber, dass MAUD MANNONI ihr Konzept selbst nicht als vollkommen betrachtet und durchaus wünscht, dass Fachkräfte es kritisch betrachten und dann verändern oder weiterentwickeln.

Welche Rolle aber der Familie bei diesem Thema zukommt, gilt es nun nachzuge­hen.

3.3.4 Die Institution Familie

MAUD MANNONI ist der Ansicht, dass auffällige Kinder das Produkt von außeror­dentlich konflikthaften Lebenssituationen sind, die mit gesellschaftlichen Verhältnis­sen zusammen gesehen werden müssen. Auch hier ist das Grundproblem, dass die­se Kinder keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Denn „diese totale Unfähigkeit seiner Mitmenschen, einen .Kranken' zu akzeptieren, fixiert den Ausgestoßenen au­tomatisch in seiner .Krankheit'“.75

„Mannoni vermutet 1972, dass sich hinter den fatalen Diagnosen, mit welchen geis­tig behinderte Menschen belegt werden, Abwehren verbergen. Indem diese Abweh­ren als erstarrte Diagnose-Schemata unhinterfragt angewendet werden, so sagt sie, „wird Krankheit zur Institution“ [Hervorhebung durch die Verfasserin].76 Die Analy­tikerin bezeichnete die „[...] bürgerliche Kernfamilie paradoxerweise als Ort der Nicht­Bewegung [...]“ und macht auf die Nachteile und Schwierigkeiten von Erziehung in der Familie aufmerksam.

„Die Struktur jeder Institution (Familie, Schule, Krankenhaus) hat die Funktion der Konservierung einer (kulturellen, sozialen etc.) Errungenschaft zum Zwecke der Re­produktion des so übermittelten Erbes.“77 In einer Institution hat ein Kind aber ver­schiedenste Ansprechpartner, sozusagen viele verschiedene Mütter und Väter. Hier steht immer jemand als Gesprächspartner zur Verfügung. Wie es bei den sogenann­ten primitiven Völkern früher war. Das Kind ist geschützt vor Einsamkeit und Ableh­nung und das Konfliktpotenzial zwischen ihm und den Eltern ist geringer.78 Denn wie in den nächsten Punkten geschildert wird, kann es zwischen den Eltern und beein­trächtigten Kindern oft zu Schwierigkeiten kommen.

Eine wichtige Unterscheidung zu anderen Studien ist, dass MAUD MANNONI die ,,[...] Familien nicht also in sich geschlossene Gebilde betrachtet, sondern immer schon in die Gesellschaft involviert sieht.“ Deswegen lastet die Schuldfrage nicht allein bei den Eltern, denn nicht nur die Familie, sondern auch die Gesellschaft ist an der Behinderung des Kindes beteiligt, durch unbewusste Vorstellungen, Vorurteile und Erwartungen79. Mütter berichten in den Studien von MAUD MANNONI, dass sie sich zwar sehr alleine fühlen, aber von allen Seiten beobachtet werden.

Bei diesem Punkt ist auffällig, dass die Psychoanalytikerin selbst immer wieder klar­stellen will, dass sie niemand die Schuld für eine Auffälligkeit oder Behinderung bei einem Kind geben will. Jedoch kristallisieren sich in ihren Büchern die Gesellschaft und besonders die näher Umwelt des Kindes als der „Schuldige“ heraus. Pränatale, perinatale, chromosonale oder durch Außenwirkungen bedingte Entstehungsursa­chen von Behinderungen berücksichtigt sie nur wenig.

3.3.4.1 Die pantasmische Mutter-Kind-Beziehung

Das Werk von MAUD MANNONI „Das zurückgebliebene Kind und seine Mutter“, be­handelte vor allem die phantasmatische Beziehung zwischen Mutter und Kind. Die­ses Buch brachte ihr aber auch viel Kritik ein.

Die Untersuchungen der Psychoanalytikerin zeigen, dass die frühen Beziehungen zwischen der Mutter und dem beeinträchtigten Kindern geprägt sind von mütterlichen Phantasmen. Das sind „seelische Einstellungen“ und „Vorstellungskomplexe“ der Mutter, die auf die Enttäuschungen nach der Geburt und der Nichterfüllung ihrer Träume beruhen.

MAUD MANNONI beschreibt das Kind als ,,[...] Projektionsobjekt, in welchem alles Versagen, alle phantasierte (sic!) Minderwertigkeit etc. untergebracht werden, so- dass das Kind seinen eigenen Lebenswunsch nurmehr (sic!) gefiltert durch die enge Wahrnehmungsperspektive dieser Phantasmen zur Geltung bringt.“80 Sie spricht sogar von einer Art Schock nach der Geburt, da die unverarbeiteten Traumata der Eltern plötzlich real werden. Denn eine Mutter erwartet vor der Geburt meistens et­was anders. Die nicht verarbeiteten Ereignisse im Leben der Mutter werden somit wieder symbolisiert.81

Schwierig ist dies, da das Kind sie Sichtweisen der Eltern übernimmt und keine eige­nen entwickeln kann.82 Obwohl sich das Kind immer selbst die Frage stellen sollte: „Wer bin ich?“, und zu einem autonomen Subjekt werden sollte83. „Die Symptome des Kindes, sind oft nichts anderes als die zum Sprechen gebrachte Angst der Mut­ter.“84 In der frühen Kindheit können Diagnosen noch nicht zweifelslos gestellt wer­den, deswegen holen sich die Eltern oft verschiedene Konsultationen ein und die Phase des Verhandelns beginnt. Denn mehrfach bekommen diese Kinder zu früh ein „Etikett“ verpasst, von dem ihre ganze Zukunft abhängen kann.85

Diese mütterlichen Phantasmen können, laut MAUD MANNONI, bis hin zu Mordge­danken der Mutter gegenüber dem Kind führen oder zu Selbstmordgedanken der Mutter. Denn jede Verurteilung ihres Kindes ist das eigene „Todesurteil.“86 Und ,,[...] Mutter und Kind sind in dieser Situation eine Einheit, also auch gleichermaßen be­schädigt und defekt.“87 Neben der gefühlsmäßigen Belastung und den Schuldgefüh­len kommt es auch zu Reaktionen wie Gegenübertragung und Widerstand, die im zweiten Kapitel dieser Arbeit beschrieben wurden. Der Psychoanalytikerin wird oft vorgeworfen, dass sie die Mutter zu sehr verantwortlich macht. Die Uhrheberin ist ebenfalls der Meinung, dass diese Theorien und Voreinstellungen von MAUD MANNONI zu negativ sind und es viele Mütter mit behinderten Kindern gibt, die sol­che Tendenzen nicht aufweisen.

Folgende drei Faktoren sollen laut MAUD MANNONI gegen diese negativen Ent­wicklungen vorbeugen:

- Frühe Trennungen von dem Kind vermeiden, denn dies verursacht oft Störungen.
- Familiären Hospitalismus und Schwierigkeiten im materiellen Leben vermeiden.
- Medizinische Diagnosen positiv formulieren, den Eltern Hoffnung geben und sich seelischen Halt suchen.88

Man wirft ihr außerdem vor, dass sie den Eltern zu viel Hoffnung mache. Aber sie ist der Meinung, dass, wenn die Eltern nicht für ihr Kind kämpfen - sogar resignieren - ihr Kind zum Weiterkommen nicht fähig ist.89

3.3.4.2 Die Rolle des Vaters

MAUD MANNONI spricht in ihren Büchern vornehmlich von der Mutter. Sie schreibt hierzu: „Oft sieht die Mutter .dieses Drama' klarer als der Vater.“90 Die Väter werden von ihr von ihr sogar als ohnmächtig, sprachlos, gleichgültig und aggressiv beschrie­ben.

Sie beschreibt die Situation nach der Geburt wie folgt: Der Mann leidet nach der Ge­burt oft an Depressionen oder Verfolgungsängste, deswegen bricht er Behandlun­gen bei Ärzten eher ab, weil es nichts nützen würde. Umso ernster er die Krankheit nimmt, umso mehr leidet das Selbstbewusstsein des Vaters.91

Die Kinder besitzen aber oft eine sinnstiftende Funktion für beide Elternteile. Es gibt aber laut MAUD MANNONI auch Fälle, wo sich der Vater mehr um das Kind küm­mert; dies sei dann Ausdruck der eigenen Identifikation mit der Mutter. Ein weiteres Problem ist, dass das Kind selten in die Dreierbeziehung einbezogen wird und dies Schwierigkeiten zwischen den Eltern verursacht.

Dieses Thema ist schwer einzuschätzen, da die Psychoanalytikerin sich sehr auf die Rolle der Mutter versteift und den Vater fast nicht beachtet. Dies ist aber ein Nachteil für die behandelnden Kinder, denn diese brauchen schließlich beide Elternteile als Unterstützung. Auf die fehlende Elternarbeit in dem Konzept der „gesprengten Insti­tution“ wird später noch eingegangen, wenn die Versuchsschule „Bonneuil“ be­schrieben wird.

3.3.5 Das Resümee

„Für die Geisteskranken gibt es in unserer Gesellschaft keinen Platz, und darin liegt die ganze Tragödie.“92 Mit diesem Satz wird die ganze Motivation von MAUD MANNONI beschrieben. Diese Psychoanalytikerin, mit einem interessanten Lebens­lauf, ist in vieler Hinsicht eine Vorreiterin auf dem Gebiet der psychoanalytischen So­zialarbeit. Sie sieht die Verantwortung für diese Bedingungen nicht beim einzelnen Individuum, sondern in der ablehnenden Umwelt. Dies und die Institution Familie ist bei MAUD MANNONI ein Erklärungsgrund für die Entstehung von Symptomen. Für eine Familie erfüllt ein beeinträchtigtes Kind oft die Funktion des Lebensmittelpunk­tes, das bedeutet das Symptom wird als Sinnerfüllung benutzt.

Der zentrale Gedanke der Studie „Das zurückgebliebene Kind und seine Mutter“ ist, „daß (sic!) man das Kind zurückweist, wenn man nur das Symptom behandeln will.“93 In der genannten Studie spielen die Eltern, besonders aber die Mutter, eine wesentliche Rolle, um die Verhaltensweisen des behinderten Kindes verstehen und deuten zu können. Die Französin geht davon aus, dass Fantasien der Mutter über ihr Kind, sich maßgeblich auf deren Entwicklung auswirken können.

MAUD MANNONI wurde von verschiedenen politischen und kulturellen Ereignissen in Frankreich geprägt. Dazu gehört auch die Antipädagogik. Ihr Konzept kann dieser Richtung aber nicht vollkommen zugeordnet werden.

Außerdem spielen die verschiedenen Lebenswelten der Kinder in ihrem Konzept der „gesprengten Institution“ eine entscheidende Rolle, die sich als das Gegenteil einer „totalen Institution“ versteht. „Das Spiel des Fort-Da. bzw. die Oszillation zwi­schen hier und dort [Hervorhebung im Original] spielt in .Bonneuil' immer eine be­sondere Rolle [...]. Verbunden mit dem Kommen und Gehen öffnet sich ein signifi­kanter Raum; in diesem Raum soll das Kind sich verlieren, sich der Illusion einer Skandierung von Anwesenheit und Abwesenheit als Subjekt bestärkt. Im Unterschied zu dem, was beim Fort-Da geschieht, geht nicht die Mutter weg, sondern das Kind verläßt (sic!) sie und verläßt (sic!) ,Bonneuil'.“94

Auf die negativen Aspekte der theoretischen Überlegungen wird erst in der endgülti­gen Diskussion dieses Konzeptes eingegangen.

4 Die drei exemplarischen „gesprengten Institutionen“

In diesem Abschnitt befasst sich die Autorin mit drei verschiedenen Einrichtungen, die nach dem Konzept von MAUD MANNONI arbeiten: „Bonneuil“ ist eine französi­sche Schule, die von der Psychoanalytikerin selbst gegründet wurde. „El Puente“, die Einrichtung in Argentinien, in dem die Verfasserin dieser Arbeit zum ersten Mal mit psychoanalytischer Sozialarbeit in Berührung kam und „Hagenwört“, die einzige Einrichtung in Deutschland, die eine „Sprengung“ im Sinne von MAUD MANNONI betreibt.

4.1 Die Modelleinrichtung „Bonneuil“ in Frankreich

Die international bekannte Versuchsschule besteht schon seit über 40 Jahren und ist noch heute ein Ort der For­schung, der Revolution und der Andersartigkeit. Beson­ders junge Studenten der Pä­dagogik, Sozialarbeitswissen­schaften und Psychologie zieht es dorthin, um dort ihre Erfah- Abbiidung 2: "Bonneuil" in Paris rungen zu machen und For­ schungsaufträge zu bearbei­ten. Seit dem Tod von MAUD MANNONI vor 13 Jahren, hat die Institution aber mehr und mehr um die öffentliche Anerkennung zu kämpfen.

4.1.1 Das Konzept der Einrichtung

Die „gesprengte Institution“ des Centre d‘ Etudes et de Recherches Pédagogiques et Psychoanalytiques École (pädagogisches und psychoanalytisches Forschungs­zentrum) in Bonneuil-sur-Marne wurde im Jahre 1969 von ROBERT LETFORD, MAUD MANNONI und dem Erzieherehepaar GUÉRIN gegründet.

[...]


1 vgl. http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/gg/gesamt.pdf, (13.02.2011)

2 ebd.

3 vgl. HOPFMÜLLER E./RÖTTGER-LIPPMANN B., 2001

4 vgl. GRITSCH U., 2010

5 vgl. MANNONI M., 1976

6 PERNER A., 2000, S.33

7 vgl. www.sozialarbeit.at (12.02.2011); GÜNTER M./BRUNS G., 2010

8 vgl. GALAUSKE M., 1999

9 vgl. STROBEL L., 2006

10 vgl. http://www.psa-kd.de/index.phpPicb31 (13.02.2011)

11 GÜNTER M./BRUNS G., 2010, S. 9

12 vgl. STROBEL L., 2006

13 ebd., S 7

14 vgl. GÜNTER M./BRUNS G., 2010

15 FEDERN E., 1999

16 vgl. http://www.vpsz.ch/index.php?menuid=12, (24.10.2010)

17 FEDERN E., 1998, S.21

18 RAUDINESCO E./PLON M., 2004, S. 339

19 vgl. FREULING M., 2001

20 GEORG M./BRUNS G., 2010, S.45

21 vgl. STROBEL L., S. 8f

22 FUCHS W., u.a, 1988, S. 802f

23 GÜNTER M./BRUNS G., 2010, S.26

24 STROBEL L., 2006, S.7

25 GÜNTER M./BRUNS G., 2010, S.18

26 ebd.

27 vgl. http://www.gesetze-im-intemet.de/sgb_8/BJNR111630990.html, (12.03.2011)

28 vgl. RAUDINESCO E./PLON M., 2004

29 vgl. http://www.dimdi.de, (25.02.2011)

30 vgl. VEREIN FÜR PSYCHOANALYTISCHE SOZIALARBEIT ROTTENBURG UND TÜBINGEN (Hrsg.), 2005

31 FEDERN E., 1998, S.21

32 vgl. STROBEL L., 2006

33 STAIGLE J., 1994, S.141

34 vgl. FEDERN E., 1998; GÜNTER M./VON KITZLING K., 2004

35 vgl. ROEDEL J./KAUFHOL R., 1998

36 vgl. LÜCK I., 2002

37 ROEDEL J./KAUFHOL R., 1998, S.122

38

39 ebd.

40 LÜCK I., 2002, S.4

41 ROEDEL J./KAUFHOL R., 1998, S.122

42 LÜCK I., 2002, S.4

43 vgl. LÜCK I., 2002

44 MANNONI M., 1972, S.60

45 vgl. LÜCK I., 2002

46 ROEDEL J./KAUFHOL R., 1998, S.124

47 LÜCK I., 2002, S.5

48 vgl. http://www.psychoanalytikerinnen.de/index.html?frankreich_biografien.html (18.12.2010)

49 MANNONI M., 1976

50 vgl. LÜCK I., 2002

51 ebd.

52 vgl. ERMANN M., 2009

53 vgl. RAUDINESCO E./PLON M., 2004

54 vgl. www.reginakonrad.de (13.02.2011)

55 vgl. MANNONI M., 1973

56 vgl. BUHMANN C., 1998

57 vgl. GRITSCH U., 2010

58 vgl. GÜNTER M., 2000

59 ebd.

60 MANNONI M., 1973, S. 60

61 BUHMANN C., 1998, S. 54

62 GEOFFROY M., 2003, S. 54

63 vgl. PERNER A., 2000

64 NIEDECKEN D., u.a., 2003

65 vgl. http://www.coforum.de/P435 (18.02.2011)

66 vgl. http://wiki.bildungsserver.de/index.php/Anti%C3%A4dagogik (24.11.2010)

67 RAUDINESCO E./PLON M., 2004, S.45

68 vgl. http://www.zeit.de/1983/44/Pippi-Langstrumpf-als-Vorbild?page=5, (24.11.2010)

69 vgl. GRITSCH U., 2010; FREULING, 2001, S. 65

70 vgl. http://www.sgipt.org/th_schul/pa/glossar/symbolt.htm (18.02.2011)

71 vgl. GRITSCH U., 2010

72 MAAS M., 1994, S.160

73 MANNONI M., 1973, S. 12

74 GÖBEL F., 2002, S.48

75 MANNONI M., 1972, S.186

76 vgl.http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Psychologie/Artikelwerkstatt:Institution_geistige Behinderung, (16.02,2011)

77 MANNONI M., 1972, S.71

78 ebd., S.118

79 vgl. WEBER B., 2009

80 vgl.http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Psychologie/Artikelwerkstatt:Institution_geistige_Be hinderung, (16.02.2011)

81 MANNONI M., 1972, S.20

82 vgl. WEBER B., 2009

83 MANNONI M, 1972, S.188

84 ebd., S.62

85 ebd.

86 ebd., S.20

87 vgl. RIEDIGER B., 2008

88 MANNONI M., 1972, S.128

89 vgl. MANNONI M., 1972

90 ebd., S.19

91 ebd., S.22

92 MANNONI M, 1972, S.188

93 ebd., S.9

94 MANNONI M.., S.92

Details

Seiten
120
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640923786
ISBN (Buch)
9783640923670
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172488
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut
Note
1,7
Schlagworte
Psychologie Psychoanalytische Sozialarbeit Frankreich Argentinien Wohngruppe Hagenwört Escuela especial El Puente Fort-Da-Spiel

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Titel: Die "gesprengte Institution" nach Maud Mannoni