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Herzog Ernst – Die Entwicklung des Herzog Ernst während seiner Orientreise

Seminararbeit 2008 15 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbemerkungen
2.1 Literarische Einordnung
2.2 Inhalt

3. Die Entwicklung des Herzog Ernst
3.1 Grippia
3.2 Der Magnetberg und die Flucht von ihm
3.3 Die Arimaspi
3.4 Die Pygmäen
3.5 Die Riesen
3.6 Das Mohrenland und Jerusalem

4. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Herzog Ernst macht durchläuft durch seine Orientreise eine Entwicklungsphase. Sie ist ein wichtiger Bestandteil, da sich fast 3700 von knapp 6000 Versen mit dem Orientteil beschäftigen. Im Folgenden beschäftigt sich die Arbeit mit Ernst Orientreise.

Ernst fällt durch sein Zerwürfnis mit Kaiser Otto I. und dem Verlust seiner Huld von seiner ursprünglichen Position. Die Orientreise fordert Ernst in verschiedenen Rollen, die er in seinem Herzogtum in seiner Position als Herzog vereinen musste. Daher ist es wichtig die einzelnen Stationen seiner Reise zu durchleuchten.

Den Beginn der Seminararbeit bilden die Vorbemerkungen. Zuerst wird die Geschichte des Herzog Ernsts literarisch eingeordnet, um zu erfahren zu welcher Gattung sie gehört. Eine kurze Inhaltsangabe folgt auf die Einordnung. Diese soll einen Überblick über die gesamte Geschichte schaffen, da in der Arbeit nur den Orientteil als Binnenerzählung behandelt und die Rahmenerzählung der Erzählung außen vor lässt.

Der Hauptteil der Seminararbeit beschäftigt sich mit der eigentlichen Reise des Herzog Ernsts. Hier werden die einzelnen Stationen seiner Reise behandelt und auf ihren Bezug zur Entwicklung von Ernst untersucht. Der Fokus richtet sich besonders auf den Besuch in der Stadt Grippia, da sie auch im Buch den Großteil der Orientreise ausmacht.

Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick die Position des Herzog Ernst gegeben.

2. Vorbemerkungen

2.1 Literarische Einordnung

Die Geschichte des Herzog Ernst wird in der Forschung der Gattung der Spielmannsepik bzw. Spielmannsdichtung zugeordnet. Unter dem Begriff der Spielmannsdichtung versteht man eine Gruppe von Versepen des 12. und 13. Jahrhunderts.[1] Sie unterscheiden sich beispielsweise durch Anonymität, stilistische und erzähltechnische Sorglosigkeit von den höfischen Romanen.

Denkbar ist, dass der Ursprung der Geschichte in dem Aufstand von Luidolf, dem ältesten Sohn Ottos des großen, gegen seinen Vater aus zweiter Ehe mit seiner Mutter liegt. Die Erfahrungen die Herzog Ernst im Orient macht haben ihre Quellen in der im Mittelalter aus der Antike übernommenen ethnographisch-teratologischen Tradition.[2]

Des Weiteren ist Herzog Ernst in mehreren Handschriften überliefert. Die Überlieferungen des Textes, die teils in deutscher (A, B, D, F, G, Kl) und teils in lateinischer Schrift (C, E, Erf.) überliefert sind. Die in dieser Arbeit behandelte Fassung B stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist in zwei Handschriften und einem Fragment überliefert.[3]

2.2 Inhalt

Im Spielmannsepos Herzog Ernst geht es um das unverschuldete Fallen in Ungnade von Ernst und sein Bemühen sich mit seinem Stiefvater, dem Kaiser Otto I., wieder zu versöhnen.

Nachdem der Vater das Herzog Ernst gestorben ist, heiratet seine Mutter Adelheid Kaiser Otto I. Herzog Ernst und sein Stiervater genießen ein enges, respektvolles Verhältnis und Kaiser Otto vermachte ihm großen Besitz. Der Pfalzgraf Heinrich zerstört das Verhältnis der beiden durch üble Verleumdung und Herzog Ernst fällt beim Kaiser in Ungnade. Um dies zu rächen stürzt Herzog Ernst in die Kammer des Kaisers, wo er und der Verräter gemeinsam sitzen. Ernst tötet Heinrich, aber Otto kann entkommen. Nach einem langen und erbitterten Kampf zwischen Ernst und Otto, in dem viele Menschen sterben, entscheidet sich Ernst mit seinen getreuen Gefolgsleuten eine Kreuzfahrt in das Heilige Land zu unternehmen, um seine Huld bei Kaiser Otto wiederzuerlangen. Während ihrer Seefahrt geraten sie in einen Sturm, der sie vom Kurs abbringt. Dadurch gelangen sie in den Orient, in dem sie vielen wundersamen Völkern begegnen und viele Abenteuer bestreiten müssen. Im Anschluss kämpfen sie in Jerusalem gegen die Heiden und kehrt nach Hause zurück. Dort versöhnt er sich mit Kaiser Otto, erlangt von ihm die Huld und sein Herzogtum zurück.

3. Die Entwicklung des Herzog Ernst

3.1 Grippia

Nachdem sich der Sturm, den Herzog Ernst und seine Leute auf ihren Weg ins Heilige Land durch fuhren und der sie vom rechten Weg abgebracht hatte, durchführen hatten, erreichen sie die Stadt Grippia.

Herzog Ernst und seine Leute besitzen durch die Lange Fahrt kaum noch Lebensmittel und wollen daher in Grippia versuchen Lebensmittel von den Einwohnern zu kaufen:

nu wir dise burc hân vunden

sô wünnerlîch erbûwen,

sô wil ich des wol getrûwen,

sie habe liute dies bewarn.

daz sulen wir hiute ervarn,

ob sie heiden sîn od cristen,

unde handeln mit listen,

daz sie unds spîse ze koufe geben. (V 2268 ff)

Die Männer sind durch ihre beschwerliche Reise geschwächt und von Hunger geplagt. Ihr letzter Ausweg ist es in Grippia Waren zu erwerben. Trotz ihrer Notlage vergessen sie nicht auf ihre eigene Sicherheit zu achten und legen ihre Rüstungen an, da sie nicht ahnen können, was sie in der fremden Stadt erwartet. (vgl. 2292 ff). Es ist höchste Vorsicht beim Betreten der Stadt geboten, was ich im Verhalten von Herzog Ernst und seinem Gefolge zeigt.

Entgegen der Erwartungen jedoch treffen sie in Grippia auf keinen einzigen Einwohner.[4] Das Einzige, was sie finden ist eine reich gedeckte Tafel, an der sie ihren Hunger stillen und sich mit Vorräten eindecken. Hier bleibt Herzog Ernst seinem eigentlichen Ziel, dem Kampf für Gott treu und hält seine Männer an nur das Nötigste mitzunehmen, das wertvolle Geschirr und die Tischdekoration unberührt zu lassen:

„da wir vunden unde mugen nehmen.

swaz uns spîse mac gezemen

die mugen wir âne sünde hân.

daz ander sult ir ligen lân.

got will uns lîhte versuochen. (V 2410 ff)

Sie sollen sich zwar zu genüge eindecken mit Nahrung, sich jedoch nicht ihrer eigenen Gier hingeben und den Einwohnern von Grippia ihre Reichtümer klauen. Laut Ernst ist die Tatsache, dass Gott ihm und seinen Männern ein so reiches Mahl bereitet hat das größte Geschenk, mit dem sie sich zufrieden geben sollen und nicht weiterer Dinge begehren sollen (vgl. 2400 ff und 2416 ff).

[...]


[1] Behr, Hans-Joachim: Spielmannsdichtung. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hg. von Klaus Weimar. 2. Auflage, Band 3, Berlin 2000, S. 474

[2] Behr, Hans- Joachim / Szklenar, Hans: Herzog Ernst. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Hg. von Kurt Ruh u. a., Berlin/New York 1981, Sp. 1170 f

[3] Kiening, Christian: Herzog Ernst. In: Killy Literaturlexikon : Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums. Hg. von Wilhelm Kühlmann, Band 6, Berlin, S. 270

[4] Classen, Albrecht: Medieval travel into an Exotic Orient: The Spielmannsepos 'Herzog Ernst' as a travel into the Medieval Subconsciousness. In: Lesarten. Hg. von Alexander Schwarz, 1990, S. 109

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640929955
ISBN (Buch)
9783640930005
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172921
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
Schlagworte
Herzog Ernst Orientreise Orient Grippia Pygmäen Magnetberg

Autor

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Titel: Herzog Ernst – Die Entwicklung des Herzog Ernst während seiner Orientreise