Lade Inhalt...

Die Forderungen der Handwerker und deren Umsetzung in der Revolution von 1848/49

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konjunkturelle Entwicklung und soziale Lage der Handwerker 1848/49

3. Forderungen
3.1 Allgemeine Forderungen
3.2 Forderungen der Meister
3.3 Forderungen der Gesellen

4. Umsetzung
4.1 Die Gründung von Vereinen und Kongressen
4.2 Die Bewegung der Gesellen
4.3 Barrikaden, Aufstände und Unruhen

5. Ergebnisse

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll die Problematik der Handwerker, speziell ihre Forderungen und deren Umsetzung in der Revolution von 1848/49 untersucht werden.

Die Wichtigkeit dieses Themas erschließt sich aus der Bedeutung der Handwerker für die Wirtschaft und Gesellschaft in dieser Zeit. Die unterschiedlichsten Bereiche der Handwerker produzieren wichtige Produkte, die damals, aber auch noch heute für unser alltägliches Leben von Bedeutung sind.

Die wirtschaftliche Situation der Handwerker im 19. Jahrhundert war angeschlagen, die Kaufkraft der Menschen schlecht. Durch Missernten wurde weniger produziert, Not und Elend stiegen an. Die Agrarpreise stiegen. Zudem waren nach der Einführung der Gewerbefreiheit durch Napoleon, welche sich aber nur in linksrheinischen Gebieten und in Preußen durchsetzen konnte[1], die Handwerker nicht mehr in Zünften organisiert. Ebenso spielen in dieser Zeit die Gründungen von Fabriken, Magazine und Großgewerbe eine wichtige Rolle, mit denen die Handwerker stark konkurrieren und vielen diesem Druck nicht Stand halten konnten.

So soll sich diese Arbeit besonders mit den Forderungen der Handwerker und deren Umsetzung auseinandersetzen. Dabei wird auch die Frage nach den Antriebskräften und Zielen der Handwerker in der Revolution von 1848/49 und nach den wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, unter denen sich die Teilnahme dieser Gruppe an der Revolution vollzog, geklärt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei den städtischen Handwerkern, weil die Revolution hauptsächlich in den Städten ausgetragen wurde.

Beim Überblick über die Entwicklung der Revolutionsforschung ist zum einen der geringe Stellenwert auffällig, der den wirtschaftlichen und sozialen Aspekten in der Diskussion über die Ursachen und den Verlauf der Revolution zugemessen wurde, zum anderen die noch bis zur Gegenwart bestehende Uneinigkeit und vielfach auch die Gegensätzlichkeit in der Beurteilung dieser Faktoren.[2] Das Handwerk in der Revolution wurde bisher noch nicht sehr intensiv erforscht. Deshalb stehen historische Studien über das Handwerk vor großen Schwierigkeiten, ihren Untersuchungsgegenstand präzise zu bestimmen.

Begriffe wie »Handwerk« oder »Handwerker« existieren seit dem Spätmittelalter und haben auch keine Veränderung ihrer Bedeutung bis heute vollzogen. So verbirgt sich hinter dem Begriff »Handwerk« eine gewerbliche Tätigkeit bzw. eine Dienstleistung, die nicht auf eine Massenproduktion, sondern vielmehr auf Einzelanfertigungen ausgerichtet ist, wobei der »Handwerker« derjenige ist, der diese Arbeiten ausführt. Zu den Handwerken gehören unter anderem das Bauhandwerk, Land- oder Stadthandwerk, speziell die Zimmerer, Stellmacher, Schneider, Schuhmacher, Tischler und viele andere.

Die Materialgrundlagen für diese Ausführungen bilden besonders die Werke von Jürgen Bergmann: „Wirtschaftskrise und Revolution“ und „Sozialgeschichte der deutschen Handwerker seit 1800“ von Friedrich Lenger, sowie „Die Handwerkerbewegung von 1848/49“ von Hans Meusch.

2. Konjunkturelle Entwicklung und soziale Lage der Handwerker 1848/49

Mitte des 19. Jahrhunderts war Deutschland noch immer in 38 Kleinstaaten des Deutschen Bundes zersplittert, dies bedeutet, dass es weder eine gemeinsame Verfassung noch ein gemeinsames Parlament gab und erst recht kein einheitliches Wirtschaftssystem. Demzufolge war Deutschland im Vergleich zu England relativ rückständig. Immer wieder kam es zu Unruhen, Aufständen und als Höhepunkt dieser Entwicklung zur Revolution 1848/49, in der nicht nur das Bürgertum oder das Proletariat, sondern eben auch die Handwerker eine wichtige Rolle einnahmen.[3]

So gab es wohlhabende und verschuldete Handwerker zu Beginn der Revolution von 1848/49.[4] Doch die Masse der Handwerker lebte am Rande des Existenzminimums, ihnen reichte es gerade so zum Leben.[5] Tiefe Enttäuschung über ihre wirtschaftliche Lage beherrschte sie. Mit wachsender Sorge beobachteten sie die zunehmende Industrialisierung ihres Landes.

1846 und zum Teil schon 1845 gab es Missernten. Dadurch sank die landwirtschaftliche Erzeugung und die Agrarpreise stiegen. Dies führte in dieser angespannten Zeit zu einer Hungers- und Teuerungskrise. 1847 gab es zwar eine gute Ernte und die Lage entspannte sich etwas, aber die Preise blieben weiterhin hoch. Es gibt zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen der Agrarkrise und dem Revolutionsausbruch, doch durch die Krise kam es zu einer Zuspitzung der Situation vor der Revolution von 1848/49. Noch immer gab es für die sozialen Probleme keine Lösung.[6]

Durch die Hungers- und Teuerungskrise und den damit verbundenen Anstieg der Preise waren die Handwerker mehr und mehr gefährdet.[7] Geld und Kredite wurden knapp. Dadurch sanken die Kaufkraft und daraus resultierend auch die Nachfrage. Diese Situation wurde zur Dauererscheinung. Deshalb kam es schließlich zu Entlassungen in allen wirtschaftlichen Bereichen und speziell viele Handwerker sanken in die Schicht des Proletariats[8] ab. Hinzu kam, dass Entlastungen im Industriebereich den Druck auf den handwerklichen Arbeitsmarkt noch erhöhten.[9]

So war es damals zum Beispiel üblich im Baugewerbe, dass Kunden erst später zahlten. Um dann Material und Rohstoffe einkaufen zu können, brauchten die Handwerker ein Mindestkapital. Dazu mussten diese Kredite aufnehmen. Sie bekamen Schuldscheine von den Kunden, um dann bei der Bank einen Kredit zu erhalten. Aber durch die erhobenen Zinsen erlitten sie dann wiederum Verluste. Sie sahen sich gezwungen, um neue Materialen zu bekommen, alles, „[…] bis auf das unentbehrliche entweder gegen hohe Zinsen zu verpfänden oder zu verschleudern, um nicht der Armenpflege anheim zu fallen, aber mit der fernen und unsicheren Absicht, den Verlust je wieder einzubringen.“[10] Zudem wurde es immer schwieriger, Kredite aufzunehmen.

Schließlich kam es zu Entlassungen.

Viele Arbeitslose und arbeitslos gewordene Gesellen machten sich dann selbstständig. Dies war nun möglich durch die Aufhebung der gewerblichen Wettbewerbbeschränkungen des alten Handwerks der Zunft. Doch dies führte zu einer Verstärkung der Konkurrenz, weil diese schon sehr stark war durch Großgewerbe, Fabriken und Magazine. Dadurch verloren die Handwerker zum Teil ihre Unabhängigkeit an Großunternehmen und Magazinen, welche die Handwerker, besonders kleinere, zwangen zur Abhängigkeit für ihr Unternehmen. „Verlagswesen und Manufakturen, später auch die Fabriken, griffen um sich und bestimmen zunehmend das Bild der gewerblichen Wirtschaft, während das alte Handwerk eine krisenhafte Epoche durchlief.“[11]

Dies führte alles zu einer zunehmenden Verschlechterung der Lage für die Handwerker und zu einer zunehmenden Verelendung und Not der Handwerker. „Dies gilt für jenen Teil der Handwerkerschaft, deren Existenzgrundlage, wie besonders bei den Massenhandwerkern, den Schneidern, Schuhmachern und Tischlern, durch die kapitalistische Entwicklung aufs stärkste gefährdet war.“[12]

Zahlreiche Handwerker und kleine Ladenbesitzer büßten ihre kleinbürgerliche Existenz ein und vergrößerten das Heer der Arbeit und Brotsuchenden Proletarier.[13]

Zwar waren die Belastungen und die Krisentendenzen recht unterschiedlich für die verschiedenen Handwerker, doch waren aber 80-90% aller Handwerker betroffen.[14]

Das überdurchschnittliche Absinken von einem höheren Niveau und Status wurde als ganz besonders krisenhaft und erniedrigend empfunden. Doch dies ermutigte sie wiederum zur Teilnahme an der Revolution.

3. Forderungen

3.1 Allgemeine Forderungen

Ein Großteil der Handwerkerzweige und aller Handwerker litten schon seit langem unter der Fülle von Belastungen und Problemen von zum Teil Existenz gefährdendem Ausmaß.

Mit der Revolution von 1848/49 traten die Handwerker sichtbar auf die politische Bühne.

Die Revolution war geprägt von der Auseinandersetzung mit der Kleindeutschen und der Großdeutschen Lösung um ein einheitliches Gesamtdeutschland. Einige forderten eine Republik und andere die konstitutionelle Monarchie, einige wollten Österreich in diesem Land haben, andere wieder nicht. Obwohl noch keine einheitliche politische Linie zu erkennen war, herrschte eine Umbruchstimmung innerhalb Deutschlands, welche die Handwerker auch spürten und sie sich so an den politischen Aktivitäten beteiligten. Schließlich wurden die Handwerker die zentralen Antriebskräfte der Revolution.[15] So stellten sie einen großen Teil der sozialen Basis in der Revolution von 1848/49.

Viele Handwerker sahen sich auch gezwungen zu handeln, da in vielen Gewerben, besonders im Baugewerbe, Holz- oder metallverarbeitenden Handwerken, welche immer sehr gut liefen, die Beschäftigungszahlen von 1846-49 zurückgingen.[16]

Hauptangriffsziele ihres Unmutes waren zum einen die staatliche Gewerbepolitik und zum anderen das Fabriksystem. Die rasante Industrialisierung und der fortschreitende Kapitalismus bereiteten ihnen Probleme, „[…] nämlich der Kampf gegen Kapital und Kapitalismus, die Ausgleichsrolle eines gewerblichen Mittelstandes zwischen Großunternehmertum und Proletariat.“[17]

Die Gewerbepolitik sah auch in den Orten die Gewerbefreiheit vor, in denen sie noch nicht gegeben war, und durch diese würde es einen ungehinderten Zugang zu allen Handwerken geben. Viele arbeitslos gewordene Gesellen, vor allem in den wenig Kapital erfordernden Berufen, machten sich lieber selbstständig, als sich in das Heer der gleichfalls häufig arbeitslosen Ungelernten einzureihen. Somit stieg die Zahl der Meister an, während die Gesellenzahl sank.[18] Oder wichtig war es auch, dass Handwerker nicht mehr die Handwerksarbeiten von anderen Zweigen mit übernehmen können oder deren Gesellen bei sich beschäftigen. Die Fabriken waren die vernichtende Konkurrenz der Handwerker geworden, einerseits durch ihre Massenproduktion, andererseits durch die dort eingeführten Niedriglöhne. Den Handwerkern machen so zum einen die industrielle und die innergewerbliche Konkurrenz zu schaffen. Deshalb muss diese deutlich geschmälert werden.

So forderten sie allgemeine verbesserte Arbeitsbedingungen, wie zum Beispiel den Mindestlohn, die Verkürzung der Arbeitszeit und so weiter. Ebenso wurde mehr Lohn verlangt. Dies galt auch für Meister, die in Fabriken oder Großgewerben angestellt waren, da „[…] verarmte Meister und arbeitslose Gesellen verließen das Handwerk und wurden zu Industriearbeitern […]“[19]. Zudem wollten sie keine Überstunden und Sonntagsarbeit, es sei denn, diese würde entsprechend entlohnt werden.

[...]


[1] Vgl. LENGER, Friedrich: Sozialgeschichte der deutschen Handwerker seit 1800, Frankfurt am Main 1988, S.36-39.

[2] Vgl. BERGMANN, Jürgen: Wirtschaftskrise und Revolution. Handwerker und Arbeiter 1848/49, Stuttgart 1986.

[3] Vgl. Bernlocher, Ludwig: Geschichte und Geschehen. Sachsen Band 4, Leipzig 1998, S.644-645.

[4] Vgl. LENGER, Friedrich: Sozialgeschichte der deutschen Handwerker seit 1800, S.49.

[5] Vgl. PIERENKEMPER, Toni: Gewerbe und Industrie im 19. und 20. Jahrhundert, in: Gall, Lothar [u.a.] (Hrsg.): Enzyklopädie deutscher Geschichte (Bd. 29), München 1994, S. 13.

[6] BERGMANN: Wirtschaftskrise und Revolution, S. 23-26, 65-67.

[7] Vgl. LENGER: Sozialgeschichte der deutschen Handwerker seit 1800, S.69-70.

[8] Proletariat: wirtschaftlich, unselbstständige, besitzlose Klasse. In: Drosdowski, Günther (Hrsg.) [u.a.]: Der Duden- Das Standardwerk zur deutschen Sprache, Mannheim 1996), S.589.

[9] Vgl. LENGER: Sozialgeschichte der deutschen Handwerker seit 1800, S.70.

[10] BERGMANN: Wirtschaftskrise und Revolution, S. 95.

[11] PIERENKEMPER, Toni: Gewerbe und Industrie im 19. und 20. Jahrhundert, S.8.

[12] BLEIBER, Helmut [u.a.] (Hrsg.): Demokratie und Arbeiterbewegung in der deutschen Revolution von 1848/49, Berlin 2002, S. 58.

[13] Vgl. SCHMIDT, Walter [u.a.]: Illustrierte Geschichte der deutschen Revolution 1848/49, Berlin 1988, S. 43.

[14] Vgl. BERGMANN: Wirtschaftskrise und Revolution, S.88.

[15] Vgl. LENGER: Sozialgeschichte der deutschen Handwerker seit 1800, S.68-69.

[16] Vgl. LENGER: Sozialgeschichte der deutschen Handwerker seit 1800, S.68-69.

[17] MEUSCH: Die Handwerkerbewegung von 1848/49, S. 103.

[18] Vgl. LENGER: Sozialgeschichte der deutschen Handwerker seit 1800, S.68-69.

[19] MÜLLER, Frank Lorenz: Die Revolution von 1848/49, Darmstadt 2006, S.25.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640924851
ISBN (Buch)
9783640924592
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172560
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
forderungen handwerker umsetzung revolution

Autor

Zurück

Titel: Die Forderungen der Handwerker und deren Umsetzung in der Revolution von 1848/49